Der Tag des Gerichts

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Johannes der Offenbarer hat in seiner großen Vision auf der Insel Patmos den Anbruch des Tausendjährigen Reiches auf Erden und die letzte Auferstehung von den Toten gesehen. Er berichtet darüber:

Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken.

Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken. (Offenbarung 20:12,13)

Was Johannes in seiner Vision erblickte, wurde von dem einen oder anderen Propheten als Tag des Gerichts bezeichnet. Es werden aber nicht alle Erdenbewohner am letzten großen Tag des Gerichts ihr Urteil empfangen; denn diejenigen, die in der Auferstehung der Gerechten hervorgekommen sein werden, die werden bereits gerichtet und derjenigen Herrlichkeit teilhaftig geworden sein,. für die sie sich würdig gemacht haben. Joseph Smith und Sidney Rigdon sahen in einer Vision das Gericht über die Gerechten und die celestiale Herrlichkeit, die ihnen zuteil wird (LuB 76:50—70). Anscheinend werden alle Menschen gerichtet, sobald sie die Geisterwelt verlassen und in den auferstandenen Zustand übergehen. Der letzte große Tag des Gerichts muss auf die letzte allgemeine Auferstehung folgen. Wenn wir vom letzten Gerichtsprechen, so nur im Hinblick auf den großen Tag des Gerichts über alle, die auf Erden gelebt haben, und nicht in dem Sinn, dass damit das endgültige Urteil gemeint sei, das über den einzelnen in der unendlichen Ewigkeit jenseits der Auferstehung ausgesprochen werden wird. Die Entscheidungsfreiheit des Menschen ist ewig, und darum wird er auf immer mit seinen Handlungen dem Urteil Gottes unterworfen sein. Aber so wie es am Ende jedes Schuljahres eine Beurteilung gibt, so gibt es auch am Ende jeder Daseinsphase des Menschen ein Gericht.

Wenn wir an den großen Tag des Gerichts denken, so dürfen wir dabei die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, dass ein jeder Tag in gewissem Sinn ein Tag des Gerichts ist; denn an jedem Tag ernten wir die Folgen unserer Taten — ob sie gut oder böse gewesen sind. Wachstum oder Rückschritt des Charakters ist in sich selbst Belohnung oder Strafe. Es gibt aber bestimmte Zeiten, wo wir uns in einem klareren Licht sehen als zu anderen, wo wir uns der eigenen Schwächen bewusst werden und bei der Beurteilung unserer Taten Gewissensbisse haben. Daneben gibt es aber auch Zeiten, wo wir von anderen beurteilt werden und wo unser Schicksal in der Schwebe ist — Beruf, Stellung in der Gesellschaft, wirtschaftliche Lage, vielleicht sogar das Leben. Der große Tag des Gerichts ist derjenige, wo wir Gott von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und von Ihm gerichtet werden. Es wird der Tag sein, wo unser Leben so klar vor uns und dem himmlischen Vater liegt wie der Bericht in den genannten Büchern. Es wird der Tag sein, wo wir abermals in einem Körper aus Fleisch und Bein ein neues Dasein beginnen und genau das erhalten werden, was wir verdienen.

Die tatsächliche Gerichtsbarkeit über den Menschen ist Jesus Christus übertragen worden, wie aus den folgenden Schriftstellen hervorgeht:

Gott ... hat einen Tag gesetzt, an welchem Er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den Er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem Er Ihn auferweckt hat von den Toten (Apostelgeschichte 17:30,31; siehe auch Kohelet 3:17.)
Denn der Vater richtet niemand; sondern alles Gericht hat Er dem Sohn gegeben (Johannes 5:22; siehe auch LuB 19:2,3; Römer 14:10; 2. Korinther 5:10; 3. Nephi 26:4,5; Mormon 3:20.)

Dem Sohn werden bei dem Gericht die Träger Seines heiligen Priestertums zur Seite stehen; dies erhellt aus Seinen eigenen Worten:

Die Zwölf, die mit mir in meinem Dienst in Jerusalem waren, [werden] . . . zu meiner Rechten stehen ..., um das ganze Haus Israel zu richten (LuB 29:12.)
Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir seid nachgefolgt, werdet dereinst bei der Wiedergeburt, da des Menschen Sohn wird sitzen auf dem Thron Seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. (Matthäus 19:28; siehe Lukas 22:29,30.)

Im Hinblick auf das letzte Gericht sagt Mormon von seinem eigenen Volk, dass es .. .

...von den Zwölf gerichtet werden wird, die Jesus in diesem Land erwählt hat; und diese werden von den anderen Zwölf gerichtet werden, die Jesus im Land Jerusalem berufen hat (Mormon 3:19)

Der Herr offenbarte Seiner Kirche durch Joseph Smith und Sidney Rigdon, in was für einem Zustand sich die einzelnen Menschen nach der Auferstehung befinden werden. Die ganze Menschheit — mit Ausnahme der Söhne des Verderbens — wird irgendeinen Grad der Herrlichkeit Gottes erlangen. Es gibt drei große Abteilungen, nämlich die celestiale als höchste Herrlichkeit, dann die terrestriale und schließlich die telestiale. Der Unterschied zwischen diesen Graden der Herrlichkeit wurde mit dem Glanz der Sonne, des Mondes und der Sterne verglichen, von unserem Planeten aus betrachtet. Innerhalb einer jeden Herrlichkeit gibt es zahlreiche Abstufungen — je nach der Würdigkeit dessen, der dorthin gelangt. So sagte zum Beispiel der Prophet über die celestiale Herrlichkeit:

„In der celestialen Herrlichkeit gibt es drei Himmel oder Grade. Um in den höchsten zu gelangen, muss ein Mensch in diese Ordnung des Priestertums eintreten (den neuen und ewigen Bund der Ehe). Tut er dies nicht, so kann er die höchste Stufe nicht erreichen. Er kann in die anderen eingehen, doch ist dies das Ende seines Reiches; er kann keine Vermehrung haben. (LuB 131:1-4.)

Die Bedingungen für den Eintritt in das celestiale Reich sind klar dargelegt, aber was für den Eintritt in die geringeren Reiche notwendig ist, das ist nicht mit der gleichen Klarheit erläutert worden.

Alle, die Glauben an Jesus Christus haben, die für ihre Sünden voll umgekehrt sind, die in Seinem Namen im Wasser getauft worden sind und die Taufe mit Feuer und dem Heiligen Geist empfangen haben, sind Anwärter auf die celestiale Welt. Ohne diese Bedingungen erfüllt zu haben, wäre der Mensch nicht imstande, die Gegenwart Gottes zu ertragen. Da viele Kinder Gottes auf der Erde gelebt haben und gestorben sind, ohne die Gelegenheit gehabt zu haben, das Evangelium zu vernehmen oder durch die wahre Taufe in das Reich Christi zu gelangen, ist die Vorkehrung getroffen, dass ihnen das Evangelium in der Geisterwelt gepredigt wird, während die irdischen heiligen Handlungen zu ihren Gunsten stellvertretend von Menschen vollzogen werden, die noch im Fleisch weilen.

Die große Vision von den Graden der Herrlichkeit wurde am 16. Februar 1832 Joseph Smith und Sidney Rigdon gemeinsam gegeben; sie klärt verschiedene Grundsätze des Evangeliumsplanes, die sich auf die auferstandenen Wesen beziehen. Erstens bestätigt sie die Tatsache, dass es ewigen Fortschritt gibt, wenn die Gesetze des Fortschritts befolgt werden.

Zweitens bestätigt sie die Tatsache, dass es in des Vaters Haus viele Wohnungen oder Herrlichkeitsgrade gibt, wobei ein jeder auf die Stufe gestellt werden wird, für die er sich bereit gemacht hat.

Drittens bestätigt sie die Tatsache, dass alle Kinder Gottes — ausgenommen die Söhne des Verderbens[1], die sich freiwillig entschlossen haben, lieber dem Satan zu folgen als Christus, nachdem sie ein Zeugnis vom Heiligen Geist erlangt haben — schließlich soviel Fortschritt machen werden, dass sie nach der Auferstehung in eine der vorgesehenen Herrlichkeiten eingehen können. Diese Erlösung der überwiegenden Mehrheit des Menschengeschlechts zeigt die Weisheit Gottes in Seinem Plan für Seine Kinder und sollte den Menschen veranlassen, sich von Herzen zu freuen.

Viertens zeigt die Vision, dass die celestiale Herrlichkeit, also die höchste Stufe von allen, Freuden enthält, die wir mit unserem irdischen Verstand nicht begreifen können, die aber in unserem Herzen den Wunsch wecken sollten, jenes dargebotene Dasein mit jeder Anstrengung zu erstreben. Ja, sogar das telestiale Reich ist noch als so herrlich beschrieben, dass wir Menschen es nicht begreifen können.

Fußnoten

[back]  „Verderben” ist einer der Namen Satans. Im Buch Lehre und Bündnisse 76:25—29 lesen wir:

„Und dies sahen wir auch und bezeugen es: Ein mit Vollmacht ausgerüsteter Engel des Herrn in der Gegenwart Gottes empörte sich gegen den eingeborenen [einziggezeugten] Sohn Gottes, den der Vater liebte und der im Schoß des Vaters war, und jener wurde von der Gegenwart Gottes und des Sohnes hinabgeworfen und wurde Verderben genannt; denn die Himmel weinten über ihn — es war Luzifer, ein Sohn des Morgens. Und wir schauten, und siehe, er ist gefallen, gefallen, er, der ein Sohn des Morgens war!
Und während wir noch im Geist waren, gebot uns der Herr, das Gesicht niederzuschreiben; denn wir sahen Satan, die alte Schlange, ja, den Teufel, ihn, der sich gegen Gott empörte und das Reich unseres Gottes und Seines Christi an sich reißen wollte.
Darum steht er im Kampf mit den Heiligen Gottes und umstellt sie.”

weiteres Material

Verwendete Quellen

  • Seine Kirche wiederhergestellt von William Edwin Berrett
Persönliche Werkzeuge