Winter Quarters

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Winter Quarters Mormon
Blick über den Missouri River nach Winter Quarters, Nebraska, wo Mormonenflüchtlinge 1846 überwinterten — © 2002 Brigham Young University

Auf der anderen Seite des Missouri und ein Stück oberhalb von Council Bluffs wurde ein Gebiet für das vierte bleibende Lager ausgewählt; es erhielt den Namen „Winter Quarters” (= Winterquartier). Heute steht an der Stelle der Ort Florence/Nebraska, etwa sechs Meilen von der heutigen Stadt Omaha entfernt. Vor Einbruch des Winters baute man noch 538 Blockhäuser und 83 Hütten aus Rasenziegeln, worin man ungefähr 3000 Menschen unterbringen konnte. Im Frühjahr hatten sich diese Zahlen verdoppelt. Die Häuser hatten gewöhnlich ein einziges Zimmer im Ausmaß von 12 mal 18 Fuß (= etwa 4 mal 6 Meter), Fußboden und Dach aus Rasenziegeln sowie einen festen Schornstein. Man schnitt Tausende Tonnen Präriegras mit Sensen, bereitete Heu und stapelte es für den Winter auf, während das Fleisch des erlegten Wildes eingesalzen oder getrocknet wurde. Entlang der Flussniederung sammelte man mehrere hundert Scheffel wilde Beeren, die auf mancherlei Weise für den Winter konserviert wurden. Erkundungstrupps schwärmten in verschiedene Richtungen aus, um den besten Weg für den Weitermarsch im Frühjahr zu finden. Sonderkommandos begaben sich nach St. Louis, um die Notwendigkeiten zu beschaffen, die in der Prärie nicht zu haben waren. Man entlud Wagen und sandte sie den gleichen Weg zurück, um den nachkommenden Gruppen zu helfen. Knaben bekamen den Auftrag, für die Rinder- und Schafherden zu sorgen.

Das Vieh musste den Missouri schwimmend überqueren, um nach Winter Quarters zu kommen; das war ein fesselndes Schauspiel. John R. Young beschrieb es:

„Ich war noch ein Knabe, und das übersetzen des Viehs war für mich ein spannendes Ereignis. Ganz früh am Morgen, damit die Sonne den Tieren nicht in die Augen schien, brachte man eine Bootsladung Vieh auf die andere Seite und hielt die Tiere dort fest. Dann trieb man eine tausendköpfige Herde ein Stückchen flußaufwärts und dort mit Gewalt in das Wasser hinein. Einige jungen, die gut schwimmen konnten, setzten sich auf starke Ochsen und lenkten sie mit Schlägen an die Backen in die Strömung. Bald hatten wir eine Kette schwimmender Tiere von einem Ufer zum anderen. Das war natürlich sehr lustig und aufregend, erforderte aber viel Mut und Geschick.” [1]

Die Stadt Winter Quarters wurde in 13 Bezirke eingeteilt. Über jeden davon wurde eine Bischofschaft aus drei Männern gesetzt. Diese hatte den Auftrag, sich um die materielle und körperliche Wohlfahrt ihrer Leute zu kümmern, die Gemeinschaftsarbeiten zu beaufsichtigen und für die sanitären Einrichtungen zu sorgen. Die Anzahl der Bezirke wurde später auf 22 erhöht. Es wurden auch Hohe Räte für Winter Quarters ausgewählt, ebenso für die anderen bleibenden Lager.

Während des Winters hielt man Unterricht, und die meisten jungen Leute hatten eine Möglichkeit, sich einiges Wissen anzueignen. Auch einen improvisierten Postdienst hatte man eingerichtet. Viele Männer waren mit den Vorauskompanien als Fahrer mitgezogen und hatten ihre Familie zurückgelassen. Wenn sich jemand nun aufmachte, um seine Familie von Nauvoo zu holen, gab man ihm Briefe mit, die an Empfänger in den Lagern unterwegs oder in Nauvoo gerichtet waren. Kam er dann wieder, so brachte er aus Nauvoo Post für das Hauptquartier des Lagers Israel mit. Willard Richards fungierte als Generalpostmeister für die ankommende und abgehende Post. Auf diese Weise erlangte man Informationen über die Freunde in Nauvoo, ihre täglichen Gebete für das Lager Israel und schließlich über die tragischen Ereignisse, die im Herbst in Nauvoo eintraten.

Friedhof von Winter Quarters

Es gab im Friedhof außerhalb von Winter Quarters 300 frische Grabhügel [2]. Von dem langen Marsch erschöpft und als Folge des Mangels an Gemüse fielen die Leute der Malaria, dem Skorbut und anderen damals wenig bekannten Krankheiten zum Opfer. Besonders schlimm wütete der Skorbut unter ihnen, von den Heiligen „Blackleg” (= schwarzes Bein) genannt; die meisten Todesfälle gingen auf ihn zurück. Als diese Mangelkrankheit überhandnahm, sandte man Wagen nach Missouri und brachte Kartoffeln herbei; denn damit konnte man die Krankheit eindämmen und heilen. In einiger Entfernung vom Lager gab es ein aufgelassenes Fort; dort wuchs noch Meerrettich, und auch dieser erwies sich als ausgezeichnetes Mittel gegen den Skorbut. Die Krankheit konnte während des Winters gänzlich zum Verschwinden gebracht werden, hatte aber zuvor in fast jeder Familie ihre Opfer gefordert.

Quellenangaben

  1. Memoirs of John R. Young, 1847, S. 26-27
  2. Kane, The Alormons, zitiert in Tyler, The Mormon Battalion, S. 94. Siehe auch Roberts, Comprehensive History of the Church, III, S. 151
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