Gabe des Heiligen Geistes
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Der Tröster
Es war ein bewegendes Ereignis, als der Erretter vor vielen hundert Jahren seine Jünger zum letzten Mal in den Garten Getsemani führte. Jesus wusste sehr gut, was ihm bevorstand, und er hatte Angst. „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht!” (Markus 14:34.) Er war bereit, unaussprechliche Qual auf sich zu nehmen.
Zweifellos spürten die elf Apostel, dass Ungeheuerliches geschehen sollte — doch begreifen konnten sie es nicht. Jesus hatte davon gesprochen, dass er sie verlassen werde. Sie wussten, dass der Meister, den sie liebten und auf den sie angewiesen waren, irgendwo anders hinging, doch wohin, das wussten sie nicht. Sie hatten ihn sagen hören: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen.... Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich gesagt habe.” (Johannes 14:18,26.)
Der Geist Gottes Elder LeGrand Richards vom Kollegium der Zwölf Apostel hat einmal gesagt: „Man muss begreifen, ... dass der Heilige Geist das Medium ist, durch das Gott und sein Sohn Jesus Christus mit den Menschen auf der Erde sprechen.” (A Marvelous Work and a Wonder, Salt Lake City, 1976, Seite 119.) Der Geist Gottes — das Licht Christi — schenkt allen Menschen Licht. Dieses Licht wird manchmal auch als das Gewissen bezeichnet. Ijob hat gesagt: „Jedoch, es ist der Geist im Menschen, des Allmächtigen Hauch, der ihn verständig macht.” (Ijob 32:8.) Es ist der Geist Gottes, der von der Gottheit ausgeht. Diese Kraft Gottes ist das Mittel, durch das jedem Menschen „Licht zuteil wird, mag er schlecht oder gut, intelligent oder unwissend, vornehm oder schlicht sein, und zwar gemäß seiner Fähigkeit, dieses Licht aufzunehmen”. (Gospel Doctrine, Sah Lake City, 1939, Seite 62; siehe auch LuB 88:3-13.)
Die Gabe des Heiligen Geistes
Im Gegensatz zum Geist Gottes wird die Gabe des Heiligen Geistes jedoch nicht jedem Menschen zuteil. Wer die Gabe des Heiligen Geistes nicht empfangen hat, kann den Dienst des Heiligen Geistes nur in begrenztem Maß in Anspruch nehmen. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Zwischen dem Heiligen Geist und der Gabe des Heiligen Geistes besteht ein Unterschied.” (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 203.) Viele Menschen außerhalb der Kirche haben eine Offenbarung vom Heiligen Geist empfangen, die sie davon überzeugt hat, dass das Evangelium wahr ist. Komelius und viele andere, die am Pfingsttag anwesend waren, haben vor ihrer Taufe den Heiligen Geist empfangen. (Siehe Apostelgeschichte 2:1–12; 10:30–44.) Durch die Macht des Heiligen Geistes erlangen alle Menschen, die nach der Wahrheit suchen, ein Zeugnis vom Buch Mormon und den Grundsätzen des Evangeliums.
Die Gabe des Heiligen Geistes jedoch wird einem zuteil, wenn man Umkehr geübt hat und würdig ist. Man empfängt sie nach der Taufe durch das Händeauflegen derer, die vom Heiligen Geist angerührt worden sind. Am Pfingsttag forderte Paulus alle auf, die vorn Heiligen Geist angerührt worden waren: „Kehrt um, und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.” (Apostelgeschichte 2:38.) Wer die Gabe des Heiligen Geistes besitzt, kann mehr Licht und ein festeres Zeugnis empfangen. Der Heilige Geist gibt Zeugnis von der Wahrheit und offenbart der Seele so eindrucksvoll, dass Gott Vater und sein Sohn Jesus Christus wirklich leben, dass keine irdische Macht den Betreffenden wieder von dieser Erkenntnis abbringen kann. (Siehe 2. Nephi 31:18.)
Ein zuverlässiger Kompass
Dem Buch Mormon, der Bibel und den übrigen heiligen Schriften sowie den Weisungen der neuzeitlichen Propheten können wir wahre Verhaltensgrundsätze entnehmen. Darüber hinaus steht uns die Gabe des Heiligen Geistes – wie unser Gewissen – als verlässlicher Führer und als sittlicher Kompass zur Verfügung. Dieser Kompass ist auf jeden Menschen individuell abgestimmt. Er irrt sich nie. Er versagt nie. Doch wir müssen seine Weisungen befolgen, wenn wir uns von den Klippen fernhalten wollen, von denen aus wir in Unglück und Selbstzweifel stürzen können.
Wir brauchen einen zuverlässigen Kompass, weil viele der Grundsätze, Ideale, Gelöbnisse und Obliegenheiten, die dazu beigetragen haben, dass wir uns unsere geistige Gesinnung, unsere Ehre, unsere Redlichkeit, unser Selbstwertgefühl und unsere anständige Gesinnung bewahren konnten, nach und nach verfälscht und verworfen worden sind. Damit meine ich unter anderem Grundsätze wie das Gesetz der Keuschheit, die Achtung vor den Eltern, die eheliche Treue und den Gehorsam gegenüber den Gesetzen Gottes, beispielsweise die Heilighaltung des Sabbats. Diese Grundsätze sind unwichtig geworden und teilweise schon überhaupt nicht mehr vorhanden. Die Gesellschaft hat sich in die Irre führen lassen.
Nach und nach wird auch das akzeptiert, was schlecht ist
Thomas R. Rowan hat einmal bemerkt, dass beim Fernsehen der Wertmaßstab immer tiefer angesetzt wird: „Der Autor und Kommentator Malcolm Muggeridge hat einmal das Beispiel von den Fröschen erzählt, die sich ohne jeden Widerstand bei lebendigem Leibe im Wasserkessel kochen ließen. Warum wehrten sie sich nicht? Weil das Wasser lauwarm war, als sie in den Kessel gesetzt wurden, und die Temperatur nur ganz allmählich anstieg – zuerst war das Wasser warm, dann wurde es ein klein wenig wärmer, dann noch ein wenig wärmer und so weiter. Die Temperatur änderte sich nur so geringfügig, fast unmerklich, dass sich die Frösche immer wieder an die neue Situation anpassten – bis es schließlich zu spät war. Malcolm Muggeridge ging es bei dieser Geschichte jedoch nicht um Frösche, sondern er wollte deutlich machen, dass wir das Schlechte akzeptieren, solange es uns nicht wie ein plötzlicher Schock trifft. Wenn etwas, das sittlich falsch ist, nur ein klein wenig von dem abweicht, was wir ohnehin schon akzeptieren, dann akzeptieren wir auch das.” (National Press Club Forum.)
Dieser schleichende Vorgang ist schon in alter Zeit von Propheten vorhergesagt worden. Nephi beispielsweise spricht davon, dass das Herz der Menschenkinder zum Zorn aufgestachelt wird „gegen das, was gut ist. „Und andere wird er beschwichtigen und in fleischlicher Sicherheit wiegen, so dass sie sprechen: Alles ist wohl in Zion; ja, Zion gedeiht, alles ist wohl; und so täuscht der Teufel ihre Seele und verführt sie — sachte hinab zur Hölle.” (2. Nephi 28:20,21.)
Der heiilge Geist kann uns Kraft schenken
Die Gabe des Heiligen Geistes bewegt uns dazu, der Versuchung zu widerstehen, indem uns zum Zeitpunkt der Versuchung das Gesetz des Evangeliums ins Gedächtnis gerufen wird. B. H. Roberts hat gesagt: „Dadurch, dass der Heilige Geist uns in dem Augenblick, wo wir in Versuchung geraten, etwas eingibt, ... gelingt es uns, ... uns an das Gesetz des Evangeliums zu halten.” (The Gospel: An Exposition of Its First Principles and Man's Relationship to Deity, Salt Lake City, 1965, Seite 191 f.)
Ich möchte vor allem die jungen Menschen auf diese besondere, überirdische Gabe aufmerksam machen, nämlich die Gabe des Heiligen Geistes, die jedem Menschen zuteil werden kann. Dieser Tröster ist ein Wesen aus Geist und gehört zur Gottheit. Im Buch Lehre und Bündnisse wird erklärt, warum der Heilige Geist ein Wesen aus Geist ist: „Der Vater hat einen Körper aus Fleisch und Gebein, so fühlbar wie der eines Menschen, ebenso der Sohn; aber der Heilige Geist hat keinen Körper aus Fleisch und Gebein, sondern ist eine Person aus Geist. Wäre es nicht so, könnte der Heilige Geist nicht in uns wohnen.” (LuB 130:22.)
Durch die Gabe des Heiligen Geistes hat jeder Mensch, der den Wunsch danach hat und würdig ist, Anspruch darauf, „die Kraft und das Licht der Wahrheit des Heiligen Geistes” zu empfangen. (Gospel Doctrine, Seite 61.) Wir können den tröstenden Einfluss des Heiligen Geistes den ganzen Tag über spüren — bei der Arbeit, beim Spielen, bei der Erholung. Sein Einfluss kann uns jahraus, jahrein Kraft geben. In Freud und Leid können wir mit seinem Beistand, mit seinem Trost rechnen.
Der Tröster schenkt uns Frieden
In unserer unsicheren Welt ist der Einfluss des Heiligen Geistes wohl der beste Garant für inneren Frieden. Weitaus mehr als jede chemische Substanz kann er uns den Sinn erweitern und dazu beitragen, dass wir uns wohlfühlen. Er kann die Nerven beruhigen; er kann unserer Seele Frieden schenken. Er steht uns in unserem Bemühen bei, ein besserer Mensch zu werden. Er kann uns Offenbarungen zuteil werden lassen, die uns vor einer drohenden Gefahr warnen oder vor Fehlern bewahren. Er kann unsere natürlichen Sinne schärfen, so dass wir klarer sehen, genauer hören und uns an das erinnern, woran wir uns erinnern sollen. Er kann uns helfen, so glücklich zu sein, wie wir nur sein können.
Mit der Hilfe des Heiligen Geistes können wir Unsicherheit bewältigen. Der Geist kann beispielsweise dazu beitragen, dass wir lernen, zu vergeben. Jeder Mensch er-reicht einmal den Punkt, wo er voranschreiten und nach Größerem streben muss, anstatt sich von der Erinnerung an ein Unrecht oder etwas, das ihn gekränkt hat, verzehren zu lassen. Wer sich ständig mit vergangenem Unrecht befasst, stößt den Heiligen Geist ab. Das ist dem Frieden nicht dienlich.
Ein festes Zeugnis
Der Heilige Geist kann uns auch helfen, Glaubenskrisen zu bewältigen. Sein Einfluss kann uns die Wahrheit bestätigen, indem er Zeugnis gibt von dem, was von Gott kommt. Diese sichere Gewissheit dringt uns tief ins Herz, so dass alle Zweifel und Fragen verschwinden. Der Apostel Paulas hat gesagt: „Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist.” (Römer 14:17.) Und an anderer Stelle hat er gesagt, ein wahrer Heiliger sei „ein Tempel des Heiligen Geistes” (1 Korinther 6:19).
Die Siegelungsvollmacht des heiligen Geistes
Ich möchte noch etwas über den Heiligen Geist der Verheißung sagen, nämlich die siegelnde und bestätigende Vollmacht des Heiligen Geistes. Wenn ein Bund oder eine heilige Handlung vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt wird, so kommt das einem Vertrag gleich, durch den allen die dazugehörigen Segnungen zuteil werden, vorausgesetzt, sie streben nach diesen Segnungen und sind rechtschaffen und treu (siehe LuB 76:50-54). Wird beispielsweise die Eheschließung für Zeit und Ewigkeit, die höchste aller heiligen Handlungen des Evangeliums, vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt, so können dadurch buchstäblich die Schleusen des Himmels geöffnet und Segnungen im Übermaß herabgeschüttet werden, wenn die Ehepartner diese Segnungen erstreben. Sie können eine erfüllte, gute und heilige Ehe führen. Sie können sich ihre eigene Persönlichkeit bewahren und doch in ihrer Ehe wie zwei Weinreben sein, die untrennbar miteinander verschlungen sind. Dabei denkt jeder zunächst an den anderen, ehe er an sich selbst denkt.
Zu den großen Segnungen, die uns durch den Heiligen Geist der Verheißung zuteil werden können, gehört auch die Segnung, dass alle Bündnisse, Gelöbnisse, Eide und Handlungen, die wir durch die Verordnungen und Segnungen des Evangeliums empfangen, nicht nur bestätigt, sondern vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt werden können. Dieses Siegel kann jedoch aufgrund von mangelnder Rechtschaffenheit wieder gebrochen werden. Dabei dürfen wir jedoch folgendes nicht außer acht lassen: Sollte jemand versuchen, diese Siegelung durch Täuschung zu erlangen, so wird „diese Segnung nicht gesiegelt. Auch die Lauterkeit und die Vollmacht, die der Amtierende besitzt, ändern daran nichts.” (Joseph Fielding Smith, Doctrines of Salvation, zusammengestellt von Bruce McConkie, 3 Bände, Salt Lake City, 1954–1956; 2:98f.)
Wird ein Bündnis beziehungsweise eine heilige Handlung vom Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt, so bedeutet das, dass der Vertrag auf der Erde und im Himmel gültig ist.
„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen”
Es ist immer wieder schön zu hören, dass ein Gebet erhört worden, dass ein Wunder geschehen ist, so wie der Betreffende es brauchte. Doch was ist mit den edlen und treuen Seelen, die kein Wunder erleben, deren Beten nicht so erhört wird, wie sie es sich wünschen? Worin finden sie Trost? Der Erretter der Welt hat verheißen, dass er uns nicht einsam zurücklassen, sondern wieder zu uns kommen werde. Er hat versprochen, der Vater werde uns in seinem Namen den Beistand, den Tröster senden, nämlich den Heiligen Geist. (Siehe Johannes 14:18,26.) Oder anders ausgedrückt: Die Gabe des Heiligen Geistes ist eine geistige Kraft, die es demjenigen, der Anspruch darauf hat, ermöglicht, größere Erkenntnis zu gewinnen und den Einfluss Gottes zu spüren.
Was Joseph Smith Brigham Young geraten hat
Brigham Young hatte im Februar 1847 ein erhebendes Erlebnis. Der Prophet Joseph Smith erschien ihm im Traum beziehungsweise in einer Vision, und Brigham Young bat darum, wieder mit ihm vereint sein zu dürfen. Er fragte den Propheten, ob er eine Botschaft für die Führer der Kirche habe. Daraufhin sagte Joseph Smith: „Sag den Mitgliedern, sie sollen demütig und treu sein und darauf achten, dass sie den Geist des Herrn mit sich haben, denn er wird sie richtig führen. Sie müssen immer auf die leise, feine Stimme hören, denn sie sagt ihnen, was sie tun und wohin sie gehen sollen, und sie bringt die Früchte des Reiches hervor. Sag den Brüdern, sie sollen ihr Herz immer öffnen, damit es bereit ist, den Heiligen Geist auf-zunehmen, wenn er zu ihnen kommt.” Weiterhin erklärte der Prophet Joseph Smith dem Brigham Young: „Sie können den Geist des Herrn leicht von allen anderen Geistern unterscheiden, denn er flüstert ihrer Seele Frieden und Freude zu. Er löscht Groll, Hass, Streit und alles Böse aus ihrem Herzen aus. Dann sind sie ganz von dem Wunsch beseelt, Gutes zu tun, Rechtschaffenheit hervorzubringen und das Gottesreich aufzubauen.” (Manuscript History of Brigham Young, 1846–1847, zusammengestellt von Elden J. Watson, Salt Lake City, 1971, Seite 520.)
Ein ständiger Begleiter
Da wir hier auf der Erde nicht wie Simon Petrus, Jakobus, Maria, Marta und andere in der Gegenwart des Herrn leben können, kann die Gabe des Heiligen Geistes unser Beistand, unser Tröster und unser zuverlässiger Kompass sein. Wenn wir geistig reifer werden – und zwar angeleitet vom Heiligen Geist –, so nimmt unser Selbstwertgefühl zu, und uns wird bewusst, wohin wir gehören und wer wir sind. Ich bezeuge Ihnen ferner, dass es mir lieber wäre, jeder Mensch würde sich des Einflusses des Heiligen Geistes erfreuen statt eines anderen Einflusses, da dieser Geist ihn zu Licht, Wahrheit und reiner Intelligenz führt, wodurch er in die Gegenwart Gottes zurückgeführt werden kann. Folgende Verheißung des Herrn kann für jeden von uns in Erfüllung gehen: „Der Heilige Geist wird dir ein ständiger Begleiter sein und dein Zepter ein unwandelbares Zepter der Rechtschaffenheit und Wahrheit, und deine Herrschaft wird eine immerwährende Herrschaft sein, und ohne Nötigung wird sie dir zufließen für immer und immer.” (LuB 121:46.)
