Freiberg Deutschland Tempel

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Freiberg Tempel
Freiberg Tempel

Der Freiberg-Tempel ist der erste deutsche Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Er wurde in der Zeit von 1982 bis 1985 errichtet und am 29. Juni 1985 - von Präsident Gordon B. Hinckley geweiht. Nichtmitglieder wie Mitglieder erkundigen sich immer wieder, wie es zum Bau des Tempels gekommen ist und warum er gerade in Freiberg errichtet wurde. In diesem Rückblick wollen wir versuchen, die häufigsten Fragen zu beantworten.

Für die Heiligen der Letzten Tage ist es nicht ungewöhnlich, vom Tempel und von den heiligen Handlungen des Tempels zu sprechen und selbst zum Tempel zu gehen, um dort mit Gott Bündnisse einzugehen. Nur Mitglieder, die sich als würdig erweisen, dürfen den Tempel betreten. Die Mitglieder betrachten es als Gebot, als von Gott gegebene Aufforderung, in den Tempel zu gehen. Viele von uns leben jedoch in einem Teil der Welt, wo es noch keinen Tempel gibt, und manche haben trotz ihrer Glaubenstreue in diesem Leben nicht die Möglichkeit, einen Tempel zu besuchen.

1985 war es uns aus bekannten Gründen nicht möglich, ausführlicher über die Entstehung des Freiberg-Tempels zu berichten. Nun wollen wir dies nachholen. Schon 1981 wurde der Bau eines Tempels in der Bundesrepublik Deutschland - in Friedrichsdorf bei Frankfurt - angekündigt. Es gab aber Verzögerungen, und so konnte dieser Plan nicht so rasch wie gewünscht verwirklicht werden. Um so überraschter war die deutsche Öffentlichkeit, insbesondere die deutschen Mitglieder, als der am 9. September 1982 in der Zeitschrift Church News angekündigte „Tempel in der DDR-Stadt Freiberg” nach knapp drei Jahren fertiggestellt und geweiht wurde.

Warum hatte die Kirche für die deutschen Mitglieder zwei Tempel geplant – und dies auch noch zeitgleich? Es war den Regierungen Osteuropas wohl nicht möglich, ihre Bürger frei in alle Länder reisen zu lassen. So war es auch den Mitgliedern im Osten verwehrt, in ein Land zu reisen, wo es einen Tempel gab. Beim Tempel in der DDR ging es weniger darum, die ostdeutschen Mitglieder den westdeutschen gleichzustellen. Die Führer der Kirche wollten vielmehr den Mitgliedern im Osten die gleichen Segnungen zugänglich machen, wie sie anderen Mitgliedern in vielen Teilen der Erde schon lange zur Verfügung stehen. Die westdeutschen Mitglieder hatten zwar keinen eigenen Tempel, aber sie konnten recht problemlos den schon 1955 geweihten Tempel in der Schweiz besuchen.

In der Geschichte des Freiberg-Tempels ist folgendes zu lesen:

„Nachdem der Tempel in der Schweiz am 11. September 1955 seiner Bestimmung übergeben worden war, hatten viele Heilige in Europa den Wunsch, diesen Tempel zu besuchen. Viele verließen ihre Heimat, um an einen Ort zu gelangen, von dem aus sie den Tempel besuchen könnten. Aber noch viel mehr blieben dort, wo sie waren, und nur wenige von ihnen hatten die Möglichkeit, ihre Wünsche erfüllt zu sehen.
Oft wurden deswegen inbrünstige Gebete zum Himmel gesandt, damit Wege geöffnet würden, den Tempel besuchen zu können. Was lag also den Priestertumsführern unseres Landes näher, als nach Möglichkeiten zu suchen, wie diese Bitten erfüllt werden könnten. Der Tempel in der Schweiz, so nah und doch so fern für die Mitglieder in der DDR, war das ersehnte Ziel.”

1952 wurde Henry Burkhardt als Ratgeber in die Missionspräsidentschaft, die ihren Sitz in West-Berlin hatte, berufen. Eine seiner Aufgaben bestand darin, für die Mitglieder in der DDR die Versammlungen und Gottesdienste zu gewährleisten und enge Verbindung zur Führung der Kirche zu halten. Das war bis zum Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 relativ gut möglich, aber danach war die Verbindung so gut wie abgeschnitten.

Neben den allgemeinen Problemen der Kirchenarbeit in der DDR betonte Henry Burkhardt bei Gesprächen mit den staatlichen Behörden immer wieder, wie wichtig den Mitgliedern der Besuch des Tempels sei. Aber immer wieder kam die gleiche Antwort: Für eine Reise in die Schweiz (oder nach England) sind noch nicht die notwendigen Voraussetzungen geschaffen.

So stellte sich für die Mitglieder in der DDR immer dringender die Frage nach dem Besuch eines Tempels. „Illegale” Besuche des Tempels in der Schweiz durch Mitglieder, die die Erlaubnis hatten, in den Westen zu reisen, wurden den staatlichen Behörden bekannt und schließlich durch Androhung von Konsequenzen unterbunden. So sank die Anzahl der Besuche von Mitgliedern aus der DDR im Tempel in der Schweiz schließlich auf Null. Wie aber war das Problem mit dem Besuch des Tempels zu lösen? Es gab auf dem Weg hin zum Tempel mehrere wesentliche Etappen, die wir hier kurz aufzeigen wollen. Die Mitglieder, die heute in den sogenannten neuen Bundesländern leben, sind fest davon überzeugt, daß diese Etappen in der Geschichte der Kirche in Ostdeutschland Meilensteine auf dem Weg zum Tempel sind. Wenn auch die Mitgliederzahlen im Laufe von 30 Jahren um etwa 20 Prozent zurückgingen, so nahm durch die starken Priestertumsführer die Geistigkeit unter uns trotz der Einschränkungen stetig zu. Und dies sind nun die Meilensteine, die den Weg hin zum Tempel kennzeichnen:

  • 14. Juni 1969 – Zusammenfassung aller Distrikte der Kirche in der DDR zur „Dresdner Mission”. Henry Burkhardt, der bisher als Ratgeber in der Missionspräsidentschaft diente, wird als Missionspräsident in der DDR berufen. Hierzu ein Auszug aus der Tempelgeschichte:
„Präsident Burkhardt berichtete, daß er zur Zeit seiner Berufung als Missionspräsident ganz stark die Verantwortung gegenüber den Mitgliedern der Dresdner Mission fühlte, an ihrer Vervollkommnung zu arbeiten und ihnen den Weg zum Tempel zu ebnen. Damit war der neuen Missionspräsidentschaft eine nicht einfache Aufgabe übertragen, die aber noch keinerlei Lösungsansatz zeigte.”
  • April 1972 — Der Missionspräsident der Dresdner Mission besucht erstmals die Generalkonferenz in Salt Lake City. Damit wird etwas wahr, was Apostel Thomas S. Monson Ende der 60er Jahre anläßlich eines Besuchs als „Tourist” in Erfurt gesagt hat, nämlich: :„Wenn der Herr die Zeit für gekommen hält, werden Sie an der Generalkonferenz in Salt Lake City teilnehmen!”

Nur wer die damaligen Verhältnisse und (Un-) Möglichkeiten in der DDR kennt, wird die Bedeutung dieses prophetischen Wortes von Elder Monson zu schätzen wissen!

  • 27. April 1975 – Elder Thomas S. Monson kommt offiziell in die DDR und weiht das Land erneut für die Verkündigung des Evangeliums. Unter anderem sagte er bei diesem Anlaß:
Himmlischer Vater, öffne den Weg, daß die Treuen und Glaubensvollen hier das Vorrecht bekommen können, in deinen heiligen Tempel zu gehen, um ihr heiliges Endowment zu empfangen und als Familie für Zeit und alle Ewigkeit gesiegelt zu werden. ... Gib uns deine geistigen Segnungen. Bring diesem Land Zion in all seiner Herrlichkeit!”

Nach diesem sehr verheißungsvollen Segen erlebten die Mitglieder in der DDR einen großen geistigen Aufschwung. Es kam immer mehr Begeisterung für das Werk Gottes auf; es wurde viel zielstrebiger in allen Aktivitäten gearbeitet. Die Gemeinden und Zweige waren geistig gestärkt und wurden gefestigt.

  • Mai 1978 – Während eines Gesprächs, das der Missionspräsident im Staatssekretariat für Kirchenfragen in Berlin führte, sprach er wieder die Reisemöglichkeiten für die Mitglieder zum Tempel an. Dies war permanenter Bestandteil der Gespräche mit den staatlichen Stellen in Berlin. Ganz unverhofft wurde ihm der Vorschlag unterbreitet, doch „einen solchen Bau in der DDR zu errichten.” Präsident Burkhardt berichtete: „Dieser Vorschlag kam vollkommen unerwartet, und ... man bat mich, ... darüber mit der Ersten Präsidentschaft zu sprechen.”

Der zuständige Regionalrepräsentant, Dan C. Jorgensen, unterbreitete der Ersten Präsidentschaft diesen Vorschlag, damit darüber beraten werden konnte. Man mußte sich überhaupt erst einmal mit dem Gedanken befassen, „einen solchen Bau” in der DDR zu errichten!

  • 17. Mai 1979 – Nach vielen Beratungen in der Ersten Präsidentschaft und mit der Missionspräsidentschaft der Dresdner Mission wurde Präsident Burkhardt beauftragt, dem Staatssekretariat für Kirchenfragen einen Brief zu schreiben. Er tat das am 17. Mai 1979. Dieser Brief ist das erste an eine nicht-kirchliche Behörde gerichtete offizielle Dokument, in dem auf die Tempelbesuche der Mitglieder im Osten eingegangen wird. Damit waren aber noch keinerlei Einzelheiten festgelegt.
  • Mai 1980 — Es war beschlossen worden, in der DDR zu bauen und so das Problem zu lösen!

Ein von der Kirche vorgeschlagener Standort für ein „Verordnungshaus” (von einem Tempel war noch gar nicht die Rede) in Karl-Marx-Stadt, das heute wieder Chemnitz heißt, wurde von den staatlichen Stellen abgelehnt. Begründung: Eine Bezirksstadt komme nicht in Frage, sondern nur eine Kreisstadt. Außerdem, so wurde argumentiert, seien in Karl-Marx-Stadt „schon genügend Kirchen” vorhanden. Offensichtlich war ein neues Kirchengebäude in einer Bezirksstadt, die ja eine gewisse Zentrumsfunktion hat, nicht angebracht.

  • September 1980 – Nach Ablehnung des Vorschlags der Kirche, in Karl-Marx-Stadt zu bauen, wurde nach Beratung weiterer möglicher Standorte Freiberg vorgeschlagen. Die Missionspräsidentschaft beriet, betete und fastete und entschied schließlich, daß Freiberg ein guter Platz sei, zumal es genau zwischen Dresden und Karl-Marx-Stadt liegt.

Aus Leipzig hat man über die neue Autobahn eine gute Verbindung nach Freiberg, Annaberg ist nur etwa 60 km entfernt, in der Nähe Freibergs gibt es einige weitere kleine Gemeinden, und es sind gute Straßenverbindungen zu zwei Grenzübergängen nach Tschechien vorhanden. Das waren gute Argumente für Freiberg.

  • März 1981 – Der Standort Freiberg wird von allen Beteiligten (Kirche und staatliche Dienststellen) gutgeheißen. Nach intensiven Beratungen der Führer der Kirche wird nun nicht mehr von einem „Verordnungshaus”, sondern von einem Tempel gesprochen.
  • 8. Februar 1982 – Unter dem Vorsitz von Elder Robert D. Hales wird in Freiberg das Tempelkomitee gebildet, das Elder Hans B. Ringger leitet. Weitere Mitglieder waren der spätere Tempelpräsident Henry Burkhardt, die Pfahlpräsidenten Frank Apel und Manfred Schütze, die Ratgeber der Missionspräsidentschaft, Gottfried Richter und Günter Schulze, der spätere Tempelrecorder Karlheinz Leonhardt und ein Führungssekretär. In der konstituierenden Sitzung des Tempelkomitees berichtete Elder Hales, Präsident Spencer W. Kimball habe gesagt, er werde so lange leben, bis der Freiberg-Tempel fertiggestellt und geweiht worden ist! Die Anwesenden waren davon sehr berührt, wußten sie doch um den Gesundheitszustand des damaligen Propheten. (Präsident Spencer W. Kimball starb am 4. November 1985.)
  • 9. Februar 1982 — In Freiberg sind von der Stadtverwaltung zwei Bauplätze vorgeschlagen worden. Es wird beschlossen, das Grundstück an der Hainichener Straße zu kaufen.
  • 29. August 1982 – Gründung des Pfahles Freiberg, des ersten Pfahls in Ostdeutschland.
  • 9. Oktober 1982 – Unter der Überschrift „Temple to be build in German Democratic Republic” gibt die Kirche in den Church News bekannt, daß in Freiberg ein Tempel gebaut wird.

Nach der offiziellen Bekanntgabe zeigte sich in der Öffentlichkeit ein überaus großes Interesse für die Kirche und das Bauvorhaben. Viele Menschen hatten noch nie etwas von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gehört. Von „Mormonen” war ebenso wenig bekannt, es sei denn, man hatte den einen oder anderen Mitarbeiter, von dem man hinter vorgehaltener Hand zu hören bekam, er sei „Mormone”.

In den Räumen des alten Gemeindehauses in Freiberg wurden wegen des großen Interesses Informationsabende für die Bürger abgehalten. In der Presse wurde darüber nicht berichtet, man schwieg einfach. Die Stadtverordneten kommentierten in ihrer Sitzung die Baugenehmigung nur mit einem Satz. Es wurden keinerlei Fragen zum Vorhaben zugelassen, man wechselte sofort das Thema. Erläuterungen gab es nur durch uns — die Mitglieder und die Pfahlmissionare, die sich nunmehr offener und selbstbewußt zur Kirche bekannten.

Als im Frühjahr 1983 die Baustelle an der Hainichener Straße in Freiberg eingerichtet wurde und eine etwa 3 m' große Bautafel über das Vorhaben informierte, „pilgerten” Hunderte dorthin, um sich persönlich davon zu überzeugen, daß der Bau des Tempels kein Gerücht sei!

Die Pfahlmissionare (damals gab es im Osten noch keine Vollzeitmissionare) nutzen die Gelegenheit, um „vor Ort” mit den Menschen zu sprechen. Diese Form der Information wurde kurze Zeit später aber von den Polizeibehörden verboten: dafür seien die Gemeinderäume zu nutzen. Davon wurde dann auch sehr rege Gebrauch gemacht.

Die Missionspräsidentschaft hatte die Mitglieder aufgerufen, für den Bau des Tempels angemessen zu spenden. Die (laut den Berichten) 4000 Mitglieder brachten immerhin einen Betrag von über 600.000,—Mark zusammen.

  • Der erste Spatenstich erfolgte am 23. April 1983 und wurde von Elder Thomas S. Monson vorn Rat der Zwölf Apostel vorgenommen. Elder Monson wurde von Elder Robert D. Hales, Elder Hans B. Ringger und Elder F. Enzio Busche begleitet. Diese Brüder waren sehr an der Verwirklichung des Tempelbaus beteiligt. Nach dem Spatenstich kamen nun auch die ersten Artikel in der Presse, die über das Ereignis berichteten.
  • Etwa ein halbes Jahr später fand im Oktober 1983 das Richtfest für das Kirchengemeindezentrum statt. So nannte man den gesamten Baukomplex. Elder Richard J. Clarke von der Präsidierenden Bischofschaft schlug den Sparrennagel auf dem Dach des gleichzeitig errichteten Gemeindehauses Freiberg ein. Das Gemeindehaus wurde gleich neben dem Tempel errichtet und diente dem Tempel in den ersten neun Jahren als Herberge. Die Bauübergabe an die Kirche erfolgte am 26. April 1985, wobei im Gegensatz zu vielen DDR-Bauten alle Wege, Parkplätze, Zäune, Grünflächen und Beleuchtungen sowie die Bepflanzung komplett fertig waren.

Nun konnten die Tage der offenen Tür vorbereitet und Tempel sowie Gemeindehaus der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Erste Präsidentschaft hatte den Termin für die Tage der offenen Tür für die Zeit vom 1. bis 16. Juni 1985 festgelegt. Tausende nutzten die Gelegenheit, sich einen Tempel der Kirche anzusehen.

Freiberg am Tag der offenen Tür endloser Besucheransturm
Freiberg am Tag der offenen Tür endloser Besucheransturm

Die Tage der offenen Tür waren für alle Beteiligten ein großartiges Erlebnis. Das Tempelkomitee hatte einen kurzen Dia-Vortrag vorbereitet, den die Besucher sich ansehen konnten, um sich auf den Besuch des Tempels einzustimmen. Es wurde mit etwa 40.000 bis 50.000 Besucher gerechnet, doch es kamen 89.790. Die Tempelgeschichte vermerkt dazu:

„Auch an Regentagen warteten die Besucher bis zu fünf Stunden, geduldig den Regenschirm haltend und ausharrend. Normalerweise wurde um 20 Uhr geschlossen. Als wir am Juni um diese Zeit das Parkplatztor schlossen, standen noch etwa 2000 Personen auf dem Tempelplatz und im Gemeindehaus. Allen wurde dennoch die Möglichkeit gegeben, den Tempel zu besichtigen. So war der letzte Besucher, der den Tempel betrat, erst am Juni um 1:08 Uhr nachts am Eingang des Tempels, den er dann um 1:16 Uhr verließ. Das war für das Personal der längste Tag während der Tage der offenen Tür, aber auch ein großartiges Erlebnis!” Es gab Wartezeiten bis zu 7 Stunden, und wir alle waren erstaunt, daß die Menschen so lange warteten, um eine Kirche sehen zu können.

Es war auch eine großartige Zeit für die Pfahlmissionare, die mit den Besuchern sprachen. Nach den Tagen der offenen Tür wurden die Missionare gebeten, Zeugnis zu geben. Davon einige Beispiele:

„Wunderbare 16 Tage konnte ich erleben – Tage, die der Herr für uns eingerichtet hat, damit wir ihm dienen können. Tage, an denen mir meine Berufung, das Evangelium zu verkündigen, erst richtig bewußt geworden ist!”
„Wenn ich Zeit hätte, würde ich ständig vor dem Tempel stehen und mit den Menschen sprechen.”
„Wir Missionare wurden von dem großen Interesse für das Evangelium mitgerissen und begeistert. Zutiefst bin ich über meinen Unglauben beschämt worden. ... Die Auswirkungen des Geistes wurden mir zu einer Offenbarung.”
„Ich hatte immer angenommen, daß ich wüßte, was Inspiration sei.... Wirkliche Inspiration habe ich aber erst am Tempel kennengelernt.”
„Mein Zeugnis ist sehr gestärkt worden!”
„Oft hatte ich Gelegenheit, die Kinder von wartenden Leuten 'einzusammeln'.... Zum erstenmal in ihrem jungen Leben hörten sie die Lieder der Primarvereinigung. Ich bin ein Kind des Herrn hat den Kindern beim Singen Freude bereitet. Viele Eltern waren gerührt, als sie ihre Kinder dies singen hörten. Ich fühlte mich immer recht gut, wenn ich nach der Belehrung über einen Grundsatz der Kirche mein persönliches Zeugnis geben konnte.”

Die Weihung des Tempels wurde in zwei Abschnitte gegliedert, da die vielen außerkirchlichen Gäste nicht an der eigentlichen Weihung teilnehmen konnten. Nach der Ecksteinlegung wurde daher im Tempel eine Weihungsversammlung abgehalten, an der alle Gäste teilnehmen konnten.

Die Weihung des Gebäudes als Haus des Herrn erfolgte in sieben Sessionen. Die erste Session fand am Freitag, den 29. Juni 1985, um 8 Uhr statt. Das Weihungsgebet wurde von Präsident Gordon B. Hinckley von der Ersten Präsidentschaft gesprochen. Damit war der Tempel geweiht und ist seither nur noch von Mitgliedern zu betreten, die einen Tempelschein haben.

Die Weihung wurde in fünf andere Räume des Tempels übertragen. Es gab insgesamt 292 Sitzplätze, doch wurden in den sieben Weihungssessionen noch 40 Stehplätze für den Chor gebraucht. In jeder der folgenden Sessionen wurde das Weihungsgebet verlesen. Für alle war es ein ganz besonderes Erlebnis, an der Weihung des Tempels teilzunehmen. Nie zuvor hatten die Mitglieder im Osten Gelegenheit, die Weihung eines Tempels mitzuerleben. Abschließend noch ein allgemeiner Bericht über die ersten Wochen der Arbeit im Freiberg-Tempel.

Damit die Arbeit beginnen konnte, wurden am Montag, dem 1. Juli 1985, die ersten stellvertretenden Taufen vollzogen. Die jungen Mitglieder der Gemeinde Freiberg durften die ersten heiligen Handlungen für Verstorbene im Tempel vollziehen. So wurden am ersten Tag über 600 Personen stellvertretend getauft und konfirmiert. Der Tempelpräsident sowie der Pfahlpräsident, in dessen Bereich der Tempel steht, waren die ersten Täufer im Freiberg-Tempel.

In den folgenden Wochen hatten die ostdeutschen Mitglieder nun Gelegenheit, selbst die Begabung und die Siegelungen zu empfangen. Das waren erlebnisreiche Tage und Wochen für all die treuen Mitglieder hier im Osten.

Ganz junge Ehepaare, Ehepaare mittleren Alters, aber auch vom Leben gebeugte Ehepaare mit weißen Haaren kamen das erste Mal zum Tempel und wurden gesiegelt. Sie alle, ob jung oder alt, hatten nunmehr Teil an der himmlischen Gabe. Den jungen Mitgliedern war die Siegelung im Tempel eine Lebensperspektive, den Alten und Betagten war sie Krönung ihrer jahrzehntelangen Mitgliedschaft in der Kirche und der Treue gegenüber ihrem Ehepartner. Sie alle kamen freudig und voller Erwartung zum Tempel, und in dem Bewußtsein, endlich am Ziel zu sein. Es floß manche Träne des Glücks. Nie wieder haben wir im Freiberg-Tempel in einem Monat mehr Begabungen und Ehesiegelungen für Lebende vollzogen, als in diesem ersten Monat nach der Weihung.

Noch heute, nachdem der Tempel bereits ein fester Bestandteil im Leben der Mitglieder ist, sieht man ihn immer noch als ein Wunder an. Daß der Tempel auch Bestandteil der Stadt Freiberg geworden ist, kann man daran erkennen, daß viele Freiberger von „unserem Tempel” sprechen, wenn man nach dem Weg zum Tempel fragt. Auch das ist ein gutes Zeichen.

verwendete Quellen

  • Der Stern Oktober 1995

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