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Präsident Spencer W. Kimball

Spencer W. (Wooley) Kimball
Spencer W. (Wooley) Kimball

Nach dem Tod von Präsident Lee wurde Spencer W. Kimball, der dienstälteste Apostel, als Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bestätigt. Präsident Kimball war ein Mann, der mit Schmerzen und Leiden vertraut war. Aufgrund einer Krebserkrankung waren ihm fast alle Stimmbänder herausgenommen worden, und er sprach mit einer leisen, heiseren Stimme, die die Mormonen lieben lernten. Man kannte ihn für seine Demut, sein Engagement, seine Fähigkeit, zu arbeiten. Und man kannte sein Motto „Tu es“. Präsident Kimball schlug seine Sichel mit aller Macht ein.

Die erste Ansprache, die Präsident Kimball als Präsident der Mormonen hielt, war an die Regionalrepräsentanten der Mormonenkirche gerichtet und blieb allen, die zugegen waren, lange im Gedächtnis. Ein Teilnehmer der Versammlung berichtete, daß nur Augenblicke, nachdem Präsident Kimball zu sprechen begonnen hatte, alle „spürten, daß der Geist auf erstaunliche Weise zugegen war. Wir wurden uns dessen bewußt, daß wir etwas Ungewöhnliches, Eindrucksvolles hörten, das ganz anders war. . . . Es war, als zöge er die Vorhänge zurück, die die Absicht des Allmächtigen verdeckten, und als lade er uns ein, mit ihm die Bestimmung des Evangeliums und seine Mission zu betrachten.“

Präsident Kimball zeigte den Führern, daß „die Kirche nicht in der Glaubenstreue lebt, die der Herr von seinem Volk erwartet, und daß wir in gewisser Hinsicht selbstgefällig und zufrieden sind mit dem, was wir haben. In dem Augenblick verkündete er das neue und berühmte Motto: ‚Wir müssen größere Schritte machen.‘“ Er forderte seine Zuhörer auf, sich mehr der Verkündigung des Evangeliums in den Ländern der Welt zu verpflichten. Er forderte auch mehr Missionare, die in ihrer Heimat dienen konnten. Als Präsident Kimball seine Ansprache beendet hatte, erklärte Präsident Ezra Taft Benson: „Wahrlich, es ist ein Prophet in Israel!” (W. Grant Bangerter, in Conference Report, Okt. 1977, 38f., oder Ensign, Nov. 1977, 26f).

Unter Präsident Kimballs dynamischer Führung erfüllten viel mehr Mitglieder eine Vollzeitmission, und die Kirche schritt in der ganzen Welt voran. Im August 1977 reiste Präsident Kimball nach Warschau. Er weihte Polen und segnete die Menschen, damit das Werk des Herrn dort vorangehen möge. In Brasilien, Chile, Mexiko, Neuseeland und Japan wurden Missionarsschulen eröffnet. Im Juni 1978 verkündete Präsident Kimball eine Offenbarung Gottes, die weitreichenden Einfluß auf die weltweite Missionsarbeit hatte. Viele Jahre war das Priestertum den Menschen mit afrikanischen Vorfahren vorenthalten gewesen, nun aber sollten das Priestertum und die Segnungen des mormonischen Tempels allen würdigen männlichen Mitgliedern offenstehen. Auf diese Offenbarung hatten die glaubenstreuen Menschen in der ganzen Welt gewartet. Einer der ersten Schwarzen, die in Afrika das Evangelium annahmen, war William Paul Daniels, der schon 1913 von der Kirche erfuhr. Er reiste nach Utah und erhielt von Präsident Joseph F. Smith einen besonderen Segen. Präsident Smith verhieß ihm, daß er, wenn er glaubenstreu bliebe, das Priestertum in diesem oder im nächsten Leben empfangen werde. Bruder Daniels starb 1936 als treues Mitglied der Kirche. Seine Tochter ließ für ihn, nur kurze Zeit nach der Offenbarung über das Priestertum im Jahr 1978, die heiligen Handlungen des Tempels vollziehen.

In Afrika empfingen viele Menschen durch die Literatur der Kirche oder durch wunderbare Erlebnisse ein Zeugnis vom Evangelium. Sie konnten aber nicht alle Segnungen des Evangeliums empfangen. Im Laufe vieler Monate vor der Offenbarung im Juni 1978 hatte Präsident Kimball mit seinen Ratgebern und den zwölf Aposteln immer wieder darüber gesprochen, daß das Priestertum den Menschen afrikanischer Herkunft vorenthalten wurde. Die Kirchenführer zögerten, in solchen Gebieten, in denen die würdigen Mitglieder der Kirche nicht alle Segnungen des Evangeliums empfangen konnten, Missionen zu eröffnen. Auf einer Gebietskonferenz in Südafrika erklärte Präsident Kimball: „Ich habe mit großer Inbrunst gebetet. Ich wußte, daß etwas vor uns lag, was für viele Kinder Gottes von besonderer Wichtigkeit war. Ich wußte, daß wir die Offenbarungen des Herrn nur dann empfangen, wenn wir würdig und bereit für sie sind und willens, sie zu akzeptieren und umzusetzen. Tag für Tag ging ich allein und mit großem Ernst in die oberen Räume des Tempels. Dort brachte ich meine Seele dar und verpflichtete mich, vorwärts zu gehen. Ich wollte das tun, was er wollte. Ich sprach zu ihm und sagte: ‚Herr, ich möchte nur das, was richtig ist.‘“

In einer besonderen Versammlung im Tempel, an der die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel teilnahmen, bat Präsident Kimball darum, daß alle ihre Ansichten dazu, ob den schwarzen Männern das Priestertum übertragen werden sollte, freimütig äußerten. Dann knieten sie um den Altar herum nieder und beteten mit Präsident Kimball als Sprecher. Elder Bruce R. McConkie, der dabei war, sagte später: „In jener Stunde goß der Herr aufgrund unseres ständigen Bittens und des Glaubens und weil die Zeit gekommen war, in seiner Vorsehung auf eine wunderbare Weise, die alles übertraf, was jeder der Anwesenden bisher erlebt hatte, über die Erste Präsidentschaft und die Zwölf den Heiligen Geist aus.“( Bruce R. McConkie, „All Are Alike unto God“, Charge to Religious Educators, 2. Auflage (1981), 153). Den Führern der Mormonenkirche wurde deutlich kundgetan, daß die Zeit gekommen war, in der alle würdigen Männer die vollen Segnungen des Priestertums empfangen können. Am 8.Juni 1978 sandte die Erste Präsidentschaft einen Brief an die Priestertumsführer und erläuterte, daß der Herr offenbart hatte, daß „alle würdigen männlichen Mitglieder der Kirche ohne Rücksicht auf Rasse oder Hautfarbe zum Priestertum ordiniert werden können“. Am 30. September 1978 stimmten die Heiligen in der Generalkonferenz einstimmig dafür, diese Maßnahme ihrer Führer zu unterstützen. Dieser Brief ist heute als Amtliche Erklärung Nr. 2 im Buch Lehre und Bündnisse enthalten.

Seit dieser Bekanntmachung haben sich Tausende von Menschen afrikanischer Herkunft der Kirche angeschlossen. Das Erlebnis eines Mitglieds in Afrika veranschaulicht, wie diese Menschen durch die Hand des Herrn gesegnet wurden. Ein Hochschulabsolvent, der als Lehrer tätig war, hatte einen Traum, in dem er ein großes Gebäude mit Zinnen oder Türmen sah, in das Menschen gingen, die weiß gekleidet waren. Als er einige Zeit danach auf einer Reise ein Gemeindehaus der Mormonen sah, spürte er, daß diese Kirche etwas mit seinem Traum zu tun haben müsse, also besuchte er einen Sonntagsgottesdienst. Nach den Versammlungen zeigte ihm die Frau des Missionspräsidenten ein Traktat. Als der Mann es aufschlug, sah er ein Bild des Salt-Lake-Tempels, des Gebäudes, das er in seinem Traum gesehen hatte. Später berichtete er: „Ehe ich es merkte, weinte ich. . . . Ich kann das Gefühl nicht beschreiben. Alle Last war von mir genommen. . . . Ich hatte den Eindruck, mich an einem Ort zu befinden, den ich schon oft besucht hatte. Und nun war ich zu Hause” (E. Dale LeBaron, „Black Africa“, 24).

Während der Amtszeit von Präsident Kimball wurden das Erste Siebzigerkollegium neu organisiert, das Kompaktversammlungsschema für die Sonntagsversammlungen eingeführt und weitere Tempel gebaut. 1982 waren in aller Welt 22 Tempel entweder in Planung oder im Bau befindlich, so viele wie niemals zuvor in der Geschichte der Mormonenkirche. Präsident Kimball hatte einen Reiseplan, der ihn in viele Länder führte, in denen er Gebietskonferenzen abhielt. In diesen Versammlungen schenkte er seinen eigenen Bedürfnissen keine Beachtung und suchte jede Möglichkeit, um mit den einheimischen Mormonen zusammenzukommen und sie zu stärken und aufzubauen. In vielen Ländern sehnten sich die Mormonen danach, die errettenden heiligen Handlungen des Tempels zu empfangen. Zu ihnen gehörte ein Mormone aus Schweden, der viele Missionen erfüllt hatte und in der Missionspräsidentschaft diente. Als er starb, vermachte er einen beträchtlichen Teil seines Vermögens dem schwedischen Tempelfonds, lange bevor bekanntgegeben wurde, daß in Schweden ein Tempel gebaut wurde. Als Präsident Kimball den Bau des Tempel ankündigte, war durch die Zinsen die Spende des Mannes zu einem großen Betrag angewachsen. Nicht lange nach der Weihung des Tempels wurde dieser glaubenstreue Bruder, der schon zu Lebzeiten die Begabung empfangen hatte, in demselben Tempel, den er mit seinem Geld hatte bauen helfen, an seine Eltern gesiegelt. Ein Vater und eine Mutter in Singapur beschlossen, zusammen mit ihrer Familie zum Tempel zu fahren, um aneinander gesiegelt zu werden und die Segnungen des Tempels zu empfangen. Um das notwendige Geld aufzubringen, mußten sie viele Opfer bringen. Schließlich konnten sie die Reise antreten und den Tempel besuchen. Sie wohnten bei dem Missionar, der sie Jahre zuvor unterwiesen hatte. Als sie ein Lebensmittelgeschäft besuchten, wurde die Schwester von ihrem Mann und dem Missionar getrennt. Als die beiden die Schwester wiederfanden, hielt sie eine Flasche Shampoo in der Hand und weinte. Sie sagte, daß sie sieben Jahre lang kein Shampoo benutzt hatte, um das Geld dafür zu sparen. Dieses Opfer kam ihr nun klein vor, denn sie wußte, daß ihre Familie durch die heiligen Handlungen im Haus des Herrn für ewig verbunden worden war.

Eine weitere wichtige Entwicklung während der Amtszeit von Präsident Kimball vollzog sich 1979, als die Kirche eine neue englischsprachige Ausgabe der King-James-Bibel veröffentlichte. Der Text blieb unverändert, die neuen Fußnoten enthielten aber Querverweise auf das Buch Mormon, auf Lehre und Bündnisse und auf die Köstliche Perle. Durch das umfangreiche Stichwortregister und das Bibellexikon konnten Einblicke in die heiligen Schriften gewonnen werden, die vorher nicht möglich waren. In dieser Ausgabe haben alle Kapitel neue Überschriften bekommen. Auch wurden Auszüge aus Joseph Smiths inspirierter Überarbeitung der King-James-Bibel aufgenommen. 1981 erschienen in englischer Sprache neue Ausgaben des Buches Mormon, des Buches Lehre und Bündnisse und der Köstlichen Perle. Sie enthielten ein neues Fußnotensystem, neue Überschriften für die Kapitel und Abschnitte, Karten und ein Stichwortverzeichnis. Etwa zur gleichen Zeit begann die Kirche damit, die Übersetzung der neuzeitlichen heiligen Schriften in viele Sprachen voranzutreiben. Durch sein Beispiel und seine Lehren inspirierte Präsident Kimball die Mitglieder der Kirche, in allen Bereichen ihr Bestes zu geben. Anläßlich der Feierlichkeiten zum einhundertsten Gründungstag der Brigham-Young-Universität sagte Präsident Kimball: „Ich habe die Hoffnung und erwarte zugleich, daß aus dieser Universität und aus dem Bildungswesen der Kirche hervorragende Größen im Schauspiel, in der Literatur, in der Musik, der Bildhauerei, der Malerei, in der Wissenschaft und in allen anderen Lehrbereichen hervorgehen.“10 Bei anderen Gelegenheiten gab er seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Künstler der Kirche die Geschichte des wiederhergestellten Evangeliums auf machtvolle und überzeugende Weise erzählten.

Ungeachtet seines vollen Terminkalenders wandte sich Präsident Kimball beständig seinen Mitmenschen liebevoll zu, um ihnen zu dienen. Er hegte besondere Liebe für die Ureinwohner Nord- und Südamerikas und für die Völker auf den Inseln Polynesiens. Präsident Kimball verbrachte viele Stunden damit, diesen Menschen zu helfen. Er hatte von Präsident George Albert Smith einen Segen bekommen, der ihn anwies, über diese Menschen zu wachen. Als Präsident der Mormonenkirche beauftragte er Mitglieder des Rates der Zwölf, die Länder Mittel- und Südamerikas für die Verkündigung des Evangeliums zu weihen beziehungsweise erneut zu weihen. Seitdem haben Hunderttausende in Mittel- und Südamerika Zugang zu den Segnungen des Evangeliums.

Ein Ereignis ist bezeichnend für die Sorge, die er für alle Menschen hatte. Auf einem belebten Flughafen stand eine jungen Mutter, die durch schlechtes Wetter hier festgehalten wurde, immer wieder in einer Warteschlange, um einen Flug für sich und ihre zweijährige Tochter zu bekommen. Sie war im zweiten Monat schwanger, und der Arzt hatte ihr verboten, das kleine Mädchen, das erschöpft und hungrig war, zu tragen. Es äußerten sich zwar viele Leute abfällig über das weinende Kind, aber niemand bot Hilfe an. Die Frau berichtete später: „Jemand kam freundlich lächelnd auf uns zu und sagte: ‚Kann ich Ihnen helfen?‘ Ich seufzte und nahm das Angebot dankbar an. Er nahm meine schluchzende kleine Tochter vom kalten Boden auf, nahm sie liebevoll in den Arm und klopfte ihr sanft auf den Rücken. Er fragte, ob sie ein Kaugummi haben dürfe. Als sich das Kind beruhigt hatte, trug er es mit sich und sagte etwas Freundliches zu den anderen, die vor mir in der Schlange standen, und erklärte ihnen, ich brauchte ihre Hilfe. Die Leute schienen zuzustimmen, und er ging an den Schalter (ganz am Anfang der Warteschlange) und richtete es so ein, daß ich Plätze in einem Flugzeug bekam, das bald abflog. Er ging mit uns zu einer Sitzbank, und wir unterhielten uns kurz, bis er sicher war, daß ich allein zurechtkam. Dann machte er sich auf den Weg. Etwa eine Woche später sah ich ein Bild des Apostels Spencer W. Kimball und erkannte in ihm den Fremden vom Flughafen.“( Spencer W. Kimball, Hg. Edward L.Kimball, Andrew E. Kimball jun. (1977), 334).

Einige Monate vor seinem Tod litt Präsident Kimball unter großen gesundheitlichen Problemen, aber er blieb immer ein Beispiel für Geduld, Langmut und Fleiß inmitten von Prüfungen. Er starb am 5. November 1985, nachdem er 12 Jahre als Präsident der Kirche gedient hatte.

Sein Zeugnis

Christi Tod am Kreuz bietet uns an, von der ewigen Strafe für die meisten Sünden freizukommen. Er nahm die Strafe für die Sünden der ganzen Welt auf sich in dem Bewußtsein, daß denjenigen, die Buße tun und zu ihm kommen, ihre Sünden vergeben werden und daß sie von der Strafe loskommen, . . . Wenn wir daran denken, welch großes Opfer unser Herr Jesus Christus, für uns erbracht und welche Leiden er für uns erduldet hat, so wären wir undankbar, wenn wir es nicht nach unsrem besten Vermögen schätzen würden. Er litt und starb für uns, doch wenn wir nicht Buße tun, waren all seine Qualen und Schmerzen für uns vergeblich . . . Die Vergebung der Sünden ist einer der herrlichsten Grundsätze, die Gott je dem Menschen gegeben hat. Ebenso wie die Buße ein göttliches Prinzip ist, ist es auch die Vergebung. Gäbe es diesen Grundsatz nicht, würde es keinen Zweck haben, zur Buße aufzufordern. Doch dank dieses Grundsatzes ergeht die Einladung Gottes an alle Menschen: Kommt, tut Buße für eure Sünden und empfangt Vergebung!

zusätzliches Material

  • 155. Frühjahrs-Generalkonferenz, der Stern April 1985 S. 42: Spencer W. Kimball: Ein Wahrer Jünger Christi - von Marvin J.Ashton


Propheten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Joseph Smith | Brigham Young | John Taylor | Wilford Woodruff | Lorenzo Snow | Joseph F. Smith | Heber J. Grant | George Albert Smith | David O. McKay | Joseph Fielding Smith | Harold B. Lee | Spencer W. Kimball | Ezra Taft Benson | Howard W. Hunter | Gordon B. Hinckley | Thomas S. Monson
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