Heimlehre

Aus MormonWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Elder Russell M. Nelson vom Kollegium der Zwölf Apostel ließ im Stern April 1999 dazu folgenden Artikel veröffentlichen:

Heimlehrarbeit.jpg

Von Hirten, Schafen und Heimlehrern

Jemand hat einmal den folgenden weisen Rat ausgesprochen: „Global denken, doch lokal handeln.” Das scheint mir für einen Heimlehrer ganz angemessen zu sein. Ich jedenfalls habe meine Aufgabe besser erfüllt, als ich anfing, globaler zu denken. Mir wurde bewußt, daß die Welt ein besserer Ort wäre, wenn jeder gute Heimlehrer hätte. Und wenn solch ein globaler Blickwinkel schon hilfreich ist, um wieviel wertvoller ist dann der Blickwinkel der Ewigkeit.

Der Glaube auf der Erde nähme zu, und Gottes immerwährender Bund würde aufgerichtet werden, wenn sich der Wunsch des Meisters erfüllen könnte. Er hat seiner Hoffnung Ausdruck verliehen, „dass jedermann im Namen Gottes des Herrn, ja, des Erretters der Welt, sprechen könne” (LuB 1:20). Jeder Priestertumsträger kann das tun, während er seine Aufgabe als Heimlehrer erfüllt.

Ich habe viele Länder auf diesem Planeten gesehen, und dabei ist mir bewusst geworden, wieviel mir mein Zuhause und meine Umwelt bedeuten. Dieser Wertschätzung habe ich beim Heimlehren sinnvoll Ausdruck verleihen können. Meine Frau und ich sind so dankbar dafür, dass wir Heimlehrer haben durften, die uns und unseren Kindern den Ansporn gaben, den wir dringend brauchten. Wo auch immer wir im Lauf der Jahre gewohnt haben — wir waren froh über Heimlehrer, die sich an vier wichtige Prinzipien effektiver Heimlehrarbeit gehalten haben. Unsere Heimlehrer haben —

  • im voraus getroffene Verabredungen zuverlässig eingehalten,
  • beim Besuch eine kurze Botschaft mitgebracht, in der es um das ging, was wir gerade brauchten, und die sie vorher mit uns Eltern abgesprochen hatten,
  • unserem engen Zeitplan Rechnung getragen, indem sie ihren Besuch kurz hielten,
  • durch Beten den Geist des Herrn auf unsere Familie herabgerufen.

Kommen wir noch einmal auf den größeren Blinkwinkel zurück. Heute gibt es auf der Welt viele Religionsgemeinschaften und andere wohlmeinende Gruppen, die ihre Aufmerksamkeit auf Gedanken wie „ein gesundes Selbst”, „Selbstverwirklichung”, „Selbsterfüllung” und „Selbstbewusstsein” richten. Solche Schlagwörter lassen in mir die Frage entstehen, ob die zwei großen Gebote ignoriert und vergessen werden. Jesus hat doch gesagt:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” (Matthäus 22:37—39; siehe auch LuB 59:6.)

Die beiden großen Gebote ergänzen sich auf vollkommene Weise, denn ob jemand das erste Gebot befolgt, zeigt sich daran, ob er das zweite hält: „Wenn ihr euren Mitmenschen dient, allein dann dient ihr eurem Gott.” (Mosia 2:17.) Der Herr hat offenbart, welcher Lohn uns zuteil wird, wenn wir selbstlos dienen: „Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.” (Matthäus 16:25; siehe auch Matthäus 10:39.) Vor langer Zeit wurde der unverrückbare Maßstab für das Verhalten der Menschen untereinander festgesetzt: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen.” (Matthäus 7:12.)

Dieser Grundsatz wurde von Jesus eingeführt, der sich selbst als guten Hirten bezeichnete. Da wundert es auch nicht, dass Hirten zu den ersten gehörten, denen seine Gehurt verkündet wurde [ (siehe Lukas 2:8-18). Er ist unser Hirt, und wir sind seine Schafe (siehe Psalm 23:1). Dieses Gleichnis hat er in seinen Lehren oft verwendet.

„Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.” (Johannes 10:14, 15; siehe auch Johannes 10:11, 27; LuB 50:44.)

Als der gute Hirt sich von seinen Jüngern verabschiedete, gab er ihnen wichtige Weisungen: Jesus sagte zu Simon Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer.” (Johannes 21:15.) „Zum zweitenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe.” (Vers 16.) „Zum drittenmal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum drittenmal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zur Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich die liebhabe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe.”

In diesen drei Versen also finden sich drei unterschiedliche Aufforderungen des Herrn:

  • Lämmer müssen gehegt werden, damit sie wachsen.
  • Schafe müssen gepflegt werden.
  • Schafe müssen genährt werden.

Daher muss es zu den sichtbaren Zeichen der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi gehören, dass es ein organisiertes Programm gibt, wodurch jedes kostbare Mitglied — ob jung oder alt, oh Mann oder Frau — so gehegt und gepflegt wird, wie der Herr es für seine Herde vorgesehen hat. Und das Heimlehren ist Teil dieses Programms. Im Gleichnis vom verlorenen Schaf, das der Erretter erzählt hat und das im Neuen Testament festgehalten ist, fragt der Herr: „Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eines davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?” (Lukas 15:4.)

Als der Prophet Joseph Smith diesen Vers inspiriert neu übersetzte, änderte er den Wortlaut. Dort hieß es nun, dass der Hirt die neunundneunzig Schafe zurückließ und in die Wildnis ging, um das verlorene Schaf zu suchen. Die Vorstellung, dass der Hirt seine gewohnte Umgebung verlässt und in die Wildnis hinausgeht, um das Schaf zu retten, gefällt mir sehr gut. Ist das nicht ein gutes Beispiel für jeden Heimlehrer?

Vor kurzem sprach ich mit einem Pfahlpräsidenten, der sehr unglücklich war und mir unter Tränen erzählte, dass eins seiner erwachsenen Kinder den Glauben an den Herrn verloren und sich von der Kirche entfernt habe. Er sagte: „Jetzt strecke ich den weniger aktiven Mitgliedern im meinem Pfahl noch aufmerksamer die Hand entgegen und hoffe darauf, dass irgendwo irgend jemand das gleiche tut und so mein verlorenes Kind findet und pflegt.” Wer ein Lamm des Herrn rettet, der bereitet vielen Menschen Freude. „Und wenn er es [das verlorene Schaf] gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war.” (Lukas 15:5, 6.)

Das Heimlehren in der Heiligen Schrift

Der Herr hat in der heiligen Schrift die Grundlage für das Heimlehren gelegt. In einer Offenbarung über die Gründung und Organisation der Kirche im 20. Abschnitt des Buches ,Lehre und Bündnisse' sind diese Weisungen festgehalten:

„Die Obliegenheit der Ältesten, Priester, Lehrer, Diakone und Mitglieder der Kirche Christi [ist es],: . . . zu lehren, zu erläutern, zu ermahnen, zu taufen und über die Kirche zu wachen” (Vers 38, 42).
„Die Obliegenheit des Priesters ist es, zu predigen, zu lehren, zu erläutern ... und alle Mitglieder zu Hause zu besuchen und sie zu ermahnen, dass sie sowohl laut als auch heimlich beten und allen Obliegenheiten in der Familie nachkommen” (Vers 46,47).

Der Älteste „soll alle Mitglieder zu Hause besuchen, um sie zu ermahnen, dass sie sowohl laut als auch heimlich beten und allen Obliegenheiten in der Familie nachkommen. In allen diesen Obliegenheiten soll der Priester dein Ältesten behilflich sein, wenn es die Umstände erfordern.” (Vers 51, 52.)

„Die Obliegenheit des Lehrers ist es, immer über die Gemeinde zu wachen und bei den Mitgliedern zu sein und sie zu stärken und zu sehen, dass es in der Gemeinde kein Übeltun gibt, auch keine Härte gegeneinander, weder Lügen noch Verleumden, noch böse Nachrede; er soll sehen, dass sich die Gemeinde oft versammelt und dass alle Mitglieder das tun, was ihnen obliegt.” (Vers 53-55.)

Auch über die Zusammenstellung der Partner im Werk des Herrn wurden Weisungen erteilt:

„Und wenn einer unter euch stark im Geist ist, so soll er einen mit sich nehmen, der schwach ist, damit dieser in aller Sanftmut erbaut werde, damit auch er stark werde. Darum nehmt diejenigen mit euch, die zum Geringeren Priestertum ordiniert sind, und sendet sie vor euch her, dass sie Vereinbarungen treffen und den Weg bereiten und Vereinbarungen erfüllen, die ihr selbst nicht erfüllen könnt.” (LuB 84:106, 107.)

Wenn ich über die Möglichkeiten nachdenke, die sich mir in den verschiedenen Städten, wo meine Frau und ich gewohnt haben, im Dienst der Kirche geboten haben Sie sich dabei ein Lamm vor, das er auf seinen Schultern trägt, so wie es in der folgenden Weisung zum Ausdruck kommt:

„Ihr wisst, was ihr in meiner Kirche tun müsst; denn die Werke, die ihr mich habt tun sehen, die sollt ihr auch tun; denn das, was ihr mich habt tun sehen, ja, das sollt ihr tun; darum: Wenn ihr dies tut, seid ihr gesegnet, denn ihr werdet am letzten Tag emporgehoben werden.” (3. Nephi 27:21, 22.)

Die folgende Ermahnung stammt von Präsident Ezra Taft Benson:

„Der gute Hirt hat sein Leben für die Schafe – für Sie und mich — hingegeben, für uns alle (siehe Johannes 10:17, 18). Dieses Bild spiegelt sich auch heute in der Kirche wider. Die Schafe müssen von achtsamen Hirten geführt werden. Zu viele verirren sich. Manche lassen sich kurz ablenken und dann weglocken. Andere wiederum sind völlig verlorengegangen... .
Mit der Hilfe des Hirten müssen die neuen Mitglieder, die ja gerade erst im Evangelium geboren worden sind, gehegt werden, indem man Freundschaft mit ihnen schließt, während sie mehr über das Evangelium lernen und anfangen, nach den neuen Maßstäben zu leben. Wenn man ihnen diese Aufmerksamkeit schenkt, kann man sicherstellen, dass sie nicht wieder in alte Gewohnheiten verfallen. Unter der liebevollen Fürsorge des Hirten gerieten auch unsere jungen Leute, unsere Lämmer, nicht auf Abwege. Und wenn sie es doch täten, so würde der Hirtenstab, der liebevolle Arm des Hirten, sie wieder zurückführen. Unter der Fürsorge eines Hirten ließen sich noch viele zurückgewinnen, die jetzt abseits von der Herde umherirren. Viele haben außerhalb der Kirche geheiratet und sich dem Lebensstil ihres Ehepartner angepasst. Vielleicht würden sie die Einladung annehmen, in die Herde zurückzukehren.” (The Teachings of Ezra Taft Benson, 1988, 231 f.)

Ich sehe schwere Zeiten vor uns liegen – die Prüfungen, die den Mitgliedern der Kirche auferlegt werden, werden zunehmend schwieriger (siehe LuB 1:12-23; 101:4, 5). Hier könnte die sanfte Fürsorge engagierter Heimlehrer vielen vielleicht buchstäblich das geistige Leben retten.

„Denn welcher Hirt unter euch, der viele Schafe hat, wacht nicht über sie, damit die Wölfe nicht in seine Herde einfallen und sie fressen? ...
Und nun sage ich euch: Der gute Hirte ruft nach euch; und wenn ihr auf seine Stimme hören wollt, so wird er euch in seine Herde bringen, und ihr werdet seine Schafe; und er gebietet euch, nicht zuzulassen, dass ein reißender Wolf unter euch einfällt, damit ihr nicht vernichtet werdet.” (Alma 5:59, 60.)

Reichtum, Ruhm und Regierungsprogramme bieten keine Sicherheit in den Mühen des Lebens. Diese Sicherheit findet man nur, wenn man den Willen des Herrn tut, dessen Weisungen seine Heiligen ja beschützen sollen. Seine barmherzigen Gebote, denen alle Naturgesetze unterliegen, machen es möglich, dass seine Kinder von liebevollen Händen gut beschützt werden. Der gute Hirt sorgt liebevoll für alle Schafe in seiner Herde, und wir sollen ihm bei dieser wichtigen Aufgabe helfen. Wir dürfen seine Liebe mit uns nehmen und um unsere eigene Liebe ergänzen, die wir dann bei unseren Freunden und Nachbarn unter Beweis stellen, indem wir sie weiden, für sie sorgen und sie hegen – so wie der Erretter es sich von uns wünscht. So werden wir ein lebender Beweis für die göttlichen Merkmale seiner wiederhergestellten Kirche hier auf der Erde.

Weiterführendes Material

  • Der Stern 1998, S. 47: "Das Heimlehren - ein göttlicher Dienst" - von Präsident Thomas S. Monson
  • Der Stern November 1980 S. 21: "Jede Familie braucht einen großartigen Heimlehrer"
  • [Der Stern März 1996 S. 28: "Bruder Andelin und die Wippe"
  • Der Stern Juli 1987 S. 46: "An die Heimlehrer der Kirche" von Ezra Taft Benson
  • der Stern Februar 1974 S. 53: Die Heimlehr-Verfassung - von Bruce McConkie
  • Der Stern Juli 1997 S. 79: Und wenn du dich bekehrt hast, dan sträke deine Brüder - von Elder Robert D. Hales
Persönliche Werkzeuge