Orson F. Whitney

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Inhaltsverzeichnis

Biographisches

  • Orson F. Whitney wurde am 1. Juli 1855 als Sohn der Eheleute Horace und Helen Mar Kimball Whitney in Salt Lake City, Utah geboren.
  • Er ging in Salt Lake City zur Schule und besuchte die University of Deseret. Später wurde er Rektor der University of Utah.
  • Er war dreimal auf Mission — zuletzt in Europa, wo er über die Europäische Mission präsidierte.
  • Bruder Whitney diente 28 Jahre als Bischof in der 18. Gemeinde in Salt Lake City, danach wurde er in den Rat der Zwölf berufen.
  • Er wurde am 9. April 1906 von Joseph F. Smith zum Apostel ordiniert, zu diesem Zeitpunkt war er 50 Jahre alt. Bruder Whitney unterrichtete am Brigham-Young-College in Logan, Utah und schrieb zwei Biographien. eine über Heber C. Kimball und die andere über Lorenzo Snow.
  • Sein herausragendes literarisches Werk ist eine Geschichte Utahs. Er war ein hervorragender Redner und bekannter Schriftsteller, und wenn er seine Gedichte vorlas, konnte er die Zuhörer in den Bann schlagen. In seiner Jugend interessierte er sich sehr für die Schauspielkunst und spielte führende Rollen bei den Aufführungen der Horne Dramatic Company. Er sang auch und war politisch aktiv.
  • Am 16. Mai 1931 erlag er in Salt Lake City einem Herzanfall.

Tagebuchauszüge

Dann erlebte ich eine wunderbare Manifestation und empfing eine Ermahnung aus einer höheren Quelle, die ich unmöglich ignorieren konnte. Es war ein Traum oder vielmehr eine Vision im Traum derweil ich auf meinem Bett lag. Dies geschah in der kleinen Stadt Columbia im Kreis Lancaster, Pennsylvania. Ich schien in den Garten Gethsemane versetzt — gleichsam als Augenzeuge der Todesqual des Heilands. Ich sah ihn klar und deutlich vor mir. Ich stand hinter einem Baum im Vordergrund und sah, wie Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes durch eine kleine Pforte zu meiner Rechten eintrat. Der Gottessohn ließ die drei Apostel zurück; und nachdem er ihnen gesagt hatte, sie sollten niederknien und beten, begab er sich zur anderen Seite des Gartens, wo auch er niederkniete und betete. Es war das Gebet, mit dem jeder Bibelleser vertraut ist: „Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.”

Während er betete, rannen ihm die Tränen über das Gesicht, das er mir zugewandt hatte. Dieser Anblick bewegte mich so tief, dass ich aus lauter Mitleid ebenfalls weinte. Mein ganzes Herz wandte sich ihm zu; ich liebte ihn von ganzer Seele und sehnte mich danach, bei ihm zu sein; ich wünschte mir nichts sehnlicher.

Bald darauf erhob er sich und ging hinüber zu den Aposteln — sie schliefen fest! Er rüttelte sie sacht, weckte sie und fragte mit sanftem Tadel — ohne das geringste Anzeichen von Ärger oder Ungeduld — ob sie nicht einmal eine Stunde mit ihm wachen könnten. Dort stand er — mit der schrecklichen Last der Sünden der Welt auf den Schultern, seine empfindsame Seele von den Gewissensqualen jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes gemartert — und sie konnten nicht einmal eine Stunde mit ihm wachen!

Er kehrte zu seinem Platz zurück und sprach dasselbe Gebet wie zuvor; dann ging er wieder zu ihnen hin und fand sie abermals schlafend. Er weckte sie, ermahnte sie nochmals und kehrte wieder zurück und betete. Dies geschah dreimal, bis mir sein Äußeres — sein Gesicht, seine Gestalt und seine Bewegungen — vollkommen vertraut war. Er war von edler Gestalt und majestätischer Haltung — ganz und gar nicht der schwächliche, weichliche Typ, als den ihn einige Maler dargestellt haben, sondern der Gott, der er war und ist — sanft und demütig wie ein kleines Kind.

Plötzlich schien sich das Bild zu ändern, obwohl die Szenerie unverändert blieb. Es war jetzt nach der Kreuzigung. Der Heiland stand mit den drei Aposteln zu meiner Linken. Ihre Himmelfahrt stand kurz bevor. Ich konnte es nicht längeraushalten. Ich lief hinter dem Baum hervor, fiel ihm zu Füßen, umfing seine Knie und bat ihn, mich doch mitzunehmen.

Ich werde niemals vergessen, wie er sich niederbeugte und mich sanft und liebevoll aufrichtete und umarmte. Es war so lebendig, so wirklich. Ich spürte die Wärme seines Körpers, als er mich in den Armen hielt und liebevoll zu mir sagte: „Nein, mein Sohn, diese hier haben ihr Werk vollendet: sie können mit mir gehen. Du aber musst bleiben und deines vollenden.” Ich hielt ihn noch immer umfangen. Ich blickte zu ihm auf — er war größer als ich — und flehte inbrünstig: „Nun, dann versprich mir, dass ich am Ende zu dir kommen werde.” Sanft lächelnd entgegnete er: „Das hängt allein von dir ab.” Ich erwachte mit einem Schluchzen in der Kehle; es war Morgen.

„Das kommt von Gott,” sagte Brd. Musser, als ich ihm erzählte, was ich gesehen und gehört hatte. „Das weiß ich selbst,” entgegnete ich ihm. Ich sah ganz klar. Ich habe nie daran gedacht, einmal ein Apostel zu sein oder irgendein anderes Amt in der Kirche zu bekleiden, und auch damals kam mir der Gedanke nicht. Ich wusste nur: die schlafenden Apostel, das war ich. Ich schlief auf meinem Posten — wie jeder, der von Gott zu einer bestimmten Arbeit berufen ist und stattdessen eine andere verrichtet.

Von Stund an änderte sich dies jedoch. Ich war niemals wieder so wie zuvor.

Meine Antwort war: Ich bete doch

An einem Morgen versuchte ich, den üblichen Leitartikel zu schreiben, aber ich kam damit nicht voran. Ich bemühte mich den ganzen Tag vergeblich darum, etwas Lesenswertes zu Papier zu bringen. Schließlich warf ich verärgert die Feder hin und brach in Tränen aus.

In diesem Augenblick flüsterte mir der Geist zu: „Warum betest du nicht?” So als hätte jemand mich hörbar angesprochen, entgegnete ich: „Ich bete doch.” Ich betete fünfmal am Tag — im stillen am Morgen, Mittag und Abend und mit der übrigen Familie beim Frühstück und am Mittagstisch. „Ich bete doch, warum bekomme ich denn keine Hilfe?” fragte ich beinah verdrießlich; denn ich war verzweifelt und halb entmutigt. „Bete jetzt”, sagte der Geist, „bitte um das, was du brauchst.”

Ich verstand. Es musste ein spezielles und kein allgemeines Gebet sein. Ich kniete nieder und brachte unter Tränen einige einfache Worte hervor. Ich bat nicht um die Herbeiführung der zehn Stämme, auch nicht um die Errichtung des Neuen Jerusalem. Ich bat den Herrn im Namen Jesu Christi darum, mir bei diesem Artikel zu helfen. Danach stand ich auf, setzte mich hin und begann zu schreiben. Mein Kopf war ganz klar, und meine Feder flog förmlich über das Papier. Alles, was ich brauchte, kam so schnell, wie ich es niederschreiben konnte — jeder Gedanke und jedes Wort an der richtigen Stelle. Binnen kurzem hatte ich den Artikel zu meiner vollsten Zufriedenheit beendet. Ich las ihn dem Missionspräsidenten vor, und er genehmigte ihn, ohne auch nur eine einzige Silbe zu ändern.

Das war mir eine Lehre oder viel mehr: Es rief mir nachdrücklich etwas ins Gedächtnis zurück, was ich im Grunde bereits wusste. Beten heißt nicht einfach Worte machen; es ist keine Kette stereotyper Phrasen. Es ist „der Seele Wunsch”; und der Herr meint diese Art des Betens, wenn er sagt: „Bittet, und ihr werdet empfangen.”

Er sagte nicht, welches Kind es war

Inzwischen traf mich und die Meinen ein neuer Schicksalsschlag. An jenem denkwürdigen Tag, als der erste Ausflug in die Umgebung Londons stattfand, starb mein kleiner Sohn Heber im fernen Utah im Haus seines Großvaters Smoot. Dieses Kind wurde sieben Monate und 21 Tage nach meiner Abreise nach England geboren. Ich hatte es also noch nie gesehen und würde es auch in dieser Welt nicht mehr sehen.

Ich erhielt die traurige Nachricht in einem Beileidsbrief von Präsident John Henry Smith aus Liverpool. Er hatte es in den „Deseret News” gelesen. Etwas später kam ein Brief von meinem Schwiegervater aus Provo, worin er die Nachricht bestätigte. Die traurigen Begleitumstände — die Krankheit meiner Frau, der Tod ihrer Mutter, die so grausam zerstörte Hoffnung, dass die Geburt des Kindes ein dauerhafter Trost für ihre bekümmerte Seele sein würde — dies alles vertiefte noch den Schmerz.

Ich fasste mich, so gut ich eben konnte, und schrieb meiner verzweifelten Frau einen liebevollen Brief. Ich schloss mit den Worten:

„Ich warte begierig darauf, von Dir zu hören, mein Schatz, und fürchte mich doch gleichzeitig davor, dass der nächste Brief noch mehr schlechte Nachrichten enthält. Möge Gott Dich trösten; denn Du brauchst jetzt Trost.

Präsident Smith hat mich als erster informiert. Er hat mir jedoch nicht mitgeteilt, welches Kind es ist; und so blieb ich etliche Stunden im Ungewissen, obwohl ich die ganze Zeit über das sichere Gefühl hatte, dass es das Baby sein musste; denn Du hattest mir ja von seiner schweren Krankheit geschrieben. Der Präsident hat mir angeboten, mich zu entlassen. Er sagt, ich könne mit seinem Segen gehen. Ich glaube, ich sollte dieses Angebot annehmen; denn er ist der Beauftragte des Herrn in diesem Land. Was meinst Du dazu? Es ist zu spät, mit der Gruppe zu reisen, die im Mai aufbricht, aber ich könnte im Juni fahren. Wenn Du damit einverstanden bist und der Herr nichts anderes gebietet, werde ich kommen.”

Und wäre es ein See aus loderndem Feuer

Zu meinem neu gewonnenen Bekanntenkreis in Cleveland, Ohio zählte auch eine höchst achtbare Dame, die Witwe eines Offiziers der Union, der im Bürgerkrieg gefallen war. Sie liebte ihren verstorbenen Gatten, pflegte liebevoll sein Andenken und brachte wiederholt ihre innige Zuneigung zu ihm zum Ausdruck. Als ich ihr die Lehre von der Erlösung der Verstorbenen und der ewigen Ehe erläuterte und ihr sagte, dies sei einer der Gründe, weshalb die Heiligen der Letzten Tage Tempel bauen und darin arbeiten, zeigte sie großes Interesse und stellte mir die folgende Frage:

„Wollen Sie damit sagen, dass ich diese Arbeit für meinen lieben Mann tun lassen und in einer anderen Welt seine Frau sein kann, wenn ich eine Heilige der Letzten Tage werde?”

„Ja,” entgegnete ich ihr. Darauf sagte sie: „Ich habe noch nie etwas so Schönes und Erhebendes gehört. Überzeugen Sie mich davon, und ich werde mich taufen lassen, selbst wenn es in einem See aus loderndem Feuer wäre.” Ich antwortete ihr: „Ich kann Sie nicht davon überzeugen, aber der Herr kann es und wird es, wenn Sie ihn darum bitten.”

Sie sagte, sie würde es tun und zweifelsohne hat sie es auch getan; denn nicht lange danach erhielt ich einen Brief von ihr, in dem sie mitteilte, dass sie das gewünschte Zeugnis erlangt habe und bereit sei, sich taufen zu lassen.

Ich antwortete ihr umgehend und schrieb, dass ich mit einigen anderen zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Stelle am Eriesee sein würde, um sie dort zu taufen. Wir wollten gerade aufbrechen, als ein zweiter Brief von ihr eintraf, der folgendermaßen lautete: „Ich weiß erst jetzt, wie armselig und schwach ich bin. Ich dachte, ich wäre stark genug, diesen Schritt zu tun, aber ich bin es nicht. Wenn ich eine ,Mormonin' werde, wenden sich all meine Freunde von mir ab. Ich verliere meine gesellschaftliche Stellung und mein Name wird geächtet. Ich kann dieses Opfer nicht bringen. Dennoch glaube ich, dass die Lehre wahr ist und dass Sie ein wahrer Diener Gottes sind. Ich hoffe, es kommt die Zeit, wo ich auf gleicher Ebene mit Ihnen stehen kann und wo wir Bruder und Schwester in der Kirche Christi sind. Jetzt ist es mir nicht möglich.”

Ich las diesen Brief mit einem Gefühl der Trauer und des Bedauerns. Wie sehr gleicht sie doch dem ungestümen Apostel Petrus, dachte ich, der zu dem Heiland sagte: „Wenn ich auch mit dir sterben müsste, wollte ich dich nicht verleugnen.” Doch er leugnete dreimal, dass er den Herrn kannte, dem er Treue geschworen hatte. Und diese gute Frau — denn sie war eine gute Frau, ein Kind Israel, warum wohl hätte sie sonst geglaubt? — diese Frau glaubte, dass sie bereit sei, sich in einem „See aus loderndem Feuer” taufen zu lassen. Doch als es darauf ankam, versagte sie. Wir wollen hoffen, dass sie sich besinnt und ihren Entschluss ändert — wie der reumütige Petrus, der sein Versagen auf so edle Weise wiedergutgemacht hat.

verwendete Quellen

  • Der Stern September 1974: Auszüge aus dem Buch „Exceptional Stories from the Lives of Our Apostles”, zusammengestellt von Leon R. Hartshorn; mit freundlicher Genehmigung der Deseret Book Co., Salt Lake City.

externe Links

GA-Pages, Lebensläufe der Generalautoritäten, englisch

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