Nephiten
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Die Stammväter dieses Volkes wurden im Jahre 600 v. Chr. von Lehi, einem jüdischen Propheten aus dem Stamm Manasse, von Jerusalem weggeführt. Seine eigentliche Familie umfasste, als er die Stadt verließ, seine Frau Sariah und seine Söhne Laman, Lemuel, Sam und Nephi. Später werden auch Töchter erwähnt, doch wird nicht gesagt, ob irgendwelche von diesen schon vor .dem Auszug aus Jerusalem geboren wurden. Außer einer eigenen Familie gehörten zu Lehis Kolonie noch Zoram und Ishmael; dieser war ein Israelite aus dem Stamme Ephraim . Ishmael und seine Familie schlossen sich Lehis Gesellschaft in der Wüste an, und seine Nachkommen wurden dem Volk, von dem wir sprechen, zugezählt.
Die Kolonie scheint zunächst ungefähr in der Richtung Südosten gereist zu sein, wobei sie sich nahe der Küste des Roten Meeres hielt; dann änderte sie ihren Lauf und zog nach Osten durch die Halbinsel Arabien. Dort' an .der Küste des Arabischen Meeres baute sie ein Schiff, rüstete es aus und vertraute sich darin der göttlichen Obhut zur Überfahrt über die See an. Man nimmt an, dass ihre Reise sie weiter ostwärts, über den Indischen Ozean und schließlich über den südlichen Stillen Ozean an die Westküste Südamerikas brachte, wo sie ums Jahr 590 v. Chr. landete. Der Ort ihrer Landung wird im Buche selbst nicht so genau beschrieben, dass man ihn heute mit Sicherheit bestimmen könnte.
Die Leute siedelten sich an in dem Lande, das ihnen das Land der Verheißung war. Viele Kinder wurden ihnen geboren, und im Laufe weniger Geschlechter hatte eine zahlreiche Nachkommenschaft vom Lande Besitz ergriffen. Nach Lehis Tod kam es zu einer Spaltung, dergestalt, dass sich ein Teil des Volkes Nephi — der rechtmäßigerweise zum Prophetenamt bestimmt war — zu seinem Führer erkor, während die übrigen Laman, den ältesten Sohn Lehis, zu ihrem Führer ausriefen. Von da an war das geteilte Volk als die Nephiten und die Lamaniten bekannt.
Die Namen Nephiten und Lamaniten wurden von den Nephiten verwendet, um zwischen ihrem Volk und ihren Feinden einen Unterschied zu machen. Einer der Propheten des Buches Mormon, Jakob genannt, beschrieb das auf folgende Weise:
- Diejenigen nun, die nicht Lamaniten waren, die waren Nephiten; dennoch wurden sie Nephiten, Jakobiten, Josephiten, Zoramiten, Lamaniten, Lemueliten und Ischmaeliten genannt. Aber ich, Jakob, werde sie von nun an nicht mit diesen Namen unterscheiden, sondern ich werde diejenigen Lamaniten nennen, die das Volk Nephi zu vernichten trachten; und diejenigen, die Nephi freundlich gesinnt sind, werde ich Nephiten oder das Volk Nephi nennen, gemäß der Regierung der Könige. (Jacob 1:13-14).
Selbstverständlich gab es viele verschieden Gruppen, doch waren die nephitischen Schreiber der Ansicht, dass die spirituellen Aspekte ihrer Geschichte wichtiger waren als historische oder gar politische. Deshalb vereinfachten sie die Erzählungen, indem sie nur diese zwei Namen verwendeten.
Zu Zeiten unterhielten sie leidlich freundliche Beziehungen zueinander, im allgemeinen aber bekämpften sie sich, denn die Lamaniten bekundeten gegen ihre nephitischen Verwandten unversöhnlichen Hass und Feindschaft. Die Nephiten machten Fortschritte in den Künsten der Zivilisation, bauten große Städte und errichteten blühende Gemeinwesen; doch fielen sie oft in Übertretungen, und der Herr züchtigte sie, indem er ihren Feinden gestattete, sie zu besiegen. Aus ihren Überlieferungen glaubt man annehmen zu dürfen, dass sie sich nach Norden ausbreiteten und den nördlichen Teil Südamerikas besiedelten; später den Isthmus überschritten und ihr Gebiet auf den südlichen, zentralen und östlichen Teil der heutigen Vereinigten Staaten von Nordamerika ausdehnten. Die Lamaniten fielen, während sie an Zahl zunahmen, unter den Fluch göttlichen Missfallens. Sie wurden dunkel an Hautfarbe und niedrig an Geist, vergaßen den Gott ihrer Väter, führten ein wildes Nomadenleben und sanken auf jene Stufe, auf der die amerikanischen Indianer — ihre buchstäblichen Nachkommen — von denen gefunden wurden, die den westlichen Erdteil in einer viel späteren Zeit entdeckten.
Etwa 34 n. Chr. nach dem Tod Christi berichtete das nephitische Volk, dass sie vom auferstandenen Christus besucht und belehrt wurden und wie er Seine Kirche errichtete. Über 200 Jahre lang waren alle zum Evangelium Christi bekehrt. Es gab keine Teilung mehr unter ihnen als Nephiten und Lamaniten, sondern sie waren ein einmütiges Volk. Dann trennte sich etwa 200 n. Chr. eine Gruppe von ihnen und nannte sich wieder Lamaniten. Es folgten Schlechtigkeiten unter den Nephiten bis etwa 421 n. Chr. und die Nephiten wurden durch die Lamaniten völlig zerstört. Das Buch Mormon bemerkt, dass Gott diese Zerstörung wegen der Boshaftigkeit der Nephiten zugelassen hat.
Die letzten Kämpfe zwischen Nephiten und Lamaniten spielten sich in der Nähe des Hügels Cumorah ab, im heutigen Staate New York; ums Jahr 400 n. Chr. führten sie zur völligen Vernichtung der Nephiten. Der letzte dieses Volkes war Moroni; er wanderte von Ort zu Ort, um sich in Sicherheit zu bringen, und erwartete täglich den Tod von den siegreichen Lamaniten. Dieser Moroni schrieb denn den Schlussteil des Buches Mormon und verbarg die Urkunden im Hügel Cumorah. Es war dies derselbe Engel Moroni, der in unserer Dispensation als auferstandenes Wesen die Berichte dem Propheten Joseph Smith übergab.
verwendete Quellen
- Die Glaubensartikel von James E. Talmage
- Text aus der englischen Mormonwiki
