Geisterwelt
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„Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein” (Lukas 23:43).
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Wo sind die Geister der Verstorbenen?
Das Paradies ist nicht der Himmel, d. h. der Ort, wo Gott wohnt. Vielmehr ist es die Stätte, wo sich die Geister der Verstorbenen aufhalten. Dass man allgemein annimmt, der gekreuzigte Übeltäter sei mit ihm, dem Erlöser, in den Himmel gekommen, ist äußerst merkwürdig, denn dieser ist doch erst nach seiner Auferstehung zum Himmel aufgefahren, wie sich eindeutig aus den Worten ergibt, die er am Grab zu Maria gesprochen hat. Von dem Zeitpunkt, wo sich sein Geist von seinem Leib trennte, bis zu dem Augenblick, wo er aus dem Grab erstand, war er, wie er vorausgesagt hatte, mit dem Übeltäter im Paradies. Dort ebnete er den Weg für die Erlösung der Verstorbenen. Vor diesem Zeitpunkt wurden die unwürdigen Verstorbenen im Gefängnis behalten, wo niemand zu ihnen konnte. (Siehe Moses 7:38,39; Jesaja 24:22.) Es besteht aller Grund zu der Annahme, dass die rechtschaffenen Geister im Paradies keine Verbindung zu denen hatten, die nicht rechtschaffen waren, ehe der Herr in der Geisterwelt erschienen ist; denn er hat verkündet, es bestehe eine unüberwindliche Kluft, die die Rechtschaffenen von den Schlechten scheide. Daher vernahmen die Schlechten nicht die Stimme der Propheten, und das Evangelium wurde ihnen erst verkündigt, nachdem Christus vor seiner Auferstehung die Geisterwelt aufgesucht hatte. Er war es, der die Türen des Gefängnisses öffnete. (Siehe Jesaja 42 :6, 7; 61:1).
Brigham Young hat folgendes dazu ausgeführt: „Jesus Christus war der erste, der je zu den Geistern im Gefängnis ging, um ihnen das Evangelium zu verkündigen, denn er hatte die Schlüsselgewalt der Evangeliumsverkündigung für diese Geister. Sie wurde ihm übertragen, sobald er in die Geisterwelt gelangte, und kraft dieser Vollmacht ebnete er den Weg für die Erlösung der Geister im Gefängnis” (JD, IV:285). Dies steht voll im Einklang mit den Aussagen der Schrift. Auch ((Joseph F. Smith]], der die Geisterwelt in einer Vision geschaut hat, hat diese Auffassung bestätigt. In dieser Welt unterwies Christus die rechtschaffenen Geister und beauftragte sie, die Verstorbenen aufzusuchen, die nicht getauft worden waren, und ihnen seine Botschaft zu überbringen. Auf diese Weise erfüllte er, was er Jesaja verheißen hatte, nämlich dass er den Geistern der Verstorbenen das Evangelium verkündigen und die Tore ihres Gefängnisses öffnen werde, um sie freizulassen.
Die ursprüngliche Kluft zwischen den Rechtschaffenen und den Schlechten
Durch Alma haben wir einigen Aufschluss über die Verhältnisse erhalten, die vor der Auferstehung Christi in der Geisterwelt bestandene haben. Zu Corianton, an den er längere Ermahnungen gerichtet hat, hat er gesagt::
- „Was nun den Zustand des Geistes zwischen dem Tode und der Auferstehung anbelangt, siehe, so hat ein Engel mir kundgetan, dass die Geister aller Menschen, sobald sie diesen sterblichen Körper verlassen haben, ja, die Geister aller Menschen, ob gut oder böse, zu dem Gott heimgeführt werden, der ihnen das Leben gegeben hat.
- Und dann werden die Geister der Rechtschaffenen in einen Stand der Glückseligkeit aufgenommen werden, der Paradies genannt wird, in einen Zustand der Ruhe und des Friedens, in dem sie von all ihren Beschwerden, Leiden und Sorgen ausruhen werden.
- Und dann werden die Geister des Bösen, ja, die, welche böse sind – denn siehe, sie haben keinen Teil am Geist des Herrn, weil sie lieber das Böse als das Gute wählten, daher ist der Geist des Teufels bei ihnen eingedrungen und hat von ihrem Hause Besitz genommen und sie werden in die äußerste Finsternis hinausgestoßen werden; dort wird Weinen und Wehklagen und Zähneknirschen sein, und dies wegen ihrer eigenen Bosheit, da sie nach dem Willen des Teufels in Gefangenschaft geführt werden.
- Dies ist der Zustand der Geister der Bösen, ja, sie sind im Finstern in einem Zustand schrecklicher, angstvoller Erwartung des göttlichen Zornes über sie; und sie bleiben in diesem Zustand wie die Rechtschaffenen im Paradies bis zur Zeit ihrer Auferstehung” (Alma, 40:11–14).
Hierbei ist zu bedenken, dass Alma von den Bedingungen spricht, die unter den Geistern im Gefängnis geherrscht hatten, bevor Christus sie aufsuchte. Der Herr hat Enoch gesagt, dass die Ungehorsamen ins Gefängnis gesperrt werden, das er, der Herr, bereitet habe. Dort sollten sie bleiben und Qual leiden, bis Jesus Christus zu ihm, Gott dem Vater, zurückkehren werde. Und doch hat Christus auch für diese Geister Fürsprache eingelegt und die Verheißung erlangt, dass sie nicht in ihrer Qual gelassen werden sollten, wenn sie an dem Tag, wo er sie heimsuchen werde, Buße täten. (Siehe Moses 7:32-40.) Seit der Zeit, wo damit begonnen wurde, das Evangelium in der Geisterwelt zu verkündigen, und wo die Tore des Gefängnisses geöffnet wurden, wird d.as Evangelium vom Reich Gottes den Verstorbenen mit Macht gepredigt.
Die Verstorbenen vernehmen die Evangeliumsbotschaft
Wir werden gewahr, dass es für uns Mitglieder der Kirche, die auf Erden leben, keine Zeit für den Müßiggang gibt, wenn wir die ungeheure Arbeit für die Verstorbenen bewerkstelligen wollen, die der Herr uns aufgetragen hat. Wenn wir durch den Schleier schauen könnten, würden wir entdecken, dass dort eine rege Tätigkeit herrscht. Man muss den Verstorbenen das Evangelium verkündigen, und wer von ihnen rechtschaffen und bußfertig ist, aber ohne Evangeliumskenntnis aus dem Leben geschieden ist, obwohl er das Wort des Herrn angenommen hätte, wäre es ihm zu Lebzeiten angeboten worden, der muss auf die heiligen Handlungen des Evangeliums vorbereitet werden, die von Stellvertretern auf Erden im Tempel vollzogen werden. Alle Geister der Verstorbenen müssen unterwiesen und zur Umkehr geführt werden. Dies zeigt uns, dass die Arbeit, die im Jenseits zu leisten ist, einen riesigen Umfang hat.
Missionare in der Geisterwelt
In seiner Vision von der Welt der Verstorbenen hat Joseph F. Smith die Geister geschaut. Folgendes hat er darüber niedergeschrieben:
- „Ich sah, dass die treuen Ältesten unserer Evangeliumszeit nach dem Hinscheiden aus dem irdischen Leben mit ihrer Arbeit fortfahren und das Evangelium predigen, das Evangelium der Buße und der Erlösung durch das Opfer des einziggezeugten Sohnes Gottes. Sie verrichten ihre Arbeit unter denen, die in Finsternis leben und Gefangene der Sünde sind, dort in der Welt der Geister der Verstorbenen.”
Als die Heiligen die ersten Tempel in Utah erbauten, machte ihnen Brigham Young eindringlich klar, dass das Erlösungswerk für die Verstorbenen ungeheure Ausmaße hat:
- „Vergleichen wir die Anzahl derer, die die Evangeliumsbotschaft in unserer Zeit gehört haben, mit den Millionen, die nie davon erfahren haben und denen nie der Weg gezeigt worden ist, der zur Erlösung führt, so müssen wir augenblicklich zu dem Schluss gelangen, dass in der Geisterwelt eine umfangreiche Arbeit zu verrichten ist...
Wenn jemand die Welt wie unsere glaubenstreuen Brüder, die dahingeschieden sind, überwunden hat und in die Geisterwelt gelangt, erblickt er dort Joseph Smith. Dieser wird ihm die ganze Zeit hindurch Weisung geben und sein Oberhaupt und Prophet sein. Der glaubenstreue Verstorbene hat über alle entkörperten bösen Geister Macht, denn er hat sie überwunden. Diese bösen Geister müssen jedem Mann gehorchen, der das Priestertum trägt und es im Fleisch in Ehren gehalten hat, denn er kann ihnen gebieten wie den eigenen Gliedmaßen... Nehmen wir nun einmal an, ein schlechter Mensch, der sich völlig der Sünde hingegeben hat, stirbt in diesem Zustand. Sein Geist betritt die Welt der Verstorbenen und sinnt nach wie vor auf Böses. Fragen wir uns demgegenüber, mit was für Neigungen der Geist eines Menschen ins Jenseits eingeht, der alle Fähigkeiten, womit Gott ihn ausgestattet hat, dazu benutzt hat, seine Gaben zu mehren und sich auf das ewige Leben vorzubereiten, und der, während er darum ringt, in die Geisterwelt gelangt. Er wird dort immer noch danach streben zu tun, was Gott wohlgefällig ist, ja, noch in einem weit höheren Maß. Er wird lernen, geistig wachsen und an Gnade und Erkenntnis der Wahrheit zunehmen” (Discourses, S. 578-581).
Daraus können wir mit Recht folgern, dass die Ältesten Israels, die aus diesem Leben scheiden, in der Geisterwelt reichlich Arbeit zu verrichten haben. Zwar können sie nicht die heiligen Handlungen des Evangeliums für die Verstorbenen vollziehen, doch haben sie die Vollmacht, das Evangelium zu verkündigen und die bösen Geister verstorbener Menschen zurechtzuweisen, zu vertreiben und ihnen zu gebieten.
Heilige Handlungen werden nur auf Erden vollzogen
Die heiligen Handlungen des Evangeliums müssen hier auf Erden für die Verstorbenen vollzogen werden. Dies geschieht durch Stellvertreter in den Tempeln. Brigham Young hat die Frage gestellt:
- „Können die Ältesten in der Geisterwelt die Verstorbenen taufen? Nein. Aber was können sie für sie tun? Sie können ihnen das Evangelium verkündigen, und wenn die Zeit kommt, dass wir Zion aufbauen dürfen, werden Erlöser auf dem Berg Zion wirken.” Brigham Young äußerte dies, als es noch keine Tempel gab, wo man diese Arbeit hätte leisten können. Inzwischen sind Erlöser auf dem Berg Zion gekommen. Seit vielen Jahren verrichten sie diese stellvertretende Arbeit, und sie werden damit fortfahren, sowohl jetzt als auch in der künftigen Welt. Wenn das Millennium angebrochen ist, wird dieses Werk weitaus schneller vonstatten gehen. Brigham Young hat dazu gesagt: „Einige, die keine sterblichen Menschen mehr sind, werden erscheinen und sagen: ,Hier sind tausend Namen. Ich möchte, dass Sie in diesem Tempel dafür arbeiten. Wenn Sie damit fertig sind, gebe ich Ihnen weitere tausend.' Die Ältesten Israels und ihre Ehefrauen werden ausgehen, um für ihre Vorfahren zu amtieren – die Männer für männliche Verstorbene, die Frauen für die weiblichen” (Discourses, 581 f.).
Missionierende Schwestern in der Geisterwelt
Die in der Geisterwelt zu leistende Arbeit wird jedoch nicht ausschließlich von Männern, also von Priestertumsträgern, durchgeführt werden. Auch die Schwestern, die mit dem Herrn ein Bündnis geschlossen und im Tempel Segnungen und Vollmacht empfangen haben, werden einen beträchtlichen Anteil an dieser Arbeit übertragen bekommen. Als Mary A. Freeze bestattet wurde, drückte Präsident Joseph F. Smith diesen Gedanken sehr klar aus:
- „Unter all den Millionen Geistern, die seit Anfang der Welt von Generation zu Generation auf Erden gelebt haben und gestorben sind, ohne das Evangelium zu kennen, sind die Hälfte Frauen, wie man sich denken kann. Wer soll diesen Frauen das Evangelium predigen? Wer wird das Zeugnis von Jesus Christus den Frauen nahebringen, die ohne Kenntnis des Evangeliums gestorben sind? Für mich ist die Sache sehr einfach. Diese guten Schwestern sind ja zu dieser Arbeit berufen, ordiniert und eingesetzt worden; sie sind durch das heilige Priestertum ermächtigt worden, im Haus des Herrn heilige Handlungen für Lebende und Verstorbene ihres Geschlechts vorzunehmen. Nun werden sie alle Vollmacht und Ermächtigung genießen, den Frauen im Jenseits das Evangelium zu predigen und ihnen zu dienen, während die Ältesten und Propheten die Verkündigungsarbeit bei den Männern verrichten.
Das, was wir hier erleben und erfahren, ist typisch für die Dinge Gottes und das Leben im Jenseits.”
Ein sehnliches Warten auf die Erlösung
Die rechtschaffenen Verstorbenen empfinden die lange Trennung ihres Geistes von ihrem Körper als Gefangenschaft. (Siehe LuB 45:17; Offenbarung 6:9–11.) Daher warten sie sehnsüchtig auf die Auferstehung. Die Schlechten hingegen sehen dem Tag des Gerichts mit Furcht und Zittern entgegen. Und doch hat der Herr in seiner Gnade für alle eine Stätte bereitet, je nach den Werken des einzelnen. Er wird jeden Menschen mit allem segnen, was dieser fähig und würdig ist zu empfangen. Den Geistern wird nun machtvoll das Evangelium verkündigt, während die treuen Heiligen hier auf Erden fleißig in den Tempeln des Herrn arbeiten, um ihren verstorbenen Verwandten die Segnungen zu ermöglichen, die für ihre Erlösung vonnöten sind.
verwendete Quellen
- Der Weg zur Vollkommenheit von Joseph Fielding Smith