Opferbereitschaft und Segnungen in Nauvoo

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Die Opferbereitschaft der mormonischen Missionare aus Nauvoo

Während die Mormonen ihre Häuser bauten und ihre Felder bestellten, erkrankten viele an Malaria, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Die meisten der zwölf Apostel und auch Joseph Smith wurden krank. Am 22. Juli 1839 erhob sich der Prophet vom Krankenlager; die Macht Gottes ruhte auf ihm. Mit der Macht des Priestertums heilte er sich selbst und die Kranken in seinem Haus. Dann gebot er, daß die Kranken, die in Opferbereitschaft und Zelten vor seiner Tür hausten, gesund würden. Viele Menschen wurden geheilt. Der Prophet ging von Zelt zu Zelt und von Haus zu Haus und segnete jeden. Dieser Tag war einer der großen Tage des Glaubens und Heilens in der Geschichte der Mormonen.

In dieser Zeit berief Joseph Smith das Kollegium der Zwölf Apostel dazu, nach England auf Mission zu gehen. Elder Orson Hyde, ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf, wurde nach Jerusalem berufen. Dort sollte er Palästina für die Sammlung des jüdischen Volkes und anderer Kinder Abrahams weihen. Mormonische Missionare wurden in die gesamten Vereinigten Staaten und ins östliche Kanada berufen; Addison Pratt und andere gingen auf die pazifischen Inseln.

Diese Brüder brachten große Opfer; sie verließen Haus und Familie, um dem Ruf zu folgen und dem Herrn zu dienen. Viele Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel waren an Malaria erkrankt, als sie sich auf die Abreise nach England vorbereiteten. Wilford Woodruff, der sehr krank war, ließ seine Frau Phoebe zurück, die fast keine Lebensmittel hatte und der die Dinge des täglichen Bedarfs fehlten. George A. Smith, der jüngste Apostel, war so krank, daß er in den Wagen getragen werden mußte. Ein Mann, der ihn sah, fragte den Kutscher, ob er einen Friedhof geplündert habe. Nur Parley P. Pratt, der Frau und Kinder mitnahm, sowie sein Bruder Orson und John Taylor waren, als sie Nauvoo verließen, nicht krank. Elder Taylor wurde später jedoch sehr krank und wäre auf dem Weg nach New York City fast gestorben.

Brigham Young war so krank, daß er selbst kurze Wege nicht ohne fremde Hilfe gehen konnte, und seinem Mitarbeiter Heber C. Kimball ging es nicht besser. Auch ihre Frauen und Kinder lagen krank im Bett. Als die beiden Apostel in einemWagen liegend einen Höhenzug unweit ihrer Häuser erreichten, hatten sie das Gefühl, daß sie es nicht ertragen konnten, ihre Familie in einem so elenden Zustand zurückzulassen. Auf Hebers Vorschlag hin richteten sich beide auf, winkten mit dem Hut und riefen dreimal laut: „Hurra, hurra für Israel.“ Ihre Frauen, Mary Ann und Vilate, standen unter Aufbietung all ihrer Kräfte auf. Sie lehnten beide im Türrahmen und riefen zurück: „Auf Wiedersehen, Gott segne euch.“ Die beiden Männer legten sich freudig und zufrieden wieder auf ihr Lager imWagen, denn sie hatten gesehen, daß ihre Frauen aufrecht stehen konnten und nicht krank im Bett lagen.

Die zurückbleibenden Familien bewiesen ihren Glauben dadurch, daß sie Opfer brachten und diejenigen unterstützten, die dem Ruf auf eine Mission gefolgt waren. Louisa Barnes Pratt berichtet über die Zeit, als ihr Mann, Addison Pratt, auf Hawaii eine Mission erfüllte: „Meine vier Kinder brauchten Unterricht und Kleidung, und ich hatte kein Geld. . . . Zunächst war ich traurig und niedergeschlagen, dann aber entschied ich mich, dem Herrn zu vertrauen und den Problemen des Lebens mutig entgegenzutreten, und ich freute mich, daß mein Mann für würdig befunden worden war, das Evangelium zu verkündigen.“ Louisa ging mit ihren Kindern zum Hafen, um ihren Mann zu verabschieden. Über ihre Rückkehr nach Hause berichtete Louisa: „Jetzt ergriff Traurigkeit von uns Besitz. Es dauerte nicht lange, da donnerte es laut. Auf der anderen Straßenseite wohnte eine Familie in einem undichten Haus, in das es hineinregnete. Die ganze Familie kam schnell zu uns und suchte Schutz vor dem Sturm.Wir waren dankbar, daß sie zu uns kamen; sie trösteten uns durch ihre Worte, sie sangen Kirchenlieder, und der Bruder betete mit uns. Sie blieben, bis der Sturm vorüber war.“ („Journal of Louisa Barnes Pratt“, Heart Throbs of the West, Hg. Kate B. Carter, 12 Bände (1939–51), 8:229). Kurz nach Addisons Abreise erkrankte seine kleine Tochter an den Pocken. Die Krankheit war so ansteckend, daß jeder Priestertumsträger, der die Pratts besucht hätte, sich leicht hätte anstecken können. Also betete Louisa voller Glauben und „vertrieb das Fieber“. Auf der Haut ihrer Tochter bildeten sich elf kleine Pickel, aber die eigentliche Krankheit brach nicht aus. Innerhalb weniger Tage verschwand das Fieber. Louisa schrieb: „Ich zeigte das Kind jemanden, der mit dieser Krankheit vertraut war, und er sagte, daß das Mädchen angesteckt gewesen sei, ich die Krankheit aber durch Glauben überwunden hätte.“( „Journal of Louisa Barnes Pratt“, 8:233).

Die mormonische Missionare, die Nauvoo unter solchen Opfern verlassen hatten, brachten Tausende zur Kirche. Viele der neuen Mormonen waren stark im Glauben und sehr mutig. Mary Ann Weston, die den Beruf der Schneiderin erlernte, lebte bei der Familie von William Jenkins in England. Bruder Jenkins hatte sich zum Evanglium bekehrt. Eines Tages besuchte Wilford Woodruff die Familie. Mary Ann war allein zu Hause. Wilford setzte sich an den Kamin und sang ein Kirchenlied. Mary Ann beobachtete ihn. Sie berichtet: „Er sah so friedlich und glücklich aus. Ich dachte bei mir, daß er ein guter Mensch sein müsse und daß das Evangelium, das er verkündete, wahr sein müsse.“ („Journal of Mary Ann Weston Maughan“, Our Pioneer Heritage, Hg. Kate B. Carter, 9 Bände (1958–66), 2:353f).

Durch die Bekanntschaft mit den Mormonen bekehrte sich Mary Ann bald und ließ sich taufen – sie war die einzige in ihrer Familie, die der Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums Gehör schenkte. Sie heiratete einen Mormonen, aber ihr Mann starb vier Monate nach der Eheschießung, unter anderem wegen der Prügel, die er vom Mob bezogen hatte, als dieser eine Versammlung der Mormonenkirche stören wollte. Nun war Mary Ann ganz auf sich gestellt. Zusammen mit anderen Mormonen reiste sie mit dem Schiff nach Nauvoo und ließ ihr Haus, ihre Freunde und ihre Eltern, die ihren Glauben nicht teilten, zurück. Sie sah ihre Familie nie wieder. Ihr Mut und ihr Engagement waren schließlich ein Segen für viele Menschen. Sie heiratete den Witwer Peter Maughan, der sich im Cache Valley im Norden Utahs niedergelassen hatte. Dort zog sie viele Kinder groß, die dem Glauben treu blieben und die Kirche und ihre Familie in Ehren hielten.

Die Heiligen Schriften und Taufe für Verstorbene

In Nauvoo wurden einige der heiligen Schriften veröffentlicht, die später das Buch “Die köstliche Perle” bildeten. Dieses Buch enthält Auszüge aus dem Buch Mose und dem Buch Abraham, einen Auszug aus dem Zeugnis des Matthäus, Auszüge aus der Lebensgeschichte von Joseph Smith sowie die Glaubensartikel. Joseph Smith schrieb beziehungsweise übersetzte diese Texte auf Weisung des Herrn. Nun hatten die Mormonen die Bücher, die die heiligen Schriften der Mormonenkirche wurden: die Bibel, das Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und Die Köstliche Perle. Für die Kinder Gottes sind diese Bücher von unschätzbarem Wert, denn sie enthalten die grundlegenden Wahrheiten des Evangeliums. Sie bringen den aufrichtig Suchenden zur Erkenntnis Gottes des Vaters und seines Sohnes, Jesus Christus. Weitere Offenbarungen wurden den neuzeitlichen heiligen Schriften hinzugefügt, wie es der Herr durch seine Propheten gebot.

Nur 15 Monate nach der Gründung Nauvoos gab die Erste Präsidentschaft, einer Offenbarung gehorchend, bekannt, daß die Zeit gekommen sei, „ein Haus des Betens zu bauen, ein Haus der Ordnung, ein Haus für die Verehrung unseres Gottes, wo die Verordnungen vollzogen werden können, die seinem göttlichenWillen angenehm sind.“( History of the Church, 4:186). Die Mormonen waren zwar arm und konnten ihre Familien nur unter großen Mühen unterhalten, aber sie folgten dem Ruf ihrer Führer und spendeten ihre Zeit und ihre Mittel für den Tempelbau. Über 1000 Männer verbrachten jeden zehnten Tag mit freiwilliger Arbeit. Louisa Decker, ein junges Mädchen, war sehr davon beeindruckt, daß die Mutter ihr gutes Service und eine gute Steppdecke verkaufte und den Erlös für den Bau des Tempels spendete (Louisa Decker, „Reminiscences of Nauvoo“, Women’s Exponent, März 1909, 41). Andere Mormonen spendeten Pferde, Schweine und Getreide, um beim Bau des Tempels zu helfen. Die Frauen von Nauvoo wurden aufgefordert, ihre Zehn- und Ein-Cent-Münzen für den Tempelfonds zu spenden. Caroline Butler hatte nicht einmal solche Münzen, die sie hätte spenden können, aber sie wollte gern etwas geben. Eines Tages, als sie mit dem Wagen in die Stadt fuhr, sah sie zwei tote Büffel amWegrand liegen. Sofort wußte sie, wie ihre Spende für den Tempel aussehen konnte. Sie rupfte zusammen mit ihren Kindern das lange Haar aus den Büffelmähnen und nahm es mit nach Hause. Sie wuschen und kämmten das Haar und spannen grobes Garn daraus. Dann strickten sie aus dem Garn acht Paar Fausthandschuhe für die Steinmetze, die in der bitteren Kälte am Tempel arbeiteten („The Mormons and Indians“, Heart Throbs of the West, 7:385).

Mary Fielding Smith, die Frau von Hyrum Smith, schrieb an Frauen der Mormonenkirche in England, die daraufhin innerhalb eines Jahres 50 000 Pennys sammelten. Die Münzen wogen 434 Pfund und wurden nach Nauvoo verschifft. Bauern spendeten Ochsen und Fuhrwerke, einige verkauften einen Teil ihres Landes und spendeten den Erlös für den Tempelbau. Viele Uhren und Gewehre wurden gespendet. Die Mormonen aus Norway, Illinois, sandten 100 Schafe an das Tempelkomitee. Brigham Young berichtet: „Wir haben am Nauvoo-Tempel hart und schwer gearbeitet, und in dieser Zeit war es schwierig, genügend Brot und andere Nahrungsmittel für die Arbeiter zu beschaffen.“ Dennoch riet Präsident Young denen, die für den Tempelfonds verantwortlich waren, das ganze Mehl auszuteilen. Er vertraute darauf, daß der Herr Vorsorge treffen werde. Kurze Zeit später kam Joseph Toronto, ein neubekehrter Mormone aus Sizilien, in Nauvoo an. Er brachte 2500 Dollar in Gold, die er den Brüdern zur Verfügung stellte. Dieses Geld, das Bruder Toronto über lange Zeit angespart hatte, wurde für den Kauf von Mehl und anderer dringend benötigter Dinge verwendet.

Kurze Zeit nach der Ankunft der Mormonen in Nauvoo offenbarte der Herr Joseph Smith, daß die Taufe für den Verstorbenen, die das Evangelium nicht gehört haben, vollzogen werden kann (siehe LuB 124:29-39). Viele Mormonen fanden die Verheißung, daß den Verstorbenen die gleichen Segnungen zuteil werden können wie denen, die das Evangelium hier auf der Erde annehmen, sehr tröstlich. Der Prophet empfing auch eine wichtige Offenabrung über die Lehren, Bündnisse und Segnungen, die heute die Tempelbegabung oder Endowment, genannt werden. Diese heilige Verordnung soll die Mormonen befähigen, „sich die Fülle dieser Segnungen zu sichern“, die sie vorbereiten, „hervorzukommen und in den ewigen Welten in der Gegenwart Elohims zu bleiben“ (History of the Church, 5:2). Mann und Frau können, nachdem sie die Begabung empfangen haben, durch die Macht des Priestertums für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt werden. Joseph Smith wußte, daß er nur noch kurze Zeit zu leben hatte, und so gab er, obwohl der Tempel noch im Bau war, einigen ausgewählten treuen Mormonen die Begabung im Obergeschoß seines roten Backsteinhauses.

Selbst als die Mormonen nach der Ermordung des Propheten Joseph Smith erkannten, daß sie nicht in Nauvoo bleiben konnten, bauten sie noch eifriger am Tempel. Das Dachgeschoß des unfertigen Tempelgebäudes wurde geweiht, damit dort die Begabung vollzogen werden konnte. Die Mormonen waren so sehr darauf bedacht, diese heilige Handlung zu empfangen, daß Brigham Young, Heber C. Kimball und andere Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Tag und Nacht im Tempel blieben und nachts nicht länger als vier Stunden schliefen. Mercy Fielding Thompson wusch und bügelte die Tempelkleidung und beaufsichtigte die Küche. Auch sie wohnte im Tempel. Manchmal arbeitete sie die Nacht hindurch, damit alles für den folgenden Tag bereit war. Auch andere Mormonen widmeten sich ihren Aufgaben mit gleicher Hingabe. Warum arbeiteten diese Mormonen so sehr an einem Gebäude, das sie schon bald darauf aufgeben mußten? Fast 6000 Mormonen empfingen die Begabung (das Endowment), bevor die Mormonen Nauvoo verließen. Als sie sich auf den Weg nachWesten begaben, war ihr Glauben durch die Gewißheit, daß ihre Familie für die Ewigkeit gesiegelt war, stark geworden. Die trauernden Familien, die in der weiten Prärie Amerikas ein Kind oder einen Ehepartner begraben mußten, zogen aufgrund der Gewißheit, die sie durch die heiligen Handlungen des Tempels erhalten hatten, entschlossen weiter.

siehe auch: der Nauvoo Tempel

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