L. Tom Perry
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Roberta Jensen saß im Flugzeug und versuchte, ihrem Baby die Flasche zu geben und die drei anderen Kinder ruhigzuhalten, die alle noch keine vier Jahre alt waren. Sie war erschöpft und aus der Fassung und fühlte sich allein gelassen.
Der Passagier, der auf der anderen Seite des Gangs saß, war ein großer, fröhlicher Mann im dunklen Anzug, der ihr bekannt vorkam. Als sie ihn ansprach, stellte er sich als Elder L. Tom Perry vor. „Ach”, dachte sie, „ein Apostel sitzt neben mir! Ob er wohl versteht, wie fertig ich bin, und mir nachfühlen kann, wie mir zumute ist?”
Als das Flugzeug abhob, fingen alle vier Kinder an zu weinen. Roberta Jensen geriet fast in Panik. Da stellte Elder Perry seine Aktentasche ab und fragte freundlich: „Darf ich das Baby auf den Arm nehmen?” Auf dem ganzen Flug kümmerte er sich um das Baby, gab ihm die Flasche und wiegte es in den Schlaf, während die dankbare Mutter die anderen Kinder beruhigte und ihnen zu essen gab.
Als das Essen serviert wurde, wollte sie das Baby nehmen, aber Elder Perry meinte lächelnd, es schlafe so friedlich, dass er es nicht stören wolle.
„Ich habe die Reise überlebt”, sagt sie, „und eine schöne Erinnerung, die unserer Familie immer erhalten bleiben wird. Elder Perry hat gesehen, dass wir Hilfe brauchten, und seine eigenen Wünsche beiseite geschoben, um uns zu helfen.”
Solche Hilfsbereitschaft ist charakteristisch für Elder L. Tom Perry vom Kollegium der Zwölf. Und angesichts seiner Herkunft und Erziehung überrascht es nicht, dass er eine solche Einstellung zum Leben hat.
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Dienen — ein Segen
Lowell Tom Perry kam am 5. August 1922 in Logan als Sohn von Leslie Thomas Perry und seiner Frau Nora zur Welt. In den ersten achtzehn Jahren nach Toms Geburt diente sein Vater als Bischof und dann zwanzig Jahre lang als Ratgeber des Pfahlpräsidenten und als Pfahlpräsident. Seine Mutter war in den Jahren, in denen er zu Hause lebte, immer Ratgeberin in der Gemeinde-FHV-Leitung. Durch ihr Leben lehrten sie ihre sechs Kinder, dass es ein Vorzug und ein Segen ist, zu dienen. Das Erfolgsgeheimnis dieser Eltern war, dass sie ihre Kinder in ihre Berufungen einbezogen. „Mutter war großartig im Dienst am Nächsten”, erzählt er. „Sie war ständig damit beschäftigt, Leuten zu helfen, die in Schwierigkeiten waren, und nahm uns gern mit. Sie gab uns Arbeiten wie Fenster putzen, Möbel abstauben, Teppiche reinigen und alles mögliche andere, wobei ein Kind keinen Schaden anrichtet.”
Auch sein Vater hielt die Kinder im Rahmen seiner Berufung zur Arbeit an. „Das Gemeindehaus war unser zweites Zuhause — wir waren so oft dort. Ich habe den Rasen gemäht, die Wände abgewaschen und Kohlen in den alten Ofen geschaufelt, mit dem das Gemeindehaus geheizt wurde.” Tom und seine Mutter halfen auch bei den Finanzberichten der Gemeinde mit.
Auch zu Hause war die Arbeit Sache der ganzen Familie. Der Vater war zwar Rechtsanwalt und verbrachte den größten Teil des Tages in seiner Kanzlei, aber sie hatten ein großes Grundstück, eine Kuh und einen Gemüsegarten. Ein großer Teil der Verantwortung ruhte auf Tom, dem ältesten Sohn, der bei den Arbeiten mithalf und außerdem noch Zeitungen austrug.
Die Familie war zusammen
Am Samstag nachmittag wurde nicht mehr gearbeitet, sondern gespielt. Im Sommer fuhr die Familie in die nahegelegenen Canons, um zu angeln, zu wandern, Spiele zu machen und zu essen. „Am Samstag nachmittag war unsere Familie immer zusammen. Darauf konnten wir uns verlassen.”
Elder Perry erinnert sich noch an die spirituelle Belehrung, die er als Junge von seinen Eltern erhielt.
- „Ich glaube, meine früheste Kindheitserinnerung ist, wie ich auf Mutters Schoß gebetet habe, bevor wir schlafen gingen. Sie war eine Frau mit großem Glauben. Sie war Lehrerin von Beruf, eine ausgezeichnete Lehrerin. (Sie hatte 1910 am Landwirtschaftscollege Utah State ihr Examen gemacht)] Während sie bügelte, half sie uns, die Glaubensartikel oder das kleine und das große Einmaleins auswendig zu lernen.”
Zu einer Mahlzeit am Tag drehte sie immer die Stühle am Tisch so um, dass die ganze Familie vor dem Essen zum Beten niederknien konnte. „Wenn wir zum Familiengebet niederknieten”, erzählt Elder Perry, „und zuhörten, wie unser Vater, ein Träger des Priestertums, dem Herrn sein Herz ausschüttete und ihn bat, er möge seine Familie vor den feurigen Geschossen des Bösen bewahren, erhielt unser Schild des Glaubens eine weitere Schutzschicht.”
Elder Perry kann sich nicht daran erinnern, jemals kein Zeugnis gehabt zu haben. „Wenn man in einer solchen Familie aufwächst, ist es schwer, kein Zeugnis zu haben; unsere Eltern flochten es sozusagen in unser Leben ein.”
Eine Missionsberufung
Nach dem Schulabschluss besuchte er ein Jahr das College und wurde dann 1942 in die Nordstaatenmission in den USA berufen. Er hatte zwar im Seminar das Buch Mormon gelesen, lernte es aber erst auf Mission sehr lieben.
- „Auf einmal stellten die Leute mir Fragen, und ich musste es verteidigen. Da wusste ich, dass ich es kennen musste, und begann es zu studieren. Mir wurde klar, dass es ein zweites Zeugnis für Christus ist”, sagt er, „der zweite Verteidiger des Erretters und seiner Mission.”
Schon sechs Wochen nach seiner Mission wurde er zum Militärdienst eingezogen. Er meldete sich freiwillig zum Dienst bei der US-Marine und beschloss mit charakteristischer Begeisterung, der beste Marinesoldat zu werden, den es je gab. „Ich bin einfach nicht gern Zweiter, deshalb habe ich mich auf langen Märschen immer nach vorn durchgearbeitet und bin dort geblieben.” Er war bei den ersten Besatzungstruppen, die nach dem Abwurf der Atombomben nach Japan kamen. Er hatte zwar die harte Marineausbildung absolviert, aber als er das verwüstete Land sah, ging ihm das Schicksal der Japaner doch zu Herzen. Er beschloss, nach besten Kräften zu helfen. In der Freizeit baute er zusammen mit anderen Marinesoldaten auf der Insel Saipan eine kleine Kirche. In Nagasaki brachte er später wieder eine Gruppe Soldaten zusammen, mit denen er eine protestantische Kirche wiederaufbaute. Als seine Einheit dann verlegt wurde, stellten sich fast zweihundert Angehörige der Gemeinde zusammen mit ihrem Geistlichen an den Eisenbahnschienen auf, um ihnen noch einmal die Hand zu geben, als der Zug vorüberfuhr - ein denkwürdiger Ausdruck gegenseitiger Liebe und Wertschätzung.
Sein Dienst im Pazifik wurde in gewisser Hinsicht eine Verlängerung seiner Mission. „Im Militär war ich ein besserer Missionar, weil ich schon zwei Jahre Missionserfahrung hinter mir hatte”, sagt er. „In den nächsten zweieinhalb Jahren in der Marine hatte ich doppelt so viele Taufen wie auf Mission. Es waren großartige Soldaten, die Heilige der Letzten Tage wurden. Die Kraft des Evangeliums machte das Leben im Militärdienst sehr angenehm.”
Studium und Heirat
Nach der Entlassung aus dem Militärdienst beendete Tom Perry an der Universität Utah State sein Studium und machte 1949 sein Examen in Betriebswirtschaft. In dieser Zeit freundete er sich mit Virginia Lee an. Sie heirateten am 18. Juli 1947 im Logan-Tempel.
Nach dem Examen nahm er eine Stelle bei einer Firma in Idaho an. Gerade als er damit beschäftigt war, sich einzuarbeiten und seiner Familie ein Zuhause zu schaffen, wurde er zum Zweiten Ratgeber in der Bischofschaft berufen. Zuerst wollte er ablehnen und fühlte sich auch gerechtfertigt. Doch die Schulung, die er durchgemacht hatte, erwies sich als stärker als alle Entschuldigungen, die ihm in den Sinn kamen, und so erklärte er sich zum Dienst bereit.
Die Entscheidung erwies sich als wichtig für sein spirituelles Wachstum. Sie förderte aber auch seine weltliche Bildung, denn er lernte Organisations- und Managementtechniken, die er im Geschäft gebrauchen konnte. Seine erfolgreiche Karriere im Einzelhandel führte die Perrys in die Bundesstaaten Idaho, Washington, Kalifornien, New York und Massachusetts. Jedes Mal, wenn die Familie aus geschäftlichen Gründen umzog, nahm er bereitwillig neue Berufungen in der Kirche an. Er unterrichtete frühmorgens im Seminar und diente in zwei Bischofschaften, einem Hohenrat und zwei Pfahlpräsidentschaften. Zur Zeit seiner Berufung als Generalautorität war er in Boston Pfahlpräsident.
Tom Perry lernte früh, die Zeit für seine Familie einzuplanen. Als sie in den Osten der Vereinigten Staaten zogen, beschlossen sie, ein Haus zu kaufen, das näher an seinem Arbeitsplatz lag, und nicht das „Traumhaus”, das sie bereits gefunden hatten, das aber so weit außerhalb lag, dass er lange hin- und herfahren hätte müssen. Später lehnte er ein ansehnliches Angebot ab, weil die Firma ihm keinen freien Samstag garantieren konnte, und der Samstag war sein Familientag.
Die Familie wächst
Drei Kinder wurden Tom und Virginia Perry geboren: Barbara, die Terry Haws heiratete, Lee, der Carolyn Bench heiratete, und Linda Gay, die Michael G. Nelson heiratete. Wie sein Vater vor ihm beteiligte Elder Perry seine Kinder so weit es ging an seinen kirchlichen Aktivitäten. Im Laufe der Jahre tippten und korrigierten sie Ansprachen, suchten ihm Zitate und Geschichten heraus, die er verwenden konnte, und stoppten sogar die Zeit für seine Ansprachen, damit sie nicht zu lang wurden. Gelegentlich nahm er sie auch zu Ansprachen bei Pfahlkonferenzen mit. Er hat sie auch an seinem Berufsleben teilhaben lassen. Als die Kinder noch klein waren, beschäftigte er sie in seinem Büro, während ihre Mutter einkaufen ging. Als sie größer wurden, halfen sie bei der Inventur und bei der Finanzbuchhaltung mit. „Ich glaube, Eltern müssen ihre Kinder an ihrem Leben beteiligen und dürfen sie nicht davon isolieren”, sagt er. „Dadurch kommen sie einander näher, und die Kinder spüren, dass sie mitarbeiten müssen.”
Als Pfahlpräsident konnte L. Tom Perry seinen Sohn als Missionar einsetzen. „Mein Vater ist nicht jemand, der seine Gefühle zeigt”, sagt Lee. „Aber bei dem Segen standen ihm Tränen in den Augen. Und dann schrieb er mir einen Brief, den er mir ohne mein Wissen in den Koffer steckte. Als ich im Missionsheim ankam und den Koffer aufmachte, lag der Brief da. Er schrieb mir darin, er sei stolz, mein Vater zu sein. Da ich ihn immer sehr verehrt habe, hat mir das viel bedeutet. Es hat mir während der ganzen Mission immer wieder Kraft und Trost gespendet.”
Trauer und Ungemach
Elder Perry ist ein Mensch, der Trauer und Ungemach versteht. Im Dezember 1974 starb seine Frau; im März 1983 starb seine Tochter Barbara. Außerdem verlor er zwei Enkelkinder durch den Tod. In diesen dunklen Stunden gab ihm der Glaube an den Herrn Jesus Christus Hoffnung; heute fordert er Menschen, die leiden, auf, dem Herrn zu vertrauen:
- „Der Herr ist sehr gütig. Selbst wenn manche Erfahrungen sehr hart sind, überflutet er uns doch mit Erinnerungen und gewährt uns neue Möglichkeiten. Das Leben hört nicht auf, bloß weil einem ein Unglück widerfährt - es gibt immer einen neuen Berg zu besteigen. Trauern Sie nicht lange über das, was Sie verloren haben, sondern machen Sie weiter, und besteigen Sie den nächsten Berg.”
Im Januar 1976 lernte er Barbara Dayton durch eine ihrer Verwandten kennen; sie heirateten im darauffolgenden April im Salt-Lake-Tempel. Schwester Perry ist auf einer Ranch bei Cokeville in Wyoming aufgewachsen. Sie ist gelernte Krankenschwester und hatte fünfzehn Jahre am Latter-day Saint Hospital in Salt Lake City gearbeitet, unter anderem als Oberschwester und stellvertretende Leiterin in der Krankenpflege. Nachdem sie an der Brigham-Young-Universität noch studiert hatte, hatte sie vier Jahre lang am BYU-Krankenpflegecollege gelehrt.
Elder Perry und seine Frau unternehmen gern viel gemeinsam. Wann immer es geht, fährt Elder Perry mit dem Auto zu den Pfahlkonferenzen, statt zu fliegen, damit er seine Frau mitnehmen kann.
Tiefe Liebe zum Herrn
Er spornt die Ehepaare dazu an, „ihrem Partner kleine, besondere Liebesdienste zu erweisen, Überraschungen, die ihm Aufmerksamkeit und Güte bekunden”. Und laut Schwester Perry praktiziert er, was er predigt: :„Er ist immer so nett zu mir. Er ist immer ein Kavalier. Ich habe ihn gefragt, ob es ihm nicht lästig sei, jedes Mal um das Auto herumzukommen, um mir die Tür aufzumachen, aber es ist ihm nicht lästig. Er ist sehr rücksichtsvoll und behutsam und voller Anteilnahme, wofür ich sehr dankbar bin. Auch zu Hause ist er hilfsbereit.”
„Meine Frau ist dem Herrn treu ergeben”, sagt Elder Perry, „wenn ich abends und morgens mit ihr zum Beten niederknie, bin ich zutiefst dankbar, dass ich sie an meiner Seite haben darf.”
Seine tiefe Liebe zum Herrn, seine Begeisterung und seine Bereitschaft zu harter Arbeit sind für seinen Dienst als Generalautorität sehr belangvoll. Am 6. Oktober 1972 wurde er als Assistent des Kollegiums der Zwölf bestätigt. Am 11. April 1974 wurde er Mitglied des Kollegiums der Zwölf. Er ist in der ganzen Kirche für seinen Glauben und seine Hilfsbereitschaft bekannt. Und er ist mit einem aufrichtigen Lächeln und einer volltönenden, klaren Stimme gesegnet, der man gern Glauben schenkt, vor allem wenn sie Zeugnis gibt vom erhabenen Werk der Letzten Tage.
Der heutigen Welt voller Pessimismus predigt er eine hoffnungsfrohe, ermutigende Lehre:
- „Es werden noch mehr Prüfungen kommen. Aber selbst im Ungemach liegt die große Chance, geistig zu wachsen und etwas zu vollbringen. Ungemach erfüllt mich nicht mit weniger Begeisterung, als wenn ich auf Rollschuhen bergab laufen kann. Es ist jeden Tag großartig, aufzustehen, da es eine neue Herausforderung und eine neue Chance gibt.”
Ein eindrucksvoller Zeuge für den Erretter
Als Apostel des Herrn Jesus Christus gibt er eindrucksvoll Zeugnis: „Ich staune, dass der Vater uns genug liebte, um seinen Sohn zu opfern, und dass wir die tröstliche Gewissheit haben, dass das Leben für immer weitergeht, dass der Tod nicht das Ende ist. Wenn wir uns an den Evangeliumsplan halten, liegen große Segnungen für uns bereit. Das System des Herrn ist uns sowohl in diesem Leben als auch in den zukünftigen Ewigkeiten ein Segen. Es ist die einzige tröstliche Gewissheit, die man auf Erden finden kann. Und wenn man sie hat, ist das der größte Segen, der einem je zuteil werden kann.”
Als Tom Perry als junger Mann in Lewiston in Idaho in die Bischofschaft berufen wurde, ordinierte Elder Harold B. Lee vom Kollegium der Zwölf ihn zum Hohen Priester. In dem Segen sagte Elder Lee mit prophetischer Voraussicht, dieser junge Mann werde eines Tages in den leitenden Räten der Kirche sitzen. Da der frisch ordinierte Hohe Priester nicht wusste, was das zu bedeuten hatte, behielt er es für sich.
Jahre später wurde Elder L. Tom Perry ins Kollegium der Zwölf berufen, nachdem Präsident Lee verstorben war. Schon früh war in Elder Perrys Leben die göttliche Hand offensichtlich, die ihn auf die Arbeit vorbereitete, die er jetzt als Diener des Herrn leistet
Elder Perrys Zeugnis
Übersetzt
Erbreifende Erlebnisse aus Japan nach den Kriegszerstörungen beim Abschied nach dem Wiederaufbau des Christentums
verwendete Quellen
- der Stern August 1987
