Sonntagsschule

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Die Sonntagsschule ist eine Organisation der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die sowohl der Jugend in jeder Altersgruppe als auch den Erwachsenen Belehrung anbietet. Jeden Sonntag gibt es eine Klassenzeit von etwa einer Stunde, währenddessen die Heiligen Schriften oder ein Evangeliumsthema angeboten wird. Idealerweise ist sind die Klassen interaktiv, indem sich jedes Mitglied beteiligt und der Lehrer die Diskussion leitet, das Thema darstellt, Erklärungen anbietet und gegebenenfalls Klarstellungen wo nötig. In einer Offenbarung an Joseph Smith erklärte Der Herr:

Wahrlich, ich sage euch: Wer von mir ordiniert und ausgesandt ist, das Wort der Wahrheit durch den Tröster zu predigen, im Geist der Wahrheit, predigt er es durch den Geist der Wahrheit oder auf eine andere Weise?
Und wenn es auf eine andere Weise geschieht, ist es nicht von Gott.
Und weiter: Wer das Wort der Wahrheit empfängt, empfängt er es durch den Geist der Wahrheit oder auf eine andere Weise? Wenn es auf eine andere Weise geschieht, ist es nicht von Gott. Wie kommt es also, daß ihr nicht verstehen und erkennen könnt, daß der, der das Wort durch den Geist der Wahrheit empfängt, es so empfängt, wie es durch den Geist der Wahrheit gepredigt wird? Darum verstehen der, der predigt, und der, der empfängt, einander, und beide werden erbaut und freuen sich miteinander. (LuB 50:17-22).

Die Schriftstelle zeigt, dass die Dinge Gottes durch den Heiligen Geist gelehrt werden sollen, so dass Lehrer und Schüler erbaut werden. In einer späteren Offenbarung bezüglich den ersten Sonntagsschulen, die in Kirtland organisiert wurden, sagte der Herr: "Bestimmt unter euch einen zum Lehrer, und laßt nicht alle auf einmal Wortführer sein; sondern laßt immer nur einen reden, und laßt alle seinen Worten zuhören, so daß, wenn alle geredet haben, alle durch alle erbaut worden sein mögen und ein jeder das gleiche Recht habe." LuB 88:122) Darum soll jedes Mitglied seine Ansichten gemäß dem Heiligen Geist miteinander teilen, bis jeder die Gelegenheit hatte, sich mitzuteilen und belehrt zu werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Sonntagsschule

Bis 1840 wurde die Sonntagsschule nur unregelmäßig gehalten. Für eine Zeitlang wurde sie eingerichtet, um Missionare für ihre Berufung vorzubereiten. Das änderte sich, als ein junger Mann namens Richard Ballantayne sich in Schottland zur Kirche bekehrte und nach Utah ausgewandert war.

Richard Ballantayne

Ein Hagelsturm hatte Richard Ballantynes erste Getreideernte im Salzseetal vernichtet. Nur einige kostbare Halme blieben übrig, die im Herbst eingebracht werden sollten. Er, seine Frau Hulda und ihr Baby kamen letztes Jahr zu spät im Tal an, als daß sie noch irgend etwas hätten anbauen können; deshalb zählten sie auf die diesjährige Getreideernte, die ihnen über den Winter helfen sollte.

Mitten in seiner Mutlosigkeit hatte Bruder Ballantyne eine ungewöhnliche Eingebung. Seine Gedanken wanderten zurück in sein Heimatland, Schottland, wo er bekehrt worden war. Er dachte an all die schmutzigen Gassenkinder, die am Sonntag auf der Straße des kleinen Dorfes Fawn herumtollten. Bruder Ballantyne organisierte damals eine kleine Sonntagsschule für diese Kinder und belehrte sie über Jesus.

Jetzt, in diesem neuen Land, mit dem kargen Boden, dem so schwer etwas abzuringen war, dachte Bruder Ballantyne an die Kinder der Pioniere. Er liebte das Evangelium, und er liebte es, Kinder zu belehren. Bruder Ballantyne drückte seine Gefühle mit folgenden Worten aus: „Ich erkannte, daß das Evangelium zu kostbar war, um es den Kindern vorzuenthalten; sie sollten die Möglichkeit bekommen, übers Evangelium belehrt zu werden, und das war auch der Hauptzweck: sie das Evangelium zu lehren!”

Sonntagsschule in den Rocky Mountains
Sonntagsschule in den Rocky Mountains

Bruder Ballantyne sprach mit dem Bischof über seinen Plan, eine Sonntagsschule einzurichten. Der Bischof und die Generalautoritäten bestärkten ihn darin, seine Pläne auszuführen. Alles, was sie hatten, wurde auf 2 Wagen geladen, und Bruder Ballantyne zog mit seiner Familie vom alten Fort zu einem Bauplatz, der sich eine Straße westlich und drei Straßen südlich vom Baugelände des Tempels in Salt Lake City befand. Sie bauten einen Raum, der als „Sommerküche” verwendet werden sollte, während sie in einem Planwagen schliefen. Der andere Wagen diente als Lager. Immer wenn Bruder Ballantyne nicht gerade für Nahrung und Kleidung für seine Familie sorgen mußte, arbeitete er an einem Anbau zu seinem kleinen einräumigen Haus, der als Versammlungsraum geplant war. Er fuhr zum Millcreek-Canyon, wo er Bäume fällte, die er zu einer Sägemühle transportierte und dort zu Bauholz zuschneiden ließ. Den Sandstein für das Fundament und die Tür- und Fensterstöcke holte er aus einem Steinbruch im Red-Butte-Canyon. Lehmziegel für die Wände erstand er von einer Ziegelei im Westen der Stadt.

Der Sonntagsschulraum war 6,5 m lang und 6 m breit; er hatte innen getünchte Wände, außen waren die Lehmziegel zu sehen, der Boden bestand aus glattgehobelten Brettern, und das Dach wurde aus Holzstämmen und Brettern gebildet, die noch von einer mehreren Zentimeter dicken Erdschicht bedeckt waren. 2 Fenster an der Vorderseite und ein Fenster und eine Türe an der Südseite gaben dem Raum das nötige Licht. Ein großer offener Kamin spendete Wärme, und die Bänke wurden aus geschnittenem Bauholz gezimmert.

Schwester Ballantyne wählte die Lieder für die Sonntagsschule aus, machte Vorschläge für die Klassen und tat alles, um den Raum behaglich und einladend erscheinen zu lassen. Vor dem Haus pflanzte Bruder Ballantyne Pappeln, die Schatten spenden sollten, und dekorative Sträucher und Kletterpflanzen an. Außerdem wurde um das Haus noch ein Zaun gebaut. Als die Winterszeit begann, war das Haus fertiggestellt, und der bärtige Schotte lud alle Kinder aus der Nachbarschaft zur Sonntagsschule in sein neues Haus ein.

Am Sonntagmorgen um 8 Uhr, am 9. Dezember 1849, stampften sich etwa 30 Kinder zwischen 8 und 13 Jahren den Schnee von den Schuhen und traten in die Sonntagsschule ein, wo sie von einem warmen Feuer und Richard Ballantyne begrüßt wurden. Mit strahlenden Augen rief er die Kinder zur Ruhe. Nach einem Lied sprach er das Gebet und weihte den Raum für den Zweck, Kinder das Evangelium Jesu Christi zu lehren.

Die Sonntagsschule wurde in der Zeit von 1858 bis 1864 ausgesetzt wegen des Utah-Krieges. Seit 1872 aber ist die Sonntagsschule eine offizielle Hilfsvereinigung und seither ein wichtiger Teil der Kirche

Sonntagsschulklassen

Die Hauptklasse der Sonntagsschule für Erwachsene ist auch als Evangeliumsklasse bekannt. Jedes Jahr wird in dieser Klasse entweder das Buch Mormon, das Neue Testament, das Alte Testament oder Lehre und Bündnisse gelehrt. Die Lehrer sind ausgestattet mit einem Grundlehrplan, der so gestaltet ist, dass er mehr Informationen hat als in der Klassenzeit unterrichtet werden kann. Auf diese Weise können die Lehrer gebeterfüllt studieren, darüber nachsinnen und dann entscheiden, was am nötigsten ist, der jeweiligen Klasse zu unterrichten. Weil der gleiche Leitfaden in der gesamten Kirche überall verwendet wird, kann man reisen und eine Evangeliumsklasse an einem fernen Ort besuchen, ohne eine Lektion zu vermissen.

verwendete Quellen

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