Wilford Woodruff

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Wilford Woodruff war der vierte Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Er war bekannt für seine Missionsarbeit, die Gründung der genealogischen Gesellschaft und für das Manifest, das die Vielehe innerhalb der Kirche offiziell verbietet.
Wilford Woodruff, 1807-1898
Wilford Woodruff, 1807-1898

Inhaltsverzeichnis

Wilford Woodruffs Kindheit und Jugend

Wilford Woodruff wurde am 1. März 1807, in Farmington in Connecticut geboren. Er wuchs weitgehend wie andere Jungen seiner Zeit auf. Er ging zur Schule und arbeitete zu Hause auf der Farm. Außerdem arbeitete er schon als kleiner Junge in der Sägemühle seines Vaters mit und sammelte Erfahrungen, die ihm zugute kamen, als er später als Erwachsener selbst eine Mühle betrieb. Er liebte seine Familie und hatte große Achtung vor seinen Eltern. Voll Bewunderung und Dankbarkeit beschrieb er seinen Vater als einen starken Mann, der immer „viel arbeitete“ und „voll Nächstenliebe, ehrlich, redlich und aufrichtig war“. Er erzählte auch, dass die Evangeliumsunterweisungen seiner Stiefmutter dazu beitrugen, dass er die wahre Kirche des Herrn suchte. Selbst als er schon älter war, waren viele seiner größten Freuden mit seinen Eltern und Geschwistern verbunden. Er schloss sich am gleichen Tag wie sein Bruder Azmon der Kirche an. Seine Freude war groß, als er seinen Vater, seine Stiefmutter und alle, die zu ihrem Haushalt gehörten, unterweisen und taufen konnte. Später sorgte er dafür, dass die Tempelarbeit für seine Mutter getan wurde – ein Vorzug, den er als ausreichenden Lohn für alle Mühen seines Lebens empfand.

Der Schutz und die Barmherzigkeit Gottes

Wenn Wilford Woodruff auf seine Kindheit und Jugend zurückblickte, erkannte er die Hand des Herrn, die ihn viele Male vor dem Tod bewahrt hatte. Mit 41 Jahren fasste er einmal zusammen, was ihm alles an Missgeschicken widerfahren war, und brachte seine Dankbarkeit für die schützende Hand des Herrn zum Ausdruck.

„Ich habe mir beide Beine gebrochen, eines an zwei Stellen, beide Arme, das Brustbein und drei Rippen, und beide Knöchel waren ausgerenkt. Ich bin fast ertrunken und fast erfroren, habe mich verbrüht und bin von einem wilden Hund gebissen worden, zweimal hat mich die Strömung unters Wasserrad gerissen, ich habe mehrere schwere Krankheiten überlebt und habe Gift in seiner schlimmsten Form kennen gelernt, ich bin auf einem Stapel kaputter Eisenbahnschienen gelandet, nur knapp von Kugeln verfehlt worden und unzählige Male nur um Haaresbreite entkommen. Für mich ist es ein Wunder, dass trotz all meiner Verletzungen und Brüche noch alle Glieder gesund sind, dass es mir möglich war, die härteste Arbeit, Entbehrungen und mühsame Reisen durchzustehen, auf denen ich oft vierzig, fünfzig und einmal sogar sechzig Meilen am Tag zurückgelegt habe. Ich habe den Schutz und die Barmherzigkeit Gottes erlebt und mein Leben ist bis heute bewahrt worden. Für diesen Segen schulde ich meinem himmlischen Vater von ganzem Herzen Dank, und ich bete, dass ich meine übrigen Tage in seinem Dienst und für den Aufbau seines Reiches verbringen kann.

Die wahre Kirche des Herrn gesucht und gefunden

Schon in seiner Jugend wünschte sich Wilford Woodruff, dem Herrn zu dienen und von ihm zu lernen. Er sagte: „Ich beschäftigte mich schon sehr früh mit religiösen Themen.“ Er schloss sich jedoch keiner Kirche an. Jahre später erzählte Präsident Wilford Woodruff oft von seiner Suche nach der Wahrheit, weil er glaubte, dass andere Heilige der Letzten Tage von seinen Erfahrungen profitieren konnten. Er berichtete: „Ich konnte keine Religionsgemeinschaft finden, deren Lehren, Glauben und Bräuche mit dem Evangelium Jesu Christi oder mit den heiligen Handlungen und Gaben, die die Apostel gelehrt hatten, übereinstimmten. Ich glaubte, dass die Kirche Gottes erneut auf der Erde gegründet werden sollte und ich es noch erleben würde. Diese Grundsätze hatten sich mir fest eingeprägt, nachdem ich mich ausführlich mit dem Alten und Neuen Testament befasst und innig zum Herrn gebetet hatte, er möge mir zeigen, was richtig und was falsch sei, er möge mich auf den Weg der Erlösung führen, ungeachtet der Meinungen der Menschen. „Als junger Mann betete ich Tag und Nacht, dass ich es einmal erleben würde, einen Propheten zu sehen. Ich wäre tausend Meilen gegangen, um einen Propheten zu sehen oder einen Mann, der mich das lehrte, was ich in der Bibel las. Ich konnte mich keiner Kirche anschließen, weil ich damals keine Kirche fand, die diese Grundsätze vertrat.

Wilford Woodruffs Suche endete, als er 26 Jahre alt war. Am 29. Dezember 1833 hörte er eine Predigt von Elder Zera Pulsipher, einem Missionar der Kirche Wilford Woodruff lud Elder Pulsipher und seinen Mitarbeiter, Elijah Cheney, ein, im Haus der Woodruffs zu wohnen. Zwei Tage später ließ sich Bruder Woodruff, nachdem er einige Zeit damit verbracht hatte, das Buch Mormon zu lesen und sich mit den Missionaren zu unterhalten, taufen und wurde als Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage konfirmiert. Von da an änderte sich sein Leben. Nachdem er die Wahrheit gefunden hatte, setzte er alles daran, sie anderen zu verkünden.

Der Wunsch, hinauszugehen und das Evangelium zu predigen

Gegen Ende des Jahres 1834 wurde er als Missionar in den Südosten der Vereinigten Staaten berufen. Als Wilford Woodruff seine erste Mission begann, war er gerade erst zum Priester im Aaronischen Priestertum ordiniert worden. Sein Mitarbeiter, der bald den Mut verloren hatte, kehrte nach Kirtland zurück. Wilford Woodruff betete um Hilfe und setzte seine Missionsarbeit fort, wobei er Sümpfe und Feuchtgebiete durchquerte. Schließlich kam er „erschöpft und hungrig“ in Memphis, Tennessee, an. Gleich bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm bot, sprach er zu vielen Zuhörern.

Er berichtete: „Ich suchte das beste Gasthaus der Stadt auf, das ein Mr. Josiah Jackson führte. Ich sagte ihm, ich sei fremd hier und hätte kein Geld. Ich fragte ihn, ob ich bei ihm übernachten könne. Er fragte mich nach meinem Beruf. Ich sagte ihm, ich sei ein Prediger und verkünde das Evangelium. Da lachte er und sagte, ich sähe nicht gerade wie ein Prediger aus. Der Gastwirt versprach sich einen Spaß und sagte mir deshalb, ich könne bleiben, wenn ich predigte. Ich setzte mich also in einen großen Raum und aß dort zu Abend. Noch ehe ich damit fertig war, füllte sich der Raum allmählich mit einigen der reichsten und vornehmsten Leute aus Memphis, die in feinen Wollstoff und Seide gekleidet waren. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie ich selbst aussah, nachdem ich durch den Schlamm gewandert war. Als ich zu Ende gegessen hatte, trug man den Tisch aus dem Zimmer, über die Köpfe der Menschen hinweg. Insgesamt waren etwa fünfhundert Personen gekommen, nicht, um eine Predigt zu hören, sondern um sich zu amüsieren. ... Wie würde euch diese Lage gefallen – auf eurer ersten Mission, ohne einen Mitarbeiter oder Freund, aufgefordert zu werden, vor solch einem Publikum zu sprechen? Ich verbrachte eine der angenehmsten Stunden meines Lebens dort, obwohl ich gern jemand bei mir gehabt hätte. Ich las ein Lied aus dem Gesangbuch vor und bat sie zu singen. Kein Einziger fing an zu singen. Ich sagte ihnen, ich könne nicht gut singen, aber mit der Hilfe des Herrn würde ich beten und predigen. Ich kniete mich zum Gebet nieder und die Männer, die um mich standen, knieten sich ebenfalls hin. Ich bat den Herrn, mir seinen Geist zu geben und mir das Herz der Menschen zu offenbaren. Ich versprach dem Herrn im Gebet, dass ich den Versammelten verkünden würde, was auch immer er mir eingeben mochte. Dann erhob ich mich und sprach eineinhalb Stunden lang. Es war eine der besten Predigten meines Lebens.

Ich sah das Leben meiner Zuhörer im Geist vor mir und erzählte ihnen von ihren schlechten Taten und dem Lohn, der sie erwartete. Die Männer, die um mich herum standen, ließen den Kopf sinken. Drei Minuten nachdem ich geendet hatte, war ich der Einzige im Raum.

Bald darauf brachte man mich in meinen Schlafraum, der neben einem größeren Zimmer lag, in dem viele der Männer zusammensaßen, denen ich gepredigt hatte. Ich konnte ihr Gespräch hören. Ein Mann sagte, er würde gern wissen, woher der Mormonenjunge von ihrer Vergangenheit wusste. Nach einer Weile stritten sie über einen Punkt der Lehre. Einer schlug vor, mich rufen zu lassen, damit ich den Punkt klarstellte. Der Gastwirt sagte: ‚Nein, für heute haben wir genug.‘ Am Morgen bekam ich ein gutes Frühstück. Der Gastwirt sagte, wenn ich einmal wieder in der Nähe sei, solle ich bei ihm vorbeikommen und könne so lange bleiben, wie ich wollte.„

Im November 1836 beendete Wilford Woodruff seine Mission im Südosten der Vereinigten Staaten. In den Jahren 1835 und 1836, so berichtete er in seinem Tagebuch, war er 9805 Meilen weit gereist, hatte 323 Versammlungen abgehalten, 4 Zweige der Kirche gegründet, 70 Menschen getauft und 62 konfirmiert, 11 Brüder zum Priestertum ordiniert und 4 Menschen durch Händeauflegen geheilt. Außerdem wurde er sechsmal aus der Hand des Pöbels befreit.21 Im Juni 1835 wurde er zum Ältesten ordiniert und im Mai 1836 zum Siebziger.

Zurück in Kirtland, wo inzwischen viele Mitglieder abtrünnig geworden sind, wurde er ins Erste Kollegium der Siebziger berufen und fuhr in dieser Berufung fort, von der Wahrheit Zeugnis zu geben. Er reiste zu verschiedenen Konferenzen in der Gegend. Nach einem knappen Jahr in Kirtland, folgte er der Eingebung, eine Vollzeitmission auf den Fox Islands zu erfüllen, die vor der Küste Maines lagen. Er sagte: „Der Geist Gottes sagte zu mir: ‚Wähle dir einen Partner aus und reise direkt zu den Fox Islands.‘ Über die Fox Islands wusste ich nicht mehr als über Kolob. Aber der Herr sagte mir, ich solle gehen, also ging ich. Ich wählte Jonathan H. Hale aus, und er ging mit mir. Wir trieben dort einige Teufel aus, predigten das Evangelium und vollbrachten einige Wunder. ... Ich ging auf die Fox Islands und leistete dort gute Arbeit.“ Als Elder Woodruff auf den Fox Islands eintraf, fand er dort ein Volk vor, „das sich nach der alten Ordnung sehnte“. Später berichtete er: „Ohne näher darauf einzugehen, sage ich nur, dass ich dort über 100 Menschen taufte.“

Weiterer Missionsdienst als Apostel des Herrn Jesus Christus

Während Elder Woodruff 1838 eine Mission auf den Fox Islands erfüllte, erhielt er eine Berufung, die seinen Missionsdienst auf sein ganzes weiteres Leben ausdehnte. „Am 9. August erhielt ich einen Brief von Thomas B. Marsh“, sagte er, „der damals der Präsident der Zwölf Apostel war. Er teilte mir mit, dass Joseph Smith, der Prophet, eine Offenbarung empfangen hatte, in der diejenigen benannt wurden, die den Platz derer einnehmen sollten, die gefallen waren: John E. Page, John Taylor, Wilford Woodruff und Willard Richards.

Präsident Marsh fuhr in seinem Brief fort: ‚Bruder Woodruff, hiermit sind Sie also bestimmt, den Platz eines der Zwölf Apostel einzunehmen. Es entspricht dem Wort des Herrn, das eben erst offenbart wurde, dass Sie rasch nach Far West kommen und sich am 26. April von den Heiligen hier verabschieden und sich in andere Gefilde jenseits des Ozeans aufmachen.‘ Die Anweisung, „sich in andere Gefilde jenseits des Ozeans aufzumachen“, bezog sich auf das Gebot des Herrn, dass die Zwölf eine Mission in Großbritannien erfüllen sollten. Bald nach seiner Ordinierung zum Apostel am 26. April 1839 reiste Elder Wilford Woodruff als einer der „besonderen Zeugen des Namens Christi in aller Welt“ (LuB 107:23) nach Großbritannien ab. Später erfüllte Elder Woodruff weitere Missionen in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien. Er wurde einer der größten Missionare in der Geschichte der Kirche.

Hilfe bei der Sammlung der Heiligen

Elder Woodruff, der eine Mission in England erfüllt hatte, kehrte nach Winter Quarters in Nebraska zurück, wo sich die meisten Mitglieder der Kirche befanden. Als er Winter Quarters verließ, half er mit, die Heiligen auf dem legendären Zug nach Westen zu führen, auf der Reise über die Prärie und die Berge der Vereinigten Staaten in ihr verheißenes Land im Salzseetal. Er gehörte zur ersten Abteilung der Pioniere und transportierte auf dem letzten Teil der Reise den erkrankten Präsidenten Brigham Young. Elder Woodruff war dabei, als Präsident Young sich von seinem Lager im Wagen erhob, über das Land blickte, das vor ihnen lag, und verkündete: „Es ist genug. Dies ist der richtige Ort. Fahrt weiter.“

Auch später unterstützte Elder Woodruff die Heiligen dabei, sich im verheißenen Land zu sammeln. Auf einer seiner Missionen verbrachte er mit seiner Familie zweieinhalb Jahre in Kanada und im Nordosten der Vereinigten Staaten und half vielen Mitgliedern der Kirche, ins Salzseetal auszuwandern. Als er mit der letzten Gruppe dieser Mitglieder unterwegs war, erlebte er etwas, das zeigt, wie empfänglich er für die Einflüsterungen des Geistes war: „Ich sah einen Dampfer, der zur Abfahrt bereit war. Ich ging zum Kapitän und fragte ihn, wie viele Passagiere er hatte. ‚Dreihundertundfünfzig.‘ ‚Könnten Sie hundert weitere mitnehmen?‘ ‚Ja.‘ Ich wollte ihm gerade sagen, dass wir an Bord gehen wollten, als der Geist zu mir sagte: ‚Geht nicht an Bord dieses Dampfers, weder du noch deine Begleiter.‘ In Ordnung, sagte ich. Ich wusste genug über die leise, sanfte Stimme. Ich ging nicht an Bord des Dampfers, sondern wartete bis zum nächsten Morgen. Dreißig Minuten nachdem der Dampfer abgefahren war, brach ein Feuer darauf aus. Das Rad des Dampfers wurde mit Seilen angetrieben, nicht mit Metallketten, deshalb konnten sie nicht mehr an Land steuern. Es war eine finstere Nacht, nicht eine Seele wurde gerettet. Hätte ich nicht auf diese innere Warnung gehört, wäre ich selbst an Bord gewesen mit allen meinen Begleitern.“

Tempelbau und Tempelarbeit

Immer wenn die Heiligen eine längere Zeit an einem zentralen Ort verweilten, bauten sie einen Tempel. Das war in Kirtland so, in Nauvoo und schließlich in Salt Lake City. Damit folgten sie der Offenbarung, die der Herr durch den Propheten Joseph Smith gegeben hatte, einer Offenbarung, die Elder Woodruff in seinem Tagebuch festhielt: Der Hauptzweck der Sammlung der Juden oder des Gottesvolkes war der, dass dem Herrn ein Haus gebaut werden sollte, worin er seinem Volk die Verordnungen seines Hauses und die Herrlichkeit seines Reiches offenbaren und den Menschen die Errettung darlegen konnte. Denn es gibt bestimmte Verordnungen und Grundsätze, die an einem dafür vorgesehen Ort gelehrt und vollzogen werden müssen. Zu demselben Zweck sammelt Gott sein Volk in den Letzten Tagen, damit es dem Herrn ein Haus baut, um es für die Verordnungen und das Endowment, für die Waschungen und Salbungen usw. bereitzumachen. Elder Woodruff forderte seine Glaubensgenossen häufig auf, die Segnungen in Anspruch zu nehmen, die der Tempel bietet. Er sagte: „Meiner Meinung nach ist der Tempelbau mit das Wichtigste, was der Herr von den Heiligen der Letzten Tage in der Evangeliumszeit der Fülle erwartet, damit wir in den Tempel gehen und nicht nur die Lebenden, sondern auch unsere Toten erlösen können.“ Mit dem für ihn typischen Eifer ging er mit gutem Beispiel voran und sorgte dafür, dass für tausende seiner Vorfahren die Arbeit getan wurde. Wie viele andere Propheten seiner Zeit prophezeite auch Elder Woodruff, dass eine Zeit kommen sollte, in der es überall auf der Welt Tempel gibt. Er freute sich sehr, dass er miterlebte, wie diese Prophezeiung anfing, sich zu erfüllen, als in den ersten 46 Jahren nach der Ankunft der Heiligen im Salzseetal vier Tempel in Utah gebaut und geweiht wurden, nämlich in St. George, in Logan, in Manti und in Salt Lake City. Präsident Woodruff sprach das Weihungsgebet für den Tempel in Manti und den Tempel in Salt Lake City.

Wilford Woodruffs Wirken als Präsident der Kirche

Als Präsident John Taylor am 25. Juli 1887 starb, wurde das Kollegium der Zwölf Apostel das führende Gremium der Kirche und Präsident Woodruff der präsidierende Beamte. Präsident Woodruff wurde am 7. April 1889 als Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bestätigt. Er war der vierte Präsident der Kirche in dieser Evangeliumszeit. In seinen Botschaften an die Mitglieder der Kirche gab Präsident Woodruff wiederholt Zeugnis von der Wiederherstellung des Evangeliums, wie er es schon immer getan hatte. Als Präsident der Kirche bat Präsident Woodruff die Mitglieder inständig, nach der Führung des Heiligen Geistes zu trachten und ihr zu folgen, sich an ihre Bündnisse zu halten, in der Heimat und in der Ferne das Evangelium zu predigen, in allen zeitlichen Belangen ehrlich zu sein und eifrig im Tempel zu dienen und nach ihren Vorfahren zu forschen.

Die Erklärung zur Mehrehe

Ende der Achtzigerjahre des neunzehnten Jahrhunderts übte die Kirche entsprechend dem Gebot des Herrn an den Propheten Joseph Smith weiterhin die Mehrehe aus. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte jedoch gerade Gesetze gegen die Mehrehe erlassen. Verstöße sollten hart bestraft werden, unter anderem konnte das Eigentum der Kirche konfisziert werden und die Mitglieder konnten ihre Bürgerrechte, etwa das Wahlrecht, verlieren. Diese Entwicklung schuf auch eine rechtliche Grundlage dafür, dass Heilige der Letzten Tage, die die Mehrehe ausübten, verfolgt wurden. Die Kirche legte Rechtsmittel ein, jedoch vergeblich. Das alles bereitete Präsident Woodruff große Sorgen. Er bemühte sich, den Willen des Herrn zu erfahren und empfing schließlich eine Offenbarung, in der die Heiligen der Letzten Tage aufgefordert wurden, fortan keine Mehrehe einzugehen. Dem Gebot des Herrn folgend veröffentlichte er das so genannte Manifest, eine inspirierte Erklärung, die bis heute die Grundlage des Standpunktes der Kirche zum Thema Mehrehe bildet. In dieser öffentlichen Erklärung vom 24. September 1890 erklärte er seine Absicht, sich den Gesetzen des Landes zu fügen. Außerdem bezeugte er, dass die Kirche aufgehört hatte, die Mehrehe zu lehren. Am 6. Oktober 1890 bestätigten die Mitglieder in einer Versammlung der Generalkonferenz die Erklärung des Propheten und erklärten einstimmig, dass er „kraft seiner Stellung ... befugt sei, das Manifest ... zu erlassen“.

Die Familie ist von ewiger Natur

Etwa drei Monate bevor Joseph Smith ermordet wurde, sprach der Prophet in einer Predigt, dass die Familie von ewiger Natur sei. Er sprach davon, wie notwendig es sei, dass wir an unsere Eltern gesiegelt werden und diese Siegelung durch alle Generationen fortgesetzt wird: „Das ist der Geist des Elija, dass wir nämlich unsere Toten erlösen und eine Verbindung schaffen zwischen uns und unseren Vätern, die im Himmel sind, und dass wir unsere Toten versiegeln, sodass sie in der ersten Auferstehung hervorkommen.

Am 8. April 1894. berichtete Präsident Woodruff in einer Konferenzansprache von einer Offenbarung in dieser Sache: „Als ich mich an den Herrn wandte, um zu erfahren, an wen ich gesiegelt werden sollte, .sagte der Geist Gottes zu mir: ‚Hast du keinen Vater, der dich gezeugt hat?‘ ‚Doch, natürlich.‘ ‚Warum gibst du ihm dann nicht die Ehre? Warum lässt du dich dann nicht an ihn siegeln?‘ ‚Ja‘, sagte ich, ‚das stimmt.‘ Ich wurde an meinen Vater gesiegelt und soll meinen Vater an seinen Vater siegeln lassen und so weiter. Jeder Mann, der über einen Tempel präsidiert, soll von heute an und für immer darauf achten, dass jeder Mann an seinen Vater gesiegelt wird, es sei denn, der Herr, der Allmächtige, gebiete etwas anderes. ... Das ist der Wille Gottes für sein Volk. Dann tun wir genau das, was Gott gemeint hat, als er erklärte, er werde in den Letzten Tagen den Propheten Elija senden [siehe Maleachi 3:23,24]. ... „Wir möchten, dass die Heiligen der Letzten Tage von jetzt an ihre Abstammung so weit wie möglich zurückverfolgen und sich an ihre Väter und Mütter siegeln lassen. Siegelt die Kinder an ihre Eltern und schließt die Kette so weit, wie es euch möglich ist. ... …

„Wir beten stets für dich“

Am 1. März 1897 kamen viele Mitglieder im Tabernakel in Salt Lake City zusammen, um Wilford Woodruffs 90. Geburtstag zu feiern. Dort hörten sie ein neues Lied: „Wir beten stets für dich.“ Evan Stephens hatte ein bereits bekanntes Kirchenlied umgeschrieben und mit einem neuen Text versehen, um dem geliebten Propheten seine Hochachtung zu bezeigen. Achtzehn Monate später, am 2. September 1898, starb Präsident Wilford Woodruff und schloss sich seinen Glaubensgenossen an, die ihm vorausgegangen waren.

Sein Zeugnis

„Als Jesus Christus zu den Juden kam, hat er das immerwährende Evangeliurn ge­bracht. Er war selbst vom Stamm Juda. Er kam zum Haus seines Vaters; er hat ihnen Leben und Errettung angeboten, und doch war er der unbeliebteste Mann in ganz Judäa. Die Hohenpriester, die Sadduzäer, die Sektierer seiner Zeit waren seine größten Feinde auf der Erde. Was er auch tat, es wurde einer bösen Quelle zugeschrieben. Wenn er Teufel austrieb, wurde es der Macht Beelzebubs, des Fürsten der Teufel, zugeschrieben. Als er dem Blinden die Augen auftat, sagten sie: ,Gib Gott die Ehre! Wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist.' Dieses Unbeliebtsein folgte dem Herrn Jesus Christus bis ans Kreuz, wo er den Geist aufgab. Die Bewohner Judäas glaubten nämlich, wenn sie den Messias nur ans Kreuz schlügen, wären seine Mission und sein Werk auf Erden beendet. Das war aber bloß Einbildung, genau wie bei der heutigen Generation! Als sie Jesus zum Kreuz führten und dann sein Geist den gequälten Körper verließ, hatte er immer noch die Schlüssel des Gottesreiches in all seiner Stärke, Macht und Herrlichkeit inne, ge­nau wie zu der Zeit, als er noch im Körper gewesen war. Und während dann der Körper im Grab lag, predigte Jesus von Nazareth den Geistern im Gefängnis, und als seine Mission dort beendet war, kehrte sein Geist in seinen Körper zurück. Ha­ben die Juden die Grundsätze umgebracht, die er gelehrt hat? Nein. Er hat die Bande des Todes zerrissen, hat das Grab besiegt und ist mit einem unsterblichen Körper hervorgekommen, erfüllt von Herrlichkeit und ewigem Leben, und er hatte immer noch die Mächte und Schüssel inne, die er schon zuvor besessen hatte. Er erschien einigen der heiligen Frauen und den Aposteln, ging dann zu den Nephiten auf dem amerikanischen Kontinent und von dort zu den zehn Stämmen Israels und brachte ihnen das Evangelium. Wenn sie zurückkehren, werden sie den Bericht darüber mitbringen, wie Jesus Christus in seinem unsterblichen Körper hei ihnen gewe­sen ist. Seine Apostel waren genauso wenig beliebt wie er selbst. Manche wurden in Stücke zerrissen, andere wurden enthauptet, gekreuzigt usw. Haben die Juden aber auch die Grundsätze vernichtet, die sie gelehrt haben? Haben sie die Schlüssel des Got­tesreiches vernichtet? Nein, wahrhaftig nicht. Darüber hatten sie genauso wenig Macht wie über den Thron Gottes oder Gott selbst” (Discourses of Wilford Wood­ruff, Salt Lake City, Bookcraft, 1946, S. 26.f.).

verwendete Quellen

  • Lehren der Präsidenten der Kirche - Wilford Woodruff
  • der Stern April 1980

zusätzliches Material

  • Der Stern November 1972 S. 474: Wilford Woodruff - Mann des Glaubens und der Hingabe

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