Die eiserne Stange

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Im Buch Mormon, das Teil des offiziellen Kanons (heilige Schriften) der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist, hat ein Prophet namens Lehi eine bemerkenswerte Vision vom Herrn. Im Mittelpunkt dieser Vision steht ein Baum, der Baum des Lebens genannt. Dieser Baum war schöner und herrlicher als irgendein irdischer Baum es jemals sein könnte. Die Frucht dieses Baumes war auch mehr als jede irdische Frucht. Der Prophet Lehi beschrieb die Frucht als „begehrenswert ..., um einen glücklich zu machen ... und als [er] von seiner Frucht aß, erfüllte sie [seine] Seele mit überaus großer Freude” (1. Nephi 8:10,12).

Auf dem Weg zu dem Baum gab es jedoch eine Reihe von Hindernissen zu überwinden: ein Nebel der Finsternis; verschiedene Wege, die einen in die Irre führen würden; ein großes Gebäude voller Menschen, die spotten und auch die Menschen herbeiwinken; und ein schmutziger Fluss. Aber entlang dem schmalen Weg, der geradewegs zu dem Baum führte, gab es eine eiserne Stange. Diese eiserne Stange diente denen, die zu dem Baum und seiner Frucht gelangen wollte, als Richtschnur. In der Vision sah Lehi viele Menschen, die anfingen, auf dem Weg zu gehen, der zu dem Baum führte. Aber nur wer sich an der eisernen Stange ganz fest hielt, war sicher und konnte schließlich den Baum erreichen und von seiner Frucht essen.

Nephi, einer der Söhne Lehis, betete zu Gott, dass er die Vision seines Vaters verstehen möge. Auf sein Gebet hin durfte er die Vision selber auch sehen, und ein Engel erklärte ihm die Symbolik der Vision (siehe 1. Nephi 11). Der Baum des Lebens stellt Christus dar, und seine Frucht ist die Liebe Gottes und das Evangelium Jesu Christi. Der gerade und schmale Weg, der zum Baum führt, ist der Weg zur Errettung und Erlösung, während wir durch dieses Leben gehen. Der finstere Nebel, der schmutzige Fluss und das Gebäude voller spottender Menschen stellen die Eitelkeit, den Stolz und die Sünden der Welt dar. Die eiserne Stange stellt das Wort Gottes dar, sowohl in Form der Heiligen Schriften, als auch der Worte der lebenden Propheten und persönlicher Offenbarung.

Für die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die eiserne Stange zu einem wohlbekannten Symbol dafür geworden, dass sie die Gebote Gottes befolgen und treu auf dem Weg gehen wollen, der zu Gott zurück führt. Ein Lied im Gesangbuch der Kirche bietet eine gute Erklärung all dessen, was die eiserne Stange für den Glauben der Mormonen darstellt.


Die eiserne Stange

1.
Als Lehi einst vom Geist berührt,
da schaute er im Traum:
ein eisernes Geländer führt uns
hin zum Lebensbaum.


(Chor)

Sieh doch die Liebe Gottes groß,
streb hin zum sichern Ort,
laß nie die eiserne Stange los,
denn sie ist Gottes Wort.

2.
Wenn Nebel dir verhüllt den Weg,
nimmt dir die klare Sicht,
die Hand an das Geländer leg,
so gehst du irre nicht.

3.
Wer fest an Gottes Wort sich hält,
der kann nicht untergehn,
auch wenn Versuchung ihn befällt,
er wird ihr widerstehn.

(Joseph L. Townsend, „Die eiserne Stange”, Gesangbuch HLT, Nr. 181)

Die eiserne Stange, wie sie in diesem Lied beschrieben wird, ist in der Kirche gleichbedeutend mit dem Festhalten am Evangelium und dem Standhaftbleiben bis zum Ende, auch wenn der Weg gefahrvoll und schwer ist. Der Weg ist klar und Gottes Regeln sind einfach, genau wie das Festhalten an einem Geländer, das einen führt, wenn man im Dunkeln geht. Es würde nicht viel Sinn machen loszulassen, besonders wenn die Umgebung unbekannt ist. Wenn man also hört, wie ein Heiliger der Letzten Tage einen anderen mit den Worten „halte an der eisernen Stange fest“ ermutigt, dann sagt er seinem Freund: bemühe dich weiter nach Gottes Geboten zu leben. Präsident Harold B. Lee hat folgendes über die Wichtigkeit des Festhaltens an der eisernen Stange gesagt:

Wenn es eine einzige Sache gibt, die in dieser Zeit der Unruhe und der Frustration nötig ist, wo Männer und Frauen und Jugendliche und Junge Erwachsene verzweifelt nach Antworten auf die Probleme suchen, welche die Menschheit plagen, dann ist eine „eiserne Stange” als sicherer Führer auf dem geraden und schmalen Pfad auf dem Weg zum ewigen Leben, inmitten der fremden und irreführenden Wege, die am Ende zur Vernichtung und zum Untergang all dessen führen, was „tugendhaft, liebenswert und von gutem Ruf” ist („The Iron Rod”, Ensign, Juni 1971, S. 5)
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