Joseph Fielding Smith
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Für die Übel der Welt gibt es kein anderes Heilmittel als nur das Evangelium des Herrn Jesus Christus. Unsere Hoffnung auf Frieden, auf zeitliches und geistiges Wohlergehen und schließlich auf ein Erbteil im Reich Gottes liegt nur im wieder-hergestellten Evangelium."
Das sagte Joseph Fielding Smith, der zehnte Präsident der Kirche, als er der Welt zum letzten Mal Zeugnis gab, und zwar auf der Generalkonferenz im April 1972. Er starb drei Monate später.
Präsident Smiths Zeugnis wurzelte darin, dass er sein Leben lang dem Herrn diente, und beruhte auf einem einzigartigen Erbe: Sein Vater, Joseph F. Smith, war von 1901 his 1918 Präsident der Kirche, und sein Großvater war Hyrum, der Bruder des Propheten Joseph Smith.
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„Auf dem Schoß meiner Mutter”
Joseph Fielding Smith wurde am 19. Juli 1876 geboren; seine Eltern waren Joseph E Smith und Julina Lamhsun Smith. Schon als kleiner Junge fing er an, sich dem Herrn zu widmen.
„Auf dem Schoß meiner Mutter habe ich gelernt, den Propheten Joseph Smirh zu liehen und meinen Erlöser zu lieben”, sagte er später. „Ich habe meine Großmutter Mary Fielding Smith nicht gekannt, und das tut mir sehr leid, denn sie war eine der edelsten Frauen, die je gelebt haben. Aher ich kannte ihre liebe Schwester, meine Tante Mary Thompson, und als Junge bin ich oft hingegangen und habe sie besucht; dann saß ich auf ihrem Schoß, und sie erzählte mir vom Propheten Joseph Smith, und ich bin ja so dankbar dafür, dass ich das erleben durfte.”
Schon als Kind fasste er den Entschluss, die heilige Schrift zu lesen. Wie seine Schwester Edith berichtete, hatte er im Alter von zehn Jahren das Buch Mormon schon zweimal gelesen. Ere erinnert sich:
- „Als ich ein kleiner Junge war — zu jung für das Aaronische Priestertum — gab mir mein Vater ein Buch Mormon in die Hand und sagte, ich solle es lesen. Ich nahm den nephitischen Bericht dankbar entgegen und machte mich an den erteilten Auftrag. Es gibt einige bestimmte Schriftstellen, die sich mir eingeprägt haben, und ich habe sie nie vergessen.”
Gelehrter und Führer
Diese frühen Erfahrungen mit der heiligen Schrift halfen mit, dass Joseph Fielding Smith sein Leben lang ein Evangeliumskundiger wurde und vieles zur heiligen Schrift beitrug. Neunundvierzig Jahre lang diente er als Geschichtsschreiber und fand überall in der Kirche Anerkennung wegen seiner außergewöhnlichen Kenntnis in der Geschichte und Lehre der Kirche. Sein erstes Buch veröffentlichte er 1901, sein letztes 1970. In den neunundsechzig Jahren dazwischen verfasste er insgesamt 25 Bücher, von denen einige Klassiker geworden sind – für diejenigen nämlich, die sich in den Bereichen heilige Schrift und Kirchengeschichte weiterbilden wollen.
Zusätzlich zu seiner Arbeit als Kirchengeschichtsschreiber und Gelehrter erlebte er die Erfüllung seines Patriarchalischen Segens, wo es unter anderem heißt: „Und es wird dir obliegen, mit den führenden Brüdern im Rat zu sitzen und in deinem Volk zu präsidieren.” Im Jahr 1910 wurde er, damals dreiunddreißig Jahre alt, berufen, eine freigewordenen Stelle im Kollegium der Zwölf Apostel einzunehmen, und mehr als sechzig Jahre lang diente er getreulich als Apostel des Herrn Jesus Christus. Er trug auch neunzehn Jahre lang die schwere Verantwortung als Präsident des Kollegiums der Zwölf, und während dieser Zeit war er fünf Jahre lang Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft. Dann, am 23. Januar 1970, wurde er als Dreiundneunzigjähriger zum Präsidenten der Kirche ordiniert. In diesem Amt diente er bis zu seinem Tod am 2. Juli 1972.
„Sein Zartgefühl”
Weil Präsident Smith sich unnachgiebig für die Gesetze und Prinzipien des Herrn einsetzte, hielten ihn einige für streng und verschlossen. Nichts lag seinem wahren Charakter ferner. Seine enge Umgebung wusste, wie sehr er sich seiner Mitmenschen annahm und wie freigebig er mit seinem Mitgefühl, seiner Liebe und Versöhnlichkeit umging.
Eine Bestätigung dafür findet sich in einem Ausspruch, der mehr als einem seiner Freunde zugeschrieben wird: ,Wenn ich von irgendeinem meiner Mitmenschen gerichtet werden sollte", sagten sie, „dann von Joseph Fielding Smith.”
Zu seinem achtzigsten Geburtstag im Jahr 1956 veröffentlichten die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel eine Würdigung seiner Verdienste, worin es unter anderem hieß:
- „Wir wünschten nur, die ganze Kirche könnte sein Zartgefühl verspüren und wie sehr er sich um das Wohlergehen der Unglücklichen und Betrübten sorgt. Er liebt alle Heiligen und lässt nie ab, für die Sünder zu beten. Mit bemerkenswertem Urteilsvermögen hält er sich, wenn eine endgültige Entscheidung zu treffen ist, anscheinend an nur zwei Maximen: Was wünscht die Erste Präsidentschaft? Was ist das beste für das Reich Gottes?"
Ein besorgter Vater
Neben seiner Kirchenarbeit widmete sich Joseph Fielding Smith eifrig seiner Aufgabe als Ehemann und Vater. Im April 1898, als er zweiundzwanzig Jahre alt war, heiratete er Louie Emyla Shurtliff. Ein Jahr später, am 12. Mai 1899, wurde er von seinem Vater zum Siebziger ordiniert und reiste am nächsten Tag ins Missionsgebiet ab. Gewiss fiel ihm dieses Opfer um nichts leichter, als es für uns heute wäre. Er nahm die Berufung an, arbeitete in England im Distrikt Nottingham und kehrte im Juni 1901 nach Haus zurück.
Nach der Rückkehr nahm er eine Stelle im Büro des Kirchengeschichtsschreibers an, wo er dann einen großen Teil seines Lebens zubrachte. Weitere Aufgaben fielen ihm im Jahr 1907 zu, als er als Sekretär der Genealogischen Gesellschaft von Utah bestellt wurde. Joseph Fielding Smith und seine erste Frau hatten in ihrer fast zehn Jahre dauernden Ehe zwei Töchter. Zwei Jahre bevor er in das Kollegium der Zwölf berufen wurde, starb sie.
Am 2. November 1908 heiratete er Ethel Georgina Reynolds; sie gebar ihm fünf Söhne und vier Töchter und war neunundzwanzig Jahre lang seine Gefährtin. Sie starb am 26. August 1937.
Elder Smith heiratete dann, am 12. April 1938, Jessie Evans, eine bekannte Sängerin, die auch dem Tabernakelchor angehörte. Von Natur aus gesellig, lebhaft und fröhlich, war sie dreiunddreißig Jahre lang an seiner Seite, gab ihm Auftrieb und sorgte in rührender Weise liebevoll und aufopfernd für ihn. Sie erlebte noch, dass er Präsident der Kirche wurde, und unternahm zusammen mit ihm die ausgedehnten Reisen, die ihm sein Amt auferlegte. Sie teilte mit ihm nicht nur seine anstrengenden Termine, sondern auch die liebevolle Aufnahme, die ihm die Heiligen in vielen Ländern bereiteten. Als sie am 3. August 1973 einem Herzleiden erlag, nahmen Millionen an Präsident Smiths Einsamkeit und Trauer innigen Anteil.
In dieser schweren Zeit brachte Präsident Harold B. Lee, der damals Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft war, dem Propheten tiefes Mitgefühl entgegen. Präsident Smith versicherte seinem Freund, der Herr werde ihm die Kraft geben, weiterhin seinen Pflichten nachzukommen: „Sie wissen ja, ich habe das schon mehrmals durchgemacht”, sagte er.
„Dere Mann, den ich kenne, ist äußerst gütig”
Die beste Beschreibung eines Menschen kommt wohl von jemandem, der sein Leben mit ihm teilt. 1932 sagte seine Frau Ethel:
- „Ich soll Ihnen von dein Mann erzählen, wie ich ihn kenne? Ich habe mir oft gedacht, wenn er einmal nicht mehr ist, werden die Leute von ihm sagen: ,Er war ein sehr guter Mensch, aufrichtig, rechtgläubig usw.' Sie werden das von ihm sagen, was in der Öffentlichkeit bekannt ist; aber der Mensch, wie sie ihn sich vorstellen, ist anders als der, den ich kenne. Dieser Mann, den ich kenne, ist ein wohlwollender, liebevoller Ehemann und Vater, dessen größtes Verlangen in diesem Leben darin besteht, seine Familie glücklich zu machen, und in diesen Bemühen denkt er überhaupt nicht an sich selbst. Er ist ein Mensch, der ein unruhiges Kind in den Schlaf wiegt, den Kleinen Gute-Nacht-Geschichten erzählt, der nie zu müde oder zu geschäftig ist, bis spät in die Nacht hinein aufzubleiben oder vor Morgengrauen aufzustehen, um den älteren Kindern bei der Bewältigung ihrer verwickelten Schulprobleme beizustehen. Wenn eines krank wird, wacht der Mann, den ich kenne, zärtlich über es und pflegt es. Ihr Vater ist es, nach dem sie rufen, weil sie das Gefühl haben, wenn er da ist, wird alles gut. Seine Hand ist es, die die Wunden verbindet, sein Arm, mit dem er ihnen Mut macht, wenn sie leiden, seine Stimme, die sie sanft ermahnt, wenn sie irregehen, bis sie ihr Glück darin finden, das zu tun, was ihm Freude macht.
- Der Mann, den ich kenne, ist äußerst gütig, und wenn er das Gefühl hat, er sei zu irgend jemanden ungerecht gewesen, so ist ihm keine Entfernung zu weit, um hinzugehen und mit lieben Worten oder guten Taten die Verletzung wiedergutzumachen. Er lädt gern junge Leute zu sich nach Hause ein und freut sich besonders, wenn er mit ihnen die Themen des Tages besprechen kann – Sport oder was sie sonst noch interessiert. Er hat Freude an guten Geschichten und entdeckt schnell das Spaßige an einer Situation, wo er lachen kann oder vielleicht auch ausgelacht wird; er ist immer dabei, wenn es um eine gesunde, vernünftige Aktivität geht.
- Der Mann, den ich kenne, ist selbstlos, geduldig, rücksichtsvoll und voll Mitgefühl; er tut alles in seinen Kräften, um das Leben für seine Lieben zu einer großen Freude zu machen. Das ist der Mann, den ich kenne.”
Sein Wirken als Präsident
Der Mann, den die Welt und die Kirche kannten, ließ sich durch die zunehmenden Jahre nie von seinen Aufgaben abhalten. Während seiner Zeit als Präsident der Kirche reiste er auch weiterhin und legte Zeugnis vom Evangelium ab. Die Kirche veranstaltete die erste Gebietskonferenz im englischen Manchester; die Tempel in Provo und Ogden wurden geweiht; in Tokio wurde der erste Pfahl in Asien gegründet; der Montag jeder Woche wurde für den Familienabend reserviert; die Mission in Taiwan wurde eröffnet; die Abteilung Sozialdienst der Kirche wurde umgestaltet; die Mission in Norditalien wurde eröffnet; die Sonntagsschule wurde neu organisiert, und das Internat Communications Department der Kirche wurde geschaffen.
Auf seiner letzten Generalkonferenz sprach dieser freundliche, liebevolle Knecht des Herrn aus eigner Erfahrung, als er sagte: „Es gibt für uns keine Arbeit, die so wichtig ist, wie dass wir das Evangelium predigen und die Kirche und das Reich Gottes auf Erden errichten.”
Präsident Smith hat in der Tat sein Leben dieser allerwichtigsten Arbeit gewidmet. „Mein ganzes Leben lang habe ich die Prinzipien des Evangeliums erforscht und darüber nachgedacht, und ich habe mich bemüht, den Gesetzen des Herrn gemäß zu leben”, sagte er. „Und dadurch ist mir eine große Liebe ins Herz gekommen: für ihn, für sein Werk und für alle, die bestrebt sind, seine Absichten auf der Erde voranzubringen.”
Sein Zeugnis
Dem Plan der Erlösung oder den ewigen Gesetzen, die das Evangelium Jesu Christi genannt werden, wurde im Himmel zugestimmt, bevor die Grundfesten der Welt. gelegt wurden . . . Es war ein Bestandteil dieses großen Planes, dass [Adam] die verbotene Frucht essen und fallen sollte, wodurch Leid und Tod auf die Welt kommen würde, was seinen Kindern aber letztlich zum Guten gereichte .. .
Der Fall bewirkte den Tod. Das ist kein wünschenswerter Zustand. Wir wollen nicht aus der Gegenwart Gottes verbannt sein, noch wollen wir ewig den Umständen der Sterblichkeit unterworfen sein. Auch wollen wir nicht, dass wir sterben, dass unser Leib zu Staub zerfällt und dass der Geist, der diesen Körper rechtmäßig besitzt, dem Reich des Satans ausgeliefert wird und ihm untertan sein muss .. .
Das Sühnopfer Jesu Christi ist zweifacher Natur. Dank dieses Opfers sind alle Menschen vom körperlichen Tod und vom Grab erlöst und werden bei der Auferstehung zur Unsterblichkeit der Seele hervorkommen. Ferner empfängt der Mensch, der die Gesetze und Verordnungen des Evangeliums befolgt, durch das Blut Christi Vergebung seiner Sünden und ererbt die Erhöhung im Reiche Gottes, was ewiges Leben ist .. .
Wir hören, dass das Wort „Sühnopfer” oft damit definiert wird, dass es ein „Einswerden” mit Gott darstelle. Das ist aber nur ein kleiner Teil davon. Ja, es ist sogar so, dass die große Mehrheit der Menschen nie eins mit Gott wird, obgleich sie das Sühnopfer empfängt. „Die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt, und wenige sind ihrer, die ihn finden5.” Wir werden nicht alle eins mit Gott werden, wenn wir darunter verstehen, dass wir zu ihm zurückgebracht werden und dass uns die Fülle des Lebens gegeben wird; denn sie ist nur denen verheißen, die Gottes Gebote halten und Söhne und Töchter Gottes werden.
verwendete Quellen
- Der Stern Dezember 1993, Bericht von Leon R. Hartshorn
zusätzlches Material
- Der Stern November 1972 S. 448: Joseph Fielding Smith, Apostel, Prophet und Vater in Israel
- Der Stern Mai 1973 S. 208: Joseph Fielding Smith - Schüler des Evangeliums
externe Links
