Gnade und Werke

Aus MormonWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Christus hat gelehrt, dass man gute Werke hervorbringen muss. „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren." (Joh 14:21)

Diese Worte hat der Erretter zu seinen Jüngern gesprochen. Einer von ihnen verstand nicht ganz, was er meinte. und so sprach Jesus zu ihm: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat'... (Joh 14:23-24)

Inhaltsverzeichnis

Der Streit vieler Glaubensgemeinschaften über Gnade und Werke.

Überall in der christlichen Welt existieren verschiedene Meinungen darüber, was für die Errettung des Menschen notwendig ist. Einige fassen die nachstehend wiedergegebenen Worte des Paulus, die er an die Epheser geschrieben hat, ganz im buchstäblichen Sinne auf, ohne ihren Sinn zu verstehen: „Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet. nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt – nicht aufgrund eurer Werke, damit sich keiner rühmen kann." (Eph 2:8,9)

Wer diese Aussage so wörtlich auffasst, wie sie in dieser Schriftstelle niedergelegt ist, und dabei den Zusammenhang außer acht lässt, vergisst den Brief des Jakobus – oder er erkennt ihn nicht an – „worin anscheinend eine ganz andere Lehre vertreten wird, denn Jakobus sagt: „Nun könnte einer sagen: Du hast Glauben, und ich kann Werke vorweisen; zeig mir deinen Glauben ohne die Werke, und ich zeige dir meinen Glauben aufgrund der Werke. Du glaubst: Es gibt nur den einen Gott. Damit hast du recht: das glauben auch die Dämonen, und sie zittern. Willst du also einsehen, du unvernünftiger Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?" (Jak 2:18-20)

Der Meinungsstreit über diese Schriftstellen zieht sich schon seit den Tagen der Reformation hin oder reicht vielleicht noch weiter zurück. Die einen treten für die Lehre des Jakobus ein, die anderen für die des Paulus. Beide Parteien missverstehen jedoch sowohl die Worte des Paulus als auch die des Jakobus, denn in Wirklichkeit widersprechen sie sich nicht.

Die Welt ist voller guter, ehrlicher Menschen, die glauben, sie brauchten für ihre Errettung nichts weiter zu tun, als den Namen Jesu Christi mit ihren Lippen zu bekennen. Jemand, der als Geistlicher angeblich dem Evangelium dient, hat mir einmal gesagt, dass ein einziger Vers aus der genannten Bibel ausreichen würde, die Welt zu erretten, wenn die Bibel mit Ausnahme dieses einen Verses verlorenginge. Er meinte folgende Stelle:

„Denn wenn du mit deinem Mund bekennst: ,Jesus ist der Herr' und in deinem Herzen glaubst: ,Gott hat ihn von den Toten auferweckt, so wirst du gerettet werden." (Röm 10:9)

Zwischen den Werken des Paulus und denen des Jakobus besteht kein Widerspruch

Die Aussage jenes Geistlichen spiegelt natürlich eine sehr extreme Ansicht wider. Die Welt kann nicht allein durch ein Lippenbekenntnis zu Jesus Christus errettet werden. denn der Herr selbst hat gesagt, dass wir von jedem Wort leben sollen, das aus dem Mund Gottes kommt. (Matth 4:4; Dtn 8:3) Wie aus dem weiter oben wiedergegebenen Zitat hervorgeht, ist es notwendig, dass wir seine Gebote halten.

Ich möchte deutlich machen, dass die Worte dieser beiden Apostel aus alter Zeit nicht im Gegensatz zueinander stehen. Paulus hat das gleiche gelehrt wie Jakobus, und die Worte des Jakobus stimmen voll mit dem überein, was Paulus verkündigt hat. Jeder hat eben die Frage von einer anderen Seite aus betrachtet.

Paulus wandte sich an diejenigen, die glaubten, man könne nur errettet werden, wenn man das Gesetz Mose auf sich nähme: jeder müsse sich mehr oder weniger selbst erretten. Diese Menschen leugneten also die Kraft des Sühnopfers Jesu Christi.

Demgegenüber verteidigte Jakobus die Notwendigkeit der guten Werke. Er trat damit denjenigen entgegen. die vorgaben, an Christus zu glauben, und meinten, weiter brauchten sie nichts zu tun. Daher haben Paulus und Jakobus diese Frage jeweils von einem anderen Standpunkt aus behandelt: beide haben jedoch die Wahrheit verkündigt.

Einige Vergleiche mögen dies deutlich machen. Ich bin oft eine bestimmte Straße entlanggegangen und habe in einem Schaufenster ein Schild gelesen. Wenn ich von rechts kam, schienen bestimmte Worte bestimmte Waren anzupreisen. Wenn ich dann vor das Schaufenster gelangte und es voll übersehen konnte, war etwas anderes zu sehen, und wenn ich nach links weitergegangen war und auf das Schild zurückblickte. erschienen wieder andere Worte. Es waren drei verschiedene Schilder. und alle bezogen sich auf Waren, die in diesem Geschäft gehandelt wurden. Ich konnte auf der rechten Seite stehen und sagen: „Auf dem Schild steht ... zu lesen", und jemand anders konnte sich auf die linke Seite stellen und sagen: "Nein, du irrst dich; ich kann genau sehen. was darauf steht, nämlich ..." So könnten wir uns darüber streiten, und wir hätten beide unrecht, obwohl wir beide teilweise im Recht wären.

Manche kennen auch die Geschichte von den beiden Rittern, die sich wegen eines Schildes stritten, den eine Statue am Arm trug. Der eine erklärte, der Schild sei aus Gold; der andere meinte, er sei aus Silber. So disputierten sie, bis es schließlich zum Kampf kam und beide tödlich verwundet wurden. Als sie aber zur Erde stürzten und dadurch ihr jeweiliger Blickpunkt vertauscht wurde, sah der eine, der sich auf der rechten Seite befand, dass der goldene Schild aus Silber bestand, während der andere auf der linken Seite sah, dass der silberne Schild aus Gold war.

Genauso verhält es sich mit den Worten des Paulus und des Jakobus. Die Kirche lehrt, dass Gott uns nichts abnimmt, was wir allein für uns vollbringen können, sondern von uns verlangt, dass wir alles in unserer Kraft Stehende für unsere Errettung tun. Diese Auffassung steht im Einklang mit der heiligen Schrift und wird dadurch bestätigt, wie Gott von Anfang an mit den Menschenkindern umgegangen ist. Ich halte sie für logisch und vernünftig. Andererseits hat der Herr für uns, für unsere Errettung, alles bewirkt, was uns selbst nicht möglich war. Einiges konnten wir nämlich nicht allein vollbringen, und wir brauchten Hilfe von einem, der über unbegrenzte Möglichkeiten verfügte ...

Die Errettung ist stets ein Akt der Gnade Christi

Es besteht ein Unterschied zwischen dem Herrn, Jesus Christus, und allen anderen Menschen. Wir haben nicht das Leben in uns selbst, denn wir haben nicht die Fähigkeit mitbekommen, unser Leben zu lassen und wiederzunehmen. (Joh 5:19-27) Dies steht nicht in unserer Macht, und da wir somit dem Tod unterworfen und sündige Menschen sind — wir alle haben das Gesetz bis zu einem gewissen Grade übertreten, auch wenn wir uns noch so sehr bemüht haben, gut zu sein—, können wir nicht aus eigener Kraft von unseren Sünden erlöst werden.

Hier greift die Gnade ein, wovon Paulus gesprochen hat. Daher werden wir durch die Gnade Jesu Christi errettet. Wäre er nicht in die Welt gekommen, hätte er nicht sein Leben gelassen, um es wiederzunehmen — an anderer Stelle hat er gesagt. er sei gekommen, dass wir das Leben und es in Fülle hätten“ (Joh 10:10-18) — so hätte der Tod noch immer Macht über uns. und wir wären noch in unseren Sünden.

Sowohl Unsterblichkeit als auch ewiges Leben sind eine Gnadengabe

Wie Jesaja und andere Propheten schon viele hundert Jahre vor der Geburt Christi geschrieben haben, hat Jesus Christus die Übertretungen aller Menschen auf sich genommen und für sie gelitten, damit sie deren Folgen entrinnen können — unter der Bedingung, dass sie umkehren, sein Evangelium annehmen und bis zum Ende treu bleiben." (Jes 53:1-12; Ne 9:17-27; 31:11-21) Somit werden wir durch Gnade errettet und nicht aus eigenen Werken. Es ist ein Gnadenakt Gottes. (2. Ne 9:8; 10:24,25; 25:23; Moro 10:32-33)

Wäre Jesus Christus nicht für uns gestorben, dann hätten wir nicht errettet werden können. Wir wären ganz und gar in unseren Sünden verblieben. Es gäbe keine Erlösung für uns, und wir wären für immer und ewig dem Satan und seinen Sendboten unterworfen gewesen. (2. Ne 9:6-9) Durch die Barmherzigkeit Gottes kam aber Christus in die Welt und vergoss sein Blut für die Erlösung der Menschen, so dass alle das ewige Leben erlangen, die an ihn glauben und ihn anerkennen, seine Gebote auf sich nehmen und bis ans Ende ausharren.

Was nun die Erlösung vorn Tod angeht, so geschieht diese schon deswegen, weil wir nicht für den Tod verantwortlich sind. Christus hat durch das Vergießen seines Blutes bewirkt, dass jeder Mensch von den Toten auferstehen wird. Geist und Körper aller Menschen werden dabei untrennbar miteinander verbunden. Sodann wird jeder, der rechtschaffen gelebt hat, ein Höchstmaß an Freude empfangen, während die anderen, die nicht rechtschaffen waren, für ihre Übertretungen leiden werden. Jedem Menschen wird jedoch Unsterblichkeit gewährt, das heißt, niemand wird erneut sterben müssen.

Diese Lehre hat der Herr, Jesus Christus, verkündigt. Sie ist der wesentliche Inhalt der Botschaft, die wir an die ganze Welt richten — dass Christus gekommen ist und für die Erlösung der Menschen gekreuzigt wurde.

Gnade und Werke führen zusammen die Errettung herbei

Wie schon erwähnt, hat sich Paulus an die Menschen gewandt, die meinten, sie könnten aus eigener Kraft errettet werden, nämlich durch das Befolgen des Mosaischen Gesetzes. Er erklärte ihnen, dass sie ohne die Sendung Jesu Christi und ohne sein Sühnopfer nicht erlöst werden könnten. Daher entsprang ihre Errettung der Gnade Gottes; sie hatten sie nicht ihren eigenen Werken zu verdanken, denn sie waren ja völlig hilflos. Paulus hatte also völlig recht. Andererseits hat Jakobus gelehrt — ebenso wie der Herr und, an anderen Stellen, auch Paulus —, dass wir zwangsläufig verpflichtet sind, uns selbst anzustrengen. Wir müssen eifrig und gläubig vorwärtsstreben und die Gebote des Herrn halten. wenn wir das Erbe erlangen wollen, das den Getreuen verheißen ist und allen zuteil wird, die bis an ihr Ende durchhalten. (Röm 2:1-16; 6:1-5, 16-18,23; 12:6-21; 13:9-12; 1. Kor 6:9-10; Gal 5:19-26; 6:7-9; Eph 6:10-18; Phil 2:12; 4:8; 1. Thess 5:16-22) Es gibt also keinen Widerspruch zwischen der Lehre des Paulus und des Jakobus. Deshalb ist es unnötig, dass sich die Welt über diese Frage streitet. Der Streit ist lediglich darauf zurückzuführen, dass die Menschen die Sendung Jesu Christi nicht verstehen oder nicht verstehen können. Sie wissen nicht, worauf sie gegründet ist ...

Zur Errettung tragen gleichermaßen Gnade, Glaube und Werke bei.

Es ist daher leicht einzusehen, dass wir die Sendung Jesu Christi anerkennen müssen. Wir müssen daran glauben, dass wir durch seine Gnade erlöst werden, dass er für uns getan hat, was wir nicht allein tun konnten. Er hat für uns das vollbracht, was zwar für unsere Errettung unerlässlich ist, wir aber selbst nicht zuwege bringen konnten. Andererseits sind wir jedoch gehalten, alles zu tun, was von uns in den Geboten verlangt wird, die wir als das Evangelium Jesu Christi kennen. Dieser Gehorsam ist notwendig. Auf all dies also müssen wir unseren Glauben richten.

Nur wer sich an die Lehre hält und im Glauben wandelt, die Wahrheit anerkennt und die Gebote so befolgt, wie sie erlassen worden sind, kann das ewige Leben erlangen. Es genügt nicht, Jesus Christus noch so oft mit seinen Lippen zu bekennen oder daran zu glauben, dass sein Vater ihn zur Erlösung der Menschen in die Welt gesandt hat. Daher hat Jakobus recht, wenn er sagt, dass auch die Dämonen glauben und zittern, aber nicht umkehren. Somit ist es nicht nur notwendig, dass wir glauben, sondern auch, dass wir umkehren und gläubig bis an unser Ende gute Werke hervorbringen. Sodann werden wir den Lohn der Getreuen und einen Platz im celestialen Reich Gottes erlangen.

verwendete Quellen

weiterführendes Material

  • 165. Frühjahrs-Generalkonferenz, der Stern Juli 1995 S. 52: „Barmherzigkeit - das Geschenk Gottes"

externe Links

Persönliche Werkzeuge