Geschichte der Pioniere

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Glaubenstreue neue Mitglieder der Mormonenkirche aus allen Teilen Amerikas und aus vielen Ländern (besonders Grossbritannien) verließen ihre Heimat und machten sich zu Pferd, zu Fuß oder mit anderen Mitteln auf den langen Weg in die Rocky Mountains, um bei den Mormonen zu wohnen. Im Januar 1847 veröffentlichte Brigham Young das inspirierte „Wort und den Willen des Herrn in bezug auf das Lager Israel“ (LuB 136:1), das den Zug der Pioniere nach Westen regelte. Kompanien wurden organisiert, und es wurde ihnen die Verantwortung auferlegt, für die Witwen und Waisen in ihren Reihen zu sorgen. Das Verhältnis zu den Mitmenschen sollte frei sein von Bösem, von Neid und Streit. Die Menschen sollten glücklich sein und ihre Dankbarkeit durch Musik, Gebet und Tanz zeigen. Der Herr sagte den Heiligen durch Brigham Young: „Geht eures Weges und tut, was ich euch gesagt habe, und fürchtet eure Feinde nicht.“ (LuB 136:17.)

Während sich die erste Pionierkompanie der Mormonen auf den Auszug aus Winter Quarters vorbereitete, kehrte Parley P. Pratt von seiner Mission in England zurück. Er berichtete, daß ihm John Taylor mit einem Geschenk der englischen Mormonen folgte. Am nächten Tag kam Bruder Taylor an und brachte Zehntengelder der englischen Mormonen mit, mit denen die Reisenden unterstützt werden sollten. Dieses Geschenk war ein Zeichen der Liebe und des Glaubens der englischen Mormonen gegenüber ihre Glaubenbrüdern. Bruder Taylor brachte auch einige wissenschaftliche Instrumente mit, die für die mormonische Pioniere bei der Bestimmung ihres Reisewegs und der Erkundung ihrer neuen Umgebung von großem Wert waren. Am 15. April 1847 zog die erste Kompanie unter der Leitung von Brigham Young los. In den nächsten zwei Jahrzehnten folgten ihnen fast 62 000 Heilige in Wagen und mit Handkarren auf den Weg über die Prärie, um sich in Zion zu sammeln.

Die reisenden Mormonen sahen unterwegs die wunderbare Natur, sie erlebten aber auch schwere Tage. Joseph Moenor berichtet, daß es „schwer war“, das Salzseetal zu erreichen. Aber er sah manches, das er vorher nicht gekannt hatte: riesige Büffelherden und hohe Zedern auf den Bergen (Utah Semi-Centennial Commission, The Book of the Pioneers (1897), 2 Bände, 2:54; in LDS Church Archives). Andere berichteten, sie hätten große Felder mit blühenden Sonnenblumen gesehen.

Die Mormonen hatten glaubensstärkende Erlebnisse, die ihnen halfen, die körperlichen Anstrengungen zu ertragen. Nach einem langen Reisetag wurde über dem offenen Feuer gekocht, und die Männer und Frauen kamen in Gruppen zusammen, um den Tag zu besprechen. Sie sprachen auch über die Grundsätze des Evangeliums, sangen Lieder, tanzten und beteten miteinander.

Der Tod war bei den Mormonen, die langsam westwärts zogen, oft zu Gast. Am 23. Juni 1850 zählte die Familie Crandall fünfzehn Mitglieder. Bis zum Ende der Woche waren sieben Familienmitglieder an der gefürchteten Cholera gestorben. In den nächsten Tagen starben fünf weitere. Am 30. Juni starb Schwester Crandall zusammen mit ihrem neugeborenen Baby im Wochenbett.

Die Heiligen mußten auf ihrer Reise ins Salzseetaal sehr leiden, aber sie erhielten sich ihre Einigkeit, Zusammenarbeit und ihren Optimismus. Miteinander verbunden durch ihren Glauben und ihre Hingabe an den Herrn fanden sie inmitten ihrer Prüfungen Freude.

Dies ist der richtige Ort

Orson Pratt und Erastus Snow, die mit der ersten Pioniergruppe zogen, gingen den Mormonen am 21. Juli 1847 ins Salzseetal voraus. Sie sahen Gras, das so hoch war, das man darin waten konnte, gutes Ackerland und einige kleinere Wasserläufe, die sich durch das Tal schlängelten. Präsident Brigham Young, der am Bergfieber erkrankt war, ließ sich drei Tage später in seinem Wagen an den Ausgang eines Cañons bringen, der sich zum Tal hin öffnete. Als Präsident Brigham Young das Tal sah, sprach er die prophetischenWorte, die den Zug der Mormonen beendeten: „Es ist genug. Dies ist der richtige Ort.“

Auch die Mormonen, die ihnen folgten und aus den Bergen kamen, erblickten jetzt ihr verheißenes Land! Dieses Tal mit dem salzigen See, der in der westlichen Sonne glänzte, von dem Visionen und Prophezeiungen sprachen, war das Land, von dem sie und Tausende nach ihnen träumten. Dies war das Land ihrer Zuflucht, wo sie inmitten der Rocky Mountains ein mächtiges Volk werden sollten.

Ein paar Jahre später schrieb Jean Rio Griffiths Baker, eine Mormone aus England, auf, was sie empfunden hatte, als sie Salt Lake City zum ersten Mal sah: „Diese Stadt . . . ist quadratisch oder, wie sie hier sagen, in Blocks angelegt. Jeder Block ist zehn Morgen groß und besteht aus acht Grundstücken, auf denen jeweils ein Haus steht. Ich stand da und schaute. Ich bin mir über meine Gefühle nicht mehr ganz im klaren, aber ich denke, daß Freude und Dankbarkeit darüber vorherrschten, daß ich und die meinen auf unserer langen und gefährlichen Reise beschützt worden waren.“ (Jean Rio Griffiths Baker Diary“, 29 Sep. 1851; in LDS Church Archives)

Die Handkarrenpioniere

Um 1850 entschieden die Führer der Mormonenkirche, daß Handkarrenkompanien zusammengestellt werden sollen, weil das billiger war und dann viel mehr Auswanderern finanzielle Hilfe gegeben werden konnte. Die Mormonen, die auf diese Weise reisten, verstauten 100 Pfund Mehl sowie eine begrenzte Menge an Vorräten und Habseligkeiten im Handkarren. Dann zogen sie den Karren über die Prärie. Von 1856 bis 1860 reisten zehn Handkarrenkompanien nach Utah. Acht der Kompanien kamen ohne Schwierigkeiten im Salzseetal an, zwei jedoch, die Martin- und Willie-Handkarrenkompanien, wurden vom frühen Wintereinbruch überrascht, und viele Mormone aus diesen Kompanien kamen ums Leben.

Nellie Pucell, die in einer der beiden vom Schicksal geschlagenen Kompanien mitreiste, wurde während des Zugs zehn Jahre alt. Ihr Vater und ihre Mutter starben unterwegs. Als sich die Gruppe den Bergen näherte, wurde das Wetter bitterkalt, die Vorräte gingen zur Neige, und die Mormonenpioniere waren vom Hunger zu geschwächt, um weitergehen zu können. Nellie und ihre Schwester brachen zusammen. Als sie die Hoffnung fast aufgeben wollten, kam der Anführer der Kompanie mit einem Wagen zu ihnen. Er setzte Nellie in den Wagen und forderte Maggie auf, neben dem Wagen herzugehen. Sie sollte sich festhalten und abstützen. Maggie hatte Glück, denn die erzwungene Bewegung bewahrte sie vor Erfrierungen.

Nach der Ankunft in Salt Lake City wurden Nellie die Schuhe und Strümpfe ausgezogen, die sie beim Marsch über die Ebenen getragen hatte. Wegen der Erfrierungen löste sich die Haut von ihren Füßen. Unter großen Schmerzen wurden dem mutigen Mädchen die Füße amputiert, und bis an ihr Lebensende mußte sie auf den Knien laufen. Später heiratete sie und brachte sechs Kinder zur Welt. Sie führte ihren Haushalt selbst und zog die Kinder auf („Story of Nellie Puccell Unthank“, Heart Throbs of the West, Hg. Kate B. Carter, 12 Bände (1939–51), 9:418-20). Ihre Entschlossenheit, trotz widriger Umstände nicht aufzugeben, und die Liebe derer, die sich ihrer annahmen, sind ein Beispiel für den Glauben und die Opferbereitschaft der Mitglieder in den ersten Jahren der Mormonenkirche. Ihr Beispiel ist für die Mormonen, die nach ihnen kamen, ein Vermächtnis des Glaubens.

Ein Mann, der mit der Martin-Handkarrenkompanie über die Ebenen gezogen war, lebte danach noch viele Jahre in Utah. Eines Tages befand er sich in einer Gruppe von Leuten, die die Kirchenführer heftig kritisierten, weil sie zugelassen hatten, daß die Mormone in den Handkarrenkompanien mit so wenigen Vorräten und Schutz über die Prärie ziehen mußten. Der alte Mann hörte zu, bis er es nicht mehr ertragen konnte. Er stand auf und sagte:

„Ich war zusammen mit meiner Frau in jener Kompanie. . . . Wir haben mehr gelitten, als ihr euch vorstellen könnt, und viele sind erfroren und verhungert. Habt ihr aber jemals erlebt, daß ein Überlebender dieser Kompanie auch nur ein kritisches Wort geäußert hat? . . . (Wir) haben alles ertragen, weil wir sicher wußten, daß Gott lebt, denn wir haben ihn in unserer höchsten Not erfahren. Ich habe meinen Handkarren gezogen, obwohl ich durch Krankheit und Hunger so schwach und müde war, daß ich kaum einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Ich habe nach vorn geschaut und eine sandige Stelle oder einen Hügel gesehen und gesagt: Ich kann nur noch so weit laufen; dann gebe ich auf, denn ich kann die Last nicht mehr ziehen. . . . Ich bin bis zum Sand gelaufen, und als ich dort ankam, began der Handkarren mich zu schieben. Ich habe mich oft umgedreht, um zu sehen, wer meinen Karren anschob, aber mit den Augen konnte ich niemanden sehen. Ich wußte, daß die Engel Gottes mit mir waren. Hat es mir leid getan, mit dem Handkarren hierhergekommen zu sein? Nein. Weder damals noch zu irgendeinem anderen Zeitpunkt in meinem Leben. Den Preis, den wir zahlen mußten, um Gott zu erkennen, haben wir gern gezahlt, und ich bin dankbar dafür, mit der Martin-Handkarrenkompanie gezogen zu sein” (William Palmer, zitiert in David O. McKay, „Pioneer Women“, Relief Society Magazine, Jan. 1948, 8).
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