Schule der Propheten

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In den Jahren zwischen 1833 und 1884 gründeten die Führer der Kirche immer wieder Schulen, um die Mitglieder der Kirche in der Lehre der Kirche, in weltlichem Wissen sowie in politischen und gesellschaftlichen Fragen zu unterweisen, die für die Mission der Kirche von Bedeutung waren. Obwohl sich diese Schulen in Form und Zweck wesentlich voneinander unterschieden, wurden sie alle Schulen der Propheten oder manchmal auch Schulen der Ältesten genannt.

Die erste dieser Schulen wurde am 23. Januar 1833 in Kirtland im Bundesstaat Ohio aufgrund einer Offenbarung (LuB 88:119-133) gegründet. In dieser Offenbarung forderte der Herr die Priestertumsträger auf, sich darauf vorzubereiten, das Evangelium in alle Welt zu tragen. Nach dem Gebet und der Ausschüttung geistlicher Gaben lud der Prophet Joseph Smith alle anwesenden Männer dazu ein, die heilige Handlung der Fußwaschung an sich vollziehen zu lassen und den Segen des Herrn zu empfangen. Die Anwesenden hatten den ganzen Tag gefastet, nahmen am Schluss das Abendmahl, sangen ein Kirchenlied und wurden entlassen.

Die Schule der Propheten versammelte sich im Winter und Frühjahr 1833 in Kirtland, meistens in einem Zimmer über Newel K. Whitneys Laden. Joseph Smith hatte den Vorsitz und Orson Hyde war der Lehrer. Wahrscheinlich nahmen nie mehr als fünfundzwanzig ausgesuchte Priestertumsträger am Unterricht teil. Gemäß der Offenbarung wurden die Mitglieder der Schule durch die Fußwaschung in die Schule eingeführt. Danach taten sie bei der Begrüßung und in jeder Unterrichtsstunde ihre Bündnistreue und ihren gemeinsamen guten Willen kund. Der Unterricht begann gewöhnlich bei Sonnenaufgang und dauerte bis in den späten Nachmittag hinein. Die Belehrungen konzentrierten sich auf die Heiligen Schriften und die Lehren der Kirche, umschmal wurden jedoch auch weltliche Themenkreise wie z.B. Grammatik behandelt. Während der Sitzung vom 27. Februar 1833 empfing Joseph Smith die Offenbarung, die als Wort der Weisheit bekannt wurde (LuB 89). Die Anwesenden waren ab sofort verpflichtet, das Wort der Weisheit zu befolgen.

Diese Schule wurde im April 1833 aufgelöst, als das Frühlingswetter aktive Missionsarbeit möglich machte. Sie trat nie wieder zusammen, aber in einer Reihe von Bildungsansätzen wurde die ursprüngliche Idee erweitert und weiter ausgedehnt. Zwei dieser späteren Schulen, bekannt als Schule der Ältesten oder Schule der Propheten, trat im Sommer 1833 und vom Spätherbst bis zum Frühjahr 1834/1835 und 1835/1836 im Kreis Jackson im Bundesstaat Missouri zusammen. Diesmal nahmen mehr Priestertumsträger am Unterricht teil. Der Unterricht bestand nicht nur aus der geistlichen Vorbereitung der Priestertumsträger, sondern auch aus Schönschreiben, Englisch, Hebräisch, Grammatik, Rechnen, Philosophie, Literatur, Politik, Geographie und Geschichte. In diesen Schulen wurden die früheren Einführungsriten und Begrüßungsformalitäten nicht praktiziert. Parley P. Pratt leitete die Schule in Missouri und Joseph Smith, Sidney Rigdon, Frederick G. Williams und William E. McClellan unterrichteten in Kirtland. Während des Schuljahres 1834/1835 bekamen die Schüler Vorlesungen zu hören, die später im Buch Lehre und Bündnisse als die Vorlesungen über den Glauben (Lectures an Faith) veröffentlicht wurden.

Nachdem die Schule der Ältesten 1836 geschlossen worden war, trat die Schule der Propheten erst wieder zusammen, als die Kirche bereits in den Westen gezogen war. Im Dezember 1867 reorganisierte Präsident Brigham Young die Schule der Propheten in Zusammenhang mit der ’’University of Deseret’’. Die Erste Präsidentschaft der Kirche führte den Vorsitz in der Theologieklasse, an der Kirchenbeamte und ausgewählte Priestertumsträger teilnahmen. Fragen über geistliche und zeitliche Anliegen der Kirche standen zur Diskussion. Dieser Unterricht wurde später von der Universität getrennt. In größeren HLT-Ortschaften im Westen gab es ebenfalls Unterricht. Schließlich waren über 1000 Mitglieder in diesen Klassen eingetragen. Örtlich ausgewählte Priestertumsführer hatten den Vorsitz in den Sitzungen, in denen glaubenstreue Priestertumsträger an Diskussion über religiöse, lokalpolitische und wirtschaftliche Fragen sowie über geistliche und zeitliche Anliegen der Kirche teilnahmen. Die Diskussionsthemen blieben vertraulich, und nur geladene Männer hatten Zugang zum Unterricht und mussten Eintrittskarten vorweisen.

Präsident Brigham Young löste diese Zweige der Schule der Propheten im Spätsommer 1872 auf und gründete im November 1872 in Salt Lake City die Schule der Propheten für Generalautoritäten und geladene Priestertumsführer. Über 200 Teilnehmer diskutierten theologische und weltliche Fragen. Diese Schule trug zur Einführung genossenschaftlicher Unternehmen in HLT-Ortschaften bei. Als im Frühjahr und Sommer 1874 die Vereinigte Ordnung eingeführt wurde, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu erleichtern, wurde die Schule der Propheten in Salt Lake City aufgelöst und ihre Aufgaben örtlichen Gruppen der Vereinigten Ordnung übertragen.

Brigham Youngs Nachfolger, Präsident John Taylor, rief im Herbst 1883 die Schule der Propheten erneut zusammen. Er lud die Generalautoritäten und eine ausgesuchte Gruppe weiterer Kirchenführer ein, und führte die Zeremonien der ersten Schule wieder ein. Eine Außenstelle dieser Schule wurde im Dezember 1883 in der Stadt St. George im Bundesstaat Utah gegründet. Vermutlich Anfang 1884 hörten diese Schulen auf zu bestehen, und die Kirche rief keine weiteren ins Leben.

verwendete Quellen

  • Kirchengeschichte: Auszüge aus der Encyclopedia of Mormonism

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