Zionslager

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Die Ämter des Priestertums werden offenbart

Die Mormonenkirche wuchs, und der Prophet Joseph Smith empfing weitere Offenbarungen über die Ämter des Priestertums. Auf die Weisung des Herrn hin organisierte er die Erste Präsidentschaft, die aus ihm selbst als Präsidenten sowie Sidney Rigdon und Frederick G.Williams als Ratgebern bestand. Der Prophet organisierte auch den Rat der Zwölf Apostel sowie das Erste Siebzigerkollegium. Er berief und ordinierte Bischöfe und ihre Ratgeber, Hohe Priester, Patriarchen, Hohe Räte, Siebziger und Älteste, und er gründete die ersten Pfähle der Kirche.

Die neugetauften Mormonen, die noch keine Erfahrungen in der Mormonenkirche gesammelt hatten, fühlten sich häufig durch die Berufung zu einem Amt überfordert. Zum Beispiel wurde Newel K.Whitney im Dezember 1831 zum zweiten Bischof der Kirche berufen. Er sollte in Kirtland dienen, während Edward Partridge Bischof für die Mormonen in Missouri wurde. Der Prophet versicherte ihm zwar, daß er vom Herrn durch Offenbarung berufen worden war, aber Newel konnte nicht glauben, daß er den Anforderungen dieses Amtes gewachsen sei. Da sagte ihm der Prophet: „Dann frag den Vater selbst.“ Newel kniete nieder und brachte sein Anliegen demütig vor den Herrn. Da vernahm er eine himmlische Stimme, die sagte: „Deine Stärke liegt in mir” (Orson F.Whitney, „Newel K.Whitney“, 126). Er nahm die Berufung an und diente 18 Jahre als Bischof.

Die Kirchenführer werden im Zionslager geschult

Die Kirche brauchte Priestertumsführer, die geprüft, erfahren und treu waren und die dem Herrn und seinem Propheten unter allen Umständen treu blieben. Der Marsch des Zionslagers war eine Gelegenheit, unter schwierigen Umständen zu beweisen, daß man gehorsam war. Außerdem wurden die Teilnehmer vom Propheten Joseph Smith geschult.

Das Zionslager wurde gegründet, um den Mormonen in Missouri zu helfen, die wegen ihres Glaubens schwer verfolgt wurden. Viele waren aus ihren Häusern vertrieben worden. Am 24. Februar 1834 offenbarte der Herr Joseph Smith, daß eine Gruppe von Männern zusammengestellt werden solle, die von Kirtland nach Missouri ziehen und den Heiligen dort helfen solle, ihr Land zurückzubekommen (siehe LuB 103). Der Herr verhieß, daß seine Gegenwart mit ihnen ziehen werde und daß durch ihren „Fleiß, ihre Treue und die Gebete des Glaubens“ „aller Sieg und Herrlichkeit“ hervorgebracht werden würde (LuB 103:36)). Die Mehrheit derer, die dem ersten Rat der Zwölf Apostel und dem Siebzigerkollegium angehörten, wurden durch die Teilnahme am Zionslager auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet.

Das Zionslager wurde am 6. Mai 1834 in New Portage, Ohio, offiziell gegründet. Ihm gehörten 207 Männer, 11 Frauen und 11 Kinder an, die Joseph Smith in Gruppen zu zehn und fünfzig einteilte. Jede Gruppe wurde angewiesen, sich einen Hauptmann zu wählen. Ein Mitglied des Lagers, Joseph Holbrook, sagte, daß das Lager auf die „Weise der alten Ordnung Israels“ organisiert war (Joseph Holbrook, zitiert in James L. Bradley, Zion’s Camp 1834: Prelude to the Civil War (1990), 33). In 45 Tagen marschierte das Lager über 1500 Kilometer weit in den Kreis Clay in Missouri. Sie reisten unter schwierigen Bedingungen und versuchten, so schnell wie möglich voranzukommen. Es war nicht einfach, genug zu essen zu bekommen.

Oft hatten die Teilnehmer nur trockenes Brot, ranzige Butter, Maismehlbrei, wilden Honig, rohes Schweinefleisch, fauliges Rindfleisch und madigen Schinken und Käse zu essen. George A. Smith, der später Apostel wurde, schrieb, daß er ständig Hunger hatte: „Ich war so erschöpft, hungrig und müde, daß ich während des Laufens von einem schönen Fluß träumte, und bei dem Fluß stand ein schattiger Baum, und nahe bei der Quelle lagen ein schöner Laib Brot und eine Kanne mit Milch auf einem Tuch” (George Albert Smith, „History of George Albert Smith, 1834–1871“, 17; in LDS Church Archives).

Im Lager wurde sehr großen Wert auf die geistige Gesinnung und auf das Halten der Gebote gelegt. Die Heiligen hielten sonntags die Versammlungen ab und nahmen das Abendmahl. Der Prophet unterwies die Teilnehmer in den Lehren des Gottesreichs. Er sagte: „Gott war mit uns, und seine Engel gingen uns voraus, und der Glaube unserer kleinen Gemeinschaft war unerschütterlich. Wir wußten, daß Engel uns begleiteten, denn wir haben sie gesehen” (History of the Church, 2:37).

Die Probleme, mit denen das Lager zu kämpfen hatte, forderten ihren Tribut. Dieser Läuterungsprozeß ließ erkennen, wer nörgelte und ungehorsam war und wer Joseph wegen der Schwierigkeiten oft Vorwürfe machte. Am 17. Mai ermahnte der Prophet diejenigen, die einem rebellischen Geist hatten, daß sie sich „vor dem Herrn demütigen und einig sein sollten, damit sie nicht geschlagen würden (History of the Church, 2:68).

Am 18. Juni erreichte das Lager den Kreis Clay in Missouri. Der Gouverneur von Missouri, Daniel Dunklin, brach sein Versprechen, daß er der Mormonenarmee helfen würde, den Mitgliedern der Kirche, die aus ihren Häusern vertrieben worden waren, wieder zu ihrem Recht zu verhelfen. Für einige im Lager war dieser Fehlschlag eine letzte Prüfung ihres Glaubens. Enttäuscht und verärgert begannen sie, offen zu rebellieren. Der Prophet warnte sie davor, daß der Herr eine verheerende Geißel über sie kommen lassen werde. Kurz darauf breitete sich im Lager eine schlimme Choleraepedemie aus. Ein Drittel der Leute im Lager, auch Joseph Smith, wurde von der Krankheit befallen. 14 Personen starben. Am 2. Juli ermahnte Joseph das Lager erneut, sich vor dem Herrn zu demütigen und den Bund auf sich zu nehmen, die Gebote des Herrn zu halten. Joseph sagte, daß die Menschen, wenn sie gehorsam wären, sofort genesen würden. Die Mitglieder nahmen den Bund auf sich, indem sie die Hände erhoben, und die Epedemie war zu Ende.

Anfang Juli wurden die Mitglieder des Lagers vom Propheten ehrenhaft entlassen. Durch die Reise war erkennbar geworden, wer auf der Seite des Herrn stand und würdig war, in Führungspositionen zu dienen. Später sagte der Prophet über den Ausgang des Marsches: „Gott wollte nicht, daß ihr kämpft. Er kann sein Reich nur mit zwölf solchen Männern organisieren, die den Ländern die Tür des Evangeliums auftun sollen und mit siebzig solchen Männern, die in ihren Spuren folgen, die aus einer Gruppe von Leuten kommen, die bereitwillig ihr Leben gegeben hätten und die ein Opfer wie das des Abraham gebracht haben” (Joseph Young sen., History of the Organization of the Seventies (1878), 14).

Wilford Woodruff, der am Lager teilgenommen hatte und der vierte Präsident der Kirche wurde, sagte: „Wir haben eine Erfahrung durchlebt, die uns auf keine andere Weise zuteil geworden wäre. Wir durften das Angesicht des Propheten sehen, und wir durften tausend Meilen mit ihm reisen und sehen, wie der Geist Gottes auf ihn einwirkt, und sehen, wie sich die Offenbarungen Jesu Christi, die er empfing, erfüllten (Wilford Woodruff, Deseret News, 22. Dez. 1869, 543). Fünf Monate nachdem das Zionslager aufgelöst worden war, wurden im Februar 1835 das Kollegium der Zwölf Apostel und das Siebzigerkollegium organisiert. Von den 82 Positionen, die in den beiden Kollegien zu besetzen waren, wurden 79 mit Männern besetzt, die sich auf dem Marsch des Zionslagers bewährt hatten.

In Kirtland schulte Joseph Smith die zukünftigen Führer auch weiterhin. Vier Männer, die später Präsident der Kirche wurden – Brigham Young, John Taylor, Wilford Woodruff und Lorenzo Snow – ließen sich während dieser Zeit taufen und führten später die Kirche in ununterbrochener Folge bis 1901. Die nächsten drei Präsidenten der Kirche – Joseph F. Smith, Heber J. Grant und George Albert Smith, der die Kirche bis 1951 führte – waren direkte Nachkommen der standhaften Pioniere in Kirtland.

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