Vielehe
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Vorwort
Die Vielehe oder auch Poygamie, der Grundsatz der HLT, mehr als eine Ehefrau zu haben zu können, ist die umstrittenste Kontroverse der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, obwohl es seit 1890 nicht mehr praktiziert wird. Die Kirchenmitglieder praktizieren eigentlich die Polygyny, weniger Polygamie, ein Typ ehelichen Verwandschaftsverhältnisses, wo ein einzelner Mann mehrere Frauen heiratet. Dieser Brauch führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer schwerwiegenden Verfolgung und zur Unterdrückung der Heiligen der Letzten Tage seitens der US-Regierung, und die Abschaffung wurde eine Bedingung für Utahs Eigentstaatlichkeit. Viele Missverständnisse, falsche Vorstellungen, Halbwahrheiten und unverblümte Lügen haben Diskussionen über die Vielehe unter den HLT heimgesucht und sind noch begünstigt worden von den Anti-Mormonen und Ex-Mormonen, die versuchen, die Kirche und ihre Lehren anzugreifen. Dieser Artikel wird die geschichtlichen Hintergründe der Vielehe unter Mormonen ansprechen und die offiziellen Lehren der HLT-Kirche über die Vielehe.
Vielehe und das Buch Mormon
Obwohl Gegner und Kritiker der Heiligen der Letzten Tage darauf pochen, dass das Buch Mormon die Vielehe verwirft und darum späteren HLT-Lehren widerspricht, ist das Buch Mormon tatsächlich die früheste Offenbarung durch Joseph Smith, die darauf hinweist, dass Gott die Vielehe gebietet. Im Buch Jakob, das dritte Buch des Buch Mormons, lehrt ein historischer amerikanischer Prophet:
- Darum, meine Brüder, vernehmt mich und hört auf das Wort des Herrn: Denn es soll kein Mann unter euch mehr als nur eine Frau haben, und Nebenfrauen soll er keine haben; denn ich, der Herr, Gott, erfreue mich an der Keuschheit der Frauen. Und Hurerei ist ein Greuel vor mir; so spricht der Herr der Heerscharen. Darum soll dieses Volk meine Gebote halten, spricht der Herr der Heerscharen, sonst sei das Land verflucht um ihretwillen. (Jakob 2:27-29)
Kritiker zitieren das als unvereinbar mit Joseph Smiths und Brigham Youngs Lehren, die die Vielehe gebieten, doch ihr Irrtum wird im nächsten Vers klar:
- Denn wenn ich, spricht der Herr der Heerscharen, mir Nachkommen erwecken will, so werde ich es meinem Volk gebieten; sonst aber soll es auf dies alles hören. (Jacob 2:30)
Demzufolge lehrt das Buch Mormon, dass Gott seinem Volk zuweilen die Vielehe gebietet, und manchmal verbietet Er es, doch WENN er es gebietet, dann zu dem Zweck, Dem Herrn rechtschaffene Kinder aufziehen zu lassen. Dies entspricht genau dem, was Joseph Smith und Brigham Young lehrten:
- Ich habe ständig gesagt, kein Mann solle gleichzeitig mehr als eine Frau haben, es sei denn, Der Herr gebiete es anders (Teachings of the Prophet Joseph Smith, page 324.)
- Gott hat die Patriarchalische Ehe niemals eingesetzt mit der Absicht, den Mann mit fleischlichen Begehren zu erfreuen, auch nicht um Frauen für irgendwas zu bestrafen. Er setzte sie ein für ausdrücklichen den Zweck, Seinem Namen ein königliches Priestertum, ein besonderes Volk zu erwecken. (Brigham Young, Journal of Discourses 3:264)
- Diese Offenbarung, die Gott Joseph gegeben hat, war für den ausdrücklichen Zweck, ein Mittel zu bereiten, um Tempel (womit Körper gemeint sind) zu schaffen, aufdass sie Geister bewohnen können, die zurückbehalten wurden für das Reich Gottes und dass diese nicht genötigt sind, Körper außerhalb des Reiches Gottes nehmen zu müssen. (Brigham Young, Journal of Discourses 3:265)
Kritiker der Kirche Jesu Christi, die versuchen zu verdrehen, was das Buch Mormon sagt, lügen entweder vorsätzlich und verbergen die Wahrheit oder sind der Sachlage unkundig.
Joseph Smith und die Vielehe
Obwohl es niemals offen praktiziert oder öffentlich gelehrt wurde während seiner Lebenszeit, ist es dennoch sicher, dass Joseph Smith die Vielehe in der Lehren der HLT einführte. Gerüchte darüber zirkulierten in den 30ern und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts, bis Brigham Young es 1852 zum ersten Mal öffentlich verkündete. Josephs erste Andeutung darüber kam wahrscheinlich 1831, ein Jahr nach Gründung der Kirche, als Joseph Smith an der Übersetzung der Bibel arbeitete. Gemäß der Offenbarung, LuB 132, die Joseph Smith gegeben wurde, aber nicht vor dem 12. Juli 1843 geschrieben wurde, wendete er sich an Den Herrn und fragte Ihn, warum Er den alten Propheten wie Abraham, Isaak und Jakob erlaubt hat, mehrere Ehefrauen zu haben. Die Offenbarung legt dar, dass nur Gott den Menschen gebieten kann, die Vielehe auszuüben und dass wenn Er das tut, Er einen Propheten beruft, der die Verantwortung trägt.
Joseph Smith zögerte, diesen neuen Grundsatz zu lehren und teilte diesen viele Jahre lang nicht einmal mit seinen engsten Mitarbeitern. Gemäß den späteren Erklärungen von Lorenzo Snow und Brigham Young war Joseph selbst abgestoßen von dieser Idee, und bis ihm nicht ein Engel Des Herrn erschien und ihn beauftragte zu lehren und auch selbst zu tun, fing er nicht damit an. Dies geschah wohl so etwa nach 1839, nachdem die Heiligen der Letzten Tage nach Nauvoo, Illinois verzogen waren. Als Brigham Young davon erfuhr sagte er:
- Einige meiner Brüder kannten meine Gefühle zu der Zeit, als Joseph seine Lehre offenbarte; es war weder mein Wunsch, vor irgendeiner Pflicht zurückzuschrecken, noch im kleinsten darin zu versagen zu tun, was mir geboten war, doch war es das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir das Grab wünschte, und ich konnte eine lange Zeit kaum damit fertig werden.
- Und wenn ich eine Beerdigung sah, beneidete ich den Verstorbenen, und ich bedauerte nicht in dem Sarg zu sein, zumal ich um die Mühe und Arbeit wusste, die mein Körper würde durchmachen müssen, und ich hab mich selbst überprüft von dem Tag bis jetzt, und beobachtete meinen Glauben und sann gründlich darüber nach, damit ich mir das Grab nicht mehr wünschte als ich sollte. (Brigham Young, Journal of Discourses 3:266).
Es ist nicht genau klar, wieviele Frauen Joseph Smith geheiratet hat, doch ist es ersichtlich, dass Joseph Smith niemals mit einer dieser anderen Ehefrauen gelebt hätte. Laut HLT-Lehre über die celestiale Ehe, die Joseph Smith in Nauvoo begann zu lehren, können Mann und Frau für alle Ewigkeit verheiratet sein, nicht nur für dieses Leben. Die Ehe ist für "Zeit und Ewigkeit". Zeit bezeichnet dieses sterbliche Leben, wohingegen die Ewigkeit das nächste Leben bezeichnet. Gemäß Joseph Smtih können daher Ehen für nur dieses Leben sein, für dieses Leben und danach oder nur für nächste Leben sein.
Die letzte Sparte hat sehr viel Verwirrung verursacht und führte zu vielen Angriffen auf Joseph Smith und Brigham Young. Denn wessen Ehepartner kein HLT war und somit nicht für "Zeit und Ewigkeit" heiraten konnte, dem war nach frühem Brauch der HLT erlaubt, sich an den einen siegeln (ein Wort, das unter HLT die Heirat im Tempel für die Ewigkeit bezeichnet) zu lassen, aber mit einem anderen für das sterbliche Leben verheiratet zu sein. Auf diese Weise hatte man sein Leben mit einem Ehepartner in diesem Leben fortsetzen können und hatte dennoch die Segnungen der ewigen Ehe bzw celestialen Ehe mit jemand anders. Viele von Joseph Smiths und Brigham Youngs Ehefrauen gehörten zu dieser Gruppe. Niemals lebten sie mit diesen Frauen oder hatten sexuelle Beziehungen zu ihnen. Ebenso verwirrend war der spätere Brauch, als Frauen, deren Ehemänner wegen Unwürdigkeit den Tempel nicht betreten konnten oder keine Mormonen waren, wenn diese Frauen sich an einen verstorbenen Mann wie Brigham Young siegeln ließen. Auf diese Weise war Brigham Young, der mit nur sechszehn Frauen in Ehe lebte, an Dutzende mehr gesiegelt.
Ein anderer oft beschimpfter Aspekt der Vielehe der Mormonen sind die vermeintlichen Eheschließungen minderjähriger Mädchen. Heute liegt das Durchschnittsalter der Eheschließung zwischen 25 und 27 Jahren, doch im 19. Jahrhundert waren Teenager-Ehen nichts Ungewöhnliches und in vielen Fällen war die Heirat vertraglich vereinbart, doch blieb das Mädchen bis zur Volljährigkeit bei ihrer Familie.
In Nauvoo begann Joseph Smith seinen engsten und vertrautesten Mitarbeitern die Vielehe zu lehren. Etwa 100 Leute wurden vor dem Märtyrertod von Joseph Smith darüber belehrt, doch blieben sie damit im Verborgenen, bis sich die Heiligen in Utah etabliert hatten.
Während der Zeit in Nauvoo machten Joseph und die anderen eine schmale Gratwanderung. Wie oben zitiert lehrte Joseph öffentlich, dass jeder nur eine Frau haben solle, es sei denn, Gott gebiete es anders, jedoch waren sie sich der Missverständnisse und Verfolgung der umliegenden Gemeinden bewusst, und so wurde der Brauch füe eine Zeit im Geheimen fortgesetzt.
Einige enge Mitarbeiter zogen ihren Vorteil aus dieser Situation. John C. Bennett (Mai 1842), ein Freund von Joseph Smith und Bürgermeister von Nauvoo verdrehte diese Lehren, um seine eigenen Begierden zu befriedigen. Er erzählte ledigen und verheirateten Frauen, dass Joseph Smith "Geistige Vielweiberei" lehren würde, wie er es nannte und behauptete, und das ihm das die Erlaubnis gäbe, mit jeder zu schlafen, die er sich wünschte. Bennett ist wahrscheinlich erwischt worden. Er gestand, dass Joseph Smith niemals "geistige Vielweiberei" lehrte, was Ehebruch gleichkommen würde, und er wurde bald exkommuniziert. Er verließ Nauvoo und begann beleidigende Angriffe auf Joseph Smith zu veröffentlichen. William Law, ein anderer enger Mitarbeiter, bat Joseph Smith inständig, die Vielehe aufzugeben. Würde er nicht, würden Law und ein paar andere Mormonen den Nauvoo Expositor veröffentlichen, der behaupten würde, Joseph Smith würde Ehebruch und Unzucht lehren, und würden dazu aufrufen, ihn aufhängen zu lassen. Das Gericht von Nauvoo City entschied, dass dies ein öffentliches Ärgernis ist und zerstörte die Presse. Ausschreitungen folgten, und Joseph Smith kam ins Gefängnis von Carthage, und dort wurde er am 27. Juni 1844 ermordet.
Vielehe in Utah
Polygamie öffentlich verkündet
Die Heiligen der Letzten Tage zogen 1846 aus Illinois fort. Nachdem sie sich in Utah niedergelassen hatten, wies Brigham Young Orson Pratt vom Rat der Zwölf Apostel an, diesen Brauch öffentlich bekanntzugeben. Das tat er dann auch am 29. August 1852. In dieser Rede und anderen folgenden legte er Erläuterungen und die Verteidigung der Vielehe dar. Als erstes machte er geltend, dass Gott es geboten habe. Zweitens: der Grund, dass Gott es geboten habe, sei der, rechtschaffene Kinder großzuziehen. Schließlich erwähnte er, das Gott nur Seinen Propheten gestattet, jemanden anzuweisen, in Vielehe zu leben. Als Nachweis zitierte er die Geschichte des Propheten Nathans und König Davids, wo Nathan erzählt, wie er durch ein Gebot Gottes dem David Ehefrauen gegeben hat (siehe 2 Samuel 12:1-9]).
Der Brauch wurde in Utah beibehalten bis 1890, als eine Offenbarung vom Herrn weitere polygame Eheschließungen verbot. Am Anfang wurde die Vielehe von der Kirche offen und ohne Drangsalierung ausgeübt wegen der Isolation in Utah. In den 50ern des 19. Jahrunderts machte die neu gegründete Republikanische Partei die Abschaffung zweier Relikte der Barbarei zu ihrem Parteiprogramm: die Sklaverei und die Polygamie. Durch den Bürgerkrieg und die Abschaffung der Sklaverei abgelenkt passierte erst wenig, obwohl das Problem der Polygamie ein Teil der Begründung zum Utah-Krieg (vorläufig in engl.) war. Präsident Buchanan sandte 1957 eine Truppe von 5000 Mann, um eine nicht-existierende Rebellion des Gebietes niederzuschlagen.
Anti-Polygamiegesetz und Übergriffe
Zu Beginn 1982 passierte eine Reihe von zunehmend strikten Gesetzen den US Kongress, die die Polygamie ächteten. Das erste, das Morrill Anti-Bigamie-Gesetz wurde am 1. July 1852 beschlossen. Doch war Polygamie schwer zu beweisen, denn die Berichte waren dürftig, und während Kirchenführer einschließlich Brigham Young inhaftiert waren, waren sie im allgemeinen entlastet. George Reynolds, Youngs Sekretär und britischer Einwanderer, war inhaftiert und ging in Berufung, brachte den Fall vor den Obersten Bundesgerichtshof und wandte ein, das Polygamie geschützt ist durch das U.S. Bill of Rights, das freie Ausübung der Religion garantiere. Doch das Gericht sagte, diese Klausel schütze nur Glauben, und der Kongress könne sehr wohl Gesetze beschließen, um vor subversiven Praktiken zu schützen, die unvereinbar seien mit sozialen Pflichten (98 U.S. 164). Reynolds bekam fünf Jahre Gefängnis.
Trotz dieses legalen Sieges blieb Polygamie schwer zu beweisen und 1882 verabschiedete der Kongress das Edmunds-Gesetz, das das polygame Zusammenleben als wilde Ehe definierte und unter Strafandrohung stellte. Das führte dann in den 80ern zu den Übergriffen, als Tausende der HLT verhaftet und inhaftiert wurden. Das Edmunds-Tucker-Gesetz verbot außerdem, allen in Polygamie Lebenden öffentliche Ämter zu bekleiden, in Juries zu dienen oder zu wählen - Eine Entrechtung der Mormonen. 1885 brauchte Idaho Wähler, die unter Eid schworen, sich der Polygamie und allen Organisationen, die sowas duldeten, entgegenzustellen, um auf diese Art alle Mormonen zu entrechten.
Die nationale und sogar internationale Debatte um die Vielehe rief viele beleidigende Schmähreden gegen die Mormonen hervor, doch auch einige Verteidiger. John Stuart Mill, der berühmte britische Philosoph und Mitgründer der Utilitarierbewegung, sagte über den Mormonismus dies in seinem Werk On Liberty:
- Ich kann mich nicht enthalten, diesen Beispielen menschlicher Freiheit, der Sprache der absoluten Verfolgung seitens der Presse dieses Landes, wann auch immer sie sich aufgerufen fühlt, das bemerkenswerte Phänomen des Mormonismus zu beachten, hinzuzufügen, dass es uns betrifft, dass diese Religion wie andere und bessere Religionen ihre Märtyrer hat, dass ihr Prophet und Gründer für seine Lehren vom Mob getötet wurde, dass sie und ihre Anhänger durch die gleiche gesetzlose Gewalt ihr Leben verloren, dass sie gewaltsam vertrieben wurden aus dem Land, wo sie einst aufwuchsen; und nun, da sie in eine abgelegene Wüste gejagt worden sind, erklären viele in diesem Land ganz offen, dass es recht wäre, eine Expedition gegen sie zu senden und sie mit Gewalt zu zwingen, sich an die Meinungen der Leute anzupassen. Der Artikel der Mormonenlehre und die Sanktion der Polygamie provoziert die Abneigung, der auf diese Weise die übliche Zurückhaltung religiöser Toleranz durchbricht. Polygamie ist Mohammedanern, Hindus und Chinesen erlaubt, erregt aber unstillbaren Hass, wenn es von Menschen ausgeübt wird, die Englisch sprechen und sich als Christen bekennen. Doch muss daran erinnert werden, das diese Beziehung eine freiwillige Angelegenheit der Frauen ist, die die Leidenden dabei sein mögen.
Die wahre Natur der Vielehe in Utah
Die Angriffe in den 80er Jahren ließen es erscheinen, dass alle Mormonen in Vielehe lebten. Obwohl die Berichte nicht immer klar sind und absichtlich so gemacht waren, dass sie Regierungsbeamte daran hinderten, leicht Polygamisten zu finden, ist es klar, dass nur eine Minderheit in Vielehe lebte, schätzungsweise jemals höchstens 20 bis 25 Prozent der Mitglieder, zuweilen weniger als 5 Prozent. Etwa ein Drittel der Frauen lebte in den 80ern in polygamen Familien. Die 1300 inhaftierten Männer sind sicher ein kleiner Prozentsatz der nahezu 150.000 Heiligen der Letzten Tage jener Zeit, und 1890 waren es annähernd 200.000. Manche Leute, Anti-Mormonen und sogar Mormonen selbst haben versucht den Anspruch geltend zu machen, dass HLT-Propheten des 19. Jahrhunderts gesagt hätten, jeder Mann sollte Polygamist sein, um in den Himmel zu kommen, doch ist das eine Verdrehung der Wahrheit. Als 1866 John Taylor Brigham Young als Präsident der Kirche ablöste, sagte er:
- Als dieses System einst unter diesem Volk eingeführt wurde, war es eins der größten Kreuze, dass die Männer je auf sich nehmen mussten, seit die Welt besteht. Joseph Smith sagte zu anderen und auch zu mir, und ich kann davon Zeugnis geben, "dass falls dieses Prinzip nicht eingeführt worden wäre, die Kirche und das Reich nicht hätte weitermachen können." Als dieses Gebot gegeben wurde, war es so religiös und die Ältesten der Kirche so bindend, dass ihnen gesagt wurde wenn sie nicht bereit sind einzutreten wäre die Konsequenz davon, dass ihnen die Schlüssel des Reiches genommen werden würden. Wenn ich irgendwen von uns sehe, Mann oder Frau, einem Prinzip dieser Art zu widersprechen, habe ich sie Jahre zuvor auf die high road des Abfalls gesetzt, und so mache ich es auch heute. Ich halte sie für Abgefallene, die nicht an dieser Kirche und an diesem Reich interessiert sind. (John Taylor, Journal of Discourses 11:221).
Hier sagt er ganz klar, dass das Prinzip akzeptiert werden muss, so wie von einem erwartet wird, jedes Prinzip und Offenbarung von Gott zu akzeptieren. Er sagt, man muss vorbereitet sein, einzutreten und es zu verteidigen, obwohl es nicht gefordert werden mag, so zu handeln. Wenn man überlegt, dass wenn er sagt, die Mehrheit der Zuhörer lebten nicht in Polygamie und wurden auch nie darum gebeten, dann wird klar, dass sie dies so verstanden, dass es bedeutet, man muss das Prinzip als eine Offenbarung von Gott akzeptieren, um ins Himmelreich zu kommen, da Jesus lehrte, "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht." (Matthäus 4:4).
In Vielehe zu leben bringt den HLT sowohl Segnungen als auch zu bewältigende Prüfungen. Die Frauen standen im Allgemeinen in der Gunst der Polygamie, dann sie spürten nicht nur, dass es von Gott kam, sondern auch dass es sie emanzipizierte, viel mehr zu tun. Viele Frauen, die sich mit anderen Ehefrauen die Arbeit teilten, gingen zur Schule und wurden sehr versiert. Antimormonen-Führer in Utah gaben 1870 den Frauen das Wahlrecht in der Hoffnung, dass diese vermutlich unterdrückten Frauen für Kandidaten der Anti-Mormonen stimmen würden, doch schlug diese Maßnahme fehl. Die Frauen hatten in der Vielehe mehr Freiheit, Talenten, Berufen und Bildung nachzugehen. Drei von Brigham Youngs Ehefrauen studierten Medizin und halfen, ein Krankenhaus zu gründen.
Es gab Behinderungen und kleinliche Eifersüchteleien und Kämpfe fanden statt. Die meisten Beschwerden kamen von polygamen Ehefrauen, wo ihre Männer zuviel Zeit mit der einen oder anderen Ehefrau verbrachten. Brigham Young, der von Scheidung abriet, erlaubte polygamen Frauen, sich von ihren Ehemännern scheiden zu lassen, wenn sie vernachlässigt oder missbraucht wurden, doch duldete er nicht, dass Männer sich scheiden ließen, weil ihnen ihre Frauen ein Last waren. Er riet ihnen nur, härter zu arbeiten. Wie in anderen Familien, so gab es auch in polygamen Probleme, doch gibt es keinen Indiz dafür, dass polygame Ehen Kinder negativ beeinflussen. Tatsächlich waren Kinder aus polygamen Familien erfolgreicher im Leben. Gerüchte, dass polygame Ehen missgebildete Kinder hervorbringen, sind ebenso unwahr. Im 19. Jahrundert gab es in Utah einen großen Zustrom an Einwanderern und Konvertiten, sodass es nicht notwendig war, unter engen Verwandten zu heiraten.
Joseph Fielding Smith, ein Apostel und später Präsident der Kirche ist in einer polygamen Familie großgeworden. Er sagte davon: "Mein Vater hatte fünf Frauen und 43 Kinder. Kein Vater jemals auf der Welt, das können wir mit Gewissheit sagen, hatte eine größere Liebe für seine Frauen und Kinder, und war ernster um die Wohlfahrt seiner Familie besorgt als meiner." (Joseph Fielding Smith, Life of Joseph F. Smith, p. 449). Er sagte außerdem dies über Frauen und Kinder dieser Familie:
- Es gab und gibt keine monogame Familie, die sich einiger wäre. Zum Erstaunen der ungläubigen Welt liebten die Ehefrauen einander sehr. In Zeiten von Krankheit haben sie sich zärtlich umeinander gekümmert und sich gegenseitig gepflegt. Wenn der Tod ihnen eins der Kinder nahm, weinten sie zusammen mit aufrichtigem Kummer. Zwei der Frauen waren erfahrene und genehmigte Hebammen und brachten viele Babys zur Welt. Sie warteten aufeinander und auf die anderen Frauen, und wenn die Babys kamen, freuten sie sich alle gleichermaßen mit der Mutter.
- Die Kinder verstanden sich gegenseitig als Brüder und Schwestern, vollwertig, nicht so halb wie es in der Welt üblich ist. Sie standen einander bei, egal aus welchem Teil der Familie sie waren.(Life of Joseph F. Smith, p. 449).
Smith beschließt, dass die Gründe der Außenwelt, die die Vielehe mit solchem Horror und Abscheu betrachtet, dass sie das Mormonenvolk durch ihre eigenen korrupten Standards richteten, und es ihnen misslang, die wahren Umstände zu verstehen, die in den Heimen der HLT herrschten (Life of Joseph F. Smith, p. 449).
Die Vielehe wird abgeschafft
1887 wird das Edmunds-Tucker-Gesetz verabschiedet, das die Kirche enteignet und fast alles Vermögen einzieht außer den Tempeln und einigen anderen Kirchengebäuden. Die Kirche fechtete diese Grichtsentscheidung an und zitierte nochmals die Freiheit der Religion, doch 1890 in der späten Zusammenarbeit der Kirche erhielt der Oberste Bundesgerichtshof den Bann gegen die Vielehe aufrecht.
Angesichts der äußersten Zerstörung der Kirche traf Wilford Woodruff, der vierte Präsident der Kirche, sich mit den Aposteln und betete mit ihnen. Nach vielem Gebet hatte Präsident Woodruff eine Vision von dem, was passieren würde, falls die Kirche weiterhin den Brauch der Vielehe pflegen würde. Er sah die Zerstörung der Kirche, die Zerstreuung der Mitglieder und die Vernichtung all ihrer Arbeit. Der Herr hat vorausschauend gezeigt, dass er zuweilen den Menschen die Vielehe gebietet und es manchmal verbietet, je nach den Umständen. Wilford Woodruff begriff, dass nun die Zeit gekommen war, den Brauch der Vielehe einzustellen. Er erließ, was als Manifest bekannt wurde. Es sagt, dass die Kirche Jesu Christi keine ungesetzlichen Ehen mehr schließen würde. Präsident Grover Cleveland würde später allen vergeben, die vor 1890 polygame Ehen geschlossen haben. Von Utah, Idaho, Oklahoma, Neu Mexiko und Arizona wurde verlangt, die Vielehe in ihren Einrichtungen zu untersagen.
Dieses Gesetz hat viel Kritik eingebracht. Einige klagen, Präsident Woodruff wäre ein gefallener Prophet und einige Gruppen splitterten sich ab von der Kirche und setzten den Brauch der Vielehe fort. Manche dieser Splittergruppen waren so sehr auf dieses Thema fixiert, dass sie viele andere wichtige Lehren von Joseph Smith vernachlässigten. Die meisten dieser Gruppen z. B. bauen keine Tempel oder senden keine Missionare, was gemäß den Lehren Joseph Smiths die beiden wichtigsten Prinzipien des Evangeliums sind.
Anti-Mormonen versuchen zu behaupten, dass Wilford Woodruff unter Druck nachgegeben hätte, aber gemäß Gordon B. Hinckley, dem derzeitigen Präsidenten der Kirche, ist es die Aufgabe des Propheten, Im Gebet Gott zu fragen und Antworten auf die Probleme des Volkes Gottes zu finden. President Woodruff suchte Hilfe bei Gott und Gott antwortete. Wilford Woodruff spricht selbst über diese Offenbarung folgendes:
- Ich habe in letzter Zeit einige Offenbarungen gehabt, die mir sehr wichtig sind, und ich werde Ihnen mitteilen, was der Herr mir gesagt hat. Lassen Sie mich Ihren Sinn auf das lenken, was wir das Manifest nennen ...
- Der Herr hat mir gesagt, ich solle den Heiligen der Letzten Tage eine Frage stellen; und er hat mir auch gesagt, wenn sie dem zuhörten, was ich ihnen sagen würde, und die ihnen gestellte Frage durch den Geist und die Macht Gottes beantworten würden, dann würden sie in bezug auf diese Sache alle gleichermaßen antworten, und sie würden alle gleichermaßen glauben.
- Dies ist die Frage: Was ist der klügste Weg, den die Heiligen der Letzten Tage verfolgen sollen—weiterhin zu versuchen, die Vielehe auszuüben, wobei die Gesetze der Nation dem entgegenstehen und sechzig Millionen Menschen dagegen sind, und um den Preis der Beschlagnahmung und des Verlustes aller Tempel und der Beendigung der dortigen heiligen Handlungen für die Lebenden und auch für die Toten und der Gefangennahme der Ersten Präsidentschaft und der Zwölf und der Familienoberhäupter in der Kirche und der Beschlagnahmung des persönlichen Eigentums des Volkes (und jede dieser Maßnahmen würde für sich allein ausreichen, die Ausübung zu beenden); oder, nachdem wir getan und erlitten haben, was wir durch unser Festhalten an diesem Prinzip erlebt haben, mit der Ausübung aufzuhören und uns dem Gesetz zu unterwerfen und, indem wir das tun, die Propheten, Apostel und Väter zu Hause zu lassen, so daß sie die Menschen belehren können und den Pflichten der Kirche nachkommen können, und auch die Tempel in den Händen der Heiligen zu belassen, so daß sie für die heiligen Handlungen des Evangeliums für die Lebenden wie auch die Toten Sorge tragen können?
- Der Herr hat mir durch Vision und Offenbarung genau gezeigt, was geschehen würde, wenn wir mit der Ausübung nicht aufhörten. Wenn wir nicht damit aufgehört hätten, hätten Sie keine Verwendung gehabt für...irgendeinen der Männer in diesem Tempel in Logan, denn alle heiligen Handlungen hätten im ganzen Land Zion aufgehört. Verwirrung hätte in ganz Israel geherrscht, und viele Männer wären zu Gefangenen geworden. Diese Schwierigkeit wäre über die ganze Kirche gekommen, und dann wären wir gezwungen worden, mit der Ausübung aufzuhören. Nun ist die Frage, sollte sie auf diese Weise beendet werden oder auf die Weise, die der Herr uns gezeigt hat und die unsere Propheten und Apostel und Väter als freie Männer beläßt und die Tempel in den Händen des Volkes, so daß die Toten erlöst werden können. Eine große Anzahl ist schon durch dieses Volk aus dem Gefängnis in der Geisterwelt befreit worden, und soll die Arbeit weitergehen oder aufhören? Das ist die Frage, die ich den Heiligen der Letzten Tage vorlege. Sie müssen für sich selbst urteilen. Ich möchte, daß Sie sie für sich selbst beantworten. Ich werde sie nicht beantworten, aber ich sage Ihnen, das ist genau die Lage, in die wir als Volk geraten wären, wenn wir nicht den Weg so gegangen wären, wie wir es getan haben.
- ... Ich sah genau, was sich begeben würde, wenn nicht etwas getan würde. Ich habe diesen Geist lange Zeit auf mir gefühlt. Aber ich möchte dieses sagen: Ich hätte alle Tempel aus unseren Händen gehen lassen müssen; ich selbst hätte ins Gefängnis gehen müssen und hätte jeden anderen Mann dahin gehen lassen müssen, wenn nicht der Gott des Himmels mir geboten hätte zu tun, was ich getan habe; und als die Stunde kam, da mir geboten wurde, das zu tun, da war mir alles klar. Ich ging vor den Herrn und ich schrieb nieder, was der Herr mich schreiben hieß ... (LuB Amtliche Erklärung 1)
Vielehe seit der amtlichen Erklärung
Heutige Gruppen, die polygam leben, nennen sich die fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Die meisten ihrer Mitglieder waren niemals Mitglieder der Kirche Jesu Christi, und ihre Handlungen werden für illegal gehalten. Diese Gruppen ziehen sich oft in isolierte Kommunen zurück und gewinnen selten neue Anhänger. Dies führt zu Ehen innerhalb enger Verwandtschaft und verursacht schwere Geburtsfehler und Gendefekte in diesen Gruppen. Diese Gruppen fordern alle Männer zur Polygamie auf, was viele Probleme verursacht und hat zu einem Überschuss an ledigen Männern geführt, die nicht heiraten können. Diese werden oft aus der Gruppe vertrieben und von ihren Familien abgeschnitten. Andere missbrauchen oft die Situation in diesen isolierten Gemeinden, indem sie Ehen erzwingen, die nicht vorkamen unter den Heiligen des 19. Jahrhunderts. Polygame Ehen dieser Gruppen unterscheiden sich sehr von den historischen Vielehen der Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die niemals von allen Männern verlangte, polygam zu leben und niemals sich in geheime Gemeinden absonderten, abgeschnitten von dem Rest der Welt. Die Kirche Jesu Christi des 19. Jahrhunderts zwang niemals junge Mädchen in Ehen, noch wurden Menschen vertrieben, wenn sie keine polygamen Ehen schlossen. Diese Praktiken der zeitgenössischen polygamen Sekten sollten niemals mit den Bräuchen der Mormonen des 19. Jahrhunderts verwechselt werden. Siehe auch Eine Zeit der Prüfungen
