Gebete
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Mormonen sind ein betendes Volk. Zu sagen, dass sie täglich beten, ist eine große Untertreibung. Ihnen wird durch die Schriften geraten, ständig zu beten. Eine ihrer Schriften weist die Heiligen an:
- Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr müßt immer wachen und beten, damit ihr nicht vom Teufel versucht werdet und ihr von ihm gefangen weggeführt werdet.
- und alles, was ihr den Vater in meinem Namen bittet, sofern es recht ist und ihr glaubt, daß ihr empfangen werdet, siehe, das wird euch gegeben werden. Betet in euren Familien immer in meinem Namen zum Vater, damit eure Frauen und eure Kinder gesegnet seien. (3. Nephi 18:15, 18, 20-21)
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Zweck des Gebets
Es gibt viele Gründe zu beten, und Heilige der Letzten Tage beten wohl zu jedem Anlass, den es gibt.
- Den Willen Gottes zu erfahren
Von der Zeit an, da Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben worden waren und nicht länger mit Gott von Angesiicht zu Angesicht sprechen konnten, war das Gebet die Möglichkeit, sich mit Gott zu unterhalten und Seinen Willen zu erfahren. Ohne Gebet gäbe es keine heiligen Schriften, denn Offenbarung kommt normalerweise durch die Gebete der Propheten.
- Um Segnungen zu erhalten
Das Gebet ist normalerweise notwendig, um Segungen von Gott zu erlangen. Er erwartet, dass Männer und Frauen von Ihm erbitten, was sie brauchen. Diese Abhängigkeit von Gott hält die Menschen demütig, achtsam und gehorsam.
- Um seinen Dank zum Ausdruck zu bringen
Gott hat klargestellt, dass Er Dankbarkeit erwartet für die Segnungen, die Er gewährt. Die Schriften berichten viel über die Verdammung von Menschen, die vergessen, Gott zu danken. “Schärfer als der Zahn einer Schlange ist das undankbare Kind,” bezieht sich auf mehr als auf Kinder irdischer Eltern. Lukas 17:17 zeigt die Betroffenheit von Jesus, als neun der zehn Leprakranken, die er geheilt hat, ihren Weg gingen, ohne ihm zu danken. Der Kirchenführer W. Eugene Hansen bringt die Bedeutung der Undankbarkeit auf folgende Weise zum Ausdruck: „Es wurde gesagt, dass die Sünde der Undankbarkeit schwerer wiegt als die Sünde der Rache. Mit Rache vergilt man Böses mit Bösem, aber mit Undank vergilt man Gutes mit Bösem. (Ensign, Nov. 1989, p. 24).
Wann, um was und warum man betet
- Während der Opfergaben
Das Bibbellexikon hebt hervor, dass Juden historisch mindestens zu zwei Anlässen beten: beim Eingeständnis von Sünde am Tag des Sühnopfers (Lev. 16:21) und bei der Danksagung, als die ersten Früchte und Zehnten geopfert wurden. (Deu. 26: 3, 13).” Wenn HLT ihre Sünden gewiss im Gebet bekennen, gibt es keine speziellen Tag dafür, außer vielleicht während des Abendmahls am Sonntag.
- Vor dem Essen
Der jüdische Brauch gemäß David und Daniel verlangt, dass vor dem Essen gebetet werde. Heilige der Letzten Tage folgen diesem Brauch, zuweilen sogar in Restaurants, sofern sie heimlich beten können. Ob in Familien oder Gruppen, ob zu Hause oder in der Kirche betet ein Familienmitglied oder Gast stellvertretend für alle, dankt für das Essen und segnet es zu ihrem Wohl. Auf diese Weise sagen Mormonen für die Mahlzeiten mindestens drei Gebete am Tag.
- Zum Aufstehen und Schlafengehen
HLT sprechen auch morgens und abends ein persönliches Gebet. Oft schließen diese Gebete eine Lagebbesprechung ein über das, was gebraucht wird und das, was am Tag geschehen ist. Sie beten für sich selbst, für ihre Familien, für ihre Freunde, für die Regierung und die Kirchenführung und für Andere in Not, ob sie sie kennen oder nicht. Sie bitten um Vergebung, um Gnade, um Führung, um Geduld, um Segnungen und um die Gegenwart des Heiligen Geistes. Das ergibt dann zwei Gebete mehr am Tag.
- HLT-Familien beten auch jeden Morgen und Abend als Familie,was auch für Mitglieder mit Familie zwei zusätzliche Gebete täglich beinhaltet.
- Jugendliche werden wahrscheinlich ihren Wochentag damit beginnen, am Seminar teilzunehmen, was dann zwei Gebete ihrem Tag hinzufügt. Andere erwachsene Mormonen mögen statt dessen am Institut teilnehemn, und zwar in der Regel ein- oder zweimal die Woche.
- Erwachsene werden am Tag, da sie den Tempel betreten, an vielen Gebeten mehr teilnehmen, doch zweifellos mindestens ein Gebet mehr.
- Mormonen beten zu Beginn und zum Schluss jeder Versammlung in der Kirche. Das ergibt an einem typischen Sonntag sechs Gebete mehr- zuzüglich der beiden Abendmahlsgebete sind das acht Sabbatgebete. Sollten sie am Sonntag den Familienrat halten, kommen noch zwei Gebete hinzu.
- An den Montagabenden halten typische Mormonenfamilien den Familienabend, so dass zwei Gebete an diesem Tag hinzufügt werden.
- Heilige der Letzten Tage beten auch während des Tages um besondere Hilfe, Sie beten vor einer langen Reise oder wenn sie Entscheidungen treffen. Wenn jemand krank ist, wird der Vater oder ein anderer würdiger Priestertumsträger z. B. der Heimlehrer einen Krankensegen geben, was widerum ein Gebet erfordert.
- An Tagen, da die Besuchslehrerinnen und die Heimlehrer kommen, (jeder von diesen einmal im Monat) kommt noch ein Gebet hinzu.
- Und schließlich, zuzüglich zu diesen 5 - 24 Gebeten (im Durchschnitt mögen es 12 sein) wird ihnen geraten, allezeit ein Gebet im Herzen zu haben, mit anderen Worten, ständig zu beten.
Wie man betet
- Man kann allein und persönlich oder in einer Gruppe beten, in der einer stellvertretend laut für alle betet.
- Man kann alleine oder in der Öffentlichkeit beten.
- Man kann stehend, sitzend oder knieend beten. In der Kirche steht normalerweise derjenige, der für die Gruppe betet, während die anderen sitzen. Diejenigen, die die Abendmahlsgebete sprechen, knien zum Gebet.
- Man kann schweigend oder stimmhaft beten. Gruppengebete und formelle Gebete wie z. B. die Abendmahlsgebete werden hörbar gesprochen.
- Die Augen können geschlossen oder offen sein. Normalerweise, und besonders in der Kirche, schließen HLT ihre Augen, um zu beten.
- Der Kopf kann geneigt oder erhoben sein. Mormonen neigen normalerweise ihr Haupt.
- Die Hände können gefaltet oder zu Gott erhoben werden. Heilige der Letzten Tage tun weder das eine noch das andere, zumindest nicht in der Öffentlichkeit.
- Gebete die nicht für den Notfall sind, nicht für sofortige Hilfe in Bedrängnis, erfolgen nach dem Vaterunser auf diese Weise:
- Richte deine Gebete in ehrerbietiger und korrekter Art und Weise an Gott, an den Himmlischen Vater ( HLT beten nicht zu Christus oder irgendwem anders als nur zu ihrem Vater, wie Christus es angeordnet hat im Vaterunser)
- Danke für die Segnungen. (HLT glauben, dass es genau richtig ist, zuerst seine Dankbarkeit zu bekunden für alles, was Gott gegeben hat, ehe man um mehr bittet.)
- Bitte um alle Notwendige, wie z. B. um Vergebung, um Gnade und Segnungen für sich selbst und andere.
- Erbitte diese Dinge „im Namen Jesu Christi.” (Joh 14:13-14), Moroni 7:26) (Mormonen beanspruchen Christus als ihren Fürsprecher, der das Recht hat, Gott um diese Dinge zu bitten, was die Menschen für sich selbst nicht verdient haben.)
- Schließe mit „Amen.”
- Warte und lausche nach Antworten. (Kirchenfüher lehren, dass jemand der betet, auch der Antwort zuhören muss, um die erbetene Führung und Offenbarung zu erhalten. (Wenn Gott spricht und keiner hört zu, hören niemand was Er sagt.)
- Heilige der Letzten Tage glauben, dass Gott antworten wird, wenn 1) das Gebet ernsthaft ist, 2) der bzw. die Betende daran glaubt, dass Gott existiert, ihn liebt und antworten wird, 3) der Betende rechtschaffen ist und sich für sein Recht auf ein Ersuchen auf das Sühnopfer Christi beruft, und 4) wenn die Bitte für ihn angebracht ist. Sie glauben nicht, dass ein peinlich genaues rituelles Murmeln irgendetwas bewirkt. Wer etwas erbittet, muss meinen, was er sagt - er muss vor Gott ehrlich sein. Er muss sich mühen, danach zu leben, was Gott ihm schon gegeben hat. Er muss auch darauf vertrauen, dass ihm gegeben wird, um was er bittet, - sofern es recht ist, d.h. hilfreich oder notwendig. Gott mag zuweilen mit „Nein" antworten oder mit „Nicht jetzt - später." Neal A. Maxwell, ein Apostel, legte es auf folgende Weise dar: „Bittgesuche im Gebet haben mich wieder und wieder gelehrt, dass das Gewölbe des Himmels mit all seinen Segnungen nur mit einem Kombinationsschloss geöffnet werden kann. Ein Kippschalter ist der Glaube, der andere die persönliche Rechtschaffenheit, der dritte und letzte Schalter öffnet sich, wenn was wir ersuchen in Gottes Gerechtigkeit ist, nicht in unserer Gerechtigkeit.”
- Manche Mormonen führen zuweilen private Gebete, die wie ein Gespräch sind mit dem Himmlischen Vater. Dies ist ein Ausschütten des Herzens, in dem sie ihre tief empfundene Sorge oder Dank zum Ausdruck bringen. (Manche Mormonen pflegen regelmäßige Gebete, in denen sie nur ihren Dank ausdrücken für alles, woran sie denken können.) Einige dieser Gebete können sehr lang werden, eine halbe Stunde oder mehr. Es mag Tränen und Lachen geben. Diese Art des Gebets zieht mächtig den Heiligen Geist herbei und bewirkt oft, das der Betende mit besonderen Offenbarungen erhoben, aufgerichtet, erleuchtet und geführt wird.
gedrucktes Material
- 152. Frühjahrs-Generalkonferenz, der Stern Oktober 1982 S. 106 „Die Macht des Familiengebets" von Elder John H. Groberg
- 153. Herbstgeneralkonferenz, der Stern April 1984 S. 18 „Unser Vater im Himmel" von Elder L.Tom Perry
- 154. Frühjahrs-Generalkonferenz, der Stern Oktober 1984 S. 67 „So sollt ihr beten" von Elder Bruce McConkie
- 154. Frühjahrs-Generalkonferenz, der Stern Oktober 1984 S. 152 „Von Gebeten der Kirche getragen" von Elder John K Carrmack
