James E. Talmage
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James E. Talmage (1862-1933) wurde in England geboren und wanderte im Mai 1876 mit seiner Familie in die USA aus. Die Familie kam am 14. Juni 1876 in Salt Lake City an. Bruder Talmage besuchte vier Jahre lang die Lehigh University in Bethlehem in Pennsylvania und studierte dann an der John Hopkins University in Baltimore in Maryland weiter. Nach seiner Rückkehr nach Utah lehrte er von 1884 bis 1888 an der Brigham Young University in Provo Chemie und Geologie. Später war er von 1894 bis 1897 Präsident der University of Utah. Als Charles W. Penrose 1911 Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft wurde, wurde Bruder Talmage berufen, die entstandene Lücke im Kollegium der Zwölf auszufüllen. Er beherrschte die englische Sprache auf hervorragende Weise und war ein herausragender Dozent und Autor.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es heiße Debatten zwischen den religiösen Fundamentalisten und den Liberalen oder Modernen. Viele fragten, auf welcher Seite die Mormonen bei den verschiedenen theologischen Kontroversen standen. Zum Glück hatten die Heiligen der Letzten Tage in Präsident Joseph F. Smith einen Mann, der die Grundsätze des Evangeliums außergewöhnlich und inspiriert darzulegen verstand. Präsident Smith und seine Ratgeber in Ersten Präsidentschaft gaben mehrere Erklärungen ab, um den Standpunkt Kirche zu strittigen Themen zu verdeutlichen.
Manche Heilige der Letzten Tage hatten Fragen dazu, wie Gott, der Vater, Jesus Christus, der Heilige Geist und Michael oder Adam zueinander standen. Die Erste Präsidentschaft gab 1916 die folgende Erklärung mit dem Titel The Father and the Son (Gott der Vater und der Sohn) heraus: „Die Bezeichnung ,Vater', wie wir sie für die Gottheit verwenden und wie sie in den heiligen Schriften gebraucht wird, hat offensichtlich verschiedene Bedeutungen”: Gott ist buchstäbliche Vater unseres Geistes. Jesus Christus ist der Vater oder Schöpfer dieser Erde. Jesus Christus ist auch der Vater derer, die geistig von neuem geboren werden, indem sie nach dem Evangelium leben. Jesus kann auch deshalb Vater genannt werden, weil er hier auf der Erde Elohim „in Kraft und Vollmacht” repräsentiert. Dennoch „ist Jesus Christus nicht der Vater der Geister, die hier auf Erden einen Körper bekommen haben oder noch bekommen werden denn er ist einer von ihnen.
Präsident Smith beantwortete auch eine damit zusammenhängende Frage bezüglich der Gottheit. Die Ausdrücke „Heiliger Geist” und „Geist des Herrn wurden zwar oft unterschiedslos gebraucht, aber er erklärte, dass „der Heilige Geist eine Person der Gottheit” ist, während das Licht Christi oder der Geist des Herrn „der Geist Gottes ist, der durch Christus in die Welt geht, der jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt und der sich mit den Menschenkindern abmüht und sich weiterhin mit ihnen abmühen wird, bis er sie zur Erkenntnis der Wahrheit bringt und bis sie das größere Licht und Zeugnis des Heiligen Geistes besitzen". Die Mitglieder der Kirche finden in dem Buch Evangeliumslehre, das eine Zusammenstellung von Joseph F. Smiths Predigten und Schriften ist, nützliche Definitionen und Informationen zu den Grundbegriffen des Evangeliums.
In diesen Jahren trugen auch verschiedene fähige Gelehrte der Kirche dazu bei, dass die Mitglieder ihren Einblick in das Evangelium vertiefen konnten. Einer von Ihnen war James Talmage, der an der Brigham Young Academy Naturwissenschaften gelehrt hatte und Präsident der University of Utah gewesen war.
Schon 1891 erörterte die Erste Präsidentschaft die Frage, ob es wünschenswert sei, ein Buch über Theologie zu veröffentlichen, das sowohl in den Bildungseinrichtungen der Kirche als auch ganz allgemein in Religionskursen verwendet werden konnte. Dr. Talmage wurde beauftragt, dieses Buch zu schreiben. Vorher hielt er eine Reihe von Vorträgen über die Glaubensartikel. Zum ersten Vortrag kamen so viele Leute, dass die Vorträge in die Assembly Hall auf dem Tempelplatz verlegt wurden. Es kamen bis zu 1300 Zuhörer. Die Vorträge wurden dann zuerst im Juvenile Instructor veröffentlicht. Ein Lesekomitee, zu dem unter anderem zwei Apostel und Karl G. Mäser gehörten, prüfte das Manuskript und schlug einige Änderungen vor. Das Manuskript wurde 1899 auf Weisung der Ersten Präsidentschaft in Buchform veröffentlicht. Seitdem hat Talmages Buch Die Glaubensartikel mehr als 50 Auflagen in englischer Sprache erlebt und ist in mehr als ein Dutzend weitere Sprachen übersetzt worden. Dieses Buch, das auch heute noch gelesen wird, war die erste offiziell genehmigte ernsthafte theologische Studie der Wiederherstellung.
Nachdem Elder Talmage 1911 in das Kollegium der Zwölf berufen worden war, folgten noch zwei wichtige Werke: Das Haus des Herrn wurde 1912 herausgegeben und Jesus der Christus 1915. Zur Herausgabe des ersten Buchs kam es durch ungewöhnliche Umstände. Jemandem, der kein Mitglied der Kirche war, gelang es auf unehrliche Weise, sich Fotos vom Inneren des Salt-Lake-Tempels zu beschaffen. Er bot sie der Kirche für 40.000 Dollar zum Kauf an und drohte, sie sonst an Zeitungen im Osten zu verkaufen, die sie gern drucken würden, um die Kirche in Misskredit zu bringen. Elder Talmage empfahl, sich nicht erpressen zu lassen, sondern ein Buch herauszugeben, das in großen Zügen beschrieb, was in den Tempeln der Heiligen der Letzten Tage geschah. Präsident Joseph F. Smith nahm diese Empfehlung an. Das Buch wurde mit Abbildungen aus dem Inneren des Salt-Lake-Tempels illustriert. So wurde nicht nur die Erpressung abgewehrt, sondern die Heiligen der Letzten Tage hatten jetzt ein äußerst lesenswertes Buch in Händen.
Die Erste Präsidentschaft bat James E. Talmage, auch eine Reihe von Vorträgen über das Leben Jesu Christi, die er zehn Jahre zuvor gehalten hatte, als Buch herauszugeben, das alle Mitglieder der Kirche lesen konnten. Elder Talmage begann, an dem Manuskript zu arbeiten, aber er musste diese Arbeit zusätzlich zu seinen übrigen Pflichten übernehmen. Es wurden ihm jedoch viele Besuche auf Pfahlkonferenzen erlassen, und er schrieb den größten Teil des Buches im Salt-Lake-Tempel. Er ging nur selten vor Mitternacht nach Hause, und so wurde das wunderbare Buch Jesus der Christus in nur sieben Monaten vollendet.
Am 19. April 1915 schrieb Elder Talmage in sein Tagebuch: „Fertig mit dem Buch ,Jesus der Christus', dem ich jede freie Stunde gewidmet habe, seitdem ich am 14. September letzten Jahres damit angefangen habe. Wenn ich das Werk nicht im Tempel hätte schreiben dürfen, wäre es jetzt noch lange nicht vollendet. Ich habe die Inspiration des Ortes gespürt und war dankbar für die Ruhe und Abgeschiedenheit. Ich hoffe, jetzt ohne Verzögerung mit der Durchsicht beginnen zu können."
Zwei Monate lang las Elder Talmage in 18 verschiedenen Sitzungen der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf Apostel die Kapitel des Buches vor, damit sie es billigen und ergänzen konnten. Das Buch wird jetzt noch viel gelesen und ist ein bleibendes Denkmal für Elder Talmages Gelehrsamkeit und Inspiration.
verwendete Quellen
- Die Geschichte der Kirche in der Fülle der Zeiten
