Keuschheit

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Dieser Grundsatz hilft einem, sich selbst zu verstehen, geistige Kraft zu sammeln, dauerhafte zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und Gott näherzukommen. Wer mit jungen Leuten zu tun hat, weiß, dass Bemerkungen folgender Art nicht ungewöhnlich sind. „Ich habe von meinen Eltern und Lehrern über Sex nie etwas anderes gehört, als dass es Sünde sei. Lässt sich denn über Keuschheit nichts Positives sagen?”

Heilige der Letzten Tage können darauf antworten, dass sich darüber sehr wohl Positives sagen lässt. Das Evangelium vermittelt uns eine klare und gesunde Auffassung von Keuschheit. Besonders dann wird dies offensichtlich, wenn man die Lehren des Evangeliums den Ansichten der Welt gegenüberstellt.

Von Menschen ersonnene Religionen lehren zum Beispiel, dass der physische Körper schlecht ist und dass der Geist gegen ihn ankämpfen und sich von ihm befreien muss - Doch das wiederhergestellte Evangelium sagt gerade das Gegenteil aus: der Körper ist ein Segen. Wir sind auf die Erde gekommen, um einen Körper zu erhalten, der ein Teil unserer selbst werden soll als Mittel für weiteren Fortschritt. Ohne einen Körper können wir keine vollkommene Freude erlangen (LuB 93:33-35). Ohne ihn sind wir nicht frei, sondern in Knechtschaft (Joseph F. Smith — Vision von der Erlösung der Verstorbenen V. 50). Das Evangelium lehrt, dass wir mit dem Körper erhöht werden, nicht trotz unseres Körpers.

Paulus schrieb offenbar auch in diesem Sinne: „.. wer aber Unzucht treibt, der sündigt an seinem eigenen Leibe” (1. Korinther 6:18).

Eine weitere Irrlehre ist die, dass die Intimität in der Ehe ein notwendiges Übel sei. In Wirklichkeit kann sie das Leben bereichern und die Seele beleben, wenn sie im Einklang mit den Geboten Gottes und dem Geist sieht. Präsident Kimball hat die sexuelle Beziehung in der Ehe als „ihrem Wesen nach gut” bezeichnet (Der Stern, März 1976. S. l f.). „Sex kann ein wunderbarer Diener, aber auch ein schrecklicher Herr sein. Er kann eine Schöpfungskraft sein, die machtvoller ist als jede andere Kraft.... wenn Liebe, Glück und Kameradschaft gepflegt werden” (Biliy Graham, zitiert von Spencer W. Kimball, s. Der Stern, August 1974, S. 338).

Eine dritte Irrlehre ist die, dass der Mensch wegen seiner physischen Natur im Grunde schlecht ist. Dies lässt sich jedoch nicht durch die heiligen Schriften untermauern. Sie lehren, dass der Mensch erst dann „fleischlich, sinnlich und teuflisch” wird, wenn er dem Satan nachfolgt (LuB 19:18; Moses 5:13).

König Benjamin stellt dies unmissverständlich klar: „Der Mensch ist ein Feind Gottes”, schrieb er — „wenn er nicht auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hört” (Mosiah 3:19).

Keuschheit ist in Wirklichkeit eine göttliche Tugend, und „der natürliche Mensch „vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich verstanden sein” (1. Korinther 2:14). Infolgedessen können nur geistig gesinnte Menschen Geistiges begreifen. Die Welt wird daher nie verstehen, weshalb wir das Gesetz der Keuschheit leben. Heilige der Letzten Tage verstehen dies jedoch und wissen es zu schätzen.

Inhaltsverzeichnis

Mehr Kraft und Einsicht

David O. McKay hat gesagt, zur Geistigkeit gehöre das „Bewusstsein des Sieges über sich selbst” („Improvement Era” Dezember 1969. S. 31). Zwei bedeutende Segnungen, die uns die Keuschheit verschafft, sind Selbstbeherrschung und Selbsterkenntnis, der Buchstabe des Gesetzes der Keuschheit besagt lediglich, dass sexuelle Beziehungen auf die eheliche Gemeinschaft beschränkt sind — mit dem Partner, mit dem man ein rechtsgültiges Ehebündnis geschlossen hat. Der Geist dieses Gesetzes umfasst jedoch weit mehr. Er verlangt, dass wir unser ganzes sexuelles Verlangen in heiligen und angemessenen Grenzen halten — und alles, was damit zusammenhängt. Ein körperliches Verlangen ist an sich nichts Böses. Böse ist es, wenn man diesem Verlangen nachhängt. Das ist Wollust — die gedankliche Beschäftigung mit etwas, was geistig schadet.

Wollust lenkt unsere Aufmerksamkeit von allem ab, was geistigen Fortschritt und Erfüllung bringt. Sie konzentriert sich auf Gedanken und Handlungen, die uns schaden und keine Erfüllung bringen. Sie ist ein Suchtmittel für den Geist und bringt uns von unseren langfristigen Zielen ab. Sie kann uns dazu verleiten, alles, was wertvoll ist, für das Erlebnis eines Augenblicks zu opfern; zurück bleiben nur Schmerz, Kummer und Ruhelosigkeit.

Wie steht es jedoch mit jemand, der wegen früherer Gewohnheiten von unsittlichem Verlangen erfüllt ist? Auch hier gilt dasselbe Prinzip: Das Verlangen an sich ist noch keine Sünde. Die Frage ist, wie man auf dieses Verlangen reagiert. Lässt man sich davon mitreißen, oder erkennt man es als das, was es ist, und weist es zusammen mit anderen Gefühlen und Gedanken, mit denen man sich nicht befassen möchte, in die Schranken? Präsident Kimball hat gesagt, dass „sogar Menschen, die durch homosexuelle oder andere abnormale Neigungen versucht werden, ihr Verlangen überwinden können — mit Geduld, Entschlossenheit und Glauben, ein normales Verlangen kann geweckt werden, das stärker ist als das abnormale.” (Spencer W. Kimball, A Letter in a Friend)

Das bewusste Bemühen, Selbstbeherrschung zu entwickeln, kann einem helfen, sich selbst zu erkennen. Wenn man sein eigenes Verhalten analysiert, sieht man deutlicher, was für ein Mensch man zu dem betreffenden Zeitpunkt ist. Wie sehr man das Bündnis der Keuschheit hält, lässt auch erkennen, wie stark oder schwach man in anderen Bereichen des Lebens ist und wie sehr man celestialen Idealen verpflichtet ist. Der Satan bietet auf der anderen Seite Unmoral als einen Fluchtweg vor bedrückenden Gefühlen wie Einsamkeit oder Unzulänglichkeit an — statt dass man sich ihnen stellt und eine echte Lösung sucht. Solche Fluchtwege sind jedoch nur kurz, und man wählt sie daher immer und immer wieder — jedesmal ohne Erfolg. Das Ergebnis ist, dass der Satan einen durch Unkeuschheit immer tiefer in die Verzweiflung führt.

Die wertvollste Selbsterkenntnis hat ihren Platz nicht nur im Bereich des Verstandes, sondern man fühlt sie tief in der eigenen Seele, wenn man sich der Flut von Reizen gegenübersieht, mit denen uns die Massenmedien und das Leben schlechthin überschwemmen. Diese Selbsterkenntnis setzt fortwährenden Glauben und Selbstverpflichtung voraus, auch wenn man Rückschläge erlebt. Sie setzt eine Kraft voraus, die man erlangt, indem man sich aus den Fangarmen der Versuchung befreit. Es ist ein gutes Gefühl, Herr der Lage zu sein! Keuschheit bedeutet also — dies ist ein wichtiger Aspekt —, dass man in seinem sexuellen Verlangen und Verhalten Selbstzucht übt, sich selbst verstehen lernt und sich in allem, was mit Sexualität zusammenhängt, in der Hand hat.

Eine dauerhafte zwischenmenschliche Beziehung

Die Keuschheit stellt auch eine bedeutende Kraft dar, um unsere zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Grundlage der Gleichheit zu stellen. Paare, die den Grundsatz der Keuschheit befolgen, verbringen die Zeit des Werbens um den Partner damit, einander verstehen und sich miteinander verständigen zu lernen. Sie bemühen sich, auszuwerten, was sie voneinander denken, und verschließen sich nicht der Realität, indem sie sieh unziemlichen Intimitäten hingeben. Durch Keuschheit wird ein Paar frei, so dass es an einer potentiell ewigen Partnerschaft arbeiten kann (s. Gilliland „Psychologische Argumente für die Keuschheit”, Der Stern, November 1976. S. 22). Sie rückt eine starke Triebkraft in die richtige Perspektive. Die Welt stellt Sex an die erste und wichtigste Stelle. Das Prinzip der Keuschheit hilft uns, Sex als einen von vielen wichtigen Aspekten einer Ehe zu sehen.

Die Well möchte uns auch einreden, dass jedes Verlangen befriedigt werden muss. Dies kann zu einer Beziehung führen, die auf Egoismus beruht. Das Schwergewicht liegt auf dem Nehmen, nicht auf dem Geben. Die Keuschheit aber stellt geistige Bedürfnisse höher als Triebbefriedigung, sie betont das Geben, nicht das Nehmen. Sie verlangt, dass man sich aus Liebe zum Partner beherrscht. Alma hat seinem Sohn geraten: „ . . . siehe zu, dass du alle deine Leidenschaften beherrschest. auf dass du mit Liebe erfüllt wirst” (Alma 38:12).

Präsident Kimball hat darauf hingewiesen, dass die Sexualität zwei Zwecken dient: „Durch sie sollen Kinder in die Welt gebracht werden, und sie dient dem Ausdruck jener Liebe zwischen Eheleuten, die wahre Einigkeit bewirkt” (Der Stern. August 1974. S, 334 f.). Auch hat er gesagt: „Der Herr hat nicht gesagt, dass rechtmäßiger sexueller Verkehr zwischen einem Mann und seiner Ehefrau ausschließlich der Zeugung eines Kindes dienen muss, aber von Adam bis heute gibt es viele Beweise, dass der Herr niemals außereheliche Beziehungen vorgesehen hat” (Der Stern, März 1974, S. 3). Aus diesen beiden Punkten können wir Richtlinien dafür ableiten, wie man die Sexualität heilig und in dem Rahmen halten kann, den der Herr vorgezeichnet hat. Eine Einstellung in der Ehe, die auf die Bedürfnisse und die Empfindsamkeit des Partners keinerlei Rücksicht nimmt, würde dem obengenannten Zweck zuwiderlaufen. Wenn man allein und ohne Partner mit dieser Kraft spielt, verkehrt man ebenfalls ihren heiligen Zweck. Es kann dazu führen, dass man nur mehr auf seine eigenen Bedürfnisse achtet, sich der Wollust hingibt und die Fähigkeit verliert, einer Versuchung standzuhalten (Boyd K. Packer: Nur für junge Männer). Wieder stellt man dann das Nehmen über das Geben. Es dürfte außer Frage stehen, dass ein Paar, das vor der Ehe keusch ist, wahrscheinlich auch eher eine richtige Einstellung in dieser Beziehung nach der Eheschließung entwickelt.

Partner, die das Gesetz der Keuschheit befolgen, wollen einander stärken. Ihr Verantwortungsgefühl hindert sie daran, irgend etwas zu tun. was den anderen schwächen oder in Versuchung führen könnte. Dass man sich mit Anstand kleidet und ausdrückt, trägt genauso zum Schutz des anderen bei wie zum eigenen. Ein solches Bewusstsein erstreckt sich nicht nur auf die körperliche Beziehung, sondern auf weit mehr. Wenn jemand in jeder Hinsicht keusch und treu ist, wird seine Beziehung zu einem anderen Menschen fester und erfüllter. Wer keusch ist, bringt nicht nur seinem Partner Liebe entgegen, sondern auch seinen Kindern, die innerhalb eines in einem Tempel geschlossenen Bündnisses zur Welt kommen können und ein gutes Vorbild in einer ewigen Familie haben.

Eine bessere Beziehung zu Gott

David O. McKay hat gesagt, das „der Weg zu Gott durch das Herz des Menschen führt”. Unsere Gemeinschaft mit Gott wird weitgehend davon beeinflusst, welches Verhältnis wir zu anderen Menschen haben. Und umgekehrt bedarf unsere Beziehung zu anderen Menschen der göttlichen Führung, wenn diese Beziehung reifer und ewiger Natur sein soll.

Die Liebe ist von allen Eigenschaften, die wir uns aneignen können, die göttlichste. Verhalten wir uns jedoch selbstsüchtig, so machen wir es dem Heiligen Geist schwer, bei uns zu sein. In dem Maße, in dem wir seinen Einfluss leugnen, verschlechtern wir unser Verhältnis zu Gott, und daraus erwachsen Unsicherheit, Ärger und Eigennutz. Und wenn dann die großen hilfreichen und positiven Kräfte in unserem Leben wegfallen — nämlich der Einfluss des Geistes des Herrn —, verstricken wir uns in Zweifeln und Ängsten. Wir fordern vom Partner eine Selbstbestätigung, die er uns nicht geben kann, und der gesamte Vorgang macht uns noch gefühlloser gegenüber den Bedürfnissen anderer Menschen, einschließlich denen des Partners. Nichts kann eine Beziehung so schnell zugrunde richten wie eine solche Atmosphäre.

Ist man aber keusch, so lässt man sich vom Heiligen Geist leiten. Keuschheit bewirkt Vertrauen - die Grundlage für eine dauerhafte Beziehung. Aufgrund unserer Liebe für andere Menschen erkennen und verstehen wir, was es heißt, den Vater im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus zu lieben. Und dabei handelt es sich doch um die wichtigste aller Beziehungen (LuB 132:24).

Wenn wir uns ganz dem Herrn weihen wollen, müssen wir uns selbst erst einmal vollständig in der Hand haben. Ohne Selbstzucht kann man kein Jünger sein. Bevor jemand imstande ist, das Gesetz der Weihung zu befolgen, was bedeutet, dass man dem Herrn alles gibt, was man hat, muss man das Gesetz der Keuschheit befolgen, und um das Gesetz der Keuschheit leben zu können, muss man die Gesetze des Opferns und des Gehorsams anwenden. Indem man dies tut, stärkt man sein „Vertrauen in der Gegenwart Gottes” (LuB 121:45), und man empfängt „das angenehme Wort Gottes und freut sich seiner Liebe” (Jakob 3:12). Es lässt sich schwer in Worte fassen, welche Freude, welchen Frieden und welche Kraft dies hervorruft. David 0. McKay hat darüber gesagt : „Zu verspüren, wie sich in der Seele die Geisteskräfte entfalten und die Wahrheit sich Raum schafft, ist eines der erhabensten Erlebnisse im Leben” (Improvement Era, Dezember 1969, S. 31).

Wir werden Gott besser verstehen, wenn wir Gott ähnlicher werden. Unsere Beziehung zu ihm wird erfüllter. Mosia sagt uns, dass wir, indem wir dem Herrn dienen, der „Gedanken und Absichten seines Herzens” mehr gewahr werden 5:13). Wenn wir leben wie er, lernen wir, uns zu sorgen, wie er sich sorgt, und zu empfinden, wie er empfindet. Genau wie jeder andere Evangeliumsgrundsatz hilft uns auch die Keuschheit, Gott zu erkennen, denn sie fördert grundlegende göttliche Eigenschaften wie Verständnis. Selbstbeherrschung, Liebe und Mitgefühl.

Wenn wir im Kampf gegen die Versuchung müde werden, denken ich daran, dass Jesus „versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde” (Hebräer 4:15). Er war mit einem physischen Körper gesegnet, den er beherrschen lernte. Wie wir konnte auch er in geistiger Hinsicht müde werden 19:18). Der Satan hat gewiss auf jede erdenkliche Weise versucht, ihn zur Sünde zu verleiten. Wie schwierig das Leben auch immer für uns ist, so wissen wir doch, dass Jesus vor langer Zeit einen ähnlich steilen Pfad erklommen hat. Weil er unseren sterblichen Zustand vollständig versteht, kann er uns auf unserem Weg helfen und uns stärken.

Wir können in Ewigkeit dankbar dafür sein. dass er unserer Sünden nicht mehr gedenkt, wenn wir sie bekennen und davon ablassen (LuB 58:42,43). In der Ewigkeit können uns unsere Sünden nichts mehr anhaben, weil der Erretter sein Sühnopfer gebracht hat. Welche Freude ist es, zu wissen, dass wir rein werden können — rein von unseren Sünden!

Wenn wir erkennen, welch wichtige Rolle Sexualität in unserer irdischen Entwicklung spielt, beginnen wir zu begreifen, warum der Herr uns in seiner fürsorglichen Liebe das Gesetz der Keuschheit gegeben hat. „Wie herrlich ist es, ein keusches Leben zu führen. Wer rein ist, kann furchtlos im Glanz der Mittagssonne wandeln, denn er ist frei von moralischer Schwäche. Kein Pfeil übler Verleumdung kann ihn treffen, denn seine Rüstung ist ohne Makel.

Niemand kann seine Tugend gerechterweise anzweifeln, denn er verdient keinen Tadel. Niemals steigt ihm die Schamröte ins Antlitz, ist er doch ohne Sünde. Alle Menschen achten und ehren ihn, denn sie können keinen Fehler an ihm finden. Der Herr liebt ihn, weil er ohne Tadel ist. In der Ewigkeit harrt die Erhöhung seiner.”

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