N. Eldon Tanner
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Ein Mann voller Ehrhaftigkeit
Bruder Tanner wurde innerhalb und auch außerhalb der Kirche Hochachtung und Bewunderung entgegengebracht. Es scheint so, als habe der Herr ihn von einem überaus bescheidenen Anfang her für sein jetziges Führungsamt in der Kirche vorbereitet, wie es sein ständiger Aufstieg zeigt. Seine Leistungen signalisierten seine künftige Größe.
Eldon wurde am 9. Mai 1898 als erstes Kind von Nathan William Tanner und seiner Frau Sarah Edna, geb. Brown, geboren. Sie stammten aus Utah, waren aber nach Kanada übersiedelt. Ihre erste Wohnung war eine Erdhöhle, die aus einem Raum bestand und in eine Bergwand gehauen war. Das ganze wurde mit großen Balken abgestützt. Eldon wurde jedoch nicht dort — ca. 10 Kilometer südlich von Cardston — geboren, da seine Mutter nach Salt Lake City zurückgekehrt war, um bei der Geburt ihres ersten Kindes bei ihrer Mutter zu sein.
Zu der Zeit war ich 14 Jahre alt. Man hatte Dr. Ellis Shipp gerufen, doch der kam ziemlich spät. Damals fuhr man noch mit Pferd und Wagen. Deshalb bereitete mich meine Mutter schon darauf vor, daß ich dabei helfen sollte, einer neuen Seele das Leben zu schenken. Doch zu meiner großen Erleichterung kam Dr. Shipp gerade rechtzeitig zur Entbindung. Meine erste Erinnerung an Eldon war sein erster Schrei, als ich zum Helfen bereitstand. Seit jener Zeit gibt es zwischen uns ein Band, da ich ihn gleich und im Inneren als Kind, dem Großes verheißen war, erkannte.
Eldons frühe Jugend war glücklich, aber war auch voll zahlreicher Pflichten. Als ältester in einer Familie mit acht Kindern mußte er immer das richtige Vorbild für seine jüngeren Geschwister abgeben. Er gibt jedoch zu, daß er ein normaler Junge war, der mit den üblichen Versuchungen fertig werden mußte. Einmal, als sein Vater, ein Bischof, mehrere Stunden lang fortbleiben sollte, ersann er Aufgaben für die Jungen, die sie in seiner Abwesenheit erfüllen konnten.
Nachdem der Vater gegangen war, meinten die Jungen, dass es doch Spaß machen müsse, auf den Kälbern auf einer Weide in der Nähe zu reiten. Sie hatten so viel Spaß, dass die Zeit im Nu verging, bis der Vater zurückkam. Doch anstatt sie auszuschimpfen oder ihnen eine ernste Rüge mittels Weidenstock zu erteilen, nahm er sich nur Eldon zur Seite, sah ihm tief in die Augen und sagte: „Mein Junge, ich dachte, ich könnte mich wenigstens auf dich verlassen.” Das war ihm Strafe genug, und er beschloss auf der Stelle, dass ihn sein Vater nie mehr so zu strafen brauchte.
Als Jugendlicher lernte er die Tugend des Selbstvertrauens und der Entschlossenheit, eine Arbeit zu verrichten, die ihm anfangs als zu schwer erschien. Schon als Junge musste er ein Gespann mit vier Pferden. lenken, mit dem er, oft im Schneesturm, Getreide zum Speicher brachte. Auf der Farm lernte er den Wert harter Arbeit kennen und machte es sich in seinem Leben zur Regel, der gerade anliegenden Arbeit seine volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Ein Erlebnis, das er mit 15 Jahren hatte, ist kennzeichnend für seinen Charakter. Während er die Rinder hütete, stürzte er vom Pferd. Als er wieder auf den Beinen war, bemerkte er, daß drei Finger nach hinten gegen den Handrücken umgeknickt waren und der Knochen des Mittelfingers aus dem Fleisch hervortrat. Mit einem beherzten Ruck griff er seine Finger, renkte sie wieder richtig ein, bestieg sein Pferd und ritt zu einem Arzt, der sich über den Mut des Jungen wunderte. Die Knochen waren alle am richtigen Platz, so daß der Arzt bloß noch das Fleisch zu vernähen brauchte.
Selbst als Junge übernahm er schon eine Verantwortung, die man seinem Alter sonst nicht zutraut. Als einmal seine ganze Familie an Pocken erkrankt war, gab es außer ihm keinen Krankenpfleger. Während er für die Kranken sorgte, bekam er zwei Nächte und drei Tage lang keinen Schlaf. Keiner der Nachbarn wagte zu kommen, da sie alle diese schreckliche Krankheit fürchteten.
Obgleich seine Schulbildung oft durch Ernte- und andere Farmarbeit unterbrochen wurde, waren seine Eltern fest entschlossen, ihm eine gute Schulbildung zukommen zu lassen. In der kleinen Stadt Aetna absolvierte er das neunte Schuljahr, wonach er die Knight-Academy in Raymond besuchte. Dort schloss er erfolgreich das zehnte und elfte Schuljahr ab. Später nahm er an einem sechsmonatigen Kursus am Lehrerbildungsseminar in Calgary teil, während er seinen Unterhalt in einer Metzgerei und in einem Lebensmittelgeschäft verdiente.
Im Jahre 1919 bot man ihm zwei Stellen als Lehrer an. Eine war in Hill Spring in der Nähe, wo seine Familie wohnte; doch die andere war recht verlockend, obgleich sie weiter weg lag, da ihm dort ein besseres Gehalt geboten wurde. Die Liebe zu seiner Familie und der Kirche. gaben jedoch den Ausschlag, und er nahm die Stellung als Direktor und Lehrer an einer Schule mit drei Räumen in Hill Spring an.
In Hill Spring traf er dann auch als Antwort auf seine Träume und Gebete eine reizende braunäugige Lehrerin namens Sara Isabelle Merrill und verliebte sich in sie. Sie heirateten am 20. Dezember 1919 und wurden später nach der Weihung des Tempels in Alberta im Jahre 1923 dort für die Ewigkeit gesiegelt.
Während des ersten Jahres als Lehrer unterrichtete er das siebte und achte Schuljahr. Da es keine höhere Schule in Hill Spring gab, unterrichtete er jedes Jahr eine zusätzliche Klasse, bis seine sechs Schüler, die er ursprünglich in der achten Klasse unterrichtet hatte, das elfte Schuljahr beendet hatten. Jedes Jahr bestanden 10090 seiner Schüler (mit Ausnahme eines einzigen) die strengen Prüfungen seitens der Regierung, die zur Versetzung erforderlich waren.
Im Herbst 1922 verließen Eldon und seine sechs nunmehr abgegangenen Schüler Hill Spring, um zusammen das zwölfte Schuljahr in Cardston zu durchlaufen. Somit hatten die Schüler das einzigartige Erlebnis, mit ihrem ehemaligen Lehrer die höhere Schule zu absolvieren. Im darauffolgenden Jahr kehrte er nach Hill Spring zurück und nahm den Unterricht wieder auf.
Man befand sich in den Jahren der Wirtschaftskrise, und Lehrer an den Schulen wurden schlecht bezahlt. Da auch die Familie Eldon Tanners ihr mageres Einkommen aufbessern musste, verkauften sie ihren einzigen Besitz, eine schöne neue Ford-Limousine. Sie verwandten den Erlös als Anzahlung für eine kleine Gemischtwarenhandlung, die sie während der Schulzeit führten. Ein derartiges Geschäft führte damals noch alles vom Stoff bis zu landwirtschaftlichen Maschinen, und das Geschäft blühte dermaßen auf, daß er sein Lehramt aufgab, um den Laden und das Postamt zu führen. Er unterhielt eine eigene Spedition von Lethbridge und Cardston aus.
Als nächstes übernahm Bruder Tanner eine Stellung als Lehrer an einer höheren Schule in Cardston und zog mit seiner Familie dorthin um. Während der acht Jahre, die er in Cardston verbrachte, war er im Stadtrat, Direktor einer Grundschule, Pfadfinderführer, Ratgeber des Bischofs und später selbst Bischof der Cardston-First-Ward.
Durch seine Taten als Ratgeber des Bischofs und Berater des Diakonskollegiums zeigte er seine Demut und seine Führungsfähigkeiten. Ein paar Jungen kamen nicht zu den Versammlungen. Bald entdeckte er auch den Grund, als er sie zu Hause besuchte. Sie hatten keine Sonntagssachen und schämten sich, ihre einfache Kleidung zu tragen. Am folgenden Sonntag trafen sich alle in einfacher Kleidung in der Priestertumsversammlung, wie es vorher abgemacht worden war. Man braucht wohl gar nicht mehr zu sagen, dass er die Liebe dieser Jungen gewann und daß sie bald hundertprozentig aktiv waren.
Während dieser Zeit besserte er sein Lehrergehalt dadurch auf, dass er Versicherungen und Anzüge verkaufte. Auch hielt er Milchkühe, und seine beiden ältesten Töchter lieferten täglich die Milch aus, wobei sie die Milchflaschen um ihre Hüfte und Schulter geschnallt trugen und durch tiefen Schnee stapfen mussten. Schwester Tanner stellte all die Kleidung für ihre fünf kleinen Töchter selbst her, und so hatte jeder etwas im Haushalt zu tun. Ihre Tochter Ruth beschrieb es folgendermaßen: „In den Jahren der Wirtschaftskrise schien es, als hielten sich all die anderen Kinder für arm. Wir nicht; denn wir waren viel zu beschäftigt.”
Auf diese Weise brachte Bruder Tanner seinen Kindern früh bei, wie wichtig schwere Arbeit und Zuverlässigkeit sind. Bei der Erziehung der Kinder gab es manchmal Schläge, doch öfter war es nur ein sehr strenger Blick. Ruth erinnert sich daran, wie sie dachte: „Nein, das darf ich nicht tun. Vati könnte mich ansehen!”
Alle fünf kleinen Mädchen verehrten ihren Vati, und obgleich er der strenge Erzieher war, so hatte er doch schnell ein Wort des Lobes oder des Trostes, wenn sie sich verletzt hatten oder krank waren.
Obgleich er seine Liebe und Wertschätzung zu seiner Frau nicht öffentlich zur Schau stellte, zeigte sie sich doch in einem flüchtigen Blick oder darin, dass er ihre Hand berührte, wenn er an ihrem Platz vorbeikam und seinen Platz auf dem Podium des Tabernakels einnahm. Sie gab ihm Trost und große Stärke.
Im Jahre 1935 gewann in der Provinz Alberta eine neue Partei an Ansehen, und man überzeugte Bruder Tanner davon, doch für ein politisches Amt zu kandidieren. Damals wurde er in das Parlament der Social-Credit-Regierung gewählt. Dies erforderte, dass er mit seiner Familie von Cardston nach Edmonton umzog. Der Umzug ging aber erst dann vonstatten, nachdem die Angelegenheit von beiden Eltern sorgfältig durchdacht und darüber gebetet worden war.
Bruder Tanner wurde zum Sprecher des Unterhauses ernannt, obgleich er noch bei keiner Sitzung des Parlamentes zugegen gewesen war. In der Zeit, wo er als Vorsitzender dieser Körperschaft von 63 Mitgliedern fungierte, bewies er Tüchtigkeit und organisatorische Begabung und Fähigkeit. Tag und Nacht studierte er, um sich mit den parlamentarischen Vorgängen vertraut zu machen. Seitdem hat er einmal geäußert, dass ihm sein Leben weitgehend wie eine Aneinanderreihung von Aufgaben vorkäme, auf die er nicht vorbereitet gewesen sei, und dass ihn jede dazu veranlasst habe, seinen geistigen Horizont etwas weiter zu strecken.
Seine Fähigkeit und sein großes Leistungsvermögen wurden vom Premierminister Aberhart bemerkt, der ihn im Dezember 1936 bat, Mitglied seines Kabinetts zu werden. Bruder Tanner dachte, dass man ihn bitten werde, das Ressort ,Bildung' oder ,Inneres' zu übernehmen. Statt dessen wurde er zum Minister für Landwirtschaft und Bergbau ernannt. Später wurde das Ministerium geteilt, nämlich in ,Bergwerke und Mineralien' und ,Landwirtschaft und Forsten'. Als Chef dieser beiden Ministerien war er für die Verwaltung aller Bodenschätze Albertas verantwortlich, einschließlich der riesigen Vorkommen an Erdöl und Erdgas — eines schlafenden Riesen.
Als er anfing, Maßnahmen zur Energieerhaltung zu planen, waren nicht nur ihm, sondern auch der Provinz Alberta Tür und Tor zu großen Möglichkeiten geöffnet worden. Er führte Gesetze ein, die anderen kanadischen Provinzen und selbst anderen Ländern zum Vorbild dienten. Er verhalf Alberta dazu, die einzige kanadische Provinz ohne Staatsschuld zu sein. Bruder und Schwester Tanner kamen ihren vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen und Aufgaben auf freundliche und würdevolle Weise nach und gewannen viele Freunde für sich wie auch für die Kirche.
Sie erwarben sich die Bewunderung und Hochachtung vieler einflussreicher Männer und Frauen Kanadas und Großbritanniens. In England waren sie auf Einladung des verstorbenen Herzogs von Windsor dessen Gäste und waren auch zu Gast bei Lord Beaverbrook und anderen hohen Regierungsbeamten. Es war ihnen ein Vergnügen, zusammen mit Prinzessin Elisabeth den Pfadfindern Südalbertas einen Besuch abzustatten. Als sie später Königin wurde, speisten sie bei ihr und Prinz Philipp. Sie waren Gäste der Regierung von Barbados, wo sie einen Monat lang mithalfen, die Erdöl- und Erdgasgesetze zu entwerfen.
Sein Leben lang war N. Eldon Tanner den Grundsätzen des Evangeliums unerschütterlich treu und ergeben gewesen. Während der 16 Jahre, als er in Regierungsangelegenheiten in Edmonton tätig war, war er Präsident der dortigen Gemeinde. Diese Gemeinde hatte ursprünglich nur 15 Mitglieder, die sich in einem kleinen gemieteten Saal im zweiten Stockwerk eines Hauses versammelten. Später war es für die 350 Heiligen ein wahrer Höhepunkt, als die erste Kapelle gebaut wurde, und wir alle freuten uns mit ihnen, als für die Mitglieder der Kirche, die dort die Universität besuchten, ein schönes Gebäude im Rahmen des Institutprogramms der Kirche erbaut wurde. Bruder Tanner arbeitete in seinem Arbeitszeug Seite an Seite mit den anderen Mitgliedern. Für ihn war nichts zu niedrig, wenn es getan werden musste.
Nathan Eldon Tanners ständiges Wachsen auf den Gebieten, auf denen er hohe Leistungen erzielte, wurde dadurch ausgezeichnet, dass er fortwährend Verantwortung übernahm und zu immer neuen Aufgaben emporgehoben wurde, die er durch sein Wachstum und seine Leistung verdiente. 1952 meinte er, seine Pflicht im Dienst der Regierung getan zu haben, und dankte ab. Er zog nach Calgary, wo er Präsident der neu gegründeten Merrill-Erdölgesellschaft wurde. Dort blieb er ungefähr zwei Jahre lang, finanziell erfolgreich.
1954 bat man ihn, der Trans-Canada - Pipelines - Gesellschaft vorzustehen. Diese Gesellschaft hatte vor, eine Pipeline, die 350 Millionen Dollar kosten sollte, quer durch Kanada von Alberta nach Montreal zu legen. Das Projekt wurde jedoch durch Unordnung, Rivalität und Schwierigkeiten auf Bundesebene zum Stocken gebracht. Und so meinten die Verantwortlichen, dass Nathan Eldon Tanner in ganz Kanada der einzige Mann sei, der die verschiedenen Interessen unter einen Hut bringen und eine den Regierungsvorschriften entsprechende Pipeline legen könne. Zuerst lehnte er es ab; als aber Ernest C. Manning, Premierminister der Provinz Alberta, und C. D. Howe, Handels- und Industrieminister Kanadas an seinen Patriotismus appellierten, verließ er widerstrebend seine neue Ölgesellschaft, um das riesige Unterfangen zu leiten.
Kurz zuvor hatte man ihn gerade als Präsidenten des neuen Calgary-Pfahles berufen, und er war deshalb nicht bereit, nach Toronto zu ziehen, wo die Gesellschaft ihre Hauptgeschäftsstelle errichten wollte. Da aber die Gesellschaft auf seine Mitarbeit angewiesen war, entschloss sie sich, ihren Hauptsitz nach Calgary zu verlegen. Diese Arbeit erforderte, dass er häufig in die östlichen Teile Kanadas reisen musste. Er kam aber an den Wochenenden immer wieder nach Hause, um seine Kirchenpflichten wahrzunehmen. Die Kirche hat in seinem Leben stets den ersten Platz eingenommen, denn er glaubt wirklich daran, dass uns alles, was uns zu unserem Besten gereicht, zufallen wird, wenn wir zuerst nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten.
Dann begann das gewaltige Unternehmen, das darin bestand, 3.200 km Pipeline durch fünf Provinzen hindurch zu verlegen und Erdgas von Hunderten von Gesellschaften aufzukaufen, um es in ganz Kanada und einigen Teilen der USA wieder zu verkaufen. Ein Fachmann sagte darüber: „Es war das größte Unterfangen seit dem Bau der quer durch den Kontinent verlaufenden Eisenbahnlinie und es wurde in weniger als vier Jahren vollbracht.” Als sein Fünfjahresvertrag 1959 ablief, hatte die Gesellschaft enormen Erfolg, und sie brachte ihm den anhaltenden Dank seiner Mitbürger ein.
Als Bruder und Schwester Tanner im Jahre 1952 nach Calgary zogen, war sein erster Auftrag in der Kirche der eines Heimlehrers. Schwester Tanner erinnert sich daran folgendermaßen: „Als er am ersten Abend seiner Heimlehre nach Hause kam, fragte ich ihn, wie er sich denn so fühlt, und dachte, dass er sich vielleicht ein bißchen enttäuscht gefühlt hätte, nachdem er in Edmonton 16 Jahre lang als Gemeindepräsident tätig gewesen war. Seine Antwort überraschte mich ebenso, wie sie mich aufklärte.” Bruder Tanner sagte: „Wenn jeder Heimlehrer wirklich das täte, was der Herr von ihm in dieser Berufung erwartet, dann hätte der Bischof nur halb so viel zu tun.”
Später wurde er in den Hohen Rat des Lethbridge-Pfahles berufen, und am 15. November 1953, als der Calgary-Pfahl gegründet wurde, wurde er dessen erster Präsident.
Während der nächsten sieben Jahre wohnten Bruder und Schwester Tanner in Calgary zusammen mit ihren Freunden, Kindern und Enkeln. Die Familie Tanner ist schon immer eine sehr fest gefügte Familie gewesen, verbrachte Bruder Tanner auch so viel Zeit, wie nur irgend möglich, bei seinen fünf Töchtern, vielen Enkeln und Urenkeln.
Geschwister Tanner planten und bauten ihr „Traumhaus” in Calgary; doch gerade als sie es sich darin bequem gemacht hatten, kam für ihn der Ruf, ein Assistent des Rates der Zwölf zu sein, und sie zogen nach Utah.
Seine selbstlose Hingabe an das Werk des Herrn kam darin zum Ausdruck, wie er diesen Ruf annahm und demütig auf der Generalkonferenz sagte: „Ich werde mein Bestes tun und bin gewillt, mein Leben dem Werk des Herrn zu weihen.” Er wurde am 9. Oktober 1960 eingesetzt.
Fast unmittelbar danach wurde er gebeten, Präsident David O. McKay und mich nach London zu begleiten, um das neue Hyde-Park-Gemeindehaus zu weihen und bei der Gründung von Pfählen in Großbritannien und den Niederlanden behilflich zu sein. Vier Tage danach wurde er dazu berufen, als Präsident der Westeuropäischen Mission in London zu fungieren, die Großbritannien, zwei Missionen in Frankreich und die Holländische Mission umfasste.
Im Oktober 1962 wurde Bruder Tanner zu einem Mitglied des Rates der Zwölf berufen, und im Januar 1963 wurde er zurück nach Salt Lake City gerufen, um die Präsidentschaft über die Genealogische Gesellschaft zu übernehmen. Dieses Amt hatte er noch bis nach dem 4. Oktober 1963 inne, als er von Präsident McKay dazu berufen wurde, sein Zweiter Ratgeber zu werden. Nach dem Tode McKays im Januar 1970 wurde er zum Zweiten Ratgeber Präsident Joseph Fielding Smith berufen. Nach dessen Hinscheiden im Juli 1972 berief ihn Präsident Harold B. Lee zu seinem Ersten Ratgeber. Zu dieser Zeit wurden große Entscheidungen in der Kirche gefällt, und bei all den gewichtigen Beschlüssen der Generalautoritäten spielten Bruder Tanners Urteilsvermögen und seine Demut eine wichtige Rolle. Er war ein Mann mit großem Verständnis und tiefem Mitgefühl. Seine Hingabe drückte sich in seinen Worten aus, als er die Berufung zum Ratgeber des Präsidenten der Kirche annahm:
- „Ich danke Ihnen allen demütig für Ihr Vertrauen und Ihre Stimme der Bestätigung, und ich gelobe Ihnen und Gott, alles, womit mich der Herr zum Aufbau des Reiches Gottes gesegnet hat, in seinen Dienst zu stellen."
Als man die Sekretärin Bruder Tanners, La Rue Sneff, befragte, sagte sie über ihn: „Es wundert mich immer wieder aufs neue, mit welcher Tüchtigkeit und Fähigkeit er die Angelegenheiten behandelt, die von ihm erledigt werden müssen. Er ist auch sehr scharfsinnig. Viele seiner Mitarbeiter in Aufsichtsräten haben mir gesagt, dass sie seine Unparteilichkeit und die Tatsache, dass er zu jeder Frage immer erst beide Seiten hören möchte, zu schätzen wissen. Sie schätzen an ihm seine Offenheit und wissen immer, woran sie bei ihm sind. In seinem Sinn für Treue ist er unerschütterlich, und wenn es um die Grundsätze der Rechtschaffenheit geht, ist er unnachgiebig.
Zu seinen Besuchern war er höflich und zuvorkommend und war besonders gern mit jungen Leuten zusammen. Die Sekretärinnen in seinem Büro schätzten seinen feinen Sinn für Humor und seine unfehlbare Güte und Rücksicht ihnen gegenüber.”
Bruder Tanner war ein Mann, dessen Leben Beständigkeit inmitten des Wechsels zeigte, der bekundet, daß man sich wiederum an geistigen Werten orientieren muss, wenn persönliche und nationale Ehrenhaftigkeit bewahrt bleiben sollen. Er wusste, daß der Mensch als Kind Gottes im Leben einen göttlichen Zweck hat. Geistige Werte können nur im Herzen der Menschen geschaffen werden, wofür sein eigenes Leben als Beispiel dasteht.
Er war ein Mann mit hervorragenden Führungsfähigkeiten, unangefochtener Ehrbarkeit, der während seiner politischen Tätigkeit selbst unter seinen Opponenten für seine feste und unbeirrbare Ehrlichkeit bekannt war. Er war ein demütiger Mensch mit großem Glauben, Mut und großer Beständigkeit, ein ergebener und fähiger Führer in der Kirche, ein liebevoller Ehemann und Vater. Elder Hugh Brown schrieb über ihn:
- „Wenige Männer sind in der Kirche zu hohem Amte berufen worden, die eine größere Gabe und eine mannigfaltigere Grundlage an Schulung und Erfahrung mitbringen als Nathan Eiden Tanner, für den ich eine große natürliche Zuneigung und kindliche Liebe empfinde. Möge der Herr ihn in seiner hohen Berufung segnen und unterstützen.“
1973 wurde er als Erster Ratgeber Spencer W. Kimballs bestätigt. Er verstarb 1982
verwendete Quellen
- Der Stern Juni 1973