Richard G. Scott
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Zweimal im Leben wurde Richard Scott bedrängt, eine Missionsberufung abzulehnen - das erstemal in seiner Jugend und das zweitemal bei seiner Berufung als Missionspräsident. In beiden Fällen gab man ihm zu bedenken, dass seine Karriere als Atomtechniker ernstlich in Gefahr wäre. Dennoch nahm er beide Berufungen an.
„In meiner Jugend”, sagt er, „habe ich insgeheim dem Herrn gelobt, dass ich meine besten Kräfte seinem Werk widmen würde. Dieses Gelübde habe ich im Lauf der Jahre immer wieder bekräftigt.”
Elder Scott ist seinem Gelübde treu geblieben, und der Herr hat ihn dafür gesegnet. Als er beispielsweise von seiner ersten Mission nach Hause kam, erhielt er eine Stelle im Stab von US-Marineadmiral Hyman G. Rickover und arbeitete an der Entwicklung von Atom-U-Booten mit. Damit stand er wesentlich besser da als sein ehemaliger Professor, der ihm zugeredet hatte, nicht auf Mission zu gehen. „Das war mir ein machtvolles Zeugnis, dass der Herr mich segnet, wenn ich die richtigen Prioritäten setze”, meint Elder Scott.
Auch kürzlich wieder hat der ehemalige Atomtechniker zu einer kirchlichen Berufung ja gesagt - diesmal als Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel. Seit April 1977 hatte er im Ersten Kollegium der Siebzig und seit Oktober 1983 in der Präsidentschaft dieses Kollegiums gedient.
Ganze zwei Tage vor der Generalkonferenz, nach einer Sitzung der Generalautoritäten im Salt-Lake-Tempel, bat Präsident Benson ihn in sein Büro. „Er sprach diese Berufung mit unvergesslicher Liebe und sehr verständnisvoll aus”, erinnert sich Elder Scott, „eine Berufung, die jeden, an den sie ergeht, überwältigen muss. Ich jedenfalls war überwältigt. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten. Um mir Mut zu machen, erzählte mir Präsident Benson, wie er selbst berufen worden war. Er gab mir Zeugnis davon, wie es zu meiner Berufung kam. Ich werde nie vergessen, wie rücksichtsvoll und verständnisvoll der Prophet des Herrn war.” Elder Scott wurde am 1. Oktober 1988 als Mitglied des Kollegiums der Zwölf bestätigt.
Richard G. Scott kam am 7. November 1928 als Sohn von Kenneth Leroy Scott und Mary Eliza Whittle Scott in Pocatello, Idaho, zur Welt. Ungefähr vier Jahre nach seiner Geburt übersiedelte die Familie nach Washington D.C., wo Richard den Großteil seiner Jugend verbrachte. Sein Vater gehörte damals nicht der Kirche an, und seine Mutter war kein aktives Mitglied. Aber das Leben der Familie wurde in hohem Maß von bedeutenden Führern in Washington D.C. beeinflusst.
„Als Ezra Taft Benson, damals Mitglied des Kollegiums der Zwölf, US-Landwirtschaftsminister war, berief er meinen Vater als seinen Stellvertreter”, berichtet Elder Scott. Präsident Bensons Beispiel, seine Aufrichtigkeit, seine Hingabe und seine Fähigkeit, für richtige Prinzipien einzutreten, machten auf meinen Vater tiefen Eindruck. Die Beziehung zwischen ihnen wurde enger, und Präsident Benson spielte eine wichtige Rolle in der Bekehrung meines Vaters. Als Kenneth Scott getauft wurde, konfirmierte ihn Ezra Taft Benson als Mitglied der Kirche. Er wurde später Siegler im Washington-Tempel; gemeinsam mit seiner Frau diente er mehr als zehn Jahre im Tempel.
Inzwischen lernte Richard Jeanene Watkins kennen, die Tochter von Arthur V. Watkins, dem verstorbenen Senator von Utah. Beide graduierten an der George-Washington-Universität, er als Maschinenbauer, sie als Soziologin. Dann gingen beide auf Mission, er in Uruguay und sie im Nordwesten der USA. Über diese Zeit sagt Elder Scott: „Alles, was mir lieb und teuer ist, begann damals auf Mission zu reifen.” Zwei Wochen nach seiner Rückkehr heirateten sie im Manti-Tempel.
Richard Scott arbeitete zwölf Jahre unter Admiral Rickover an der Entwicklung von atomgetriebenen Systemen, nicht nur für militärische U-Boote und andere Marineschiffe, sondern auch für die ersten Atomkraftwerke. Während dieser Zeit schrieb er an der Oak Ridge School in Tennessee, einer Universität für Reaktortechnik, eine Forschungsarbeit - das Äquivalent einer Dissertation - über Kerntechnik. Damals war er auch Präsident eines Siebzigerkollegiums und Pfahlsekretär.
Dann wurde er berufen, von 1965 bis 1969 über die Mission Argentinien Nord zu präsidieren. Seine Liebe zum Herrn wurde inniger, und er fand unter den Missionaren und Mitgliedern Freunde, die ihm viel bedeuten. Nach seiner Rückkehr arbeitete er mit Kollegen vom Rickover-Stab in einer privaten Beratungsstelle für Kerntechnik. Zugleich diente er in der Präsidentschaft des Pfahls Washington D.C. und dann als Regionalrepräsentant. 1977, acht Jahre nach seiner Rückkehr aus Argentinien, wurde er in das Erste Kollegium der Siebzig berufen.
Den Scotts wurden sieben Kinder geboren, von denen fünf erwachsen wurden. Seine Frau, Jeanene verstarb am 15. Mai 1995 nach 42 Jahren Ehe.
Diese enge Familienbindung ist die natürliche Folge der Liebe, die Elder Scott und seine Frau all die Jahre füreinander empfunden haben. „Wir waren vom ersten Augenblick an verliebt”, verrät Schwester Scott, und: „Er ist mein allerbester Freund.” Gemeinsam gehen sie wandern und beobachten Vögel. Beide malen gern, er Aquarelle, sie verwendet Pastellfarben. „Dabei hat er immer Entspannung gefunden”, sagt Schwester Scott. Viel Zeit zum Klecksen bleibe ihm nun allerdings nicht mehr, wirft Elder Scott ein.
Groß ist auch das Interesse an Genealogie. Da Elder Scotts Vater erst zur Kirche bekehrt wurde, blieb auf seiner Seite der Familie viel Forschungsarbeit zu tun. Gemeinsam mit seinen Eltern haben die Scotts dieser Aufgabe viel Zeit gewidmet.
Das Interesse an Genealogie und Elder Scotts technisches Interesse waren äußerst nützlich, als Elder Scott, damals Mitglied der Präsidentschaft des Ersten Kollegiums der Siebzig, als geschäftsführender Direktor der Abteilung Genealogie berufen wurde.
„Ich konnte in der Hauptverwaltung der Kirche mit Leuten zusammenarbeiten, die sich ihrer Arbeit ganz hingeben”, sagt Elder Scott. „Wir sind auf faszinierende Möglichkeiten gekommen, technische Mittel für die Familienforschung einzusetzen. Gemäß den Richtlinien der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf haben wir Mittel und Wege gefunden, einen Großteil der Routinearbeit, womit Familienforschung bisher verbunden war, zu vermeiden.
Obwohl wir nun Computer einsetzen, geht es bei dieser Arbeit auch künftig nicht ohne persönliches Engagement”, stellt Elder Scott fest, „so dass die Mitglieder der Kirche dabei auch weiterhin große geistige Erlebnisse haben und den Geist dieser Arbeit spüren werden.” Elder Scott spricht auch davon, wie sehr er das Buch Mormon liebt. Es ist ihm wie ein Freund, der ihm all die Jahre zur Seite gestanden hat. Wenn man ihn reden hört, weiß man: Er verspürt oft den Geist des Herrn, sowohl im persönlichen Leben als auch bei seiner kirchlichen Arbeit. „Es ist ein wunderbarer, ja, unbegreiflicher Segen, dass jedermann eine enge persönliche Beziehung zum Erretter und zu unserem Vater im Himmel haben kann. Das ist nicht auf Leute beschränkt, die ein Amt innehaben oder gerade besonders darauf angewiesen sind. Was der einzelne erlebt, ist heilig und man spricht nicht darüber, wenn der Geist einen nicht dazu veranlasst. Das Wunderbare daran ist, dass wir uns sowohl dem Vater im Himmel als auch dem Erretter nahefühlen können, wenn wir beten, die heiligen Schriften lesen, anderen Menschen dienen oder in Not sind. Oft erleben wir dieses Gefühl der Nähe, wenn wir gar nicht merken, dass wir es brauchen.”
Als Elder Scott am Tag nachdem er als Mitglied des Kollegiums der Zwölf bestätigt worden war, auf der Konferenz seine Worte an die Kirche richtete, erneuerte er das Gelübde, das er als junger Mann abgelegt hat: „Ich will so leben, dass ich würdig bin, den Willen des Herrn zu erkennen, und so leben, dass ich, mit Gottes Hilfe, imstande bin und den Mut habe, diesen Willen auszuführen - und sonst nichts zu wollen.”
Inhaltsverzeichnis |
Richard G. Scott gibt Zeugnis
übersetzt
Verwendete Quellen
- der Stern Januar 1989
externe Links
zusätzliches Material
- der Stern Februar 1990 S. 17: "Die wirkliche Macht stammt vom Herrn"
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