Eine Saison des Wachstums

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Präsident Ezra Taft Benson

Nach dem Tod von Spencer W. Kimball wurde Ezra Taft Benson Präsident Der Mormonenkirche. Zu Beginn seiner Amtszeit betonte er, wie wichtig es ist, das Buch Mormon zu lesen und zu studieren. Er bezeugte, dass „das Buch Mormon die Menschen zu Christus bringt“, und er wiederholte die Aussage Joseph Smiths, daß das Buch der „Grundpfeiler unserer Religion ist, und wenn man sich an dessen Weisungen hielte, würde man dadurch näher zu Gott kommen als durch jedes andere Buch” (Ezra Taft Benson, A Witness and a Warning (1988), 3, 21; siehe auch History of the Church, 4:461).

Auf der Generalkonferenz im April 1986 verkündete Präsident Benson: „Der Herr inspirierte seinen Knecht Lorenzo Snow, den Grundsatz des Zehnten zu betonen, damit die Kirche von finanzieller Knechtschaft befreit werde. … In unserer Zeit hat der Herr offenbart, daß wir das Buch Mormon betonen müssen. … Ich verheiße Ihnen, daß Gott über jedes Kind Zion und die Kirche ungeahnten Segen ausgießen wird, wenn wir uns täglich an den Belehrungen des Buches Mormon erquicken und die Weisungen befolgen.“( Der Stern, Juni 1986, 78). Millionen in allerWelt haben die Aufforderung angenommen und die verheißenen Segnungen empfangen.

Ein weiteres großes Thema war, daß es wichtig ist, den Stolz zu meiden. Auf der Generalkonferenz im April 1989 rief er die Mitglieder der Kirche auf: „Wir müssen das Gefäß von innen reinigen, indem wir den Stolz überwinden.“ Er sprach mahnend darüber, daß dies der Grund für die Vernichtung der Nephiten war. Er sagte: „Das Gegenmittel gegen den Stolz ist die Demut – Sanftmut, Unterordnung.“ (Der Stern, Juli 1989, 5).

Als Mitglied des Kollegiums der Zwölf hatte Ezra Taft Benson eine ungewöhnliche Gelegenheit, beispielhaft nach dem Evangelium zu leben. 1952 nahm er die Berufung an, unter Dwight D.Eisenhower, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Landwirtschaftsminister zu werden. Präsident David O. McKay bestärkte ihn darin. Es war das einzige Mal in der Geschichte der Mormonenkirche, daß ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf als Minister im Kabinett eines amerikanischen Präsidenten diente. In den acht Jahren, die er dem Kabinett angehörte, erwarb er sich im In- und Ausland Respekt wegen seiner Integrität und seiner fachlichen Qualitäten in der Formulierung und Durchsetzung der landwirtschaftlichen Richtlinien der US-Regierung. Er hatte Kontakt zu den Führern vieler Länder und öffnete in allen Teilen der Welt Vertretern der Kirche die Tür.

Unter der Führung von Präsident Benson machte die Mormonenkirche überall auf der Welt wichtige Fortschritte. Am 28. August 1987 weihte er den Frankfurt-Tempel. Darüber freute er sich besonders, denn als er von 1964 bis 1965 als Präsident der europäischen Mission gedient hatte, hatte er seinen Sitz in Frankfurt gehabt.

Am 29. Juni 1985 wurde der Freiberg-Tempel in der DDR geweiht. Dieser Weihung waren viele Wunder vorausgegangen, die den Bau des Tempels überhaupt erst möglich gemacht hatten. Bei seinem ersten Besuch in der DDR im Jahr 1968 hatte Elder Monson vom Kollegium der Zwölf den Heiligen verheißen: „Wenn Sie den Geboten Gottes treu bleiben, werden Sie alle Segnungen haben können, die die Mitglieder der Kirche in anderen Ländern haben.“ 1975, als er beauftragt war, die DDR erneut zu besuchen, wurde Elder Monson durch den Geist dazu bewegt, das Land dem Herrn zu weihen. Er sagte: „Vater, dies soll der Beginn eines neuen Tages für die Mitglieder deiner Kirche in diesem Land sein.“ Er bat darum, daß der Herzenswunsch der Mormonen, die „Segnungen des Tempels zu empfangen“, in Erfüllung gehen möge. Die inspirierte Verheißung und das prophetische Weihungsgebet Elder Monsons wurden erfüllt. (Der Stern, Juli 1989, 55f).

Am letzten Märztag 1989 wurde es den Missionaren der Mormonen gestattet, in die Deutsche Demokratische Republik einzureisen. Am 9. November 1989 wurden der Glauben und die Gebete vieler Mormonen erhört, als die Mauern zwischen Ost- und Westeuropa zu fallen begannen. Die Zahl der Bekehrtentaufen nahm zu, und viele neue Gemeindehäuser wurden errichtet. Ein Mann hörte am 1. Mai 1990 zum ersten Mal von der Kirche, als er am Tag der offenen Tür das neuerrichtete Gemeindehaus in Dresden besuchte. Weniger als eine Woche verging bis zu seiner Taufe; er hatte sich die Missionarslektionen angehört, das Buch Mormon zweimal ganz durchgelesen und ein starkes Zeugnis vom Evangelium erhalten.

Am 24. Juni 1991, anläßlich eines Banketts, das nach dem Konzert des Tabernakelchores in Moskau gegeben wurde, gab der Vizepräsident der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik bekannt, daß dieKirche in seinem Land offiziell anerkannt war. Nun konnte die Kirche in dieser großen Republik Gemeinden gründen. In den neunziger Jahren wurden eine Reihe früherer Sowjetrepubliken sowie Länder in Mittel- und Osteuropa für die Verkündigung des Evangeliums geweiht. Dazu gehörten Albanien, Armenien, Weißrußland, Bulgarien, Estland, Ungarn, Littauen, Lettland, Rumänien, Rußland und die Ukraine. In jedem dieser Länder werden Kirchengebäude gebaut oder gemietet, und viele Menschen empfangen ein Zeugnis vom Evangelium.

Elder Russell M. Nelson speist mit dem Vizepräsidenten der Republik Rußland anläßlich eines Empfangs am 24. Juni 1991. Der Vizepräsident hatte einen Monat zuvor bekanntgegeben, daß die Kirche nunmehr in der ganzen Republik offiziell anerkannt sei. der Kirche in Polen seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, das Haus möge „eine friedliche Zuflucht für geplagte Seelen und eine Stätte der Hoffnung für diejenigen sein, die nach Rechtschaffenheit hungern und dürsten“.(Church News, 29. Juni 1991, 12). Dieser Segen erfüllt sich für die Mormonen in vielen Ländern, die durch das Evangelium Frieden und Freude gefunden haben.

Durch den enormen Anstieg der Mitgliederzahl und weil Präsident Benson solchen Nachdruck auf die Missionsarbeit legte, dienten am Ende seiner Amtszeit in den 295 Missionen der Kirche fast 48 000 Missionare. Während seiner Amtszeit begann das Wohlfahrtsprogramm der Kirche damit, den Mitgliedern anderer Glaubensgemeinschaften in aller Welt vermehrt humanitäre Hilfe anzubieten. Diese Hilfe wird gegeben, um Leid und Not zu mindern und langfristig Selbständigkeit zu ermöglichen. Große Mengen an Nahrungsmitteln, Kleidung, medizinischen Geräten, Decken, Geld und sonstigem werden an die Bedürftigen verteilt. Durch langfristige Projekte werden Gesundheitsvorsorge, Lese- und Schreibunterricht und andere Dienste zur Verfügung gestellt. Dieser Dienst am Nächsten kommt heute Tausenden von Menschen in vielen Ländern der Erde zugute.

Präsident Benson litt unter den Gebrechen des Alters und unter dem Tod seiner geliebten Frau, Flora, bis er am 30. Mai 1994 mit 94 Jahren starb. Er hatte seine Mission als Prophet des Herrn treu erfüllt. Im Amt des Präsidenten der Kirche folgte ihm Howard W. Hunter, der bis dahin als Präsident des Kollegiums der Zwölf gedient hatte.

Präsident Howard W. Hunter

In seiner ersten Pressekonferenz am 6. Juni 1994 legte Präsident Howard W. Hunter einige der wichtigen Themen seiner Amtszeit fest. Er sagte: „Ich fordere alle Mitglieder der Kirche auf, noch größere Aufmerksamkeit auf das Leben und Beispiel des Herrn Jesus Christus zu richten, vor allem auf die Liebe und Hoffnung und auf die Anteilnahme, die er an den Tag gelegt hat. Ich bete, daß wir einander mit mehr Güte, mehr Höflichkeit, mehr Demut, Geduld und Vergebungsbereitschaft begegnen.“ Er forderte die Mitglieder der Kirche auch auf, „den Tempel des Herrn als das große Symbol ihrer Mitgliedschaft und als den Ort ihrer heiligsten Bündnisse zu ehren. Und aus tiefstem Herzen wünsche ich, daß jedes Mitglied der Kirche würdig wäre, in den Tempel zu gehen.“ (Howard W.Hunter, Church News, 11. Juni 1994, 14). Tausende Mormonen haben diese Botschaft befolgt und sind mit einer tieferen geistigen Gesinnung gesegnet worden.

Präsident Hunter verfügte über einen starken Intellekt, der für die Kirche sehr wertvoll war. Ende der siebziger Jahre erhielt er eine Aufgabe, die ihn völlig forderte. Er spielte bei den Verhandlungen über den Kauf des Grundstücks für eins der wichtigsten Gebäude der Kirche im Heiligen Land und bei der Beaufsichtigung des Baus dieses Gebäudes – des Jerusalem-Zentrums für Nah-Ost-Studien der Brigham Young University, eine wichtige Rolle. Das Zentrum liegt auf dem Berg Scopus, der zum Ölberg gehört. In dem Zentrum sind die Wohnungen und Studienräume der Studenten untergebracht, die sich hier mit diesem auserwählten Land, seinen Bewohnern (Juden und Arabern) und den Orten, an denen Jesus und die alten Propheten gewandelt sind, befassen. Das Zentrum ist denen, die hier studieren, ein Segen, und seine Schönheit begeistert viele, die es besuchen.

Präsident Hunter hat auch bei der Entwicklung des Polynesischen Kulturzentrums, das der Brigham Young University – Hawaii in Laie auf Hawaii angeschlossen ist, eine wichtige Rolle gespielt. Er war der Vorsitzende des Gründungsausschusses für diese 40 Morgen große Touristenattraktion, die der Kirche gehört und von ihr betrieben wird. Der Zweck des Zentrums ist es, die polynesische Kultur zu bewahren und den Studenten einen Arbeitsplatz zu bieten. Das Zentrum wurde 1963 errichtet und ist heute eine Hauptattraktion, die jedes Jahr von fast einer Million Menschen besucht wird, die sich an der Musik, dem Tanz, der Kunst und dem Handwerk der polynesischen Inseln erfreuen. Bevor Elder Hunter Präsident der Kirche wurde, diente er acht Jahre als Präsident der Genealogischen Gesellschaft von Utah, des Vorläufers des heutigen Family History Department. Unter seiner Leitung veranstaltete die Gesellschaft 1969 die erste Weltkonferenz über Aufzeichnungen (World Conference on Records), die, wie er sagte, „der Kirche viele Sympathien eingebracht und in der ganzen Welt Türen für unsere Arbeit geöffnet hat“. (Eleanor Knowles, Howard W. Hunter (1994), 193). Er lernte alle Menschen lieben, die Lebenden und die Toten, und er sprach oft darüber, daß wir alle Teil einer großen Familie sind. Man kannte ihn als einen Menschen, der christliche Liebe besaß.

Präsident Hunter hat im seinem Leben viel Unglück erfahren. Gläubig und stark ertrug er schwere und schmerzhafte Erkrankungen, die langwierige Erkrankung seiner ersten Frau, die sie hinfällig machte und an der sie starb, sowie andere Schwierigkeiten.Trotz dieser Hindernisse diente er dem Herrn aktiv, reiste viel und arbeitete schwer, umdie Angelegenheiten der Kirchewahrzunehmen. Er lebte beispielhaft nach seiner Aussage: „Falls Ihnen Kinder, die vom Weg abweichen, Schwierigkeiten bereiten, falls Sie finanzielle Rückschläge erleiden und seelischer Streß Ihre Familie und Ihr Glücklichsein bedroht, falls Sie sich damit abfinden müssen, Ihr Leben, Ihre Gliedmaßen oder Ihre Gesundheit zu verlieren, dann möge in Ihrer Seele Friede sein. Es wird keine Versuchung über uns kommen, die uns überfordert. Unsere Umwege und Enttäuschungen sind der enge und schmale Pfad zu ihm” (Der Stern, Januar 1988, 54).

Präsident Hunter präsidierte am 11. Dezember 1994 in Mexico City, als dort der zweitausendste Pfahl gegründet wurde, was ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Mormonenkirche war. Zu den Versammelten sagte er: „Der Herr hat durch seine Diener dieses Wunder bewirkt. Dieses Werk wird weiter stark und lebendig voranschreiten. Die Verheißungen, die Vater Lehi und seinen Kindern bezüglich ihrer Nachkommen gegeben wurden, gehen in Mexiko in Erfüllung” (Church News, 17. Dez. 1994, 3). Während Präsident Hunter Generalautorität war, erfuhr die Mormonenkirche in Lateinamerika ein enormes Wachstum. Als er Präsident der Kirche wurde, gab es allein in Mexiko, Brasilien und Chile über 1,5 Millionen Mormonen, mehr als damals in Utah lebten. Präsident Hunter diente zwar nur neun Monate als Präsident der Kirche, aber er hatte großen Einfluß auf die Mormonen. Sie erinnern sich an sein Mitgefühl, seine Langmut und sein vorbildliches christliches Leben.

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