Sehersteine
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Von Zeit zu Zeit, wenn es Gottes Absicht entspricht, bringt der Herr persönlich seinen erwählten Propheten einen Urim und Tummim oder er schickt ihn durch Engel. Mit Hilfe dieses Urims und Tummims kann ein Prophet Offenbarungen empfangen oder alte Berichte übersetzen, die in unbekannten Sprachen geschrieben sind. Mit Gottes Zustimmung dürfen die Propheten diese Instrumente an ihre irdischen Nachfolger weiterreichen.
Ein Urim und Tummim besteht aus zwei besonderen Steinen, die man auch als Sehersteine oder Übersetzer bezeichnet. Die hebräischen Wörter stehen beide im Plural und bedeuten Licht und Vollkommenheit. Offenbar heißt der eine Stein Urim und der andere Tummim. Gewöhnlich sind sie an einer Lostasche (einem Brustschild) befestigt, die der Prophet über seinem Herzen trägt (Exodus 28:30; Levitikus 8 :8).
Weil diese Instrumente sehr heilig sind, haben nur wenige Menschen sie je gesehen, und selbst die Zeit und die Umstände, unter denen ein Sterblicher sie zu sehen bekommt, sind nicht klar festgesetzt. Zweifellos waren sie vor der Sintflut in Gebrauch, aber den ersten schriftlichen Hinweis auf sie finden wir im Zusammenhang mit den Offenbarungen, die der Herr dem Bruder Jareds gab (Ether 3:21-28).
Abraham besaß diese Steine (Abraham 3:1-4), und Aaron und die Priester Israels besaßen sie ebenfalls und überlieferten sie von einer Generation auf die nächste (Exodus 28:30; Leveitikus 8 :8) Numeri 27:21; Deuteronomium 33:89; 1. Samuel 28:6; Esra 2:63; Nehemia 7:65). Wir haben keinen Beweis, daß Lehi einen Urim und Tummim mit auf den amerikanischen Kontinent brachte, aber König Mosia besaß einen vor der Entdeckung des Buches Ether. Er wurde von einem Propheten an den nächsten weitergereicht (Omni 20,21; Mosia 8:13-19; 21:26-28; 28:11-20; Alma 63:12; Ether 4:1-7).
Joseph Smith empfing denselben Urim und Tummim, den der Bruder Jareds besessen hatte, denn dieser war ausdrücklich dazu bestimmt worden, die Berichte der Nephiten und Jarediten zu übersetzen 10:1; 17:1; Ether 3:22-28). Es war ein anderer Stein als der, den Abraham und die Priester Israels besessen hatten. Joseph Smith besaß auch einen Seherstein, der sich vom Urim und Tummim unterschied, der aber von manchen als Urim und Tummim bezeichnet worden ist (Doctrines of Salvation, Bd. 3, S. 222-226).
Präsident Joseph F. Smith schreibt über den Seherstein und den Urim und Tummim: „Seit den Tagen Joseph Smiths hat man uns gesagt, daß der Urim und Tummim dem Engel zusammen mit den Platten zurückgegeben worden sei. Wir haben keinen Beweis, daß der Prophet Joseph Smith den Urim und Tummim noch nach der Gründung der Kirche besaß. Berichte von Übersetzungen, die nach diesem Datum mit Hilfe des Urims und Tummims gemacht worden seien, sind offenbar falsch. Jemand hat behauptet, daß der Urim Tummim auf dem Altar des Manti-Tempels gelegen habe, als dieses Haus geweiht wurde. Dieser Urim und Tummim war jedoch der Seherstein, den Joseph Smith in seiner Jugend besaß. Dieser Seherstein befindet sich jetzt im Besitz der Kirche” (Doctrines ofSalvation, Bd. 3, S. 225).
Als Moroni dem Propheten Joseph Smith zum ersten Mal die Existenz der goldenen Platten offenbarte, sprach er auch von zwei Steinen: „Bei den Platten seien auch zwei Steine in silbernen Bügeln verwahrt, und diese Steine – an einem Brustschild befestigt – bildeten den sogenannten Urim und Tummim: Besitz und Gebrauch dieser Steine hätten früher, in alter Zeit, jemanden zum >Seher< gemacht; Gott habe sie bereitet, damit das Buch übersetzt werden könne” (JSLg 35 s. 59,62). Ammon berichtet über diese Steine: „Man nennt es die Übersetzer, und niemand kann hineinblicken, außer es sei ihm geboten worden, damit er nicht schaue, was er nicht soll, und zugrunde gehe. Und wem es geboten ist hineinzublicken, der wird Seher genannt” (Mosia 8:13; s. 28:13-16).
Auch in der Ewigkeit werden der Urim und Tummim existieren, und erhöhte Wesen werden sie als Instrument der Offenbarung für Übersetzungen benutzen. Aus den inspirierten Aussagen des Propheten Joseph Smith wissen wir: „Die Engel halten sich nicht auf einem Planeten wie diese Erde auf, sondern sie halten sich in der Gegenwart Gottes auf, auf einem Himmelskörper wie ein Meer von Glas und Feuer, wo alles für ihre Herrlichkeit offenbar ist – Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges – und sich beständig vor dem Herrn befindet. Der Ort, wo Gott sich aufhält, ist ein großer Urim und Tummim. In ihrem geheiligten und unsterblichen Zustand wird diese Erde kristallgleich gemacht werden und für ihre Bewohner ein Urim und Tummim sein, wodurch ihnen alles, was ein tieferstehendes Reich – oder alle Reiche einer niedrigeren Ordnung – betrifft, offenbar sein wird; und diese Erde gehört Christus. Dann wird der weiße Stein, der in Offenbarung 2:17 erwähnt ist, einem jeden, der ihn empfängt, zu einem Urim und Tummim werden, wodurch das, was eine höhere Ordnung der Reiche betrifft, kundgetan werden wird” (LuB 130:6-11).
verwendete Quellen
Mormmon Doctrine von Bruce McConkie