George Albert Smith

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  • 4. April 1870 Geboren in Salt Lake City
  • 1880 Vater wird zum Apostel ordiniert
  • 1883 Arbeitet für die ZCMI (Warenhaus in SLC)
  • 1891 Mission in Süd-Utah im Interesse der GFVJM
  • 1892 Heiratet Lucy Emely Woodruff
  • 1892–94 Mission im Süden der Vereinigten Staaten
  • 1898 Wird vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zum staatlichen Treuhänder in Utah ernannt
  • 1903 Zum Apostel ordiniert
  • 1909–12 Schwere Krankheit hindert ihn daran, aktiv zu sein
  • 1916 Gewählter Präsident des Internationalen Kongresses für Bewässerungsfragen
  • 1917 Gewählter Präsident des Internationalen Trockenfarm-Kongresses
  • 1919 Präsident der Europäischen Mission
  • 1921 Berufung zum Leiter der GFVJM der Kirche
  • 1922 Gewählter Vizepräsident der National Society of the Sons of the American Revolution
  • 1931 Gewähltes Mitglied des nationalen Exekutivausschusses der Boy Scouts of America (Pfadfinder Amerikas)
  • 1938 Bereist die Missionen im Süd-Pazifik
  • 1945 Als Präsident der Kirche bestätigt
  • 1951 Gestorben

George Albert Smith wurde sowohl von den Leuten außerhalb der Kirche als auch von den Mitgliedern geachtet und geliebt, weil er sie liebte und sie sein echtes Interesse verspürten. Beverly Nichols, ein britischer Romanschriftsteller, bereiste einmal die Vereinigten Staaten, um die Lebensweise der Amerikaner zu studieren. Später schrieb er dann ein Buch, dem er den Titel „Onkel Samson” gab, worin die Art der Amerikaner zu leben verunglimpft wird. Ein Kapitel des Buches berichtet über seinen Besuch in Salt Lake City. Wie viele andere Schriftsteller vor ihm so fand auch er, als er das erste Mal den Heiligen der Letzten Tage begegnete, vieles am Leben in ihrer Gemeinschaft reichlich komisch. Doch über seine Begegnung mit George Albert Smith schrieb Nichols: „Wenn ich je einem ehrlichen, aufrichtigen und gottesfürchtigen Manne begegnet bin, dann ist es Präsident Smith gewesen.”

Auf der Beerdigung George Albert Smith' trug sich etwas Ungewöhnliches zu: Ein Nichtmitglied wurde gebeten, einer der Hauptredner zu sein. Mr. Fitzpatrick — so hieß der Mann — faßte in wenigen Worten die Gefühle und Empfindungen vieler, die außerhalb der Kirche standen, zusammen, als er über den Verstorbenen sagte:

„Er war ein Mann ohne Falsch, ein religiöser Mann und ein geistiger Führer, nicht nur in seiner Kirche — in jedem Bereich. Wenn man mit ihm allein war, empfand man die Spiritualität dieses Mannes .. .Er sprach gerne über die Bruderschaft des Menschen, über seine aufrichtige Liebe zu allen Menschen — welche die wahre Liebe Christi ist und die tiefer ist als alle Unterschiede in der Lehre —, nämlich über jene Gabe des Himmels, die einem ein besseres, umfassenderes Verständnis von den Empfindungen des Menschen seinem Nächsten gegenüber vermittelt.”

J. Reuben Clark, der George Albert Smith sehr gut kannte, weil er ihm, als Bruder Smith Präsident der Kirche war, als Ratgeber gedient hatte, war ein weiterer Redner bei dem Trauergottesdienst. Er sagte:

„Ich möchte den Mitgliedern der Kirche etwas sagen. Sie haben einen großen Führer verloren — vielleicht in seiner Linie den größten, den wir je hatten. Ich glaube, daß niemand in der Kirche mehr Liebe für die Menschen aufgebracht hat als George Albert Smith.”

Schon in frühen Jahren hatte George gelernt, daß der wahrhaft bedeutende Mensch immer Zeit für die hat, die in Not sind. Als er fünf Jahre alt war, zog ihm seine Mutter eines Tages seinen blauen Samtanzug an und sandte ihn zu Brigham Young. Die Mutter hatte ihm einen Brief mitgegeben, in dem sie den Propheten um Unterstützung bat, um mit der Eisenbahn nach Ogden fahren zu können. Schwester Smith' Mann befand sich zur Zeit auf dem Missionsfeld in England, und sie selbst war zu arm, um sich eine Fahrkarte kaufen zu können.

Der kleine George ging nun die zwei Häuserblocks zu Brigham Youngs Büro entlang, öffnete das mächtige Holztor, das zum Verwaltungsgebäude der Kirche führte, und trat entschlossen ein. Als sich das massive Tor auf seinen schweren Eisenscharnieren zurückbewegte, sah sich der Junge einem großen Manne namens John Smith gegenüber, der ihn fragte: „Was willst du?” Zu Tode erschrocken antwortete George: „Ich möchte zu Bruder Young.” Doch der große Mann machte ein finsteres Gesicht und erwiderte laut: „Präsident Young hat keine Zeit für einen solchen Dreikäsehoch wie dich.” Wie George Albert Smith selbst über diese Begebenheit berichtet, war er damals nahe daran zu weinen. Doch in dem Augenblick öffnete sich die Tür zum Büro, und Brigham Young trat heraus und fragte: „Was ist Ios, John?”

„Hier ist ein kleiner Junge, der Sie sprechen möchte”, und dann begann der große John lauthals zu lachen. Er glaubte, daß sei ein guter Witz gewesen. Doch mit aller Würde sagte Brigham Young zu ihm: „John, bringe ihn herein.”

„Es blieb dem Mann nichts anderes übrig, als mich in die Vorhalle zu bringen, wo der Prophet stand .. .Brigham Young nahm mich dann bei der Hand, führte mich in sein Büro, setzte sich auf seinen Schreibtisch, hob mich auf seinen Schoß und legte seinen Arm um mich. „Was möchtest du von Bruder Young?” fragte er mich dann freundlich.

Denken Sie einmal: Er war Präsident einer großen Kirche und Gouverneur eines riesigen Gebietes; und trotz seiner vielen Arbeit, die er täglich zu verrichten hatte, empfing er mich, einen kleinen Jungen, mit soviel Zuvorkommenheit und Freundlichkeit, als ob ich als Gouverneur eines angrenzenden Staates gekommen wäre.”

Stellen Sie sich das Bild vor, das der einstige Prophet des Herrn, George Albert Smith, als kleiner Junge von Brigham Young gewonnen hatte, als er nach Hause ging. In seinem ganzen späteren Leben hat er nie diese Belehrung vergessen, und er hat sich immer mit Leuten befaßt, an denen andere leicht vorübergegangen wären, ohne von ihnen je beachtet zu werden.

Hier sei ein Beispiel angeführt: Eines Tages fuhr George Albert Smith von einer Tagung nach Hause. In seiner Begleitung befand sich die Tochter Heber J. Grants. Sie erzählt davon, wie Bruder Smith über den Gang des Waggons sah und eine junge Mutter mit ihren Kindern beobachtete, die etwas ratlos inmitten ihres Gepäcks saß. Er schien irgendwie zu fühlen, mit ihr sprechen und sich um ihr Wohlergehen erkundigen zu müssen.

„Kurz entschlossen eilte Bruder Smith hinüber und begann mit der jungen Mutter ein Gespräch. Als er zurückkam und sich auf seinen Platz setzte, sagte er: ,Es ist so, wie ich es mir gedacht habe. Diese zarte Frau unternimmt eine weite Reise; ich habe mir die Fahrkarten angesehen. Ich kann nicht verstehen, warum der Mann, der ihr die Karten verkauft hat, keine bessere Reiseroute für sie ausgesucht hat. So wie es momentan aussieht, wird sie in Ogden und Chikago einen langen Aufenthalt haben. Ich habe ihre Fahrkarte und werde in Ogden aussteigen und sehen, ob ich sie nicht umtauschen kann, damit sie eine bessere Zugverbindung hat und in Ogden und Chikago nicht so lange warten braucht.”'

Bruder Smith stieg — der Zug war noch gar nicht richtig zum Stehen gekommen — in Ogden aus und brachte die Angelegenheit der Mutter in Ordnung. Er tauschte die Fahrkarten um und machte für die Frau und ihre Kinder eine bequemere Zugverbindung ausfindig. Ein solches Feingefühl gegenüber anderen hatte George Albert Smith.

Bevor George Albert Smith Apostel wurde, war er zweimal auf Mission gewesen. Zuerst als GFV-Missionar im Süden Utahs und dann im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Mormonen — teilweise sogar bis aufs Blut — immer noch heftig verfolgt wurden. Einmal hielt sich Bruder Smith mit einigen anderen Missionaren in einer Holzhütte auf, die von einem Mob beschossen wurde. Während die Missionare sich auf dem Boden zusammengekauert hatten, um nicht getroffen zu werden, flogen die Kugeln der wildgewordenen Menge durch den Raum. Und trotz solcher Erlebnisse gab es in Bruder Smith keine Bitterkeit; sondern all das ließ in ihm nur den Wunsch noch fester werden, das Evangelium mit anderen Kindern Gottes zu teilen.

Während seines ganzen Lebens brachten ihn seine Unternehmungen ins Gespräch mit Leuten außerhalb der Kirche. Schon in jungen Jahren — er war noch nicht einmal dreißig Jahre alt — übernahm er verantwortliche Stellen im öffentlichen Leben. Auf jedem Gebiet, wo George Albert Smith tätig war, leistete er Hervorragendes und wuchs zu nationalem Ansehen. Er erhielt die höchsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Pfadfinderarbeit und wurde darin Präsident verschiedener nationaler und internationaler Organisationen. Seine hervorragenden Eigenschaften und sein persönlicher Einsatz, besonders wenn es um die Wohlfahrt anderer ging, wurden weithin anerkannt.

Bei allem, was er unternahm, hatte er eines im Sinn, was er als sein Glaubensbekenntnis bezeichnete: Ich möchte ein Freund der Freundlosen sein und Freude darin finden, den Bedürftigen in der Not zu helfen.

Ein besonders nennenswerter Entschluß in seiner Amtszeit als Prophet des Herrn und Präsident der Kirche war es, den Mitgliedern der Kirche, die an den Folgen des Zweiten Weltkrieges litten, viele Waggonladungen voll Lebensmitteln und Kleidung zu senden. Und dann, als die ärgste Not derer, die der Kirche angehörten, gelindert war, sandte George Albert Smith viele Tonnen Weizen nach Griechenland, wo die Bevölkerung hungerte. Er selbst hatte in seiner Kindheit und Jugend Hunger und Armut kennengelernt, und deshalb tat er alles in seiner Macht Stehende, um jenen zu helfen, die wegen Armut Not litten. George Albert Smith war niemals gleichgültig gewesen.

Ich möchte die Kranken und Betrübten besuchen und in ihnen den Glauben wecken, geheilt zu werden.

Es war ein alltägliches Bild in den Krankenhäusern von Salt Lake City und anderswo, wo immer er sich aufhielt, George Alberth Smith nach des Tages Arbeit durch die Gänge der Krankenhäuser gehen zu sehen, um jene zu besuchen, die von Krankheit geplagt wurden. Er selbst hatte eine schwere Krankheit miterlebt. Beinahe vier Jahre (1909—1912), er war noch nicht lange Apostel, war er so schwer krank, daß er nicht imstande war, aktiv in seiner Berufung zu arbeiten. Zehn Jahre später sagte er auf einer Generalkonferenz:

„Ich bin vor einigen Jahren im Schatten des Todes gelegen, so nahe der anderen Seite, daß ich ganz gewiß ohne den besonderen Segen des Vaters im Himmel nicht länger gelebt hätte... Je näher ich der anderen Seite kam, je größer war die Gewißheit in mir, daß das Evangelium wahr ist.”

Niemals hat er das vergessen, was ihn die Krankheit gelehrt hatte; und zweifelsohne trug dies zu dem tiefen Mitleid bei, das er — wie Jesus selbst — für seine Mitmenschen verspürte. Dadurch konnte er „nach dem Fleische wisse[n], wie er seinem Volke dessen Gebrechen gemäß helfen kann'.

Ich möchte die Umherirrenden aufsuchen und versuchen, sie zu einem glücklichen und rechtschaffenen Leben zurückzuführen. Ich möchte die Leute nicht zwingen, meinen Vorstellungen anzuhangen, sondern sie durch meine Liebe dahin bringen, daß sie das tun, was richtig ist. Ich möchte mit der Menge leben und ihr helfen, ihre Probleme zu lösen, damit das Leben auf der Erde für sie schöner sei. Ich möchte die Publicity hoher Stellungen meiden und die Schmeichelei gedankenloser Freunde mißbilligen.

Wie erfrischend ist es doch, Menschen mit einer solchen Gesinnung unter denen zu finden, die eine hohe Position einnehmen. George Albert Smith strich bei einer Rede auf einer Generalkonferenz im Jahre 1933 diesen Punkt besonders heraus:

„Etwas, was mir am Evangelium Jesu Christi besonders gut gefällt, ist, daß es uns alle gleichmacht. Es ist nicht notwendig, daß der Mensch Pfahlpräsident oder Mitglied des Rates der Zwölf ist, um einen erhabenen Platz im celestialen Reich zu erlangen. Das einfachste Mitglied der Kirche erlangt ebenso wie jeder andere — vorausgesetzt es hält die Gebote — die Erhöhung im celestialen Reich. Das Schöne am Evangelium Jesu Christi ist, daß es uns, so wir die Gebote des Herrn halten, gleichmacht. Solange wir darauf bedacht sind, die Gesetze der Kirche zu halten, haben wir auch die gleichen Möglichkeiten, Erhöhung zu erlangen. Wenn wir Glauben und Rechtschaffenheit entfalten und an den Tag legen, dann ist unser Licht jenen, mit denen wir Umgang pflegen, Segen und Führung.”
Ich möchte wissentlich keines Menschen Gefühle verletzen, nicht einmal die desjenigen, der mir unrecht getan hat; sondern ich möchte mich stets bemühen, ihm Gutes zu erweisen und ihn zu meinem Freund zu machen. Ich möchte die Neigung zu Egoismus und Neid überwinden und mich am Erfolg aller Kinder des Vaters im Himmel freuen. Ich möchte niemals ein Feind irgendeiner lebenden Seele sein. Da ich weiß, daß der Erlöser der Menschheit der Welt den einzigen Plan offenbart hat, durch den wir uns vollständig entfalten können und der uns hier und in der zukünftigen Welt wirklich glücklich macht, betrachte ich es nicht nur als eine Verpflichtung, sondern auch als einen besonderen Vorzug, allen Menschen davon erzählen zu können.

Manchem erscheinen solche Glaubensbekenntnisse vielleicht nur als leere Worte. Doch für George Albert Smith waren sie Meilensteine auf seinem Lebensweg.

Doch es gibt da noch einen weiteren Punkt, den alle jungen Leute, die meinen, sie hätten irgendein Handikap zu tragen, wissen sollten. Sehen Sie sich das Bild von George Albert Smith an. Können Sie etwas an seinem linken Auge feststellen? Es schielt nach außen. Doch Bruder Smith wurde mit diesem Nachteil fertig, war es nun beim Lesen oder beim ersten Eindruck, den er bei anderen dadurch hinterließ. Anstatt sich über diesen Nachteil zu beklagen, wandte er sich seinen Mitmenschen zu und gewann für immer deren Liebe und Freundschaft.

Wie auch immer die Probleme des Menschen beschaffen waren, George Albert Smith zeigte, daß in dem Herausgehen aus sich selbst — im Dienst am Nächsten — das Geheimnis zu einem glücklichen Leben lag.

Sein Zeugnis

Uns ist gelehrt worden, dass wir nicht für die Sünde Adams verantwortlich gemacht werden, sondern dass wir über unsere eigenen Sünden Rechenschaft geben müssen. Das Sühnopfer Jesu Christi nahm die Verantwortung von uns, die Sünde Adams zu sühnen - und Adam ermöglichte es uns, hier auf Erden zu leben -, und zur rechten Zeit werden wir, so wir unsere Möglichkeiten wahrgenommen haben, bereit sein, von den Toten aufzuerstehen.

verwendete Quellen

  • Der Stern März 1973

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