Verfolgungen in Missouri
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Die Anfänge in Missouri
Während die Mormonen bemüht waren, in Kirtland das Gottesreich aufzubauen, hatten viele Mitglieder der Mormonenkirche im Kreis Jackson in Missouri schwer zu kämpfen.
Als der Ruf ergangen war, sich in Kirtland zu sammeln, hatten viele Mormonen in Colesville, New York, bereitwillig ihr Zuhause verlassen. Sie kamen Mitte Mai 1831 in Ohio an und mußten feststellen, daß das Land, das für sie vorgesehen war, nicht zur Verfügung stand. Der Prophet Joseph Smith brachte die Sorgen dieser Mitgliedern der Mormonenkirche im Gebet vor den Herrn. Kurz zuvor war Joseph offenbart worden, daß er, Sidney Rigdon und 28 weitere Älteste in Missouri eine Mission erfüllen sollten. Der Herr wies Joseph an, daß die Mormonen aus Colesville auch „in das Land Missouri“ (LuB 54:8) reisen sollten. Sie wurden die ersten Mormonen, die sich in dem Land niederließen, das später als Zion bekannt wurde.
Newel Knight, der Präsident des Zweiges Colesville, sammelte sofort die Mormonen seines Zweiges. Emily Coburn berichtete: „Wir waren richtige Pilger, die aufgebrochen waren, ein besseres Land zu suchen.“( Emily M.Austin, Mormonism; or, Life Among the Mormons (1882), 63). In Wellsville, Ohio, gingen sie an Bord eines Dampfschiffes und fuhren über den Ohio, den Mississippi und den Missouri in den Kreis Jackson, Missouri. Der Kapitän des Dampfschiffes sagte über die Mormonen, daß sie „die friedlichsten und ruhigsten Emigranten waren, die [er] bisher nachWesten gebracht hatte. Kein Fluchen, keine schlechte Sprache, kein Glücksspiel und kein Alkohol.“(Emily M.Austin, Mormonism, 64)
Der Prophet und andere Kirchenführer eilten den Mormonen aus Colesville auf dem Landweg voraus, um Vorkehrungen zu treffen, damit sich die Mormonen im Kreis Jackson niederlassen konnten. Die Gruppe Zion in Missouri des Propheten erreichte Independence, Missouri, am 14. Juli 1831. Sie besichtigten das Land und beteten um Weisung vom Herrn. Der Prophet Joseph Smith sagte: „[Der Herr] tat sich mir kund, und zeigte mir und anderen die genaue Stelle, von der aus das Sammlungswerk beginnen soll, und wo eine heilige Stadt, die Zion heißen wird, erbaut werden soll” (Joseph Smith, Latter Day Saints’ Messenger and Advocate, Sep. 1835, 179). In dieser Offenbarung wurde gesagt, daß Missouri der Ort sei, den der Herr für die Sammlung der Heiligen vorgesehen habe, und daß „der Ort, der jetzt Independence genannt wird, [das] Zentrum [ist]; und der Platz für den Tempel ist westlich davon, auf einem Grundstück nicht weit vom Amtsgebäude“ (LuB 57:3). Die Mormonen sollten das ganze Land westlich der Stadt kaufen – bis an die Linie, die den Staat Missouri vom Territorium der Indianer trennte (siehe LuB 57:1–5).
Joseph Smith und Bischof Partridge kauften für die Mormonen aus den Zweig Colesville Land in der Gemeinde Kaw, die etwa 18 Kilometer westlich von Independence liegt. Am 2. August 1831, nach der Ankunft der Mormonen aus Colesville, wurde eine feierliche Zeremonie vollzogen, die voller Symbole war. Zwölf Männer, die die zwölf Stämme Israels darstellten, trugen einen frisch geschlagenen Eichenstamm und legten ihn über einen Stein, den Oliver Cowdery gesetzt hatte. So legten sie das sybolische Fundament für die Errichtung Zions. Nach diesem bescheidenen Beginn errichteten die Heiligen ein Gebäude, das als Kirche und Schule benutzt wurde.(Larry C. Porter, „The Colesville Branch in Kaw Township, Jackson County, Missouri, 1831 to 1833“, Regional Studies in Latter-day Saint Church History: Missouri, Hg. Arnold K. Garr and Clark V. Johnson (1994), 286f).
Am darauffolgenden Tag versammelten sich einige Mormonen an einer höhergelegenen Stelle, die etwa einen Kilometer westlich vom Amtsgebäude in Independence gelegen war. Der Prophet Joseph Smith legte den Grundstein für den geplanten Tempel und weihte ihn im Namen des Herrn. Das Haus des Herrn sollte der Mittelpunkt des Landes Zion sein.
Joseph Smith kehrte nach Kirtland zurück. Von Bischof Edward Partridge erhielt jeder Mormone im Kreis Jackson ein Stück Land zugewiesen. Die Leute waren sehr arm und hatten nicht einmal Zelte, um sich während der Zeit, in der sie ihre Holzhütten bauten, vor den Unbilden des Wetters zu schützen. Auch hatten sie nur wenige Geräte, um das Land zu bearbeiten. Also reisten Gruppen in das 300 Kilometer östlich gelegene St. Louis und besorgten die benötigten Geräte. Als die Mormonen auf diese Weise ausgerüstet waren, begannen sie, das Land für die Aussaat und Anpflanzung vorzubereiten. Emily Coburn war sehr beeindruckt von dem, was sie sah, und sie berichtete: „Es war wirklich ein seltsamer Anblick. Vier, fünf Ochsen pflügten das Land. Zäune und andere Verbesserungen wurden rasch erstellt. So schnell es die Zeit und das Geld und die Arbeitskraft zuließen, wurden Hütten gebaut und für die Familien hergerichtet.“ (Emily M.Austin, Mormonism, 67).
Das Leben am Rand der Wildnis war zwar beschwerlich, aber die Mormonen aus Colesville blieben fröhlich und guten Mutes. Parley P. Pratt, der sich bei ihnen niedergelassen hatte, sagte: „Wir erlebten in unseren Gebetsversammlungen und in unseren anderen Versammlungen glückliche Stunden, und der Geist des Herrn wurde über uns ausgegossen. Selbst unsere kleinen Kinder, die nur acht, zehn, zwölf Jahre alt waren, sprachen, beteten und prophezeiten in unseren Versammlungen und in den Familienandachten. In dieser kleinen Kirche in der Wildnis herrschten Frieden und Einigkeit, Liebe und Güte. Die Erinnerung daran wird mir immer sehr kostbar sein.“ (Autobiography of Parley P. Pratt, Hg. Parley P. Pratt jun. (1938), 72).
Im April 1832 freuten sich die Mormonen, als der Prophet Joseph Smith und Sidney Rigdon zum zweiten Mal zu Besuch kamen. Die beiden hatten gerade auf der Farm von John Johnson in Hiram, Ohio, wo sie an der Übersetzung der Bibel gearbeitet hatten, Schlimmes erlebt. Joseph war eines Nachts von einer Gruppe von Feinden der Mormonenkirche aus dem Haus gezerrt, gewürgt, entkleidet, geteert und gefedert worden. Sidney Ridgon war an den Fersen gegriffen und über gefrorenen rauhen Boden gezerrt worden, wobei er sich schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte. Nach den Mißhandlungen waren sie nun unter Freunden und in Sicherheit. Joseph sagte, daß ihm „ein Willkommen zuteil wurde, wie es nur unter Brüdern und Schwestern möglich ist, die eines Glaubens und einer Taufe sind und die von demselben Herrn getragen werden. Besonders die Heiligen aus Colesville freuten sich so, wie die Heiligen vor alters sich mit Paulus gefreut haben. Es ist gut, sich mit dem Volk Gottes zu freuen.“ (History of the Church, 1:269). (mehr)
Die Verfolgung im Kreis Jackson
Bischof Partridge kaufte, so wie es der Herr geboten hatte, im Kreis Jackson Hunderte Morgen Land, das für die vielen Mormonen bestimmt war, die aus Ohio und anderen Gebieten übersiedelten. Für diese Mormonen gründeten die Führer zunächst die folgenden Zweige: Independence, Colesville, Whitmer, Big Blue und Prairie. Bis Ende 1833 wurden zehn Zweige gegründet. Als im April 1833 der dritte Jahrestag der Gründung der Mormonenkirche gefeiert wurde, versammelten sich über 1000 Mormonen am Ufer des Big Blue River. Newel Knight sagte, daß diese Versammlung die erste Feier dieser Art in Zion war und daß die Mormonen fröhlich waren. Newel beobachtete aber auch: „Wenn die Heiligen sich freuen, ärgert sich der Teufel, und die Kinder und Diener des Teufels haben am Geist des Teufels Anteil.“ („Newel Knight’s Journal“, Scraps of Biography (1883), 75).
Noch im April setzte die Verfolgung ein. Zunächst erklärten die Einheimischen den Mormonen, der Zuzug so vieler Mormonen werde nicht gern gesehen, denn man befürchtete, daß die Mormonen bei den Wahlen bald die Mehrheit bekommen würden. Die Mormonen stammten hauptsächlich aus den Nordstaaten und waren mehrheitlich gegen die Versklavung der Schwarzen. Die Sklaverei war in Missouri damals noch gesetzlich erlaubt. Es beunruhigte die Einheimischen, daß die Mormonen an das Buch Mormon als heilige Schrift glaubten, daß sie sagten, daß der Kreis Jackson einmal ihr Zion sein werde, und daß sie behaupteten, sie würden von einem Propheten geführt. Die Mormonen wurden auch deshalb von den Einheimischen verdächtigt, weil man ihnen vorwarf, sie hätten Kontakte zu den Indianern.
Von den Gegnern der Mormonenkirche wurde ein Rundbrief, der auch als Geheimverfassung bezeichnet wurde, in Umlauf gebracht. Durch diesen Brief versuchte man Unterschriften von denjenigen zu bekommen, die bereit waren, die „Mormonengeißel“ auszumerzen. Am 20. Juli 1833 erreichten die Feindseligkeiten ihren Höhepunkt, als über 400 Männer am Amtsgebäude in Independence zusammenkamen, um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Den Kirchenführern der Mormonen wurden Schreiben vorgelegt, in denen verlangt wurde, daß die Mormonen den Kreis Jackson verlassen sollten; die Mormonen sollten ihre Zeitung, The Evening and Morning Star, nicht mehr drucken dürfen, und weiteren Mormonen sei der Zuzug in den Kreis Jackson zu verwehren. Als sich die Kirchenführer diesen ungesetzlichen Forderungen nicht beugen wollten, griffen die Männer das Büro der Zeitung an, das zum Wohnhaus von William W. Phelps gehörte. Die Angreifer stahlen die Druckerpresse und zerstörten das Gebäude.
Das Buch der Gebote wird vernichtet
Das Buch der Gebote war das wichtigste Buch, das in der Zeitungsdruckerei gedruckt wurde. Es war die erste Zusammenstellung der Offenbarungen, die der Prophet Joseph Smith empfangen hatte. Als die Männer das Gebäude angriffen, warfen sie die ungebundenen Seiten des Buches auf die Straße. Dabei wurden sie von zwei jungen Mormonen beobachtet, Mary Elizabeth Rollins und ihrer Schwester Caroline, die unter dem Einsatz ihres Lebens zu retten versuchten, was zu retten war. Mary Elizabeth berichtet:
„Die Männer brachten große Papierbögen nach draußen und sagten: ‚Hier sind die Mormonengebote.‘ Meine Schwester Caroline und ich saßen an einer Zaunecke und beobachteten sie. Als die Männer von den Geboten sprachen, wollte ich einige davon holen. Meine Schwester sagte, wenn ich einige Bögen holte, würde sie mitkommen, aber sie meinte: ‚Sie werden uns umbringen.‘“ Während die Männer am anderen Ende des Gebäudes beschäftigt waren, rannten die beiden Mädchen los und sammelten die wertvollen Bögen auf. Die Männer entdeckten dies und befahlen den Mädchen, damit aufzuhören. Mary Elizabeth berichtet: „Wir rannten, so schnell wir konnten. Zwei von ihnen verfolgten uns. Wir fanden ein Loch im Zaun, liefen in ein großes Maisfeld, legten die Bögen auf den Boden und uns schützend darüber. Das Getreide war fünf bis sechs Fuß hoch und stand sehr dicht; die Männer suchten uns angestrengt. Sie kamen uns zwar sehr nahe, aber sie fanden uns nicht. “Als die Schurken fort waren, machten sich die Mädchen auf den Weg zu einem alten Stall. Hier sahen sie, so berichtet Mary Elizabeth, wie „Schwester Phelps mit ihren Kindern Strauchwerk in den Stall trug und es an einer Wand des Stalls als Bett herrichtete. Sie fragte mich, was ich bei mir trüge – ich sagte es ihr. Sie nahm die Bögen an sich. . . . Aus den Bögen wurden kleine Bücher gebunden, und ich erhielt eins davon. Dieses Buch ist mir sehr kostbar.“(Mary Elizabeth Rollins Lightner, Utah Genealogical and Historical Magazine, Juli 1926, 196).
Bischof Partridge wird geteert und gefedert
Als nächstes griffen sich die Männer Bischof Edward Partridge und Charles Allen. Die beiden wurden zum öffentlichen Platz von Independence gebracht, und man befahl ihnen, das Buch Mormon zu widerrufen und die Gegend zu verlassen. Bischof Partridge sagte: „Ich erklärte ihnen, die Heiligen seien zu allen Zeiten verfolgt worden und ich hätte nichts getan, was bei irgend jemandem von ihnen Anstoß erregen könnte; falls sie Hand an mich legten, so mißhandelten sie einen unschuldigen Menschen und ich sei bereit, um Christi willen zu leiden, sei aber jetzt nicht bereit, wegzuziehen.“
Nach diesen Worten wurden beide bis auf die Unterwäsche entkleidet und geteert und gefedert. Bischof Partridge berichtet: „Ich ertrug die Mißhandlung mit solcher Ergebenheit und Demut, daß die Menge erstaunt schien. Die Leute ließen es zu, daß ich mich still entfernte, und viele sahen sehr ergriffen aus, und ich glaube, daß ihr Mitgefühl angesprochen worden war. Ich selbst war so sehr vom Geist und von der Liebe Gottes erfüllt, daß ich weder für meine Peiniger noch für irgend jemanden sonst Haß empfand.“(History of the Church, 1:391).
Die Schlacht am Big Blue River
Der Mob kehrte am 23. Juli zurück. Die Führer der Kirche boten sich als Geiseln an, wenn dadurch die Mitglieder verschont blieben. Aber die Männer drohten, die ganze Kirche zu vernichten, und sie zwangen den Brüdern die Zusage ab, daß alle Mormonen die Gegend verließen. Weil der Mob gegen das Gesetz und die Verfassung der Vereinigten Staaten und des Staates Missouri verstieß, suchten die Kirchenführer Unterstützung beim Gouverneur des Staates Missouri, Daniel Dunklin. Er klärte die Mormonen über ihre Bürgerrechte auf und empfahl ihnen, rechtlichen Beistand zu suchen. Alexander W.Doniphan und andere wurden beauftragt, die Mitglieder der Mormonenkirche juristisch zu vertreten. Dies brachte den Mob noch mehr auf.
Zunächst versuchten die Mormonen noch, direkte Auseinandersetzungen zu vermeiden. Die Mißhandlungen und der Vandalismus gipfelten dann aber in einem Kampf, der am Big Blue River ausgetragen wurde. Zwei Männer aus dem Mob wurden getötet, und die Mormonen verloren Andrew Barber. Philo Dibble wurde dreimal in den Bauch geschossen. Newel Knight wurde gebeten, ihm einen Krankensegen zu geben, der wunderbare Folgen haben sollte. Bruder Dibble berichtet: „Bruder Newel Knight sah nach mir und setzte sich an mein Bett. . . . Ich spürte, wie der Geist über meinem Kopf ruhte, noch bevor die Hände von Bruder Knight mich berührten, und ich wußte in demselben Augenblick, daß ich geheilt werden würde. . . . Ich erhob mich sofort und verlor drei Liter Blut oder noch mehr. Darin befanden sich einige Stoffreste, die mit den Kugeln in meinen Körper gelangt waren. Dann zog ich mich an und ging nach draußen. . . . Seitdem habe ich keinen Tropfen Blut mehr verloren und auch nicht den geringsten Schmerz oder Unannehmlichkeiten wegen meiner Wunden gespürt, außer daß ich wegen des Blutverlusts etwas geschwächt war.“( „Philo Dibble’s Narrative“, Early Scenes in Church History (1882), 84f).
Gouverneur Dunklin griff ein und wies Oberst Thomas Pitcher an, beide Seiten zu entwaffnen. Die Symapthien Oberst Pitchers gehörten aber dem Mob, und er nahm den Heiligen dieWaffen ab und gab sie dem Mob. Die wehrlosen Heiligen wurden angegriffen, und ihre Häuser wurden zerstört. Die Männer suchten in den Wäldern Schutz oder wurden mißhandelt. Zum Schluß riefen die Kirchenführer die Mitglieder auf, ihre Habseligkeiten zu sammeln und aus dem Kreis Jackson zu fliehen.
Zuflucht im Kreis Clay
Die Mehrzahl der Mormonen überquerte Ende 1833 den Missouri nordwärts, um in den Kreis Clay zu gelangen, wo sie vorübergehend Zuflucht fanden. Parley P. Pratt berichtet darüber: „Dort, wo die Fähre an beiden Ufern anlegt, begannen Männer, Frauen und Kinder mit Gütern, Wagen, Kisten, Vorräten usw. die Ufer zu säumen, während die Fähre beständig hin- und herfuhr; und als die Nacht über uns hereinbrach, sah das Pappelwäldchen wie ein Zeltlager aus. Hunderte lagerten in jeder Richtung, einige in Zelten, andere im Freien um ihr Feuer, und der Regen strömte herab. Männer suchten nach ihrer Frau, Frauen nach ihrem Mann, Eltern nach ihren Kindern, Kinder nach ihren Eltern. Einige hatten Glück gehabt und konnten zusammen mit ihrer Familie, ihrem Haushalt und ihren Vorräten fliehen, während andere nicht einmal um das Schicksal ihrer Freunde wußten und all ihre Habe verloren hatten. Der Anblick . . . hätte jedem Menschen das Herz erweicht, nur nicht unseren Unterdrückern und dem blinden und ignoranten Gemeinwesen.“( Autobiography of Parley P. Pratt, 102).
So wurde den Heiligen vorübergehend die Möglichkeit genommen, im Kreis Jackson Zion zu errichten und dort ihrem Gott einen Tempel zu bauen. Rund 1200 Heilige unternahmen nun alles Notwendige, um den ungastlichen Winter am Fluß im Kreis Clay zu überleben. Einige nahmen Zuflucht in Wagenaufbauten, Zelten oder ausgehobenen Erdlöchern am Hügel, während andere in verlassene Hütten zogen. Newel Knight überstand den Winter in einem Indianer-Wigwam. Eines der ersten Gebäude, das die Mormonen im Kreis Clay errichteten, war ein kleines Blockhaus, in dem sie sich zum Gottesdienst versammelten. Hier „vergaßen sie nicht, dem allmächtigen Gott dafür zu danken, daß er sie aus den Händen ihrer niederträchtigen Feinde befreit hatte, und sie baten ihn um seine schützende Fürsorge für die Zukunft – daß er den Menschen, zu denen sie geflohen waren, das Herz erweichen möge und daß sie etwas fänden, um sich selbst zu versorgen.“ („Newel Knight’s Journal“, Scraps of Biography, 85).
Die Verfolgung des Zionslagers
Wie zuvor geschildert hatte der Herr Joseph Smith geboten, mit einer Gruppe von Männern von Kirtland nach Missouri zu marschieren, um den Mormonen zu helfen, die von ihrem Land im Kreis Jackson vertrieben worden waren. Als das Zionslager in den letzten Junitagen 1834 im östlichen Kreis Clay ankam, lief ein Pöbelhaufen von mehr als 300 Einwohnern zusammen, um sie in Empfang zu nehmen und das Zionslager zu vernichten. Auf Weisung des Propheten Joseph begannen die Brüder, am Zusammenfluß des Little Fishing River und des Big Fishing River ein Lager zu errichten.
Der Mob griff mit Kanonen an, aber der Herr war mit den Mormonen. Am Himmel zogen sich rasch Wolken zusammen. Der Prophet schilderte das Geschehen: „Es begann zu regnen und zu hageln. . . . Der Sturm war gewaltig; Wind und Regen, Hagel und Donner brachen mit Macht über sie herein und nahmen ihnen den schrecklichen Mut und machten ihre Absicht zunichte, ‚Joe Smith und seine Armee zu töten‘. . .Sie krochen unter die Wagen, in hohle Bäume, drängten sich in eine alte Hütte usw., bis der Sturm sich legte und ihre Munition durchweicht war.“ Nachdem der Sturm die ganze Nacht gewütet hatte, zog sich diese „‚verlorene Hoffnung‘ nach Independence zurück, um sich dort mit der Hauptgruppe des Mobs zu vereinigen. Sie wollten, wenn Jehova kämpft, lieber nicht dabei sein. . . . Es schien, daß vom Gott der Schlachten der Auftrag zur Vergeltung ausgegangen war, damit seine Diener vor der Vernichtung durch ihre Feinde geschützt waren.“(Andrew Jenson, The Historical Record (1888), 7:586).
Als es offensichtlich wurde, daß ein Heer des Mobs gegen die Mormonen aufgestellt war und daß Gouverneur Dunklin sein Versprechen, den Mormonen zu helfen, nicht hielt, betete der Prophet zum Herrn um Weisung. Der Herr erklärte ihm, die Umstände ließen es nicht zu, daß Zion jetzt erlöst werde. Die Mormonen müßten noch viel tun, um sich für die Errichtung Zions bereit zu machen. Viele hatten noch nicht gelernt, den Forderungen des Herrn zu gehorchen: „Und Zion kann nicht anders erbaut werden als nur nach den Grundsätzen des Gesetzes des celestialen Reiches; andernfalls kann ich es nicht zu mir nehmen. Und mein Volk muß notwendigerweise gezüchtigt werden, bis es Gehorsam lernt – wenn es sein muß, durch das, was es leidet.“ (LuB 105:5,6.) Der Herr wies an, daß das Zionslager seine militärischen Ziele nicht weiter verfolgen solle: „Im Hinblick auf die Übertretungen meines Volkes ist es mir darum ratsam, daß meine Ältesten eine kurze Zeit auf die Erlösung Zions warten, damit sie selbst sich bereitmachen können und damit mein Volk noch vollkommener belehrt werde.“ (LuB 105:9,10). Die Brüder des Zionslagers wurden ehrenhaft entlassen, und der Prophet kehrte nach Kirtland zurück.
