Ein Glaube stärker als Stahl
Aus MormonWiki
- zurück zu Nauvoo
Inhaltsverzeichnis |
Ankunft in Commerce
Als die Mormonen in Illinois ankamen, war es fast überhaupt nicht besiedelt. Abgesehen von einem halben Dutzend Block- und Steinhäusern am Flussufer, gab es so gut wie keine anderen Gebäude im Umkreis von vielen Meilen. Überall waren Moskitos und die Menschen waren entsprechend krank. Siedler und Wanderer mieden diese Gegend.
Die aus Missouri vertriebenen Siedler ließen sich am Mississippi in der Nähe von Quincy nieder. Sie wohnten in elenden Behausungen, in Zelten und Erdlöchern, einige sogar ungeschützt unter freiem Himmel. Niemand hatte ein festes Haus, genügend Nahrung, irgendwelchen Komfort oder Felder. Krankheiten rafften viele dahin, kaum jemand blieb davon verschont. Ein gehetztes, verachtetes, unerwünschtes Volk.
Joseph Smith hatte dieses moskitoverseuchte Sumpfgebiet aufgekauft. Dieses Land, das niemand wollte, sollte die Wohnstätte des unerwünschten Volkes werden. Besseres Land war auf der anderen Seite in Iowa zu haben - für Geld, doch die Heiligen hatten kein Geld. Die Eigentümer des Sumpflandes waren sogar mit Schuldscheinen sehr zufrieden gewesen.
Die Besiedlung dieser Gegend war durch Armut erzwungen worden - und durch den Weitblick von Joseph Smith. Zwei Wochen zuvor hatte er den Mississippi überquert, um sich in Illinois der Verhaftung zu entziehen, die ihn in Missouri drohte. Joseph Smith gab diesem Ort erst einmal einen anderen Namen: Nauvoo. Damit bezeichnete er nicht den Ort, den er vorfand, sondern die Stadt, die er sich vorstellte. Die Heiligen kamen dann im Laufe des Sommers scharenweise an und erhielten je nach ihrem Bedürfnis Land zugeteilt.
Denkwürdige Heilungen
Die Malaria wütete, und Joseph Smiths Unterkunft war voll von Kranken. Viele Neuankömmlinge zelteten auf dem Platz vor seiner Hütte. Er betreute sie, so gut er konnte, dann wurde er selbst krank. Wilford Woodruff berichtet, was dann geschah:
- Am Morgen des 22. Juli erhob er sich von seinem Lager und begann, an den Leuten in seinem Haus und auf dem Platz davor Krankenheilungen zu vollziehen; er gebot ihnen im Namen des Herrn Jesus Christus, sich zu erheben und gesund zu sein. Auf allen Seiten wurden die Kranken geheilt.
Viele lagen am Ufer des Flusses darnieder; Joseph ging zu dem unteren Steinhaus, wo Sidney Rigdon wohnte, und heilte alle Kranken, die er auf seinem Wege antraf. Unter ihnen befand sich auch Henry Sherwood, der schon dem Tode nahe war. Joseph stellte sich in die Tür seines Zeltes und gebot ihm, im Namen Jesu Christi aufzustehen und aus dem Zelt herauszukommen; er gehorchte und war gesund. Bruder Benjamin Brown und seine Familie waren ebenfalls krank, er selbst lag im Sterben. Joseph heilte sie alle im Namen des Herrn. Nachdem er auch alle geheilt hatte, die krank am Ufer bis zum Steinhaus lagen, rief er Bruder Kimbal und einige andere; sie sollten ihn begleiten, er wolle auf die andere Seite hinüber, die Kranken in Montrose zu besuchen. Viele Heilige hausten in den ehemaligen Militärunterkünften; unter ihnen befanden sich auch etliche von den Zwölf. Joseph besucht zuerst das Haus, worin Brigham Young, Präsident des Kollegiums der Zwölf, krank lag. Er heilte ihn, und Brigham stand auf und begleitete den Propheten zu den anderen, denen es ebenso erging. Sie kamen zu Wilford Woodruff, Orson Pratt und John Taylor, die alle in Motrose wohnten und auch diese folgten ihm."
Der erstaunliche Glaube, den die Menschen hatten, ließ ihn ihre Armut, die elenden Unterkünfte und die bitteren Erlebnisse der Vergangenheit vergessen. Glaube ist stärker als Stahl. Solange er im Herzen der Menschen zu finden war, konnte Zion nicht zerstört werden. Diese Leute am Ufer des Mississippi, die wie Jesus nicht hatten, wohin sie ihr Haupt legen konnten, waren Zion näher als je zuvor. Das Feuer ihrer Leiden hatte sie von allen gemeinen Begierden gereinigt. Wer kein reines Herz hatte, war unbewusst zurückgeblieben. Zum ersten Mal dämmerte es der Kirche, dass das Volk Zion unendlich viel wichtiger war als der Ort Zion; denn ohne das Volk Zion konnte kein Ort der ganzen Welt heilig bleiben.
Ein Volk, den man alle irdische habe geraubt hatte, das kein Geld, keine Heimat, keine Fabriken und kein Land besaß, baute sich in fünf Jahren einen Stadtstaat auf, der den Neid der alteingesessenen Gemeinden weckte. Vor zweitausend Jahren hatte Jesus gesagt: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes uns seiner Gerechtigkeit, dann wird euch dies alles dazugegeben werden."
Großer Missionarseifer
Zwischen dem 1. August und Ende November haben sich die meisten der Zwölf von ihren Familien verabschiedet und den fünftausend Meilen langen Weg nach England begonnen: ohne Geld, kaum ein Stück zusätzliche Kleidung und ihre Familien mussten sie unversorgt zurücklassen.
Der erste, der sich aufmachte, war Wilford Woodruff. An einem Tag zu Anfang August erhob er sich vom Krankenbett in Montrose, auf der Iowa-Seite des Mississippi, und ließ sich von Brigham Young in einem Kanu über den Fluss rudern. Als er am Ufer ankam, war er so schwach, dass er sich auf eine gegerbte Haut niederlegte. Joseph Smith erblickte ihn dort und sagte:
- "Bruder Woodruff, ich sehe, sie haben sich auf Ihre Mission begeben." - "Ja, aber ich komme mir mehr wie etwas für die Leichenhalle vor als ein Missionar", war die Antwort. "Das dürfen Sie nicht sagen," sagte der Prophet. "Stehen sie auf und ziehen Sie los; dann wird mit Ihnen alles in Ordnung sein."
Wilford Woodruff erhob sich, fand seinen Begleiter John Taylor und wanderte nach Norden am Flussufer entlang. Die zwei waren auf ihrem Weg in die Britische Mission. Unterwegs trafen sie Parley P. Pratt und Heber C. Kimball. Bald folgten auch die übrigen der Zwölf. Tagebucheintragungen schildern, wie krank sie allesamt waren und ebenso ihre Frauen und Kinder alle dem Zusammenbruch nahe, wie mittellos sie alle waren, ohne Kleidung als nur, was sie auf dem Leib trugen, ausgeraubt in Missouri. Ihre Tagebücher erzählen weiterhin von ihrem erstaunlichen Geist, wie sie in der Lage waren, ohne Beutel und Tasche zu reisen.
Erfolg in England
Die Prüfungen, die die Zwölf hinter sich hatten, hatten ihre Überzeugung von dem Werk, für das sie sich einsetzten noch gestärkt, und durch das Zeugnis, das sie gaben, bekehrten sich Hunderte von Menschen. Besonders erfolgreich war Wilford Woodruff. Während er in Hanley, im Gebiet der englischen Keramikindustrie, predigte, hatte er das Gefühl, er solle das Gebiet verlassen, wusste aber nicht, weshalb. Dieser Eingebung gehorchend, machte er sich nach einem ländlichen Teil von Herefordshire auf. Bei John Benbow, einem wohlhabenden Farmer der Gegend, wurde er freundlich aufgenommen und erfuhr, dass sich eine große Gruppe religiös Gesinnter von ihrer Kirche losgesagt und sich zusammengeschlossen hatte, um die Schrift zu erforschen und nach der Wahrheit zu suchen. Wilford Woodruf wurde eingeladen zu predigen, und es blieb nicht bei der einen Einladung. Die Gruppe umfasste sechshundert Menschen, darunter über 20 Prediger. Mit einer einzigen Ausnahme schlossen sich alle der Kirche an. Bis Wilford Woodruff die Gegend verließ, hatten sich aufgrund seiner Anstrengungen 1800 Menschen zur Kirche bekehrt. Auf einer Konferenz, die im April 1840 auf den Britischen Inseln abgehalten wurde, wurde beschlossen, das Buch Mormon, ein Gesangbuch und eine Zeitschrift herauszugeben.
Einmal wurde ein Konstabler vom Pfarrer geschickt, Wilford Woodruff zu verhaften. Statt dessen ließ dieser sich taufen. Daraufhin sandte der Pfarrer zwei Schreiber als Spione, um zu erfahren, was sie eigentlich predigen. Auch sie ließen sich taufen. Die Geistlichen und Pfarrherren im Süden Englands bemühten sich, im Parlament ein Gesetz durchzubringen, wonach den Mormonen das Predigen im britischen Herrschaftsbereich verboten sein sollte. Der Versuch schlug fehl. Im Jahre 1841 drohte ein Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und England; man berief deshalb die meisten Missionare nach Nauvoo zurück. Der große Missionserfolg in England machte sich bald in der ganzen Kirche bemerkbar. Die Bekehrten wurden vom Geist der Sammlung erfasst und bekamen den Wunsch, sich zum zentralen Sammelplatz nach Amerika zu begeben.
Palästina für die Rückkehr der Juden geweiht
In dieser Zeit wurde Orson Hyde eine ungewöhnliche Mission übertragen. Joseph Smith hatte ihm einmal folgenden Segen gegeben: "Wenn die Zeit dafür kommt, wirst du nach Jerusalem, dem Land deiner Väter, gehen und dem Haus Israel ein Wächter sein; und durch deine Hand wird der Allerhöchste ein Werk vollbringen, das den Weg für die Sammlung dieses Volkes bereitmachen und die Sammlung sehr erleichtern wird.
Im Januar 1841 verließ Orson Hyde die Staaten und reiste nach London, wo er mehrere Monate mit den übrigen Missionaren wirkte. Dann setzte er seinen Weg nach Palästina fort. Frühmorgens am 24. Oktober 1841 - es war ein Sonntag - stieg er auf den Ölberg und weihte dort im Gebet und mit der Vollmacht des Priestertums das Land Palästina für die Sammlung der Juden. In dem Gebet hieß es (auszugsweise): "Gib deshalb, o Herr, im Namen deines lieben Sohnes Jesus Christus, dass die Dürre und Unfruchtbarkeit dieses Landes ein Ende nehme, und lass Quellen lebendigen Wassers hervorbrechen, das dürstende Land zu erquicken. Lass Wein und Olivenbaum in voller Kraft Frucht bringen und den Feigenbaum blühen und gedeihen... Lass die Schafe und Rinder sich vermehren, lass sie viele werden auf den Bergen und Hügeln. Und lass deine große Güte den Unglauben deines Volkes überwinden und ausrotten. Nimm ihnen das Herz aus Stein, und gib ihnen ein Herz aus Fleisch, und möge die Sonne deines Wohlgefallens die kalten Nebel der Finsternis zerteilen, die ihnen die Luft düster gemacht haben... Lass Könige sie pflegen und Königinnen ihnen mit mütterlicher Fürsorge und Tränen der Trauer von den Augen wischen.
Nach dem Gebot errichtete er einen Steinhaufen als Altar und als Zeugen des Geschehens. Seine Mission war erfüllt, und er kehrte nach Nauvoo zurück, wo er im Dezember 1842 eintraf.
- Fortsetzung: Ein Stadtstaat in Amerika
verwendete Quellen
- Auszüge aus "Seine Kirche wiederhergestellt" von William Edwin Berrett
- Die Wahrheit wieder hergestellt - Gordon B. Hinckley ISBN 3-922834-10-8
| Nauvoo |
| Ein Glaube stärker als Stahl | Ein Stadtstaat in Amerika | Leidensweg eines zeitgenössischen Propheten | Der Tempel in Nauvoo | Der Märtyrertod von Joseph Smith | Die Folgen des Todes Joseph Smiths |
| Zeitabschnitte in der Geschichte der Mormonen |
| Die Zeit in New York | Die Zeit in Ohio | die Zeit in Missouri | Nauvoo |
