Thomas S. Monson
Aus MormonWiki
Als Gladys Monson am Sonn tag, den 21. August 1927, im St.-Mark's-Krankenhaus in Salt Lake City ihren ersten Sohn zur Welt gebracht hatte, erzählte ihr G. Spencer Monson, ihr Mann, daß die Gemeinde an diesem Tag einen neuen Bischof bekommen hatte. Die junge Mutter sagte darauf: „Ich habe hier einen neuen Bischof für dich.” Das war ein geradezu prophetisches Wort. Der Sohn, Thomas Spencer Monson (so genannt nach seinem Vater und dem Großvater mütterlicherseits, Thomas Sharp Condie), wurde am 7. Mai 1950 Bischof eben dieser Gemeinde. Der junge Mann war damals noch keine 23 Jahre alt und möglicherweise der jüngste Bischof der Kirche. Die Gemeinde zählte über tausend Mitglieder, darunter 85 Witwen, und hatte von allen Gemeinden der Kirche die größte Last im Bereich Wohlfahrt zu tragen. Niemand brauchte sich zu fragen, ob der junge Bischof dieser enormen Verwaltungsaufgabe gerecht werden könne. Thomas Monson war zwar jung, aber keineswegs ein Anfänger. Er hatte bereits als Ratgeber in der Bischofschaft gedient, war in der Marine der Vereinigten Staaten gewesen und hatte einen ausgezeichneten Abschluß an der University of Utah gemacht. Dazu war er bei der Zeitschrift Deseret News Leiter der Anzeigenabteilung und seit kurzem mit der jungen und schönen Frances Beverly Johnson verheiratet.
Gleich nach seiner Einsetzung machte sich Bischof Monson mit der ihm eigenen Begeisterung an die Arbeit. Er brachte in der Gemeinde eine Erneuerung zustande. Das altmodische Gemeindehaus wurde auf Hochglanz gebracht, die Jugendorganisationen bekamen neuen Schwung, die Anwesenheit in der Abendmahlsversammlung stieg deutlich an, den Bedürftigen wurde geholfen und die Witwen wurden liebevoll betreut. Bischof Monsons Sorge für die Witwen war wohl das Hauptmerkmal seines Dienstes. So besuchte er beispielsweise zu Weihnachten persönlich jede einzelne Witwe, brachte ihr ein Geschenk und hinterließ seinen Segen. Über die Jahre hat er sich dies zur Gewohnheit gemacht. Anfangs nahm er sich dazu eine Woche Urlaub.
Solche Leistungen blieben nicht unbemerkt. Anläßlich der Pfahlkonferenz des Pfahles Temple View im Juni 1955 wurde Bischof Thomas S. Monson von Präsident Joseph Fielding Smith als Zweiter Ratgeber des Pfahlpräsidenten Percy K. Fetzer vorgeschlagen. Als Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft war er unter anderem für die Jugendprogramme verantwortlich. Als Bischof und als Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft war ihm schon immer ganz besonders an den Pfadfindern gelegen, in deren amerikanischer Organisation, den Boy Scouts of America (BSA), er bis heute eine führende Rolle innehat. Er ist zur Zeit das dienstälteste Mitglied im Nationalausschuß der BSA. Der Silberne Biber und der Silberne Büffel wurden ihm verliehen, ebenso der Bronzene Wolf, die höchste Auszeichnung im internationalen Pfadfinderwesen. Thomas S. Monson wurde als Ratgeber in der Pfahlpräsidentschaft ehrenvoll entlassen, als er und seine Frau mit den beiden Kindern, Tom und Ann, nach Holladay übersiedelten.
Präsident Monson war inzwischen auch beruflich vorangekommen. Als die beiden Zeitungen Deseret News und Salt Lake Tribune eine gemeinsame Firma, die Newspaper Agency Corporation, gründeten, wurde er stellvertretender Leiter der Anzeigenabteilung. Kurz darauf wurde er zum stellvertretenden Geschäftsführer und Vertriebsleiter der Deseret Press ernannt. Die Firma stellte damals gerade auf Offsetdruck um und gab vor allem Telefonbücher, mehrfarbige Magazine, Gewerbezeitschriften, Kataloge, gebundene Sammelausgaben von Zeitschriften und verschiedene Veröffentlichungen der Kirche heraus. Thomas S. Monson engagierte sich auch in der Printing Industry of Utah, einer Vereinigung, deren Präsident er wurde. Außerdem wurde er Ausschußmitglied bei der Dachorganisation Printing Industry of America, die Kontakte mit hervorragenden Druckereien überall auf der Welt pflegte.
Präsident Spencer W. Kimball schätzte Thomas S. Monson als Mann der Tat, als jemand, der unverzüglich und energisch handelt. Er nahm die Dinge aber auch mit grenzenlosem Optimismus und voll Freude in Angriff, und das kennzeichnete seine Arbeit als Missionspräsident. Er konzentrierte sich vor allem auf die Missionare. Er kannte bald jeden mit Namen, belehrte und beriet sie häufig und machte einem jeden Mut, das Beste aus sich zu machen. Wegen dieser Anteilnahme kam es nie dazu, daß ein Missionar seine Mission vorzeitig abbrach oder ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden mußte. Unter Präsident Monsons Führung wurde kein Missionar unehrenhaft entlassen, und keiner ging vorzeitig nach Hause. Solche Führungsqualitäten wirkten sich auch auf den Erfolg der Missionare aus. In Präsident Monsons Amtszeit stieg die Zahl der Bekehrungen pro Missionar sowie die der Bekehrtentaufen insgesamt so stark an, daß die Kirche sehr schnell viele neue Versammlungshäuser bauen mußte.
Ein Höhepunkt in der Mission der Monsons war die Gründung des Pfahls Toronto, des 300. Pfahls der Kirche. Elder Mark E. Petersen bereiste damals gerade das Missionsgebiet. Elder Alma Sonne, der Elder Petersen begleitete, wollte wissen, warum die Sonntagsversammlung nicht in der großen Schulaula abgehalten werden könne, in dem auch die Samstagsversammlung stattfand. „Für die vielen Menschen, die mein Mann erwartet, würde es hier zu eng”, erklärte Frances Monson. Und sie sollte recht behalten. Selbst das Odeon-Carleton-Kino konnte die mehr als 2200 Menschen kaum fassen, die damals zur Pfahlgründung erschienen. Es war die bis dahin wohl größte Versammlung von Mitgliedern der Kirche in Kanada. Die Kellnerinnen der Restaurants in der Nähe wunderten sich anfangs, daß die meisten Gäste koffeinfreie Getränk bestellten, bis sie erfuhren, daß die Mormonen sich versammelt hatten.
In Toronto lernte Präsident Monson einen bekannten kanadischen Geschäftsmann namens N. Eldon Tanner kennen. Nach der ersten Begegnung mit ihm sagte Bruder Monson daheim zu seiner Frau: „Dieser Mann wird einmal dem Kollegium der Zwölf angehören.” Wie wir wissen, wurde N. Eldon Tanner sogar Mitglied der Ersten Präsidentschaft und diente der in die erheblich schnellere Rollenoffset-Technik. Dazu mußten das gesamte technische Personal gründlich umgeschult werden. Bruder Monson war mit diesen äußerst komplizierten Änderungen befaßt und mußte sich auch erst noch an seine neue Führungsposition gewöhnen; darüber hinaus erhielt er auch Aufgaben von der Verwaltung der Kirche. Zunächst diente er unter Elder Spencer W. Kimball im Priestertums-Komitee für Missionsarbeit. Danach war er unter N. Eldon Tanner, der damals bereits dem Kollegium der Zwölf angehörte, im Priestertums-Komitee für Genealogie tätig. Später arbeitete er im Korrelationskomitee für Erwachsene mit, und schließlich unter Elder Marion G. Romney im Priestertums-Komitee für Heimlehrarbeit. In diesen Funktionen begleitete er die jeweils zuständigen Generalautoritäten auf Pfahlkonferenzen und schulte dort im Rahmen seiner Berufung die Pfahl- und Gemeindebeamten. Einmal, als er mir Elder Romney unterwegs war, sprach er stellvertretend auch über Wohlfahrt, und da kannte er sich seit der Zeit als Bischof gründlich aus.
Bis zum Oktober 1963 war Thomas S. Monson bereits den meisten Generalautoritäten persönlich bekannt; auch Präsident David O. McKay kannte ihn, denn er hatte Bruder Monsons Missions-Abschlußbericht entgegengenommen und war einmal von ihm durch die Produktionsräume der Deseret Press geführt worden. Sie alle kannten seinen Werdegang und seine reiche Erfahrung auf Gemeinde-, Pfahl- und Missionsebene sowie in der Verwaltung der Kirche. Er stand im Ruf, in jeder Aufgabe, innerhalb und außerhalb der Kirche, Hervorragendes geleistet zu haben. So war es für die Brüder keineswegs überraschend, als Präsident McKay durch Offenbarung Thomas S. Monson, damals 36 Jahre alt, zum Apostel berief. Er war übrigens der jüngste Apostel seit 1910; damals war Joseph Fielding Smith im Alter von 33 Jahren als Apostel berufen worden. Nun sprach Elder Monson auf Pfahl- und Generalkonferenzen, und die Mitglieder lernten ihn als redegewandten und überzeugenden Sprecher kennen. Er schulte und beriet auf Pfahlkonferenzen, er bereiste Missionen, und überall wurden seine Weisheit, seine Erfahrung und seine Inspiration ersichtlich.
Zu Hause stand der junge Tomas Monson unrer dem Einfluß seiner Eltern, die skandinavische und englische Vorfahren hatten. Sein Vater war schwedischer und englischer, seine Mutter schottischer Abstammung. Neben anderen Tugenden lehrten Sie ihn Nächstenliebe und harte Arbeit. „The Terrace” lag in der Nähe des Bahndamms, und so kam es des öfteren vor, daß Reisende bei ihnen anklopften und um etwas zu essen baten. Gladys Monson schickte nie einen fort. Im Gegenteil, sie lud die Leute ein, am Küchentisch Platz zu nehmen, und gab ihnen ein belegtes Brot und ein Glas Milch. Präsident Monson weiß auch noch, wie er einem einsamen Nachbarn, der liebevoll „Old Bob” (der alte Bob) genannt wurde, oft ein warmes Mittagessen brachte. „Gott segne dich, mein Junge”, sagte der alte Mann oft mit Tränen in den Augen. „Du hast eine wunderbare Mutter.” Solch freundliche Gesten waren kein Einzelfall, sondern Beispiele jener ständigen Hilfsbereitschaft, die das Wesen seiner Mutter kennzeichnete. Dieses Verhalten verfehlte nicht seine Wirkung auf den heranwachsenden Jungen.
So war es auch mit der unermüdlichen Sorge des Vaters für das Wohlergehen der Familie während der großen Wirtschaftskrise. G. Spencer Monson war Manager der Western Hotel Register Company, einem Druckereibetrieb, der Hotelformulare, Speisekarten usw. druckte. Schon früh begann Tom, seinem Vater bei der Arbeit zur Hand zu gehen. Zuerst half er mal da, mal dort, und später erlernte er das Druckergewerbe. Hier lernte er den Wert der Arbeit kennen und fand Zugang zu dem Beruf, den er als Erwachsener viele Jahre lang ausüben sollte.
Frances Monsons Vorfahren kamen aus Schweden, und sie ist von Natur aus ausgeglichen und freundlich. Daher fand sie damals ohne Schwierigkeiten ihren Platz in der Familie Monson. Als der junge Tom sich seinen zukünftigen Schwiegereltern vorstellte, stellte sich heraus, daß sein Großonkel Elias Monson bei der Bekehrung der Familie Johnson in Schweden eine Rolle gespielt hatte. Gerührt umarmten Franz und Hildur Johnson ihren künftigen Schwiegersohn. Für Frances war das zwar ein wenig peinlich, denn so einen herzlichen Empfang hatte sie für ihren neuen Freund nicht erwartet. Später meinten die beiden allerdings, daß das, was ihre Vorfahren miteinander verband, vielleicht mehr als bloßer Zufall gewesen sein könnte.
Die Familien, die auf „Condie's Terrace” lebten, waren auch Präsident Harold B. Lee gut bekannt, der zu Beginn der Wirtschaftskrise über den Pfahl Pioneer präsidierte. Besonders für Tom Monson interessierte sich Präsident Lee sehr. Unter anderem ordinierte er ihn zum Hohen Priester und setzte ihn als Ratgeber in der Bischofschaft ein. Später wandte sich Tom an Präsident Lee wegen einer Sache, die ihm Kopfzerbrechen machte. Er war Reservist bei der Marine und hatte sich sehr um die Beförderung zum Leutnant zur See Beförderung nicht anzunehmen und aus der Marine auszuscheiden. Zunächst hatte Tom Einwände. Die Beförderung abzulehnen wäre kein Problem, aber sein Abschiedsgesuch würde angesichts der steigenden Spannungen im Fernen Osten möglicherweise nicht bewilligt werden. „Haben Sie mehr Glauben, Bruder Monson”, sagte Elder Lee. „Ihre Zukunft liegt nicht beim Militär.” Tom befolgte diesen Rat und war einer der letzten, die vor dem Ausbruch des Koreakriegs noch entlassen wurden. Elder Monson schätzte Harold B. Lee so sehr, daß er seinen ersten Sohn Thomas Lee Monson nannte.
Interessanterweise führte der erste Auftrag als Apostel Elder Monson gemeinsam mit Elder Harold B. Lee nach Edmonton in Kanada. Glen L. Rudd, vom Priestertums-Komitee für Wohlfahrt war auch dabei. Bruder Rudd war früher Bischof im Pfahl Pioneer gewesen, und die drei kannten sich daher gut. Elder Monson arbeitete als Apostel eng mit Harold B. Lee in Fragen der Korrelation zusammen. Obwohl er dem Kollegium der Zwölf noch nicht lange angehörte, wurde er Vorsitzender des Korrelationskomitees für Erwachsene, das für alle Programme und Unterrichtsleitfäden der erwachsenen Mitglieder zuständig war. Er wurde auch Vorsitzender des Führerschaftskomitees; dieses Komitee schulte alle Generalautoritäten in den Programmen der Kirche, über die auf den Pfahlkonferenzen gesprochen werden sollte.
Später war Elder Monson Vorsitzender des Missionars-Führungskomitees und des Wohlfahrts-Führungskomitees der Kirche. Sein Mitgefühl für die Bedürftigen macht nicht bei den Mitgliedern der Kirche halt. Er war einer derjenigen, die sich dafür einsetzten, daß sich die Kirche finanziell an der Volksküche von St. Vincent de Paul sowie am Bau eines Obdachlosenheims in Salt Lake City beteiligte. Der katholische Gemeindedienst ehrte ihn für seine ökumenische Fürsorge für Menschen aller Glaubensrichtungen. Außerdem war Bruder Monson als Apostel nacheinander für die Missionen an der Westküste der Vereinigten Staaten, im Südpazifik und in Europe zuständig. Europa besuchte er im Lauf von 20 Jahren immer wieder. Er war maßgeblich an den Vorbereitungen für die Errichtung des Tempels in Freiberg in der (damals noch existierenden) Deutschen Demokratischen Republik beteiligt. 1985 wurde dieser Tempel geweiht. Vier Jahre später, nachdem Präsident Monson auf höchster Ebene Kontakte geknüpft hatte, gestattete die ostdeutsche Regierung erstmals seit 50 Jahren wieder die Einreise von Missionaren unserer Kirche. Auch durften Mitglieder aus Ostdeutschland nun ins Ausland auf Mission gehen. Was im Zusammenhang mit diesen Meilensteinen der Geschichte geschah, zeigt, daß sie erst durch das Wirken Gottes möglich gemacht wurden.
In allen seinen Aufgaben zeigt Präsident Monson ein außergewöhnliches geistiges Einfühlungsvermögen. Er hat gelernt, auf Eingebungen des Geistes sofort und ohne Vorbehalt zu reagieren. Als er einmal einigen Priestertumsführern die Hand schüttelte, „wußte” er bereits von einem bestimmten Bischof, daß er der neue Patriarch werden würde. Immer wieder hatte er solche Erlebnisse, die eine Verheißung aus seinem Patriarchalischen Segen bestätigen, daß er nämlich den „Geist des Erkennens” haben werde. Solche Eingebungen hat er allerdings nicht nur, wenn es darum geht, neue Führer in der Kirche zu berufen. Er empfängt diese Inspiration auch oft, wenn er jemanden berät, ein Telefongespräch führt oder über persönliche Entscheidungen nachdenkt. Es ist eine geistige Gabe, die ihm in überreichem Maß zuteil wurde.
In einer Sonderversammlung des Kollegiums der Zwölf Apostel wurde Präsident Monson am Sonntag, den 4. Februar 2008 in einem der oberen Räume im Salt Lake Tempel. st er als Prophet, Seher, Offenbarer und Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage eingesetzt worden. Seitdem bildet er mit seinen beiden Ratgebern Elder Dieter F. Uchtdorf und Elder Henry B. Eyring die Erste Präsidentschaft. Seit fast einem halben Jahrhundert hat Präsident Monson die Mitglieder der Kirche mit seinen Ansprachen bei Generalkonferenzen inspiriert, belehrt und unterhalten. Am bedeutsamsten sind davon wohl jene Ansprachen und Artikel, in denen er als besonderer Zeuge Zeugnis gibt. Er sagt: „Ich bezeuge, daß Gott lebt, daß Jesus der Messias ist, unsere ältester Bruder, unser Fürsprecher beim Vater, unser Herr und Erretter, unser Erlöser. Ich weiß, er lebt, und ich gebe Ihnen feierlich Zeugnis davon. Mögen Sie ebenfalls dieses Zeugnis im Herzen tragen, so daß es Sie während dieses Erdenlebens zu führen und sie sicher in die ewigen Welten unseres himmlischen Vaters zurückzubringen vermag.”
Sein Zeugnis
verwendete Quellen
- Der Stern Oktober 1995
zusätzliches Material
- Der Stern Oktober 1986 S. 15: Präsident Thomas S. Monson - Immer breit für die Angelegenheit des Herrn
