Priestertum
Aus MormonWiki
Unter dem Priestertum versteht man in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die Vollmacht, im Namen Gottes zu handeln. Die Theologie dieser Kirche führt diese Vollmacht von ihrem Gründer Joseph Smith direkt auf Johannes den Täufer und die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes zurück. In der Kirche werden ausschließlich Männer ordiniert.
Gemäß dieser Lehre ist es für die Erhöhung im celestialen Reich für jeden Mann unerlässlich, das Melchisedekische Priestertum zu tragen. Daher bekommt es jeder Mann, wenn er den geforderten Standard moralischer Würdigkeit und Kirchenaktivität erfüllt.
Inhaltsverzeichnis
|
Einteilung und Ämter im Priestertum
Es wird das Aaronische und das Melchisedekische Priestertum unterschieden.
Das Aaronische Priestertum wird auch als vorbereitendes Priestertum bezeichnet. Es wird Jungen ab dem 12. Lebensjahr verliehen. Die Ämter darin sind:
Das Melchisedekische Priesterum wird auch als das höhere oder präsidierende Priestertum bezeichnet Die Ämter darin sind:
All diese Ämter werden, mit ganz wenigen Ausnahmen, ehrenamtlich neben einem Brotberuf wahrgenommen.
Die Organisation des Priestertums
Die Priestertumskollegien
Jeder Priestertumsträger ist ausnahmslos Mitglied in einem Priestertumskollegium. Das ist ein Zusammenschluss von Priestertumsträgern des gleichen Amtes unter der Leitung einer Kollegiumspräsidentschaft aus den eigenen Reihen.
Die Kollegien des Aaronischen Priestertums und die Ältestenkollegien sind auf Gemeindeebene organisiert, Hohepriesterkollegien sind auf Pfahlebene organisiert. Siebzigerkollegien gibt es zur Zeit nur fünf weltweit und Apostelkollegium grundsätzlich nur eines. Das höchste Kollegium ist das Kollegium der Ersten Präsidentschaft.
Die Mitgliederzahl jedes Kollegiums ist nach oben begrenzt. Wird in einer Gemeinde oder einem Pfahl die festgesetzte Zahl überschritten, wird das Kollegium in zwei Kollegien geteilt.
Das Diakonskollegium
Das Amt des Diakons ist Teil des Aaronischen Priestertums. In einem Diakonskollegium sind maximal 12 Jungen im Alter von 12 bis 13 Jahren organisiert. (LuB 107:85) Zu ihren Aufgaben zählt das Austeilen des Abendmahls, Ordnerdienst in der Abendmahlsversammlung und nach Aufforderung in anderen Versammlungen, das Einsammeln des Fastopfers, Hilfsdienste für den Bischof nach Aufforderung.
Die Präsidentschaft des Kollegiums besteht aus einem Präsidenten und zwei Ratgebern. Ihnen steht als Berater ein Ratgeber des Bischofs zur Seite.
Das Lehrerkollegium
Das Amt des Lehrers ist Teil des Aaronischen Priestertums. In einem Lehrerkollegium sind maximal 24 Jungen im Alter von 14 bis 13 Jahren organisiert. LuB 107:86 Sie können alle Aufgaben eines Diakons wahrnehmen. Zusätzlich sollen sie nach Berufung zusammen mit einem Träger des Melchisedekischen Priestertums als Heimlehrer in der Seelsorge tätig sein. Ihre Aufgabe im Gottesdienst ist die Vorbereitung des Abendmahls.
Die Präsidentschaft des Kollegiums besteht aus einem Präsidenten und zwei Ratgebern. Ihnen steht als Berater ein Ratgeber des Bischofs zur Seite.
Das Priesterkollegium
Das Amt des Priesters ist Teil des Aaronischen Priestertums. In einem Priesterkollegium sind maximal 48 junge Männer im Alter von 16 bis 18 Jahren organisiert. LuB 107:87-88 Sie können alle Aufgaben eines Lehrers wahrnehmen. Zusätzlich haben Sie die Aufgabe das Abendmahl zu segnen, zu taufen und jemanden im Aaronischen Priestertum zu ordinieren.
Der Präsident des Kollegiums ist der Bischof. Ihm stehen zwei Assistenten aus den Reihen der Priester zur Seite.
Das Ältestenkollegium
Das Amt des Ältesten ist ein Amt im Melchisedekischen Priestertum. In einem Ältestenkollegium sind maximal 96 Männer über 18 Jahren organisiert. LuB 107:89 Sie können alle Aufgaben des Aaronischen Priestertums wahrnehmen. Zusätzlich haben sie die Vollmacht, den Heiligen Geist zu spenden (zu konfirmieren), Kranke zu segnen, einen Segen des Trostes und der Stärkung zu spenden, Kinder zu segnen und weitere heilige Handlungen zu vollziehen.
Die Präsidentschaft des Kollegiums besteht aus einem Präsidenten und zwei Ratgebern.
Das Hohepriesterkollegium
Das Amt des Hohepriesters ist ein Amt im Melchisedekischen Priestertum. Seine Vollmacht ist der Vollmacht des Ältesten gleich, mit dem Unterschied, dass bestimmte Ämter von Hohepriestern besetzt werden müssen. Dazu gehört das Amt des Bischofs. Hohepriester sollen vor allem präsidieren und leiten.
Die Präsidentschaft des Kollegiums besteht aus dem Pfahlpräsidenten und seinen beiden Ratgebern.
Die Siebzigerkollegien
Das Amt des Siebzigers ist ein Amt im Melchisedekischen Priestertum. LuB 107:34 Im ersten Kollegium der Siebzig sind Männer auf Lebenszeit berufen, die mit 70 Jahren emeritiert werden. Im zweiten Kollegium der Siebzig sind Männer auf fünf Jahre berufen. Diese beiden Kollegien zählen zu den Generalautoritäten der Kirche. Sie übernehmen übergeordnete Verantwortung für Sachgebiete weltweit und oft werden sie als Gebietspräsidenten bzw. deren Ratgeber berufen. Sie üben ihre Funktion hautpamtlich aus. Das heißt, sie geben bei ihrer Berufung ihren Brotberuf auf.
Das dritte bis fünfte Siebzigerkollegium umfasst die sogenannten Gebietsautoritäten, die in ihrem Heimatgebiet als übergeordnete Führer berufen sind. Auch sie dienen meist für fünf Jahre und werden oft als Ratgeber in Gebietspräsidentschaften berufen. Sie üben ihre Funktion ehrenamtlich aus. In jedem Siebzigerkollegium sind maximal 70 Männer organisiert. Auch diese Kollegien werden geteilt, wenn diese Zahl überschritten wird.
Über alle Siebzigerkollegien gemeinsam präsidiert eine Präsidentschaft aus sieben Siebzigern.
Das Apostelkollegium
Das Apostelkollegium besteht aus zwölf Männern, die auf Lebenszeit berufen sind. Der Dienstälteste ist der Präsident des Kollegiums. Sie üben ihr Amt vollzeitig aus.
Das Apostelkollegium ist das zweithöchste Gremium der Kirche. Ihre Mitglieder haben dieselben Vollmachten und Schlüssel inne wie der Präsident der Kirche. Die besondere Berufung der Zwölf ist es, "besondere Zeugen für Christus in aller Welt zu sein."
Die Erste Präsidentschaft
Das Kollegium der Ersten Präsidentschaft besteht aus drei Männern. Präsident, damit gleichzeitig Präsident der gesamten Kirche, wird derjenige, der zur Zeit des Todes des Präsidenten der Kirche Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel ist. Er erwählt sich zwei Ratgeber, bei Bedarf auch mehr. Sie kommen üblicherweise, aber nicht zwingend, aus den Reihen der Zwölf Apostel.
Die Vollmacht und die Schlüssel des Priestertums
In der Kirche Jesu Christi wird zwischen der Vollmacht des Priestertums und den Schlüsseln des Priestertums unterschieden.
Nur wer die Vollmacht des Priestertums hat, darf bestimmte Ämter in der Kirche ausüben und vor allem darf nur ein so Bevollmächtigter heilige Handlungen vollziehen. Das hat Joseph Smith im 5. Glaubensartikel klar formuliert:
- Wir glauben, daß man durch Prophezeiung und das Händeauflegen derer, die Vollmacht dazu haben, von Gott berufen werden muß, um das Evangelium zu predigen und seine heiligen Handlungen zu vollziehen.
Doch darf ein so bevollmächtigter Priestertumsträger nicht nach Gutdünken handeln. Er muss nach Anweisung dessen handeln, der die Schlüssel dafür innehat. Die Schlüssel des Aaronischen Priestertums haben die Bischöfe inne. Sie bestimmen, wann, unter welchen Umständen und von wem die heiligen Handlungen des Aaronischen Priestertums vollzogen werden. Es sind dies im Wesentlichen die Dienste rund um das Abendmahl, die Taufe und Ordinierungen im Aaronischen Priestertum.
Die Schlüssel des Melchisedekischen Priestertums haben die Pfahlpärisdenten inne, die davon einen Teil an die Bischöfe und Präsidenten der Ältestenkollegien delegieren. Diese sind für die Koordinierung der Seelsorge und für die heiligen Handlungen im Melchisedekischen Priestertum zuständig. Gewisse heilige Handlungen, wie Krankensegen können Träger des Melchisedekischen Priestertums selbstständig ohne Anweisung ausführen.
Alle Schlüssel haben die Apostel inne. Ihre Schlüsslvolmacht ruht jedoch bis zum Tod des Präsidenten der Kirche, der der einzige ist, der alle von Gott übertragenen Schlüssel ausüben darf.
Es ist in der Kirche ganz genau festgelegt, wer wem in welchen Dingen Anweisungen gibt und was jeweils im eigenen Ermessen liegt.
Die Ordinierung zu einem Amt im Priestertum
Die Weisung, jemandem das Priestertum zu übertragen und ihn zu einem Amt darin zu ordinieren erteilt derjenige, der die entsprechende Schlüssel inne hat. In einer persönlichen Unterredung überzeugt er sich von der Würdigkeit des Betreffenden. Anschließend wird der Betreffende in einer Versammlung der Priestertumsträger zur Zustimmung vorgeschlagen und von den Priestertumsträgern bestätigt. Für das Aaronische Priestertum ist dies der Bischof bzw. Zweigpräsident. Handelt es sich um einen Jugendlichen, so wird, falls er das entsprechende Priestertum trägt (Priester im Aaronischen Priestertum oder ein Amt im Melchisdekischen Priestertum) der Vater die heilige Handlung durch Auflegen der Hände vollziehen, meist gemeinsam mit weiteren Priestertumsträgern.
Für Ämter im Melchisedekischen Priestertum, konkret Ältester und Hohepriester, ist dies der Pfahlpräsident.
Siebziger werden vom Kollegium der Zwölf Apostel vorgeschlagen und ordiniert. Sie werden von der gesamten Kirchenmitgliedschaft bei einer Generalkonferenz bestätigt. Apostel werden von der Ersten Präsidentschaft vorgeschlagen, zunächst vom Kollegium der Zwölf bestätigt, vom Kollegium der Zwölf und der Ersten Präsidentschaft gemeinsam ordiniert und dann der gesamten Mitgliedschaft bei einer Generalkonferenz zur Bestätigung vorgelegt.
In der Kirche wird als sicher angenommen, dass diejenigen, die die Schlüssel dazu haben, von Gott Inspiration erhalten, ob sie jemandem das Priestertum übertragen bzw. ihn zu einem Amt darin ordinieren sollen oder nicht.
Die Wiederherstellung des Priestertums
Gemäß den Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist das Priestertum, wie es heute in der Kirche praktiziert wird, die Wiederherstellung des Priestertums aus alter Zeit, wie es durch himmlische Boten schrittweise dem Kirchengründer Joseph Smith gebracht wurde.
Als erstes erschien am 15. Mai 1829 am Susquehanna in Pennsylvania Johannes der Täufer und übertrug Joseph Smith und seinem Mitarbeiter Oliver Cowdery das Aaronische Priestertum LuB 13; (Joseph Smith Lebensgeschichte 1:68-73) Einige Wochen später erschienen Petrus, Jakobus und Johannes und übertrugen Joseph Smith das Melchisedekische Priestertum, das sie von Jesus Christus persönlich erhalten hatten.
Weitere Schlüssel erhielt der Prophet in Gegenwart seines Ratgebers Sidney Rigdon am 3. April 1836 Im Tempel in Kirtland, Ohio von Mose, [Enzyclopädie des Mormonismus - Der Kirtland Tempel Elias und Elija].LuB 110
Die Bedeutung des Priestertums in der Theologie
Gemäß der Theologie der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist das Priestertum die Macht Gottes, die zu einem gewissen Teil dem Menschen gegeben wird. Es ist dies die Macht, durch die die Kirche geführt wird. Geht das Priestertum verloren, so ist auch die Berechtigung verloren, im Namen Gotte zu handeln.
Im Unterschied zu anderen christlichen Gemeinschaften ist der Vollzug von Heiligen Handlungen zwingend daran gebunden, dass der Vollziehende das dafür nötige Amt im Priestertum innehat. Bezüglich der Legitimität von Heiligen Handlungen ist daher die Frage entscheidend, ob der Betreffende bzw. die Kirche, die er vertritt, diese Vollmacht durch das Priestertum hat oder nicht.
Die Kirche Jesu Christi lehrt, dass die apostolische Vollmacht, durch die jeder Priestertumsträger letztendlich sein Priestertum bekommt, im "großen Abfall" zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert nach Christus verloren gegangen sei. Daher sei diese Vollmacht bis zur Wiederherstellung durch Petrus, Jakobus und Johannes im Jahr 1829 auf Erden nicht zu finden gewesen. Damit steht die Kirche Jesu Christi im Gegensatz zur katholischen Kirche, die der Ansicht ist, dass die apostolische Vollmacht über die Päpste ungebrochen bis in die heutige Zeit weitergegeben worden sei. Damit, dass sie die Notwendigkeit der Priestertumsvollmacht, die direkt auf Jesus Christus zurückzuführen ist betont, steht sie auch im Gegensatz zu den meisten protestantischen Kirchen, die der Ansicht sind, dass eine solche apostolische Vollmacht nicht nötig wäre.
Die Bedeutung, die der korrekten, bevollmächtigten Weitergabe des Priestertums in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beigemessen wird, zeigt sich in der sogenannten "Ordinierungslinie", die jeder Priestertumsträger schriftlich hat. Damit lässt sich die Vollmacht, die er erhalten hat, über denjenigen, der ihn ordinert hat und denjenigen der diesen ordiniert hat usw. bis zu Joseph Smith und Petrus, Jakobus und Johannes vefolgen, die vor rund 2000 Jahren von Jesus Christus selbst erwählt und ordiniert wurden.