Henry B. Eyring

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Henry B. (Bennion) Eyring
Henry B. (Bennion) Eyring

Henry B. Eyring wurde am 31. Mai 1933 als zweiter von drei Söhnen von Henry Eyring und Mildred Bennion Eyring geboren. Zum Zeitpunkt seiner Geburt war sein Vater Chemieprofessor an der University of Princeton im amerikanischen Bundesstaat New Jersey. Weil die Eyrings im Osten der Vereinigten Staaten wohnten, waren sie weit vom Hauptsitz der Kirche entfernt, wo es viele Mitglieder gab. Die Versammlungen des kleinen Zweigs, dem sie angehörten, fanden in einem Hotelzimmer statt. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und das Benzin rationiert wurde, trafen sich die Mitglieder in Princeton im Haus der Familie Eyring.

Henry B. Eyrings Vater wurde ein bekannter Wissenschaftler; ihm wurden mehrmals die Ehrendoktorwürde sowie viele weitere Auszeichnungen im Fachgebiet Chemie verliehen. Auch seine Mutter Mildred Bennion Eyring aus Granger in Utah besuchte die University of Utah und wurde später Direktorin des Fachbereiches Leibeserziehung. Sie war gerade mit ihrer Doktorarbeit an der Universität von Wisconsin beschäftigt, als sie Henry Eyring kennenlernte und schließlich heiratete.

Henry Eyring schloss sein Physikstudium kurz nach dem Ende des Koreakrieges ab. Während des Krieges waren nur wenige Missionare berufen worden. Und als er sein Studium abgeschlossen hatte, hatte er bereits einen Einberufungsbefehl zur Luftwaffe der Vereinigten Staaten in der Tasche. So ging er also zum Militär, ohne eine Vollzeitmission erfüllt zu haben. Doch in dem Segen, den ihm sein Bischof vor seiner Abreise erteilt, wurde ihm verheißen, dass sein Militärdienst seine Mission sein werde. Das erwies sich als prophetische Aussage, denn obwohl er zunächst nur zur Ausbildung in die Nähe von Albuquerque in Mexiko geschickt worden war, blieb er dann während seiner gesamten zweijährigen Militärzeit dort. Zwei Wochen nach seiner Ankunft wurde er als Distriktsmissionar der Western-States-Mission berufen. Diese Berufung erfüllte er fast bis auf den Tag genau zwei Jahre..

Als Henry Eyrings Militärzeit vorüber war, wollte er seine Ausbildung fortsetzen, aber nicht im Fachgebiet Physik. Deshalb schrieb er sich an der Harvard Graduate Business School in Cambridge in Massachusetts ein, wo er Wirtschaftswissenschaften studierte. Während er nämlich überlegte, für welchen Wissenschaftszweig er sich entscheiden sollte, wurde ihm bewusst, dass ihm das Unterrichten große Freude machte, dass er anderen Menschen helfen wollte, einen komplexen Zusammenhang zu verstehen. Also blieb er an der Harvard University und machte seinen Doktor in Wirtschaftswissenschaften. Doch noch bevor er mit seiner Doktorarbeit fertig war, wurde er als beigeordneter Professor an die Stanford Graduate School of Business nach Palo Alto in Kalifornien berufen.

Die damalige Entscheidung, sein Studium in Harvard fortzusetzen, erwies sich noch aus einem anderen Grund als wichtig. Daher hielt er sich nämlich noch im Sommer 1961 in Boston auf, als Kathleen Johnson, Tochter von J. Cyril und LaPrele Lindsay Johnson aus Palo Alto in Kalifornien nach Boston kam, um die Sommerschule zu besuchen. Hat, der damals Ratgeber in der Distriktspräsidentschaft des Distriktes Boston war, wurde berufen, über einen Gottesdienst für die Jungen Erwachsenen zu präsidieren, der zu Sonnenaufgang stattfinden sollte. Nach der Versammlung sah er eine junge Frau aus dem Wald kommen. Er war nicht nur von ihrer Schönheit fasziniert, sondern musste auch an etwas denken, was Präsident David O. McKay einmal gesagt hatte: „Wenn Sie ein Mädchen treffen, in dessen Gegenwart Sie den Wunsch spüren, ... Ihr Bestes zu geben, ... dann können Sie wissen, dass ein solches Mädchen Ihrer Liebe würdig ist.” (Gospel Ideals, Salt Lake City, Improvement Era, 1953, Seite 459.) „Genau das habe ich empfunden, als ich Kathy zum erstenmal gesehen habe”, sagt Elder Eyring. Im Juli 1962 heirateten sie im Logan Tempel; die Siegelung vollzog Elder Spencer W. Kimball.

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„Das ist meine Schule”

Kathy war nicht nur eine gute Ehefrau und Mutter; sie entwickelte sich auch zu einem der prägenden Einflüsse im Leben von Henry B. Eyring. Ein gutes Beispiel dafür ist das folgende Ereignis, das sich zutrug, als er bereits neun Jahre an der Stanford-Universität gelehrt hatte. Die beiden waren sehr mit ihrem Leben zufrieden. Hal hatte viel Freiheit in Stanford; er konnte sich beispielsweise seinen Lehrplan selbst zusammenstellen. Er ging sogar für ein Jahr zurück nach Boston an das Massachusetts Institute of Technology. Außerdem hatte er sich auch Aufgaben außerhalb der Universität gesucht und war jetzt Direktor der Finnigan Instrument Corporation. Darüber hinaus gründete und leitete er eine Computerfirma mit dem Namen System Industries lncorporated. In der Kirche unterrichtete er das Seminar am frühen Morgen, war eine Zeitlang Ratgeber in der Bischofschaft seiner Gemeinde und wurde dann als Bischof der Gemeinde Stanford I berufen, einer Studentengemeinde.

Doch das sollte nicht so bleiben. Elder Eyring erzählt: „Eines Abends stieß Kathy mich an und fragte mich: ,Bist du sicher, dass du das Richtige mit deinem Leben tust?”` Elder Eyring hält einen Moment inne und fährt dann fort: „Ich war überrascht. Stellen Sie sich einmal meine Situation vor – ich bin Professor in Stanford und Bischof der Gemeinde Stanford. Wir wohnen ganz in der Nähe der Eltern meiner Frau. Meine Arbeit macht mir große Freude. Es ist fast wie im Paradies. Und dann stellt meine Frau mir eine solche Frage.”

„Könntest du nicht für Neal Maxwell Studien durchführen?” fragte sie weiter. „Wissen Sie, Neal A. Maxwell war damals Beauftragter für das Bildungswesen der Kirche. Kathy kannte ihn noch nicht einmal. Und ich kannte ihn auch nicht.”

Sie kannte das Bildungswesen der Kirche und wusste irgendwie, dass Neal A. Maxwell dafür zuständig war. Daher also ihre Frage. Das war schon ausreichend. Hal nahm sich vor, wegen dieser Angelegenheit zu beten. Zuerst bekam er keine Antwort beziehungsweise meinte, keine Antwort zu bekommen. Doch nicht lange danach klingelte das Telefon, und Neal A. Maxwell, der offensichtlich von ihm gehört hatte, fragte, ob er nach Salt Lake City kommen könne. Hal fuhr hin. „Ich wohnte bei meinen Eltern, also kam Elder Maxwell dorthin. Seine ersten Worte waren: ,Hal, ich möchte Sie gerne als Präsidenten des Ricks College berufen.."`

Eine so wichtige Berufung erforderte sorgfältiges Nachdenken. Noch ehe Elder Eyring Salt Lake City wieder verließ, begann er, wegen dieser Angelegenheit zu beten. Ein, zwei Tage lang erhielt er aber keine Antwort, was ihn beunruhigte. „Doch dann wurde mir plötzlich ein Gedanke eingegeben: ,Es ist meine Schule..”` Das war die Antwort, die er brauchte. Elder Eyring fuhr nach Kalifornien zurück und bereitete zusammen mir seiner Frau den Umzug vor. Am 10. Dezember 1971 wurde Henry B. Eyring in das Amt des Präsidenten des Ricks College eingeführt.

Nun war alles anders. Er unterrichtete an einem kleinen privaten College in ländlicher Umgebung in Rexburg, Idaho, und nicht mehr an einer der bekanntesten Universitäten des Landes. Die Familie wohnte auch nicht mehr in der Großstadt, aber sie fühlte sich in Rexburg sehr wohl und kam einander auch sehr viel näher. Die beiden älteren Jungen, die in der Nähe des Colleges zur Schule gingen, kamen mittags in das Büro ihres Vaters und aßen mit ihm zu Mittag. Aber das war längst nicht alles. „Am Ricks College habe ich mit engagierten Lehrern und Angestellten zusammengearbeitet. Ich sah intelligente junge Menschen voller Glauben, die offen und freundlich waren und sich fest vorgenommen hatten, dem Herrn zu dienen. Das fand ich sehr beeindruckend.”

Doch auch während seiner Zeit als Präsident des Ricks College ging Elder Eyring weiter seiner Lieblingsbeschäftigung nach – gemeinsam mit einer anderen Lehrkraft erteilte er Religionsunterricht und nahm alle vier heiligen Schriften mit seinen Schülern durch. Außerdem unterrichtete er die Sonntagsschulklasse der Jungen Erwachsenen. Einer seiner ehemaligen Schüler hat vor kurzem in einem Brief an die Zeitschrift der Kirche geschrieben: „Ich war ein wenig vom Weg abgekommen und etwas kritisch geworden”, schrieb er. Doch dann kamen er und seine Freunde in die Klasse von Elder Eyring. Das war genau das, was er brauchte. Er ging auf Mission, heiratete im Tempel und ist seither immer aktiv in der Kirche geblieben. „Elder Eyring weiß wahrscheinlich gar nicht, wie groß sein Einfluss auf uns war”, schrieb er zum Schluss. „Sein Einfluss war nämlich der machtvolle Einfluss eines großartigen Jüngers Christi.”

"Wem kann ich helfen?"

Die Eyrings haben sechs Kinder – vier Söhne und zwei Töchter. Elder Eyring und seine Frau sind sich sehr wohl bewusst, wie sehr sie einander beeinflusst haben. „Im Laufe der Jahre”, sagt Elder Eyring voller Überzeugung, „hat sich das Gefühl, das mich überwältigte, als ich Kathy zum erstenmal sah, als völlig richtig erwiesen. Sie hat in mir immer den Wunsch geweckt, mein Bestes zu geben.”

Die vier Söhne der Eyrings – Henry, Stuart, Matthew und John – stehen bereits im Berufsleben. Drei von ihnen sind verheiratet und haben ihren Eltern bisher insgesamt sieben Enkelkinder geschenkt.

Henry, der älteste Sohn, erzählt von einem Erlebnis, das ihm sehr wichtig ist: „Damals war ich in Japan auf Mission. Ich war voller Selbstvertrauen und voll hoher Erwartungen dorthin gereist.” Doch als zehn Monate vergangen waren, hatte er noch nicht einen einzigen Untersucher getauft. „Ich war sehr enttäuscht und entmutigt. Doch dann kam ein kurzer Brief von meinem Vater.” Im wesentlichen schrieb er nur, dass die Japaner seinen Sohn vielleicht verwarfen, doch dass Gott ihn niemals verwerfen würde und dass er als Vater mit dem Arbeitseifer seines Sohnes sehr zufrieden sei. Bewegt erzählt Henry weiter: „Das Wichtigste daran aber war, dass es mir gerade so vorkam, als hätte Gott mir genau dasselbe gesagt, wenn der Brief von ihm gekommen wäre.”

Matthew sagt über den Einfluss seines Vaters: ,Wir alle wissen, dass Vati die Fähigkeit hat, uns das Gefühl zu geben, dass wir wichtig sind. Er weckt in mir immer den Wunsch, mich noch mehr anzustrengen. Vater hat immer gesagt, dass er jeden Abend für zweierlei bete. Erstens: ,Welcher Segnungen bin ich mir nicht bewusst?' und zweitens: ,Wem kann ich helfen?' Und er sagt, es sei nicht ein einziger Tag vergangen, wo sein Beten nicht erhört worden sei."

Während der Zeit, als Elder Eyring Präsident des Ricks College war, lernte er viele Generalautoritäten und sonstige Führer der Kirche kennen. Er wurde als Regionalrepräsentant und später als Mitglied des Sonntagsschul-Ausschusses der Kirche berufen. Als er das Ricks College fünf geführt hatte, rief ihn Jeffrey R. Holland, der damals das Bildungswesen der Kirche leitete, an seine Seite. Drei Jahre später wurde Elder Holland Präsident der Brigham-Young-Universität, und Elder Henry B. Eyring wurde gebeten, seine bisherige Aufgabe zu übernehmen.

Die Tätigkeit im Bildungswesen der Kirche gab Elder Eyring erneut die Möglichkeit, seinen Blickwinkel im Hinblick auf die Kirche zu erweitern. „Ich habe Seminarlehrer kennengelernt, die ihre ganze Zeit damit zubrachten, junge Menschen zu unterweisen, weil ihnen diese so sehr am Herzen lagen”, erzählt er. Stanley A. Peterson, der derzeit das Bildungswesen und die Schulen der Kirche leitet, wurde zur selben Zeit in das Bildungswesen berufen wie Elder Eyring. „Wir haben achtzehn Jahre lang eng zusammengearbeitet”, sagt er. „Elder Eyring besitzt den großen Wunsch, dem Herrn zu dienen und auf die führenden Brüder zu hören.”

Während der Generalkonferenz im April 1985 mussten sich die Eyrings mit einer weiteren unerwarteten Veränderung auseinandersetzen. Henry Eyring wurde nämlich zum Ersten Ratgeber von Präsident Robert D. Hales berufen, der damals Präsidierender Bischof der Kirche war. Damit wurde aus dem Lehrer Eyring der Bischof Eyring. Die Zusammenarbeit mit Bischof Hales erwies sich als weiterer prägender Einfluss. Elder Eyring sagt: „Bischof Hales war mir ein wundervoller Mentor und Freund. Er hat großen Einfluss auf mich gehabt.”

Im September 1992 wurde Bischof Eyring von der Ersten Präsidentschaft der Kirche erneut zum Leiter des Bildungswesens berufen, da dieses Amt schon seit mehreren Jahren verwaist war. Einen Monat später wurde er aus der Präsidierenden Bischofschaft entlassen und als Mitglied des Ersten Kollegiums der Siebzig bestätigt, obwohl die Leitung des Bildungswesens weiterhin seine Hauptaufgabe blieb. Was bedeutet denn nun die Berufung in das Kollegium der Zwölf Apostel für diese Aufgabe? Elder Eyring sagt lächelnd: „Für einige Zeit wird es sicher keine Änderung in meinen Aufgaben geben, sondern nur eine Änderung in meinem Terminkalender.” Heute hat die Kirche mehr als neun Millionen Mitglieder in 150 Ländern. Elder Eyring ist sehr dankbar dafür, dass er gerade in dieser Zeit in das Kollegium der Zwölf berufen wurde, nachdem er in den davorliegenden Jahren für diese Aufgabe bereitgemacht worden war.

„Der Herr hat es mir ermöglicht, die Kirche vom Blickwinkel vieler verschiedener Mitglieder aus zu betrachten”, sagt er. „Ich bin weder in einer großen Gemeinde noch in einem Pfahl aufgewachsen, sondern habe meine ersten Erfahrungen in der Kirche in einem kleinen Zweig gemacht, der wie eine Familie war. Als ich in der Luftwaffe diente, wurde ich als Distriktsmissionar berufen und durfte in den Indianerreservaten arbeiten. Als ich nach Harvard ging, war das Gebiet dort auch noch ein Distrikt. Der Pfahl wurde erst kurz nach meinem Wegzug gegründet. Während meiner Arbeit als Leiter des Bildungswesens der Kirche habe ich dann viele Mitglieder kennengelernt, die sich dem Herrn und seinem Reich wahrhaft verpflichtet hatten. Ich kann mir keine bessere Vorbereitung auf die Berufung zum Apostel vorstellen.”

1995 wurde Elder Eyring zum Apostel ordiniert. Seit 2007 war er der Zweite Ratgeber von Präsident Gordon B. Hinckley in der Ersten Präsidentschaft. Als Thomas S. Monson am 3. Februar 2008 Präsident wurde, berief er Präsident Eyring als ersten Ratgeber.

Sein Zeugnis

übesetzt

verwendete Quellen

  • Der Stern April 1996

Weiterführendes Material

  • Liahona Juli 2008 S. 6: Präsident Henry B. Eyring - von Robert D. Hales

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