Versuchung
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Bei der Errettung des Menschen ist die Überwindung von Versuchungen wesentlich und notwendig. Der Mensch ist seiner Natur nach fleischlich, sinnlich und teuflisch (Al 42:10), was bedeutet, daß er eine angeborene Neigung hat, den Lüsten und Begierden des Fleisches nachzugeben. Das Erdenleben ist die festgesetzte Bewährungszeit, in der es sich herausstellt, ob der Mensch den Versuchungen unterliegt oder ob er sich über die weltlichen Verlockungen hinwegsetzen kann und die Reichtümer der Ewigkeit verdient.
Selbst Christus ist „in allem wie wir in Versuchung geführt worden, aber [er hat] nicht gesündigt“ (Hebr 4:14; s. LuB 20:22; Mosia 3:7). Adam wurde vom Teufel versucht, gab der Versuchung nach und wurde aus dem Garten von Eden ausgestoßen (LuB 29:36-40). Alle Menschen, die das Alter der Verantwortlichkeit erreicht haben, sind seitdem mehr oder weniger der Versuchung erlegen und sind Sünder geworden (1 Joh 1 :7-10). Das Sühnopfer, das Evangelium und der Plan der Erlösung können den Menschen von seinen Sünden frei machen und ihm die Kraft geben, künftig der Versuchung zu widerstehen.
Obgleich die Versuchung ein wesentlicher Teil von Gottes Plan ist, stammt sie nicht von Gott, sondern vom Teufel (Al 34:39; 3. Ne 6 :17). „Glücklich der Mann, der in der Versuchung standhält. Denn wenn er sich bewährt, wird er den Kranz des Lebens erhalten, der denen verheißen ist, die Gott lieben. Keiner, der in Versuchung gerät, soll sagen : Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. Jeder wird von seiner eigenen Begierde, die ihn lockt und fängt, in Versuchung geführt. Wenn die Begierde dann schwanger geworden ist, bringt sie die Sünde zur Welt; ist die Sünde reif geworden, bringt sie den Tod hervor“ (Jak 1:12-15).
Die Heiligen der Letzten Tage sollen ständig beten, damit sie nicht in Versuchung geraten (3. Ne 18:18; LuB 61:39). Die Bedeutung der Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen“ (Mt 6:13; s. Lk 11:4; 3. Ne 13:12) ist: Laß es nicht zu, daß wir in größere Versuchung geführt werden, als wir widerstehen können, sondern rette uns vom Übel.
Kleine Kinder sind frei von Sünde, „denn dem Satan ist nicht die Macht gegeben, kleine Kinder zu versuchen, ehe sie anfangen, vor mir Gott verantwortlich zu werden“ (LuB 29:47). Über die drei Nephiten, die überwunden hatten und „im Fleisch geheiligt“ wurden, hat der Satan keine Macht, und er kann sie nicht versuchen (3. Ne 28:39). Wenn die rechtschaffenen Heiligen ins Paradies kommen, werden sie nicht mehr versucht werden. Die Schlechten in der Hölle jedoch werden den Schlägen des Satans ausgeliefert (LuB 132:26).
- (Mormon Doctrine)
Wie man der Versuchung die Stirn bietet
„Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein (Offb 21:7].”
Sowohl die heilige Schrift aus früherer Zeit als auch die aus der Neuzeit legen uns dar, daß Versuchungen nicht von Gott, sondern vom Satan kommen oder daß sie das Ergebnis unserer eigenen Begierden und Schwächen sind.
„Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert sie den Tod(Jakobus 1 :13-15).”
Das Buch Mormon hält folgende Erklärung bereit:
„Die Ursache dieser Gottlosigkeit unter dem Volk war folgende: Satan hatte große Macht, das Volk zu allerlei Bosheit aufzureizen ... Und so verleitete Satan das Herz des Volks, alle möglichen Arten von Sünde zu begehen ... Das Volk [war] lange Zeit der Versuchungen des Teufels preisgegeben ..., der sie umherführte, wohin es ihn gelüstete, so daß sie jede Gottlosigkeit taten, wie er es wünschte (3. Ne 6:15-17.).”
Selbst an Jesus trat die Versuchung in all ihren Formen heran. Alma hat prophezeit:
„Und er wird ausgehen und Schmerzen, Leiden und Versuchungen jeglicher Art erleiden, damit das Wort erfüllt werde, welches sagt, daß er die Schmerzen und Krankheiten seines Volkes auf sich nehmen wird (Al 7:11).”
Und ein Engel erzählte König Benjamin, Jesus würde „Versuchungen und körperliche Schmerzen erdulden, Hunger, Durst und Müdigkeit, mehr als ein Mensch ohne zu sterben ertragen kann (Mosia 3:7)”.
Im Neuen Testament lesen wir, daß Jesus „versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde (Hebr 4:15)”. Und Abinadi verkündet Künftiges, indem er sagte, der Herr „erleidet Versuchung und gibt ihr nicht nach (Mosia 15:5)”. Joseph Smith wurde offenbart: „Er litt Versuchungen, gab ihnen aber nicht nach (LuB 20:22).”
Der Herr weiß, wie er uns vor der Macht der Versuchung bewahren kann. Weil nun der Teufel die Fähigkeit hat, uns zu versuchen und zu verführen, ist es notwendig, daß wir den Weg kennen, wie wir uns von dieser Macht befreien und ihr entfliehen können. Wir lesen, daß Jesus Versuchungen erlitt, „damit er nach dem Fleische wisse, wie er seinem Volk dessen Gebrechen gemäß helfen kann (Al 7:12)”.
Petrus hat gesagt, daß „der Herr ... die Frommen aus der Versuchung zu erretten(2. Petr 2:9)” weiß. In diesen, den Letzten Tagen hat der Herr uns versichert, daß er „die Schwachheit des Menschen kennt und denen beizustehen weiß, die versucht werden (LuB 62):”.
Im folgenden finden wir einige der Wege, die der Herr dafür vorgesehen hat, um sein Volk vor den Versuchungen des Satans zu schützen.
In der heiligen Schrift heißt es: „So seid nun Gott untertänig. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch (Jakobus 4:7).” Nachdem der Herr 40 Tage und Nächte in der Wüste gefastet hatte, trat der Teufel an ihn heran und sprach: „Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine Brot werden.” Als der Satan zurückgewiesen wurde, unternahm er einen zweiten Anlauf: „Bist du Gottes Sohn, so wirf dich hinab (vom Tempel).” Doch wieder wurde der Teufel von Jesus zurückgewiesen, so daß er ihm „zeigte ... alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit”. Und diesesmal unternahm der Satan die letzte verzweifelte Anstrengung: „Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest.” Wieder wies Jesus ihn zurück, und „da verließ ihn der Teufel(Matth 4:3-11).”
Aus diesem Grund — wie es in der Schrift heißt — ist „selig ... der Mann, der die Anfechtung erduldet(Jakobus 1:12)”. Alma gebot seinem Sohn, das Volk zu lehren, „jeder Versuchung des Teufels durch ... Glauben an den Herrn Jesus Christus zu widerstehen (Al 37:33)”.
Das Beten stellt einen Schutzwall gegen die Macht der Versuchung dar. Der Herr hat dazu gesagt:
„Ihr müßt immer wachen und beten, damit ihr nicht vom Teufel versucht und von ihm in Gefangenschaft gebracht werdet ...; denn Satan möchte euch besitzen, um euch wie Weizen zu sichten (3. Ne 18:15).”
Und Moroni gibt uns den Rat:
„Seid weise in den Tagen eurer Prüfungszeit. Befreit euch von aller Unreinheit ... Bittet ... mit unerschütterlicher Festigkeit, daß ihr keiner Versuchung nachgebt, sondern dem wahren und lebendigen Gott dient (Morm 9:28).”
Auch Alma ermahnt uns, „beständig wachsam im Gebet zu sein, damit wir nicht durch die Versuchungen des Teufels verleitet werden und er uns nicht überwinde, auf daß wir] ihm nicht am Jüngsten Tag untertänig werden, denn seht, er gibt uns nichts Gutes zum Lohn (Al 34:39)”.
Es werden jedoch welche sein, die die angebotene Hilfe nicht annehmen: „Auch hielten sie die Kirchengebräuche nicht und wollten weder in täglichem Gebet verharren noch Gott beständig anflehen, daß er sie vor Versuchungen bewahre (Al 31:10).”
Der Herr hat einen Weg bereitet, um seine Kinder zu beschützen:
„Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betroffen. Aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung ein Ende gewinne, daß ihr's könnet ertragen(1. Kor 10:13).”
„... daß ihr euch vor dem Herrn demütigt, seinen heiligen Namen anruft und beständig wachet und betet, damit ihr nicht über eure Kräfte versucht, sondern vom Heiligen Geist geleitet werdet und somit demütig, sanftmütig, untertänig, geduldig, liebevoll und langmütig werdet (Al 13:28).”
Doch Übertretung und Fehler rufen die Züchtigung von einem liebenden Vater hervor, damit uns vergeben werden kann und wir gesegnet werden können:
„Wahrlich, so spricht der Herr zu euch, die ich liebe — und wen ich liebe, den züchtige ich auch, daß seine Sünden vergeben werden können; denn mit der Züchtigung bereite ich einen Weg für seine Befreiung aus den Versuchungen aller Art (LuB 95:1).”
„Gott erzieht euch, wenn ihr dulden müßt! Als seinen Kindern begegnet euch Gott; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt?
Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünkt uns nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; aber danach wird sie geben eine friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die dadurch geübt sind (Hebr 12:7).” Und zu dem Getreuen hat der Herr gesagt:
„Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden (Offb 3:10).”
Und schließlich hat es Paulus noch ganz exakt ausgedrückt: „Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Röm 12:21)“ Deshalb kann auch jemand, der die Gebote des Herrn befolgt und bereit ist, sich von seinen Dienern korrigieren zu lassen, den Heiligen Geist der Verheißung empfangen, „wodurch wir auf den Tag der Erlösung versiegelt werden, daß wir nicht fallen, ungeachtet der Stunde der Versuchung, die über [uns] kommen mag (LuB 124:124)”.
Schließlich rät uns die Schrift noch, daß wir einander helfen sollen; um die Versuchung zu überwinden. Einmal sagte Jesus zu Petrus:
- „Simon, Simon, siehe, der Satan hat euer begehrt, daß er euch möchte sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebeten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder (Lk 22:31).”
Und mit viel Mitgefühl für den Sünder sagte Paulus:
- „Auch wenn ihr jemand bei einem Vergehen ertappt, Brüder, müßt ihr zeigen, daß euch Gottes Geist leitet. Bringt einen solchen Menschen mit Nachsicht wieder auf den rechten Weg. Paßt auf, daß ihr nicht selbst zu Fall kommt. Einer soll dem andern helfen, seine Lasten zu tragen. So lebt ihr nachdem Gesetz, das Christus gegeben hat (Galater 6:1, 2 Übersetzung „Die Gute Nachricht”).”
„Wir aber, die wir stark sind, sollen der Schwachen Unvermögen tragen und nicht uns selber zu Gefallen leben. Denn auch Christus hat nicht sich selber zu Gefallen gelebt, sondern wie geschrieben steht: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen (Röm 15:1,3).”
„Ich habe euch in allen Stücken gezeigt, daß man so arbeiten und sich der Schwachen annehmen müsse (Apg 20:35).”
Wie Jesus uns geholfen hat, so sollen wir einander helfen. Wie sollen wir uns angesichts der Versuchung verhalten? Sie meiden, ihr widerstehen und um die Hilfe Gottes beten, damit wir sie mit Hilfe der Gnade Christi überwinden können.
- (Der Stern April 1974 S. 156: Wie man der Versuchung die Stirn bietet)
weiterführendes Material
- Der Stern November 1968 S. 452: Die Versuchungen des Lebens
