Die ersten Verfolgungen der Heiligen
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Die Verfolgung in Colesville
In demselben Monat, in dem die Mormonenkirche gegründet worden war (April 1830), ging der Prophet Joseph Smith nach Colesville, New York, auf Mission, um seine Freunde, die Familie von Joseph Knight sen., zu unterweisen. Am 28. Juni waren viele Mitglieder der Familie Knight und ihre Freunde bereit, sich taufen zu lassen.
In Colesville gabe es erheblichen Widerstand gegen die Verkündigung des Evangeliums. Der Mob versuchte die Taufen zu verhindern, indem er die Dämme niederriß, die die Brüder gebaut hatten, um das Wasser zu stauen. Die Schäden wurden aber schnell behoben. Joseph Knight jun. schildert, was die Gegner der Kirche unternahmen:
- „Als wir von den Taufen zurückkehrten, trafen wir viele Nachbarn, die mit Fingern auf uns zeigten und fragten, ob wir Schafe gewaschen hätten. . . . In der Nacht wurden unsere Wagen umgeworfen und Holz darauf aufgeschichtet, einige Wagen wurden im Wasser versenkt, Schienen wurden vor unseren Türen aufgehäuft, Ketten im Fluß versenkt, und es wurde viel Unheil angerichtet” (Joseph Knight Autobiographical Sketch, 1862; in LDS Church Archives).
Zur gleichen Zeit warfen die Gegner Joseph Smith vor, er störe den Frieden. Sie ließen ihn einsperren und klagten ihn an. Sie versuchten auf diese Weise, Joseph von seinem Vorhaben abzubringen. Joseph Smith sen. fand jedoch Anwälte, die alle Anschuldigen widerlegen konnten.
Immer dann, wenn die Mormonenkirche wichtigen Fortschritt macht, scheinen ihre Feinde seine gesamten Kräfte zu sammeln, um das Wachstum des Gottesreichs aufzuhalten. Die treuen Heiligen jedoch überwinden die Probleme und werden stärker, so wie die Heiligen in Colesville. Sie entwickelten sich zu einem starken Zweig, in dem Einigkeit herrschte.
Mormonische Missionare bei den Indianern
Durch Offenbarung wurden im September 1830 vier junge Männer berufen, das Evangelium und die Botschaft des Buches Mormon zu den Indianern zu bringen. Diese mormonischen Missionare waren Oliver Cowdery, Peter Whitmer jun., Parley P. Pratt und Ziba Peterson ([siehe LuB 28:8; 30:5,6; 32). Ihre beschwerliche Reise ging über Hunderte von Kilometern. Sie konnten die Catteraugus-Indianer bei Buffalo, New York, die Wyandots in Ohio und zuletzt die Delaware unterweisen, die westlich des Staates Missouri lebten. Ihren größten Erfolg hatten die Missionare aber bei den Siedlern, die in Kirtland und in der umliegenden Gegend wohnten. Hier bekehrten sie 127 Menschen. Nachdem die mormonischen Missionare wieder abgereist waren, wuchs durch die Missionsarbeit der Mitglieder die Zahl der Mormonen auf mehrere Hundert an.
Der Ruf zur Sammlung in Ohio
Sidney Rigdon, ein ehemaliger Geistlicher und ein neubekehrtes Mitglied der Mormonenkirche, sowie sein Freund Edward Partridge, der kein Mitglied der Mormonenkirche war, wollten mit dem Propheten Jospeh Smith zusammenkommen und mehr über die Lehren der Mormonismus erfahren. Im Dezember 1830 reisten sie fast vierhundert Kilometer weit nach Fayette, um Joseph Smith zu besuchen. Sie baten ihn, den Herrn in bezug auf sie und auf die Mormonen in Kirtland zu befragen. Der Herr offenbarte in seiner Antwort, daß die Mormonen aus New York „sich am Ohio sammeln“ sollten (LuB 37:3). Am 2. Januar 1831 fand auf der Whitmer-Farm die dritte und letzte Konferenz der Kirche in New York statt. Hier wiederholte der Herr seine Anweisung:
- „Und damit ihr der Gewalt des Feindes entrinnen mögt und euch als mein rechtschaffenes Volk ohne Fehl und Tadel zu mir her sammelt, darum habe ich euch das Gebot gegeben, an den Ohio zu gehen; und dort will ich euch mein Gesetz geben; und dort sollt ihr mit Kraft aus der Höhe – mit einem Endowment – ausgerüstet werden.“ (LuB 38:31,32.) Das war der erste Aufruf zur Sammlung der Mormonen in dieser Evangeliumszeit.
Nur wenige Mormonen entschieden sich dagegen, ihren Besitz zu veräußern und die lange Reise von New York nach Ohio anzutreten. Die Mehrzahl der Mormonen hörte auf die Stimme des Hirten und darauf, daß Israel sich sammeln sollte. Newel Knight steht stellvertretend für die Jünger, die der Führung des Priestertums folgten und auf den Ruf hörten:
- „Im Gehorsam zu dem Gebot, das gegeben worden war, begann ich nach meiner Heimkehr von der Konferenz zusammen mit den Mitgliedern des Zweiges Colesville Vorbereitungen zu treffen, um nach Ohio zu reisen. . . . Wie zu erwarten war, mußten wir von unserem Besitz viel opfern. Die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, die Brüder zu besuchen und ihnen bei der Vorbereitung zu helfen, damit wir als Gruppe zusammen reisen konnten” (Newel Knight, zitiert in Larry Porter, „A Study of the Origins of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints in the States of New York and Pennsylvania, 1816–1831“ (Ph.D. diss., Brigham Young University, 1971), 296).
Auch Joseph Knight sen. ist ein Beispiel für diejenigen Mormonen, die bereitwillig opferten und ihren Besitz verkauften, um beim Propheten Joseph Smith in Ohio sein zu können. Die kurze Mitteilung in der Zeitung Broome Republican sagt viel über die Hingabe von Joseph Knight sen. an das Evangelium aus: „Zu verkaufen ist die Farm, die zuletzt von Joseph Knight bewohnt wurde und in der Stadt Colesville, nahe der Colesville-Brücke, gelegen ist – auf der einen Seite begrenzt vom Susquehanna und etwa einhundertundvierzig Morgen groß. Auf der genannten Farm befinden sich zwei Wohnhäuser, eine gute Scheune und ein guter Obstgarten. Großzügige Verkaufsbedingungen” (Broome Republican, 5. Mai 1831; zitiert in Larry Porter, „A Study of the Origins of the Church of Jesus Christ of Latter-day Saints“, 298f., Hervorhebung hinzugefügt). Mitte April 1831 waren 68 Mormonen aus Colesville nach Ohio unterwegs.
80 Mitglieder der Mormonenkirche aus dem Zweig Fayette und 50 aus dem Zweig Manchester gehorchten dem Gebot des Herrn auf die gleiche Weise. Anfang Mai 1831 verließen sie ihr Zuhause. Lucy Mack Smith, die Mutter des Propheten, wurde gebeten, den Auszug der Mormonen aus Fayette zu leiten. Als die Gruppe in Buffalo, New York, ankam, war der Hafen des Erie-Sees durch ein Eisfeld versperrt, und das Dampfschiff, mit dem die Mormonen aus Fayette fahren wollten, konnte den Hafen nicht verlassen. Lucy Mack Smith rief die Mormonen auf, in dieser schwierigen Situation ihren Glauben auszuüben: „Nun, Brüder und Schwestern, wenn jeder von euch dem Himmel seine Wünsche vorträgt, nämlich daß das Eis aufbrechen und wir freigesetzt werden, dann – so wahr der Herr lebt – wird es geschehen.“ Im selben Augenblick hörte man ein Geräusch „wie tobenden Donner“. Das Eis brach auf, und eine schmale Rinne entstand, durch die das Schiff fahren konnte. Kurz nachdem sie die Rinne befahren hatten, schloß sich der Spalt wieder, das Schiff aber war in offenem Gewässer und die Heiligen konnten ihre Reise fortsetzen. Nach dieser wunderbaren Rettung kamen die Reisenden zu einer Gebetsversammlung zusammen und dankten dem Herrn für die Gnade, die er ihnen erwiesen hatte. (Lucy Mack Smith, History of Joseph Smith, 204).
Bis Mitte Mai hatten alle Mitglieder aus den Zweigen in New York den Erie-See mit dem Schiff überquert. Sie waren in Fairport Harbour, Ohio, an Land gegangen, wo sie von Heiligen begrüßt und in die Städte Kirtland und Thompson gebracht wurden. Die große Sammlung Israels in den Letzten Tagen hatte begonnen. Nun konnten die Mormonen von den erwählten Dienern des Herrn als Volk belehrt werden, seine Gesetze lernen und heilige Tempel bauen.
