Missionsarbeit und Offenbarungen
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Joseph Smiths Übersetzung der Bibel
Im Juni 1830 begann Joseph Smith mit dem Werk, mit dem Gott ihn beauftragt hatte, nämlich an der King-James-Bibel inspirierte Korrekturen vorzunehmen. Das Ergebnis dieser Arbeit ist heute als die Joseph-Smith-Übersetzung der Bibel bekannt. Von Juni 1830 bis Juli 1833 nahm der Prophet zahlreiche Änderungen am Text der Bibel vor. Unter anderem korrigierte er in sprachlicher Hinsicht, erläuterte Punkte der Lehre und stellte geschichtliche und doktrinäre Einzelheiten wieder her. Im Lauf dieser Arbeit erhielt Joseph viele Offenbarungen als Antwort auf Fragen, die er zu Abschnitten der heiligen Schriften hatte. Am 16. Februar 1832 erhielt Joseph eine solche Offenbarung, nachdem er zusammen mit Sidney Rigdon Johannes 5:29 übersetzt hatte. Die beiden dachten über diesen Vers nach, und sie sagten später: „Der Herr berührte die Augen unseres Verständnisses, und sie öffneten sich, und die Herrlichkeit des Herrn leuchtete ringsum.“ (LuB 76:19.) Sie empfingen eine der bedeutendsten Visionen, die je gegeben wurde, und die heute im Abschnitt 76 Lehre und Bündnisse zu finden ist. Joseph Smith und Sidney Rigdon sahen Gott den Vater und den Sohn, erfuhren von der gottgegebenen Bestimmung des Menschen und davon, wer einst in den drei Reichen der Herrlichkeit leben wird.
Die Offenbarungen werden veröffentlicht
Im November 1831 stimmten die Mormonen in Hiram, Ohio, dafür, daß das Buch der Gebote veröffentlicht werden sollte, das rund 70 Offenbarungen des Propheten enthielt. Im Lauf dieser Konferenz empfing Joseph Smith die beiden Offenbarungen des Herrn, die zum Vorwort und Nachwort des Buches der Gebote wurden (Diese Offenbarungen bilden heute Abschnitt 1 und 133 von Lehre und Bündnisse.) William W. Phelps, der im Kreis Jackson eine Druckerei besaß, wurde beauftragt, das Buch zu drucken. Die Offenbarungen, die im Buch der Gebote erschienen, wurden später zusammenmit anderen Offenbarungen als das Buch Lehre und Bündnisse veröffentlicht, das 1835 in Kirtland erschien. Ebenfalls in Kirtland erschien die zweite Auflage des Buches Mormon, das der Prophet Joseph geringfügig korrigiert hatte.
Nur wenige Monate nach der Gründung der Kirche betonte der Herr, wie wichtig die Musik in der Kirche ist. Er gebot Emma, der Frau des Propheten, heilige Lieder auszuwählen (siehe LuB 25:11.) Durch das Gesangbuch, das sie zusammenstellte und das in Kirtland veröffentlicht wurde, konnten die Heiligen die verheißenen Segnungen des Herrn empfangen: „Denn meine Seele erfreut sich am Lied des Herzens; ja, das Lied der Rechtschaffenen ist ein Gebet zu mir, und es wird ihnen mit einer Segnung auf ihr Haupt beantwortet werden.“ (LuB 25:12.)
Die Schule der Propheten
Im Dezember 1832 und im Januar 1833 empfing der Prophet eine Offenbarung, die später Abschnitt 88 in Lehre und Bündnisse wurde. Unter anderem gebietet der Herr in dieser Offenbarung, eine „Schule der Propheten“ (LuB 88:127) einzurichten, damit die Brüder in den Grundsätzen und der Lehre des Evangeliums, in den Angelegenheiten Der Mormonenkirche und in anderen Dingen unterrichtet werden konnten.
Im Winter 1833 kam die Schule der Propheten oft zusammen. Joseph und Emma Smith machten sich Gedanken über die Angewohnheit der Brüder, Tabak zu gebrauchen. Besondere Sorge bereitete ihnen die Wolke aus Tabakrauch, die über den versammlungen hing, und der Schmutz, der vom Gebrauch von Kautabak herrührte. Joseph Smith befragte den Herrn in dieser Sache und empfing die Offenbarung, die als das „Wort der Weisheit“ bekannt wurde. Sie enthält die Gebote des Herrn in bezug auf die Pflege des Körpers und des Geistes. Der Herr verheißt denen, die diese Gebote halten, geistige Segnungen, „Weisheit und große Schätze der Erkenntnis, ja verborgene Schätze“ (LuB 89:19). Außerdem enthält das Wort der Weisheit Erkenntnisse über die Gesundheit, die der medizinischen und wissenschaftlichen Welt damals nicht bekannt waren, sich aber seitdem als sehr nützlich herausgestellt haben, zum Beispiel den Rat, Alkohol und Tabak zu meiden.
Das Gesetz der Weihung
1831 offenbarte der Herr Teile des Gesetzes der Weihung, das, wenn es in Rechtschaffenheit befolgt wird, eine geistige und zeitliche Ordnung zum Segen der notleidenden Heiligen ist. Gemäß diesem Gesetz wurden die Mormonen aufgefordert, ihren ganzen Besitz dem Bischof der Kirche zu weihen, beziehungsweise zu übertragen. Der Bischof hatte dann die Aufgabe, dem Mitglied ein Erbteil beziehungsweise eine Treuhandschaft zuzuteilen. Die Familien übten ihre Treuhandschaft so gut wie möglich aus. Am Jahresende wurde der eventuelle Überschuß dem Bischof gegeben, der diese Mittel für die Bedürftigen verwendete. Edward Partridge wurde vom Herrn berufen, als erster Bischof der Kirche zu dienen.
Das Gesetz der Weihung besteht aus Grundsätzen und Verhaltensweisen, die die Mormonen geistig stärken, unter ihnen eine relative wirtschaftliche Gleichheit schaffen und ihnen helfen sollten, Habsucht und Armut zu überwinden. Einige Mormonen lebten gut nach diesem Gesetz und waren dadurch für sich und andere ein Segen. Andere konnten von ihren selbstsüchtigen Wünschen nicht lassen und wurden so die Ursache dafür, daß der Mormonenkirche das Gesetz wieder genommen wurde. 1838 offenbarte der Herr das Gesetz des Zehnten (siehe LuB 119), das auch heute noch das Finanzgesetz der Mormonenkirche ist.
Die Missionsarbeit geht voran
Während die Mormonen in Kirtland lebten, wurden viele Missionare berufen, weit weg und oft unter großen Opfern das Evangelium zu verkündigen. In viele US-Bundesstaaten, in Teile Kanadas und über den Atlantik, nach England, wurden Missionare geschickt. Viele Menschen erhielten durch die Arbeit dieser Missionare ein Zeugnis vom Evangelium. Sie wurden treue Mitglieder und stärkten die junge Mormonenkirche.
In einigen der Offenbarungen, die in Kirtland aufgezeichnet wurden, wird den Mormonen geboten, der Welt das Evangelium zu verkündigen. Der Herr sagt: „Ihr aber sollt in der Macht meines Geistes ausgehen und mein Evangelium predigen, zwei und zwei, in meinem Namen, und ihr sollt die Stimme erheben – gleich dem Ton einer Posaune –, so daß ihr wie Engel Gottes mein Wort verkündigt.“ ((LuB 42:6). Im darauffolgenden Jahr gebot der Herr: „Und wer gewarnt worden ist, dem kommt es zu, seinen Nächsten zu warnen.“ (LuB 88:81).
Die ersten Mormonen aus Ohio gehen auf Mission
Zera Pulsipher, ein neuer getaufter Mormone aus Ohio, ist ein Beispiel für diejenigen, die die Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums begeistert verkündigten. Zera ließ sich im Januar 1832 taufen. Er berichtete, daß er kurz darauf „zum Amt des Ältesten ordiniert wurde und begann, mit einigem Erfolg daheim und in der Ferne zu predigen” („Zera Pulsipher Record Book, 1858–1878“, 5; in LDS Archives). Er reiste zusammen mit einem weiteren Missionar der Mormonen, Elijah Cheney, in die kleine Stadt Richland, New York, wo sie in der Schule predigten. Einer der ersten, die Elder Pulsipher in Richland taufte, war ein junger Farmer namens Wilford Woodruff, der später einer der erfolgreichsten Missionare der Mormonenkirche und ihr vierter Präsident wurde. Innerhalb eines Monats tauften die beiden Missionare eine größere Anzahl Menschen und gründeten in Richland einen Zweig der Mormonenkirche.
Die Missionare, die dem Ruf folgten, ihren Nächsten zu warnen, kamen aus allen Bevölkerungsschichten. Viele waren verheiratet und hatten eine Familie zu ernähren. Sie reisten mitten in der Erntezeit oder im tiefsten Winter ab, zu Zeiten persönlichen Wohlstands oder wirtschaftlicher Not. Viele Älteste waren, wenn sie auf Mission gingen, fast mittellos. Der Prophet selbst reiste von 1831 bis 1838 über 23 000 Kilometer und erfüllte 14 Kurzzeitmissionen in vielen Staaten der USA und in Kanada.
Als George A. Smith, ein Vetter des Propheten, in die östlichen Vereinigten Staaten berufen wurde, war er so arm, daß er nicht über die Mittel verfügte, die Kleidung und Bücher zu kaufen, die er für die Mission brauchte. Also gaben ihm der Prophet Joseph und sein Bruder Hyrum graufarbene Kleidung, und Eliza Brown nähte ihm einen Mantel, eine Weste und eine Hose. Von Brigham Young erhielt er ein paar Schuhe, sein Vater gab ihm eine kleine Bibel, und der Prophet stattete ihn mit einem Buch Mormon aus.
Auch Erastus Snow und John E. Page waren arm, als sie im Frühjahr 1836 auf Mission gingen. Elder Snow beschrieb seine Situation bei der Abreise ins westliche Pennsylvania: „Ich verließ Kirtland allein und zu Fuß und hatte nur einen kleinen Koffer dabei, der einige Bücher der Kirche und ein Paar Socken enthielt. Außerdem hatte ich fünf Cent in der Hosentasche. Das war mein ganzer weltlicher Besitz.“ Elder Page sagte dem Propheten, daß er die Berufung zum Predigen nicht annehmen könne, weil er keine passende Kleidung besaß. Er hatte nicht einmal einen Mantel. Der Prophet zog seinen Mantel aus und gab ihn Elder Page. Er sagte, daß Elder Page seine Mission erfüllen solle und vom Herrn dafür reichlich gesegnet werde („History of John E.Page“, Deseret News, 16. Juni 1858, 69). Elder Page wurde so gesegnet, daß sich Hunderte, denen er vom Evangelium erzählte, der Mormoenkirche anschlossen.
Die Mission des Kollegiums der Zwölf Apostel
1835 wurden die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel berufen, im Ostteil der Vereinigten Staaten und in Kanada eine Mission zu erfüllen. Dies war das einzige Mal in der Geschichte der Mormonenkirche, daß alle zwölf Apostel gleichzeitig auf Mission waren. Bei ihrer Rückkehr legte Heber C. Kimball Zeugnis ab, daß sie die Macht Gottes gespürt und in der Lage gewesen waren, Kranke zu heilen und Teufel auszutreiben.
Eine Mission in England
Die Kirche durchlebte im letzten Teil ihrer Zeit in Kirtland eine Krise. Einige Mormonen, darunter auch einige Führer, fielen von der Kirche ab, weil sie die Prüfungen und Verfolgungen nicht ertragen konnten und weil sie begannen, den Propheten Joseph Smith und die übrigen Führer der Mormonenkirche zu kritisieren. Der Herr offenbarte Joseph Smith, daß etwas Neues unternommen werden müsse, um die Kirche zu retten. Dieses Neue war, daß aus England neue Mitglieder zur Kirche gebracht werden sollten. Am 4. Juni 1837, einem Sonntag, sprach der Prophet im Kirtland-Tempel mit Elder Heber C. Kimball und sagte zu ihm: „Bruder Heber, der Geist des Herrn hat mir zugeflüstert: ‚Laß meinen Knecht Heber nach England gehen und dort mein Evangelium verkündigen und diesem Land die Tür zur Errettung auftun.‘” (Orson F.Whitney, Life of Heber C. Kimball, 3. Aufl., (1945), 104).
Als Heber C. Kimball gerade für seine Mission eingesetzt wurde, betrat Elder Orson Hyde den Raum. Er hörte, was vor sich ging, und wurde bewegt umzukehren, denn er war einer von denen gewesen, die den Propheten kritisiert hatten. Er wollte auch als Missionar der Kirche dienen und wurde dafür eingesetzt, ebenfalls nach England zu gehen. Heber C. Kimball war so begeistert davon, das Evangelium in einem fremden Land zu verkündigen, daß er beim Einlaufen des Schiffs in den Hafen von Liverpool an Land sprang und nicht warten konnte, bis das Schiff angelegt hatte. Er verkündete laut, er sei der erste, der mit der Botschaft der wiederhergestellten Kirche in ein Land jenseits des Ozeans gekommen war. Am 23. Juli begannen die beiden mormonische Missionare, in überfüllten Sälen zu predigen. Die ersten Taufen wurden für den 30. Juli angesetzt. George D.Watt gewann einen Wettlauf zum Fluß Ribble in Preston, womit ihm die Ehre gebührte, der erste zu sein, der in Großbritannien getauft wurde.
Innerhalb von acht Monaten hatten sich Hunderte der Mormonenkirche angeschlossen,und viele Zweige wurden organisiert. Als Heber C.Kimball einmal über diese reiche Ernte nachsann, sagte er: Der Prophet und seine Ratgeber haben „mir die Hände aufgelegt und . . . gesagt, Gott werde mich stark machen, in diesem Land Menschen zu ihm zu führen; Engel würden mich begleiten und mich tragen; mein Fuß werde nie fehlgehen; ich würde sehr gesegnet sein und Tausende zur Errettung führen” (Orson F. Whitney, Life of Heber C. Kimball, 105).
In jenen ersten Jahren folgten viele mormonische Missionare ungeachtet großer Opfer dem Missionsruf, und viele tausend neugetaufter Mormonen kamen in England in den Genuß der Segnungen des wiederhergestellten Evangeliums. Sie sammelten sich in Zion und stärkten die Mormonenkirche, die einer schwierigen Zeit entgegenging, sehr.
