Leidensweg eines zeitgenössischen Propheten
Aus MormonWiki
- zurück: Nauvoo
- zurück: Ein Stadtstaat in Amerika
Feinde aus Missouri verfolgen den Propheten
Nach allem, was die Heiligen der Letzten Tage in Missouri erlitten hatten, machten sich am 29. Oktober Joseph Smith in Begleitung von Sidney Rigdon und Elias Higbee nach der Bundeshauptstadt Washington auf. Sie wollten der Bundesregierung die Sache der Heiligen vortragen und Schadensersatz zu fordern. Doch mussten sie feststellen, wie sinnlos es war. Präsident Van Buren teilte ihnen mit: "Meine Herren, Ihre Sache ist gerecht; aber ich kann nichts für Sie tun. Wenn ich mich für Sie einsetze, verliere ich die Wählerstimmen von Missouri."
Während der Prophet mit der Überzeugung nach Nauvoo zurückkehrte, die Heiligen müssten ihren Prozess gegen Missouri vergessen, dachten die dortigen Einwohner nicht im geringsten daran, die Heiligen zu vergessen. Es schien, als hätten die gastfreundliche Aufnahme in Illinois und Angriffe der Presse auf Missouri diejenigen, die schon einmal für die Pöbelausschreitungen verantwortlich waren, zu neuer Entschlossenheit angefacht. Wenn es gelänge, den Mormonenführer wegen irgendeines Verbrechens zu verurteilen, wäre damit auch die seinerzeitige Behandlung gerechtfertigt, die die Mormonen in Missouri erlitten hatten.
Ein paar Beispiele sollen zeigen, wie die Feinde außerhalb der Kirche und in den eigenen Reihen sich bemühten, den Fall - wenn möglich auch den Tod - des Propheten herbeizuführen. Die gesetzliche Grundlage bei dem Versuch, den Propheten und andere wieder festzunehmen, war für die Missourianer dadurch gegeben, dass Joseph Smith damals, als er zur Gerichtsverhandlung gebracht werden sollte, mit seinen Gefährten geflohen war. Er befand sich nun in einem anderen Staat. Er konnte aber ausgeliefert werden. Man sandte dem Gouverneur von Illinois ein Auslieferungsbegehren und verlangte die Festnahme von Joseph Smith. Dem Ansuchen wurde entsprochen und der Haftbefehl ausgestellt.
Der Prophet hatte sich keines Verbrechens schuldig gemacht, war aber sicher, dass er niemals lebendig nach Nauvoo zurückkehren würde, wenn er seinen Feinden in Missouri in die Hände fiele. Ein führendes Blatt aus Quincy, die Whig, druckte folgenden Artikel:
- "Wir wiederholen es: Smith und Rigdon dürfen nicht ausgeliefert werden. Es ist ein vernünftiges und begrüßenswertes Gesetz, das den Gouverneur unseres Staates zwingt, einen flüchtigen Verbrecher auszuliefern, und man sollte es unter gewöhnlichen Umständen keinesfalls missachten. Es gibt aber hier und da Fälle, wo es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht des Gouverneurs ist, das Auslieferungebegehren eines anderen Staates abzuschlagen, und einen solchen Fall haben wir unserer Meinung nach in der Sache Smith und Rigdon.
- Das Gesetz ist gemacht, um Schuldige der Strafe zuzuführen, nicht, um Unschuldige zu opfern."
Der Prophet und die übrigen im Haftbefehl genannten Führer verbargen sich, und der Haftbefehl wurde unerledigt zurückgestellt. Dies war der Beginn von Widerwärtigkeiten, die den Propheten während der restlichen Jahre seines Lebens nicht mehr losließen und seine Arbeit stark behinderten. Immer wieder kamen Sheriffs aus Missouri, um nach ihm zu fahnden, und kaum war ein Haftbefehl abgewehrt, so kam schon der nächste. Bei diesen Fahndungsbemühungen kam es auch zu einigen Ausschreitungen gegen andere Brüder. Am 7. Juli 1840 wurden Alanson Brown, Benjamin Boyer, Noah Rogers und James Allred von einem bewaffneten Trupp Missourianer gewaltsam entführt und über die Grenze gebracht. Sie wurden schwer misshandelt, ehe man sie wieder losließ.
Attentat auf Gouverneur Boggs
Im Mai 1842 wurde der ehemalige Gouverneur von Missouri niedergeschossen. Er überlebte den Anschlag und beschuldigte Orrin Porter Rockwell, der im Auftrag von Joseph Smith gehandelt haben soll. Beide wurden am 8. August 1842 festgenommen, doch hatten sie Gelegenheit zu entfliehen. Im Dezember 1842 brachte man eine eidesstattliche Erklärung, dass Joseph Smith zum Zeitpunkt des Attentats auf Boggs gar nicht in Missouri war. Der oberste Gerichtshof von Illinois erklärte daraufhin den Haftbefehl für ungesetzlich, aber vor einer Amtshandlung des Gouverneurs müsse eine Verhandlung vor Gericht durchgeführt werden. Der Prophet stellte sich, die Verhandlung fand statt, und er wurde am 5. Januar 1843 freigesprochen und entlassen.
Abtrünnige trachten ihm nach dem Leben
Es ist eine traurige Tatsache, dass einige von denen, die damals in Nauvoo im Vordergrund standen, den Glauben an den Propheten verloren und ihn zu vernichten trachteten. Wenn man das Leben dieser Leute beleuchtet, so sieht man, dass Unmoral, Egoismus und Ehrgeiz die Ursachen dafür waren, dass ihnen der Geist abhanden gekommen war.
Einer der ersten, die sich durch besondere Niedertracht auszeichneten, war John C. Bennett, der sich vordem so sehr für die Genehmigung der Stadtverfassung eingesetzt hatte. Er war am Vorabend seiner Hochzeit mit einer jungen Einwohnerin von Nauvoo, da wurde bekannt, dass er verheiratet war; Frau und Kinder hatte er im Osten sitzen gelassen. Es folgten noch weitere Beweise für sein unmoralisches Verhalten, und so wurde er im Mai oder Juni 1842 exkommuniziert. Schon zuvor hatte er sein Amt als Bürgermeister niedergelegt. Im Juni verließ er Nauvoo und machte sich daran, den Propheten zu Fall zu bringen. In späteren Jahren schrieb er ein Buch über die "Geschichte der Heiligen" voll von Entstellungen und Anschuldigungen.
Mit Bennett war auch eine Anzahl von Leuten ausgeschlossen worden, die sich von seinen sexuellen Lehren hatten anstecken lassen. Die meisten davon blieben jedoch in Nauvoo. Erst 1844 erhob sich der schwelende Hass gegen den Propheten zur offenen Flamme. Im Januar des Jahres hielt Joseph Smith eine Rede vor neueingestellten Sicherheitsbeamten, worin er unter anderem ausführte:
- "Von den Verrätern aus den eigenen Reihen droht mir viel größere Gefahr als von äußeren Feinden, obwohl man mir von seiten der Zivil- und Militärbehörden, Priester und Einwohner von Missouri jahrelang nach dem Leben getrachtet hat... Ich habe schon erlebt, dass angebliche Freunde mich verraten haben. Alle Feinde auf der ganzen Erde können brüllen und alles, in ihrer Macht stehende unternehmen, um meinen Tod herbeizuführen, aber sie können gar nichts ausrichten, wenn nicht einige unter uns - die sich unserer Gemeinschaft erfreuen, mit uns in den Räten gesessen und unsere Vertrauen genossen haben, die uns bei der Hand genommen und Bruder genannt und mit einem Kuss begrüßt haben - sich mit unseren Feinden vereinigen, unsere Tugenden als Schlechtigkeit ausgeben und durch Falschheit und Täuschung zu Wut und Empörung gegen uns aufreizen, damit sie ihre gemeinsamen Rachegelüste an uns auslassen... Wir haben einen Judas unter uns."
Aber John C. Bennett war nicht der einzige, der an dem Sturz Joseph Smiths arbeitete. Zwei junge Männer, Dennisson L. Harris und Robert Scott, deckten dem Propheten eine Verschwörung gegen ihn auf mit ca 200 Beteiligten, die sich verschworen hatten, Joseph Smith und seinen Anhang zu vernichten. Diese Abtrünnigen wurden allesamt ausgeschlossen, woraufhin diese sich offen mit den Mächten verbündeten, die einen gewaltsamen Umsturz herbeiführen wollten. Am 25. Mai 1844 versuchten sie, Joseph Smith wegen Ehebruch und Meineid anzuklagen. Als dieser prompt vor Gericht erschien und auf eine Verhandlung bestand, begehrten die Verkläger plötzlich eine Vertagung. Charles und Robert Foster vereitelten einen Mordanschlag auf Joseph Smith und gestanden ihm ihre Beteiligung an dem Komplott und baten ihn um Verzeihung.
Die Abtrünnigen erwarben sich daraufhin eine Druckerpresse und machten sich daran, eine Zeitung herauszugeben, den Nauvoo Expositor. Da die Zeitung vor Verleumdungen nur so strotzten, entschied der Stadtrat, die Zeitung und die Druckerpresse zu vernichten. Die Verschwörer setzten dann das Gebäude in Brand und verbreiteten das Gerücht, man habe ihr Eigentum zerstört und ihr Leben wäre in Gefahr.
- Fortsetzung: Der Tempel in Nauvoo
| Nauvoo |
| Ein Glaube stärker als Stahl | Ein Stadtstaat in Amerika | Leidensweg eines zeitgenössischen Propheten | Der Tempel in Nauvoo | Der Märtyrertod von Joseph Smith | Die Folgen des Todes Joseph Smiths |
| Zeitabschnitte in der Geschichte der Mormonen |
| Die Zeit in New York | Die Zeit in Ohio | die Zeit in Missouri | Nauvoo |
