Karl G. Mäser

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(1828 - 1901)
(1828 - 1901)

Vergleichsweise unbemerkt würde der 100. Todestag Karl Gottfried Mäsers, eines der prominentesten Mitglieder der Kirche, an uns vorübergehen. Deshalb soll an dieser Stelle des berühmten Pädagogen und Gründers der Brigham-Young-Universität (BYU) in Provo/Utah erinnert werden.

Karl G. Mäser gilt als das erste Mitglied der Kirche im damaligen Königreich Sachsen. Geboren wurde er in Meißen als Sohn eines Porzellanmalers der berühmten Manufaktur. Doch den Sohn zog es frühzeitig zu den Büchern, handwerkliche Tätigkeit war nicht sein Metier, ein Gegenstand, der ihm später im amerikanischen Grenzerleben, wo der Umgang mit Hammer und Axt gefragt war, noch manche Probleme bereiten sollte. In jungen Jahren erwarb er eine Ausbildung in Sprachen, verschiedenen Naturwissenschaften sowie Klavierspiel und Gesang an der bekannten Dresdner Kreuzschule und später am Lehrerseminar in der Friedrichstadt. Pädagogische und philosophische Ansichten Goethes, Schillers, Pestalozzis waren ihm wohlbekannt. Er versuchte, alles „vollkommen” zu beherrschen. Sein Wahlspruch: „Wenn du einen Raum auskehrst, so kehre die Ecken. Wenn du deine Stiefel reinigst, so putze den Absatz.”

Inhaltsverzeichnis

Seine Bekehrung

Im Jahre 1855, in einer Zeit, als die Arbeit der Missionare in Deutschland noch durch die Polizei behindert wurde, die die Missionare wegen ihrer Tätigkeit einsperrten oder auspeitschten oder in verlassene Gegenden verfrachteten, von wo es kaum mehr ein Zurück gab, fand er ein Schriftstück, das die Missionare und die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verunglimpfte und ist dadurch neugierig geworden. Er ließ die Missionare zu sich kommen und ließ sich von ihnen durch Dolmetscher von der Kirche Jesu Christi, vom Buch Mormon und vom wiederhergestellten Evangelium erzählen. Schließlich ließ er sich in der Elbe taufen.

„Aus dem Wasser kommend hob ich beide Hände zum Himmel empor und sagte: ‚Vater, wenn das, was ich jetzt eben getan habe, dir angenehm ist, dann gib mir ein Zeugnis; was immer Du auch von meinen Händen erwarten wirst, das werde ich tun, selbst wenn ich mein Leben für diesen Zweck niederlegen soll.’

Er schien aber auf mein brünstiges Ersuchen keine Erwiderung zu kommen, und so liefen wir zusammen nach Hause; Präsident Richards an meiner rechten und Bruder Budge zu meiner linken Seite, während die andere drei Männer ein Strecke hinter uns liefen, um keine Aufmerksamkeit zu erwecken. Die übrigen Familienmitglieder wurden einige Tage später getauft. Der Gegenstand unserer Unterhaltung war die Vollmacht des Priestertums, mit Bruder Budge als Dolmetscher amtierend. Mit einem Male hielt ich Bruder Budge an, nicht mehr weiter zu übersetzen, da ich Präsident Richards Erklärungen verstehen konnte und ihm in Deutsch antwortete, wo wiederum keine Verdolmetschung nötig war, da Präsident Richards mich ebenfalls verstehen konnte. So fuhren wir fort, uns zu unterhalten, bis wir zum Abschiedsplatz kamen, als die Kundgebung plötzlich aufhörte, wie sie gekommen war. Solange es anhielt, kam es mir überhaupt nicht befremdend vor, aber als es aufgehört hatte, fragte ich Bruder Budge, was das wohl bedeuten konnte, und erhielt zur Antwort, daß Gott mir ein Zeugnis gegeben hatte. ....

Dies war ein offenkundiges Zeichen der Kraft des Heiligen Geistes, der sich durch die Gnade meines Himmlischen Vater mir kundgetan hatte; dem ersten von den vielen, die noch folgten, und die mit der ehrlichen Übersetzung meiner Seele übereinstimmten, dass die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage von Gott, und nicht von Menschen ist.“

Auswanderung

Als Oberlehrer im Budich-Gymnasium Dresden-Neustadt erkannte er aber bald die Fragwürdigkeit politischer und religiöser Ansichten im nachnapoleonischen Deutschland, die im Gegensatz zu seinen liberalen Anschauungen standen.

Im damals religiös intoleranten Sachsen war es zu schwierig, die neue Religion zu leben und zu bekennen. So blieb nur die Auswanderung, zunächst nach London und später nach Amerika. Das war ein schwerer Entschluss. So schrieb er: „Wie mich nun bei dem Rückblick auf Europa und mein liebes deutsches Vaterland schmerzliche Gefühle bewegen ... so sehe ich auch, jedoch mit festem Blick, einer harten und sturmbewegten Zeit für mich jenseits des großen Wassers entgegen.”

So traf es dann auch ein. Mit den sterblichen Überresten des zwei Tage vor der Landung verstorbenen Sohnes erreichte er mittellos Amerika. Mit Musikunterricht hielt er sich und seine Familie im Osten der USA über Wasser, bis sie 1860 gemeinsam die damals schwierige Reise mit Ochsengespannen nach dem Felsengebirge unternehmen konnten. Die Schwierigkeiten hörten auch dort nicht auf. Wer war zu jener Zeit an Sprachkursen, Zeichnen und Buchhaltung interessiert, wo es weitgehend um das Überleben ging? Doch Bruder Mäser wurde immer wieder von den Kirchenführern angehalten, den Menschen zu helfen, „nach allem Lobenswerten” zu trachten. Er war Lehrer, Hausmeister und Verwalter in einer Person. Bezahlt wurde er oft mit Kartoffeln, Obst oder Kleinvieh. Sein Sohn Reinhard schrieb über diese Jahre: „Er wusste, was es heißt, hungrig zu sein; er wusste, was es heißt, am Weihnachtstag mit seinen Lieben vor Kälte zittern zu müssen ...”

Sein Dienst in der Kirche

Von 1867-1870 diente Karl G.Mäser als Missionspräsident in der Schweizerischen und Deutschen Mission. Auch hatte er Gelegenheit, seine Verwandten in Meißen zu besuchen.

Nach seiner Rückkehr organisierte er neben seiner Lehrertätigkeit die erste Fakultät der Deseret-Universität (heute Utah State University). Die größte Aufgabe und Herausforderung, die ihm jemals anvertraut wurde, war jedoch, als ihn Brigham Young beauftragte, eine „Schule der Kirche” zu gründen. Mit seiner ganzen Kraft und deutscher Gründlichkeit stellte er sich dieser Aufgabe. Er führte in dem schon vorhandenem Institut ein korrektes Ordnungsregime mit pünktlichem und frühzeitigem Unterrichtsbeginn ein. Dabei musste er eine Reihe von Widerständen überwinden.

Nach Mäser liegt das höchste Ziel der Erziehung in dem Bestreben, „Kopf, Herz und Hand zu kultivieren, und zwar im Wissen von und im freiwilligen Gehorsam zu den Gesetzen von Wahr, Gut und Schön, weil darin das vom Himmel gegebene Recht der freien Entscheidung besteht. Sünde, Ignoranz und Grobheit sind moralische und intellektuelle Schäden und schließen die gänzliche Ausübung des freien Willens aus.” Aus einfachen Anfängen entwickelte sich aus dieser beispielhaften Bildungseinrichtung im Westen Amerikas die „Brigham Young University” in Provo, Utah, mit heute über 27.000 Studenten.

Seine Würdigung durch ein Denkmal

Am 14. Juli 2001 wurde Karl G. Mäser, einem herausragenden Pädagogen in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, im Garten des Pfahlhauses in Dresden ein Denkmal gesetzt. Dieses Denkmal ist ein Duplikat der Statue, die vor der Brigham-Young-Universität in Provo, Utah, steht und wurde von dem Bildhauer des Originals — Ortho Fairbanks — gebaut. Es ist das Geschenk der Karl-G.-Mäser-Familien-Organisation in Salt Lake City an Mäsers Geburtsstadt Meißen. Weil der geplante Platz für das Denkmal vom Rat der Stadt Meißen verworfen wurde, fand Mäser, in Bronze, fürs Erste seinen Platz in Dresden.

Präsident Jentzsch eröffnete Versammlung mit der Begrüßung der Gäste: Präsident Monson, damals Erster Ratgeber von Präsident Gordon B. Hinckley, Elder Tobler, Gebietspräsident von Europa Mitte, Präsident Bateman, Direktor der Brigham-Young-Universität, der Generalkonsul der USA, Timothy Savage, der Oberbürgermeister von Meißen, Dr. Pohlack, der Bürgermeister von Provo, Lewis Billings, außerdem Earl Mäser und Elisabeth Funk als führende Köpfe der Mäser-Familien-Organisation.

Präsident Bateman erzählt von Karl Mäser

Er drückte seine Hochachtung aus erzählte von einigen Begebenheit aus dem Leben seines großen Vorgängers.

Bruder Bateman erzählte von einem Traum, in dem Karl Mäser ein Gebäude sah, durch das ihn Brigham Young führte, wobei er ihm alle Räume zeigte. Von diesem Gebäude machte Karl Mäser eine Skizze und legte sie in die Schublade seines Schreibtisches, ohne zu ahnen, dass er sie einmal brauchen würde. Sechs Jahre nach diesem Traum brannte das alte Schulgebäude ab. Mäser erinnerte sich an seinen Traum und ging mit der Skizze aus dem Traum zur Kirchenführung. Nach dieser Skizze wurde ein neues Schulgebäude errichtet.

Ein Brief aus Meißen

Ein Nachfahre Mäsers bekundete das beispielhafte Leben seines Ururgroßvates. Er erzählte von den Herausforderungen, denen er sich stellen musste. In der Zeit einer wirtschaftlichen Krise der Schule in Provo erhielt Karl Mäser einen Brief von Meißen mit dem verlockenden Angebot der Wiedereinstellung als Lehrer in seiner Heimatstadt. Die Bedingung, die an ihn gestellt wurde, war seine Abkehr von der Kirche. Es war eine arge Versuchung für ihn, und er betete lange deswegen. In einem Traum bestieg er mit großer Mühe einen hohen Berg, und er sah vor sich ausgebreitet einen wunderschönen, friedevollen Garten. Nach diesem Traum warf Mäser den Brief aus Meißen ins Feuer und sagte, er würde nie sein Zeugnis vom Evangelium aufgeben.

Sein berühmtes Gedicht

„Was zweifelst du?“
Was zweifelst du, o schwacher Sohn der Erde,
wenn Gottes Wort an deinen Geist ergeht?
ein jedes Lamm verlangt zu seiner Herde,
das seines treuen Hirten Ruf versteht.
Dein Himmelhirt ruft auch mit seinem Worte
dich irrend Lamm der heil’gen Hürde zu;
drum eile freudig ein zu ihrer Pforte.
„Was zweifelst du?“
Was zweifelst Du? Den alle Himmel preisen,
der Moses einst auf Horebs heil’gen Höh’n
die Rettung seines Volkes verheißen,
will alle Völker jetzt gerettet sehn.
Zum letzten Male schickt in diesen Tagen
das Evangelium ihnen anzutragen,
er seine Boten allen Menschen zu.
„Was zweifelst du?“
Was zweifelst du? Weil du mit deinem Wissen
der Wahrheit Endziel zu ereichen meinst?
Das höchste Glück in dieser Welt Genüssen,
Verblendeter, allein zu finden scheinst?
Viel höher als das Wissen steht der Glaube;
und Tugend nur gibt Himmelsglück und Ruh’
Was irdisch ist, wird wieder einst zu Staube!
„Was zweifelst du?“
Was zweifelst du? Weil du in Kummernächten
Vielleicht vergebens nach dem Schlaf dich sehnst?
In trüben Tagen von des Himmel Mächten,
Kleingläubiger, dich schon verlassen wähnst?
Wer Gott vertraut, soll nimmer trostlos weinen.
Der Weltenheiland ruft uns liebend zu:
„Ein treuer Hirte bin ich all’ den Meinen!“
„Was zweifelst du?“
Was zweifelst du? Ist nicht sein Wort die Wahrheit?
Ist unsre Kirche Menschenwerk und Trug?
Strahlt nicht aus ihr der Geist mit gleicher Klarheit,
wie aus dem ewig heil’gen Bibelbuch?
Und will er nicht die seine Jünger nennen,
die Liebe führet stets einander zu?
Kannst diese Du bei uns wohl noch erkennen?
„Was zweifelst du?“
Was zweifelst du? So in der letzten Stunde,
wo Geist’ges sich vom Ird’schen ewig trennt,
wirst seufzen du mit todesbleichem Munde!
Wohl dem, der früher schon das Heil erkennt!
Er wird bei seines Herzens letzten Schlägen
verkläret dann im reinsten Himmelslicht
mit sel’gem Lächeln noch die Worte sagen:
„Ich zweifle nicht.“

verwendete Quellen

  • Liahona September 2001
  • Liahona November 2001

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