James E. Faust
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Präsident James E. Fausts Leben war von den Evangeliumsgrundsätzen beherrscht und die Familie stand bei ihm an erster Stelle.. Seine Frau, Ruth, erzählte, wie er auf einem Familienabend neue Berufung bekannt gab und wie er betonte, dass er keine gute Generalautorität sein könne, ohne auch ein guter Vater zu sein. „Aus der Berufung als Vater und Großvater werde ich nämlich nie entlassen."
Diese festen Prioritäten werden von absoluter Redlichkeit begleitet. Wie wichtig Redlichkeit ist, wurde dem jungen Jim Faust und den anderen Priestern von ihrem Bischof T. C. Stayner immer wieder eingeprägt: „Seid ehrlich und haltet euer Wort!” Präsident James E. Faust hat sich in den unterschiedlichsten Situationen immer an diesen Rat gehalten, so dass er seit je her für seine Redlichkeit sowohl im Privatleben als auch in der Öffentlichkeit zu Recht bekannt ist. Wer Präsident Faust kennt, weiß, dass er sich keinem Druck beugt, dass er jedoch durch Grundsätze zu überzeugen ist. Sein Sohn Robert spricht für alle Geschwister, wenn er sagt, dass sein Vater nach dem Motto „Sei dir selber treu” lebt. Bei so mancher Gelegenheit hat sein Vater ihm gesagt: „Das Wichtigste ist dein guter Name und dein guter Ruf.”
Diese Redlichkeit ist gepaart mit Können, und so wurde Elder Faust auch von seinen Kollegen für die Amtsperiode 1962/63 zum Präsidenten der Rechtsanwaltskammer von Utah (der Utah Suite Bar Association) gewählt. Auch seine Gepflogenheiten als Rechtsanwalt waren geprägt durch Redlichkeit und Können, weswegen er von seinen Klienten, darunter auch der örtlichen katholischen Kirchen-Öffentlichkeitsarbeit der Kirche vorstand.
Es nimmt nicht wunder, dass die führenden Brüder Vertrauen in James Faust setzten, und das schon lange, bevor er als Apostel berufen wurde. Präsident Fausts Redlichkeit und Können brachte auch andere dazu, sich seines Rates zu vergewissern. So wurde er in den sechziger Jahren in ein Komitee der Legislative des Staates Utah gewählt, das Studien im Hinblick auf spätere Reformen bewerten sollte, und später in das erweiterte Gremium, das entsprechende Änderungen in der Verfassung des Bundesstaates auf den Weg brachte.
Präsident Faust war aber auch ein äußerst feinfühlender und loyaler Mensch. Margaret Bury, die viele Jahre lang seine Sekretärin war, sagt von ihm: „Er ist zu jedem freundlich, ob es der Richter oder der Hausmeister ist.” Obwohl für sein sanftes und liebevolles Wesen bekannt, konnte Präsident Faust aber auch nötigenfalls ganz ungeschminkt sagen, was gesagt werden muss. Es war Ausdruck seiner Freundschaft, wenn er einem Freund sagte, was dieser hören musste.
Präsident Thomas S. Monson schrieb: „James E. Faust und ich haben jahrelang zusammengearbeitet, sei es in Komitees der Kirche, in denen Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf vertreten waren, aber auch innerhalb des Kollegiums der Zwölf sowie im Vorstand der Deseret News Publishing Company. Er ist ein Mensch, der klar sieht, er hat einen scharfen Verstand und hervorragende Führungseigenschaften. Er ist ein guter Zuhörer und weise in seinen Entscheidungen. Sein Zeugnis ist unerschütterlich.”
Präsident Faust hat zwar viel Zeit damit verbracht, in einer Gruppe tätig zu sein, doch wusste er auch, wie es ist, wenn man auf sich allein gestellt ist. Auch dann zeigen sich seine Redlichkeit und seine Loyalität. Während des Zweiten Weltkrieges war er das einzige Mitglied der Kirche auf einem Frachter im Südpazifik; das Schiff schleppte 83 Tage lang ein noch größeres Schiff zum Hafen. Jeden Sonntag hielt er ganz allein Gottesdienst. Er suchte sich einen abgelegenen Platz, wo er aus einem kleinen Taschengesangbuch Lieder singen, in den Schriften lesen, nachsinnen und beten konnte. Oft war der einzige geeignete Platz vorn, am Bug des Schiffes, wo das Rauschen der Wellen sein Singen übertönte. Diese unwandelbare geistige Einstellung ist natürlich auf die Erziehung zurückzuführen, die ihm seine Eltern, George A. und Amy Finlinson Faust, mitgegeben hatten.
Als Präsident Faust seine erste Ansprache als Generalautorität hielt, hörte seine verwitwete Mutter der Fernsehübertragung zu. Sie weinte vor Freude über die Berufung, die ihrem Sohn zuteil geworden war. Doch nicht nur seine Eltern hatten ihn gut erzogen, sondern er wurde auch geprägt durch die Großeltern, die sich der Kirche angeschlossen hatten und bereits unter den Pionieren waren. Großmutter Faust erzählte ihm beispielsweise, wie sie im Tabernakel Brigham Young hatte sprechen hören. Und sein Urgroßvater, ein junger Einwanderer aus Deutschland, war noch etliche Jahre früher auf der Suche nach Gold in Kalifornien durch Utah gekommen und hatte dort in Fillmore ein Mädchen kennengelernt. Zu ihr fühlte er sich so hingezogen, dass er nur soviel Gold suchte, um einen Ehering kaufen zu können, und dann zurückkehrte, sie heiratete und sich später der Kirche anschloss!
Die Liebe zum Buch Mormon hat er von seiner Mutter. Ihr Buch Mormon war, so erzählt Präsident Faust, „verschlissen. Fast auf jeder Seite waren Stellen unterstrichen, trotz liebevollster Behandlung gab es Seiten mit Eselsohren, und der Einband war abgenutzt. Ihr musste niemand erklären, dass man durch das Buch Mormon näher zu Gott kommen würde als durch jedes andere Buch. Sie war ja schon dort” (Ensign, November 1983, Seite 9). In den Versammlungen im Tempel kommt es immer wieder vor, dass Bruder Faust dieses alte Buch zur Hand nimmt, um seinen Amtsbrüdern eine besonders prägnante Stelle vorzulesen.
Präsident Gordon B. Hinckley, der Präsident Faust als Zweiten Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft berufen hat, sagte über ihn: „Präsident James E. Faust bringt für dieses Amt jene Reife mit, die langjähriger Erfahrung in der Kirche entspringt. Seine Erfahrung sowie die Weisheit, die er in Ausübung seines Berufes als Rechtsanwalt erworben hat, verleihen jener heiligen Berufung, zu der er berufen wurde, beträchtliche Stärke.”
Schon von klein auf fand die Saat des Evangeliums im Herzen von James Esdras Faust guten Nährboden. Schon mit 17 Jahren wurde er Ratgeber des Gemeinde-Sonntagsschulleiters. Mit 28 Jahren wurde er zum Bischof ordiniert. Seither ist er – was den Dienst in der Kirche anbelangt – so gut wie alles gewesen: Hoher Rat, Pfahlpräsident, Regionalrepräsentant, Assistent des Kollegiums der Zwölf, Siebziger, Apostel. Und in all diesen Berufungen bewies er immer wieder, dass ein guter Führer vor allem gut zuhören muss.
Interessanterweise hat Präsident Harold B. Lee der Präsident Faust als Assistenten des Kollegiums der Zwölf berief, ihn seinerzeit auch zum Bischof ordiniert. Präsident Faust sprach seine Meinung erst aus, nachdem er zugehört hat. Seine Kollegen haben oft erlebt, wie er geduldig einer Diskussion folgte, die sich bloß am Rande mit der wesentlichen Sache beschäftigte. Nach einiger Zeit meldete er sich dann zu Wort und brachte die Sache auf den Punkt. Dabei war er immer rücksichtsvoll, konnte aber gegebenenfalls auch ganz unverblümt reden. Präsident Faust hatte ein gutes Namensgedächtnis, er merkte sich vor allem Vornamen. Und er stellte niemals rhetorische Fragen.
Auf der Granite High School gewann er mehrmals Auszeichnungen im Geländelauf und American Football. Danach studierte er an der University of Utah, wo er auch am Staffellauf teilnahm. Zweimal unterbrach er sein Studium: das erste Mal, als er für 33 Monate als Missionar nach Brasilien ging, und das zweite Mal, um während des Zweiten Weltkriegs in der Luftwaffe zu dienen.
Viele Erlebnisse in seinem Leben zeigen, wie der Herr ihn geschult hat. Elder Faust war noch nicht lange in Brasilien auf Mission, als er seinem zweiten Mitarbeiter, Elder William Grant Bangerter, zugeteilt wurde. Damals waren die Missionare nicht gerade von Erfolg verwöhnt. Elder Bangerter sah zu, wie Elder Faust an eine der ersten Türen klopfte. Elder Bangerter war der Meinung, dass der neue Missionar ohnehin nicht genug Portugiesisch beherrschte, um sich verständlich machen zu können. Er wandte sich sogar ab, um zu zeigen, dass dieses Gespräch nicht seine, sondern Elder Fausts Sache sei! Doch dieses Gespräch mit einer Frau führte zur Taufe von Familie Dedo-Valeixo (siehe Ensign, Oktober 1986, Seite 6).
1975, also viele Jahre danach, präsidierte Elder Faust über ganz Südamerika. Er wohnte in Brasilien, war aber für die Arbeit auf dem gesamten Kontinent verantwortlich. Das war nicht leicht, denn überall tauchten Probleme auf; er fand aber auch viel Freude darin, den Bau des Säo-Paulo-Tempels auf den Weg zu bringen und zu beaufsichtigen. Das Wachstum der Kirche in Brasilien – unter den Menschen, die er so liebte – war für ihn stets „eine Quelle des Staunens und der Genugtuung”.
Zu den „großen Seelen”, die ihn beeinflusst haben, zählt an erster Stelle seine Frau, Ruth. Die beiden lernten einander an der Granite High School kennen und wurden während des Zweiten Weltkriegs im Salt-Lake-Tempel getraut, als Präsident Faust kurz Urlaub vom Militär bekam, bevor seine Einheit auf längere Zeit in den Südpazifik verlegt wurde.
Wie sehr er seiner Frau zugetan war, kann man auch daran ermessen, dass er ihr während des Militärdienstes jeden Tag einen Brief schrieb. Diese Briefe kamen natürlich nicht einer nach dem anderen an, so dass Ruth Faust eines Tages 90 Briefe auf einmal erhielt. Ihr Arbeitgeber war so freundlich, ihr den Nachmittag freizugeben, damit sie heimgehen und alle in Ruhe lesen konnte.
Als Präsident Faust am 30. September 1978 in den Rat der Zwölf berufen wurde, zeigte sich wieder einmal, wie sehr ihm seine Frau am Herzen liegt. Die führenden Brüder begrüßten ihn auf dem Podium und wünschten ihm alles Gute, doch war seine erste Frage: ,Wo ist meine Frau?"
Einmal stellte ihm Elder Boyd K. Packer die Frage: „Wo wärst du heute ohne deine Frau?” Und weil Präsident Faust schon immer ein ausgesprochen guter Zuhörer war, machte er sich in den nächsten vierundzwanzig Stunden Gedanken darüber, „was aus mir ohne den liebevollen Einfluss und die Unterstützung von Ruth Wright geworden wäre. Allein der Gedanke, wie mein Leben wohl ohne meine Frau geworden wäre, hat mich doch ein wenig erschreckt.” (Ensign, Juli 1981, Seite 35). Seine Tochter Jana sagt, dass sie an ihrem Vater neben der „ihm eigenen Weisheit” vor allem „seine große Liebe und Zuneigung zu meiner Mutter” schätzt.
Präsident Faust erwies sich zwar in allen seinen Ämtern als starke Persönlichkeit, doch diejenigen, die im Laufe der Zeit mit ihm zusammengearbeitet haben, stelten fest, dass er seinen hohen und heiligen Berufungen stets noch mehr Ehre machte. Und so wurde ihm sein Tun nicht nur um seinetwillen geweiht, sondern auch um des Werkes des Herrn willen 2. Nephi 32:9).
Präsident Faust konnte auch aus schwierigen Erfahrungen Nutzen zu ziehen. Er erzählte, wie er sich als kleiner Junge um ein Lamm kümmerte, das ihm sein Vater anvertraut hatte. Nur eines Nachts war er nachlässig. Da starb das Tier in einem schrecklichen Sturm. Der Vater, der im Ersten Weltkrieg von einem Schrapnell verwundet worden war, wies ihn mit den Worten zurecht: „Mein Sohn, konnte ich dir nicht einmal ein einziges Lamm anvertrauen?” (Der Stern, Juli 1995, Seite 42.) Die Verantwortung, die ein Hirte trägt, hat sich Präsident Faust tief eingeprägt. Er war ein außergewöhnlich pflichtbewusster Hirte, und besonders die alleinstehenden Erwachsenen lagen ihm am Herzen.
Präsident Faust war ein guter doch demütiger Beobachter, der die Beweggründe anderer Menschen nicht vorschnell beurteilt. Ein Kennzeichen wahrer Demut ist es, dass man auch denen, die unter einem stehen, ebenso demütig begegnet wie denen, die über einem stehen. Präsident Faust tat beides.
Präsident Faust hat Sri Lanka, Uganda, Kenia, Lettland und Simbabwe für das Evangelium geweiht. Er fuhr auch nach China und weihte das Land ein zweites Mal. Nach Jahrzehnten kehrte er nach Westafrika zurück und half dort mit, die Kirche aufzubauen.
Er fühlte und litt mit den Menschen in aller Welt, die von Armut und politischer Unterdrückung betroffen sind. Auf seinen Reisen hat er das alles häufig gesehen. Besonders erwähnenswert sind hier seine außerordentlichen Bemühungen im Mittleren Osten, und zwar sowohl in Israel, wo er an der Errichtung des wunderschönen Jerusalem-Centers der Brigham Young University beteiligt war, als auch unter den Palästinensern. Mit dem früheren Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Koller, verband ihn außergewöhnliches Vertrauen. Elder Faust und seine Frau begleiteten den Tabernakelchor auf seiner Tournee ins Heilige Land. Aufgrund von Präsident Fausts Bemühungen, unter der Leitung von Präsident Howard W. Hunter und mit Hilfe von Elder Jeffrey R. Holland, der damals Mitglied des Siebzigerkollegiums war, wurde in den nichtchristlichen Ländern des Mittleren Ostens viel Gutes bewirkt.
Die Persönlichkeit einer Generalautorität spiegelt sich in den Reden wider, die wie Briefe an die Kirche sind. Das gleiche gilt für Präsident Faust. Als er im Oktober 1972 als Assistent des Rates der Zwölf berufen wurde, war ihm, als ob er die Hand an den Pflug legte, und er wollte nicht zurückschauen. Ihm ging es wie den ersten Aposteln, von denen es heißt: „Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm” (Matthäus 4:20).
Als er zum Apostel berufen wurde, sagte er: „Soweit ich es verstehe, muss ein Apostel ein persönlicher Zeuge für Jesus sein, der der Messias und Erlöser ist. Vielleicht ist dies das einzige, womit ich aufwarten kann. Diese Wahrheit ist mir durch den unaussprechlichen Frieden und die Macht des Geistes Gottes kundgetan worden.” Im Oktober 1994 hielt er eine Rede mit dem Titel „Schlüssel, die niemals rosten”; darin fordert er die Mitglieder auf, den Lehren und dem Rat jener zu folgen, die als Propheten, Seher und Offenbarer die Schlüssel innehaben (siehe Der Stern, Januar 1995, Seite 65).
Eine andere denkwürdige Ansprache trägt den Titel „Fünf Brote und zwei Fische”. Er spricht hier über den Glauben und die Hingabe jener, die irrt Dienst des Herrn scheinbar so wenig zu bieten haben und dennoch alles geben, was sie haben (siehe Johannes 6:5-14). Er sagte von ihnen: „Viele unbekannte Menschen mit Fähigkeiten, die nicht mehr als die fünf Brote und zwei Fische ausmachen, machen ihre Berufung groß, dienen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen oder Anerkennung zu erhalten, und speisen buchstäblich Tausende” (Der Stern, Juli 1994, Seite 4).
Präsident Faust konzentrierte sich vornehmlich auf wesentliche Wahrheiten. In einer anderen Ansprache mit dem Titel „Wo ist die Kirche?” erklärt Elder Faust, dass „die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in unserem Herzen ist, und wenn sie im Herzen jedes einzelnen ist, dann ist sie auch in unseren Gotteshäusern, in unseren Bildungseinrichtungen, in unseren eindrucksvollen Tempeln und daheim in unserer Familie.” (Ensign, August 1990, Seite 67.)
Präsident Faust war in aller Demut dankbar für das geistige Erbe, das ihm zuteil geworden ist, und seinen Enkeltöchtern hat er eine Botschaft gewidmet, die den Titel „Eine große Frau werden” trägt. Alle Eltern, die den Geist bei sich haben, wünschen sich genau wie Vater Lehi, dass alle ihre Kinder von der begehrenswerten Frucht des Baumes genießen (siehe 1. Nephi 8:10-17).
Präsident Faust brachte also viele Voraussetzungen für seine Berufung in die Erste Präsidentschaft mit; er ließ sich daher von den tagtäglichen Schwierigkeiten nicht einschüchtern. Er konnte auch schon weit voraus erkennen, was für Möglichkeiten und Schwierigkeiten auf die Kirche zukommen. Kurz gesagt: James Esdras Faust weiß, wer er ist und was Gott von ihm erwartet. Er ist so, wie Präsident Howard W. Hunter ihn einmal Margaret Bury gegenüber beschrieben hat: „Jim ist rein wie Gold.”
Präsident Faust starb am 10. August 2007 von seiner Familie umgeben.
Sein Zeugnis
übesetzt
verwendete Quellen
- der Stern Oktober 1995
- GA-Pages, Lebensläufe der Generalautoritäten
