Missionarsehepaare
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Eine wundervolle Kraftquelle
von Elder David B. Haight vom Kollegium der Zwölf Apostel
Ehepaare, die große Lebenserfahrung haben, können viel zur Missionsarbeit der Kirche beitragen. Elder David B. Haight vom Kollegium der Zwölf Apostel ist Vorsitzender des Missions-Führungsrates. Vor kurzem hat er in einem Interview mit der Zeitschrift der Kirche deutlich gemacht, daß die Kirche immer mehr Missionarsehepaare braucht, die überall auf der Welt dienen. Außerdem hat er auf die schönen Erlebnisse und die Segnungen hingewiesen, die eine Mission mit sich bringt.
Warum finden es die führenden Brüder so wichtig, daß Ehepaare in der Kirche eine Mission in Betracht ziehen?
Lassen Sie mich aus meiner eigenen Erfahrung antworten. 1963 wurde ich berufen, über die Mission Schottland zu präsidieren. Als ich dort ankam, besuchte ich alle Zweige der Kirche und sah, daß die Mitglieder, die sich zum größten Teil erst vor kurzem bekehrt hatten, noch die Vorgehensweisen in der Kirche lernen und verstehen mußten und warum wir etwas so und nicht anders machen. Mir wurde bewußt, was diese Zweige brauchten, nämlich das Beispiel von Mitgliedern, die sich gut in der Kirche auskannten die Priestertums- und FHV-Wissen besaßen und die Verfahrensweisen kannten. Ich dachte an die vielen gesunden Menschen im Ruhestand, die im Schaukelstuhl in der Sonne saßen und dabei doch noch Produktivität für so viele Jahre in sich hatten. Ich konnte mir gut vorstellen, wieviel Erfolg wir in Schottland haben konnten, wenn es in einigen unserer Zweige solche erfahrenen Ehepaare gab. Wie sehr sie uns doch helfen konnten!
Deshalb schrieb Ich an einige Freunde in Kalifornien, die sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatten, und forderte sie auf, auf Mission zu gehen und auf ihrem Antrag gleich anzugehen, daß sie gerne in Schottland dienen würden. Sieben Ehepaare gingen auf meine Bitte ein.
Außerdem beantragte ich in meiner Eigenschaft als Missionspräsident Missionarsehepaare bei der Missionarsabteilung der Kirche. Da die Missionsberufungen von den führenden Brüdern aufgrund von Inspiration ausgesprochen werden, gab es natürlich keine Garantie dafür, daß die Ehepaare aus Kalifornien mit mir dienen konnten. Doch zu unserer großen gegenseitigen Freude wurden alle sieben Ehepaare der Mission Schottland zugewiesen, und wir ließen sie mit der Arbeit in den Zweigen beginnen. Ihr Einsatz war genauso erfolgreich, wie ich es erhofft hatte. Was waren sie doch für eine wundervolle Kraftquelle!
Heute brauchen Missionspräsidenten überall auf der Welt, genau wie wir damals im Jahr 1963, die Reife, das Wissen und die Fertigkeiten von nicht mehr berufstätigen Ehepaaren, um ihre Mission zu stärken. Ehepaare verleihen einer Mission Stabilität. Sie sind Vorbilder für die jüngeren Missionare, und sie denken wie reife Menschen.
Welche einzigartigen Beiträge leisten Missionarsehepaare auf Mission?
Nicht mehr berufstätige Ehepaare besitzen Talente und Fähigkeiten, die sie nach dem Rückzug aus dem Berufsleben oft nicht mehr nutzen. Doch Menschen mit speziellen Kenntnissen im Gesundheitsbereich – beispielsweise Ärzte und Zahnärzte – werden immer gebraucht. Auch Lehrer und Landwirte leisten unschätzbare Dienste.
Wenn ein nicht mehr berufstätiges Ehepaar eine Mission erfüllt, bekommt es Gelegenheit, seine Talente und Gaben wieder einzusetzen. Es merkt, daß es wirklich gebraucht wird, und die Folge davon ist, daß es einen neuen Sinn im Leben sieht und eine neue Richtung findet. Voller Freude verliert es sich in neuen Erlebnissen und Möglichkeiten des Wachstums. Wer dient, wird oft mit frischer Gesundheit und neuer Energie belohnt. Und wenn das Ehepaar wieder nach Hause fährt, ist es vom reichen Geist der Missionsarbeit erfüllt und empfindet große Zuneigung zu den Menschen, denen es gedient hat.
Wie viele Ehepaare dienen derzeit ungefähr in den Missionen der Kirche?
Mehr als sechzehnhundert Ehepaare (3200 Personen) erfüllen derzeit weltweit eine Mission. Und wir brauchen immer mehr Ehepaare, doch leider geht die Zahl der Ehepaare, die auf Mission gehen, ständig zurück. Stellvertretend für die führenden Brüder rufe ich alle nicht mehr berufstätigen Ehepaare auf, ernsthaft eine Mission in Betracht zu ziehen. Wir brauchen dringend mehr Ehepaare, um unseren Bedürfnissen gerecht zu werden. Derzeit gibt es 318 Missionen. Die Missionspräsidenten dieser 318 Missionen fordern Missionarsehepaare an, doch wir können ihre Wünsche noch nicht einmal zur Hälfte erfüllen.
Wie lange dauert die Mission für ein Ehepaar?
Wir haben eine begrenzte Anzahl von Ehepaaren, die zwölf Monate dienen, doch die meisten gehen achtzehn oder vierundzwanzig Monate auf Mission. Manche verlängern ihre Missionszeit auch, weil sie so stark engagiert sind und die Arbeit ihnen so große Freude bereitet. Ein Ehepaar, das außerhalb seines Heimatlandes auf Mission geht, dient mindestens achtzehn Monate lang.
Gibt es Beschränkungen, was Gesundheit und Alter betrifft?
Im Regelfall liegt die Altersgrenze bei siebzig Jahren. Die Ehepaare müssen gesund sein; sie dürfen keine chronische Krankheit haben, die ihre Kräfte aufzehrt. Ehe sie ihre Unterlagen einreichen, müssen sie sich beim Art gründlich untersuchen lassen. Wenn Mann und Frau bei guter Gesundheit sind, wird oft auch über die Altersgrenze hinweggesehen.
Lassen Sie mich auch anfügen, daß Ehepaare mit Kindern, die auf ihre Eltern angewiesen sind (unabhängig vom Alter), und Ehepaare, bei denen die Frau noch im gebärfähigen Alter ist, nicht berufen werden.
Was für Aufgaben erfüllen Ehepaare?
Am dringendsten brauchen wir Ehepaare, die dort, wo die Kirche noch relativ neu ist, bei der Schulung der örtlichen Führungskräfte helfen können. Außerdem werden sie an der Aktivierung von Mitgliedern und der Eingliederung Neubekehrter beteiligt. Manche Ehepaare arbeiten auch im Missionsbüro – als Sekretäre, Finanzsekretäre, Fuhrparkverwalter und ähnliches. In abgelegeneren Gebieten der Kirche kann ein Ehepaar auch für die Führung in Gemeinde oder Zweig eingesetzt werden. Darüber hinaus können Ehepaare, die sich in kommunalen Dienstprojekten engagieren, viel Positives für die Kirche bewirken.
Eine begrenzte Anzahl von Ehepaaren arbeitet nicht in einer Mission, sondern im Tempel. Manche werden auch mit zusätzlichen Aufgaben, etwa in den Bereichen Genealogie, Öffentlichkeitsarbeit, Wohlfahrt, Bildungswesen der Kirche sowie vielen verschiedenen weiteren Bereichen, betraut. Die Liste der Einsatzmöglichkeiten ließe sich endlos fortsetzen, denn wir brauchen die Missionarsehepaare wirklich sehr dringend.
Entspricht der Tagesplan der Ehepaare dem Tagesplan der jungen Missionare und Missionarinnen?
Nein. Von den Ehepaaren wird nicht erwartet, daß sie genauso lange arbeiten wie die jüngeren Missionare. Ehepaare besitzen viele unterschiedliche Talente, die sie sinnvoll im Rahmen ihrer Kräfte und Fähigkeiten einsetzen sollen. Wir erwarten von ihnen nicht, daß sie mehr tun, als sie tun können. Die meisten Ehepaare sind aufgrund ihres Alters oder ihres Gesundheitszustandes Einschränkungen unterworfen. Wenn sie sich gelegentlich einmal ausruhen müssen, dann dürfen sie das ruhig tun.
Gehen Missionarsehepaare auch von Tür zu Tür?
Wir erwarten von den Ehepaaren nicht, daß sie von Tür zu Tür gehen und die Lektionen auswendig lernen. Sie erhalten nur auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin ein Gebiet zugewiesen, in dem sie von Tür zu Tür gehen. Die meisten Ehepaare arbeiten mit örtlichen Priestertumsführern, weniger aktiven Mitgliedern und Bekehrten zusammen.
Müssen Ehepaare eine Fremdsprache lernen?
Nein. Doch wenn ein Ehepaar bereit ist, eine Fremdsprache zu lernen, werden wir eine Tätigkeit im Ausland in Betracht ziehen.
Kann ein Ehepaar sich aussuchen, wo es dienen möchte?
Jede Missionsberufung geht vom Herrn aus; sie wird aufgrund von Inspiration durch seine Diener ausgesprochen. Daher ist es nicht angebracht, daß ein Ehepaar bestimmt, wo es dienen wird. Präsident Howard W. Hunter har gesagt: „Wenn wir wissen, warum wir dienen, kommt es nicht darauf an, wo wir dienen!”
Wir möchten jedoch soviel wie möglich über künftige Missionarsehepaare wissen, auch darüber, welche Aufgaben sie gern übernehmen würden. Wenn ein Ehepaar oder eine junge Frau einen Missionsantrag ausfüllen, füllen sie auch ein zusätzliches Formular aus, in dem sie nach beruflicher Erfahrung, nach Ausbildung, nach Fremdsprachen, nach Ämtern in der Kirche, nach besonderen Fertigkeiten, Fähigkeiten, Interessen, Hobbys sowie Einschränkungen und sonstigen Besonderheiten gefragt werden. Diese Angaben werden bei der Berufung berücksichtigt, ebenso das Alter und der Gesundheitszustand. Ein Ehepaar kann angeben, ob es sich für eine bestimmte Aufgabe interessiert, doch die endgültige Entscheidung wird von den führenden Brüdern getroffen.
Wie teuer ist es für ein Ehepaar, auf Mission zu gehen?
Die Kosten sind sehr unterschiedlich und werden vom Einsatzgebiet und dem Lebensstandard bestimmt, den das Paar sich bewahren möchte. Ein Ehepaar gibt auf dem Antrag an, welchen Beitrag es selbst zur Finanzierung seiner Mission leisten kann, wieviel die Kinder und die Gemeinde beisteuern können und welche Geldquellen es sonst noch gibt.
Wie steht es mit der Krankenversicherung?
Die Ehepaare müssen ihre Krankenversicherung beibehalten und gegebenenfalls eine Zusatzversicherung abschließen. Sie zahlen alle auf Mission anfallenden Arztrechnungen selbst. Wenn ein Ehepaar ins Ausland berufen wird und seine Krankenversicherung dort nicht zahlt, soll es eine Auslandskrankenversicherung abschließen.
Dürfen Ehepaare ihr Auto mit auf Mission nehmen?
Wenn ein Ehepaar in seinem Heimatland auf Mission berufen wird, dann raten wir, das Auto mitzunehmen. Versicherung und Unterhalt werden vom Ehepaar getragen. Kein Ehepaar ist verpflichtet, sein Auto mitzunehmen; es gibt jedoch keine Garantie dafür, daß die Mission ihm ein Auto zur Verfügung stellen kann. Das Ehepaar kann auch öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
Manche Ehepaare haben aus den verschiedensten Gründen Angst davor, auf Mission zu gehen. Was würden Sie ihnen sagen?
Ich habe mit vielen Ehepaaren gesprochen und weiß, daß manche richtiggehend Angst haben – Angst, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, sich zu blamieren, Treppen steigen zu müssen, auf Glatteis auszurutschen und vieles andere. Doch im Grunde gibt es kaum etwas, wovor man Angst haben müßte, denn die Aufgaben werden ja von Menschen vergeben, die die Gegebenheiten kennen, nämlich vom Missionspräsidenten oder dem Pfahlpräsidenten in Zusammenarbeit mit dem Missionspräsidenten. Diese Priestertumsführer wissen, daß ein Ehepaar eine Lücke füllen kann, die sonst niemand zu füllen vermag. Und sie kennen viele gute Betätigungsfelder für Missionarsehepaare und wissen, wie diese am produktivsten arbeiten können.
Manche Ehepaare sagen: „Ich kann doch meine Enkelkinder nicht verlassen.” Darauf antworte ich dann: „Ihre Enkelkinder sind noch da, wenn sie zurückkommen, abgesehen davon, daß sie inzwischen zwei Jahre älter geworden und nun noch süßer sind als zu dem Zeitpunkt, wo Sie auf Mission gegangen sind. Und außerdem – könnten Sie Ihren Enkelkindern ein besseres Erbteil hinterlassen als Ihr gutes Beispiel, indem Sie nach Ihrem Zeugnis leben und auf Mission gehen"
Das, wovor wir uns fürchten, ist oft nur Einbildung. Ich bin in Oakley in Idaho aufgewachsen. Als ich ein kleiner Junge war, standen Pappeln an der langen Straße, die zu unserem Haus führte. Wenn es dunkel war, rannte ich immer so schnell ich konnte an den Pappeln vorbei, denn ich stellte mir vor, daß sich dahinter etwas versteckt hatte und nur darauf wartete, mich anzufallen. Natürlich wußte ich bei Tageslicht genau, daß das alles nur in meiner Phantasie bestand. So ist es auch mit unseren Ängsten — neunundneunzig Prozent dessen, wovor wir uns fürchten, besteht nur in unserer Phantasie.
Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein Ehepaar nach seiner Mission sagt: „Das war keine schöne Zeit für uns.” Vielleicht ist so etwas schon vorgekommen, aber ich selbst habe es nie gehört. Aber ich habe viele Ehepaare sagen hören: „Diese Mission war das schönste Erlebnis unseres Lebens.”
Ist es die Aufgabe des Bischofs, mehr Ehepaare aufzufordern, eine Mission zu erfüllen?
Ganz bestimmt! Im Zweifelsfall ist es die Aufgabe des Bischofs, Ehepaare anzuregen, über eine Mission nachzudenken. Er soll auf seinem Schreibtisch eine Liste mit den Namen aller Ehepaare haben, die sich für würdig hält. Er muß sich über ihre Kinder, ihren Gesundheitszustand und ihre finanzielle Situation informieren. Und dann muß er sie zu einem freundlichen Gespräch in angenehmer Atmosphäre bitten und sagen: „Sie haben sich jetzt aus dem Berufsleben zurückgezogen und könnten nun etwas mehr zum Aufbau des Gottesreiches beitragen. Haben Sie schon einmal über eine Mission nachgedacht?
Wir zwingen niemanden. Wir sagen nicht, daß jemand unbedingt gehen muß. Aber wir sagen, daß wir Ehepaare brauchen! Der Bischof kann dem Ehepaar gegenüber erwähnen, daß es auch in sechs Monaten oder einem Jahr auf Mission gehen kann, wenn es jetzt noch nicht dazu bereit ist. Es muß nicht sofort sein, denn die Kirche braucht immer Missionarsehepaare! Ich glaube, manchmal schneidet ein Bischof das Thema Mission nur zögerlich an, weil er nicht genug über das Leben des Paares weiß. In diesem Fall ist es am besten, wenn das Ehepaar selbst zum Bischof geht und sagt: „Wir sind bereit!”
Wir müssen den Austausch in beiden Richtungen verbessern, aber letztendlich ist es Aufgabe des Bischofs, dieses Thema wenigstens anzusprechen.
Was raten Sie Ehepaaren, die auf Mission gehen möchten?
Als erstes sollen sie beten und mit dem Herrn darüber sprechen. Hoffentlich ist ihnen die Mission der Kirche bewußt, die darin besteht, allen Menschen die Botschaft zu bringen, daß Gott lebt, daß Jesus der verheißene Messias und Erlöser ist und daß diese Kirche die Kirche ist, die der Herr in den Letzten Tagen durch den Propheten Joseph Smith wiederhergestellt hat. Künftige Missionarsehepaare müssen spüren, wie wichtig eine Mission ist, und müssen das Gefühl haben, hier einen Beitrag leisten zu können.
Anschließend muß das Ehepaar seine familiäre Situation, seinen Gesundheitszustand und seine finanzielle Situation prüfen. Und wenn es das Gefühl hat, alles sei in guter Ordnung, der Bischof aber noch nicht mit ihm gesprochen hat, dann soll es zum Bischof gehen und sagen: „Bischof, wir finden, daß es an der Zeit ist, über eine Mission zu sprechen. Wir würden uns gerne mit Ihnen darüber unterhalten.” Der Bischof wird begeistert sein und kann anschließend alles in die Wege leiten.
Die führenden Brüder hoffen, daß sich noch viele, viele Ehepaare für eine Vollzeitmission für die Kirche zur Verfügung stellen. Sie werden dringend gebraucht! Viele hunderttausend Menschen schließen sich jedes Jahr der Kirche an, und sie brauchen die liebevolle Unterstützung und den Trost erfahrener Mitglieder.
Der Refrain „Ich gehe, wohin du mich heißt” (Gesangbuch, Nr. 180) muß uns mehr bedeuten als nur ein Lied, das wir sonntags singen. Er muß unser eigenes Gebet des Glaubens widerspiegeln, wann immer der Herr uns auch brauchen mag.
verwendete Quellen
- Der Stern Oktober 1997
weiterführendes Material
- Der Stern, Juli 1983, "Wir sind froh, daß wir auf Mission berufen worden sind" S. 24
- Der Stern, Juni 1980 S. 11: "Eine gemeinsame Mission"
- Der Stern Mai 1990 S. 17: Ehepaare auf Mission
- Missionarsehepaare - eine Zeit zum Dienen von Elder Robert D. Hales, 171. Frühjahrsgeneralkonferenz April 2001
