Die Kirche in Ostdeutschland
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Hinter der Mauer
Die Mitglieder in der Isolation
Während der letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, genauer gesagt in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945, zerbombten die Alliierten die Dresdener Innenstadt. Irgendwo unter den Trümmern lag auch das Gemeindehaus des Zweigs Dresden-Altstadt begraben. Viel war in Deutschland von der Kirche ohnehin nicht übriggeblieben.
Als die Straßen wieder freigeräumt waren, machten sich die Mitglieder des ausgebombten Zweigs über die einzige noch bestehende Elbebrücke auf den Weg zu den Mitgliedern des Zweigs Dresden-Neustadt, deren Gemeinde den Angriff unbeschadet überstanden hatte. Das Gemeindehaus wurde allerdings kurz darauf in eine Schlafstätte für Hunderte heimatloser Flüchtlinge verwandelt, so daß die Mitglieder in zwei kleinen Räumen zusammenkommen mußten. Der Zweig bestand hauptsächlich aus Kindern, jungen Müttern und älteren Ehepaaren. Fast alle Männer im wehrfähigen Alter, die nicht im Krieg gefallen waren, gehörten entweder noch der deutschen Armee an oder waren in Kriegsgefangenschaft geraten.
- „Es gab keinen elektrischen Strom. . . . Wir mußten zwei Kilometer laufen, um Wasser zu holen. . . . Nach drei Tagen kam ein Lastwagen mit Brot.... Wir durften die unter den Trümmern einer Konservenfabrik verschütteten Konserven ausgraben. ... Die jungen Leute führten Dienstprojekte durch, um Lebensmittel für ältere Menschen zu besorgen. Wir besuchten die Mitglieder des Zweigs zu Hause und hielten Andachten und Firesides ab. Bei den Versammlungen wickelten wir uns fest in Mäntel und Decken.... Wir waren dankbar und voller Hoffnung, weil wir wußten, daß der Herr sein Volk nicht vergessen würde. ... Es war eine Zeit starken Glaubens und innerer Ruhe.” (Brief von Edith Krause an die Verfasser, 21. Februar 1990.)
Um sich das Ausmaß der Zerstörung vor Augen zu halten, muß man bedenken, daß die Einheiten der Kirche in Sachsen teilweise älter waren als viele Gemeinden in Utah. In Dresden beispielsweise gab es seit 1855 einen Zweig der Kirche; Karl G. Mäser, ein junger Mann, der sich zur Kirche bekehrt hatte, war der erste Zweigpräsident gewesen. (1875 wurde Bruder Mäser Rektor der Brigham-Young-Akademie, der heutigen Brigham-Young-Universität in Provo.)
Die Erfahrungen der beiden Zweige in Dresden stehen in vieler Hinsicht stellvertretend für die Erfahrungen der mehr als dreißig weiteren Zweige im Ostteil Deutschlands.
Der Wiederaufbau beginnt
Schon kurze Zeit nach dem Krieg kamen Missionare nach Westeuropa, um beim Aufbau der kriegsgebeutelten Kirche zu helfen. Aber die Mitglieder in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone warteten vergebens. Es sollte noch mehr als vierzig Jahre dauern, bis die Mitglieder in der Besatzungszone, die später in die DDR umgewandelt wurde, Vollzeitmissionare aus anderen Ländern zu Gesicht bekamen. Die Mitglieder waren von der Kirche abgeschnitten.
In den Jahren unmittelbar nach dem Krieg mußten die Führer der Kirche in erster Linie die verstreuten Mitglieder ausfindig machen, sich um sie kümmern und die verbliebenen Zweige wieder aufbauen. Dazu wären eigentlich junge Priestertumsträger und Vollzeitmissionare notwendig gewesen, aber die Arbeit wurde jetzt von Frauen, Kindern und älteren Mitgliedern geleistet. Aber sobald die Priestertumsträger aus dem Krieg und aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrten, wurden sie auf Mission berufen.
Walter Krause beispielsweise wurde am 2. Juli 1945 in Cottbus — an der polnischen Grenze — aus "der Kriegsgefangenschaft entlassen. In Cottbus gab es ein Flüchtlingslager, wo mehrere Mitglieder Zuflucht gefunden hatten. Gegen Ende November fragte Richard Ranglack, der Missionspräsident, Bruder Krause, ob er bereit sei, eine Mission zu erfüllen, da viele Zweige dringend Hilfe brauchten. „Wenn der Herr mich braucht, dann gehe ich auch”, antwortete Bruder Krause.
Am 1. Dezember 1945 machte ich mich mit 20 Mark in der Tasche, einem Stück trockenem Brot und einer Flasche Kräutertee auf den Weg. Ein Bruder hatte mir den Wintermantel seines Sohnes geschenkt, der nicht aus dem Krieg zurückgekehrt war. Ein anderer Bruder, von Beruf Schuhmacher, hatte mir ein Paar Schuhe geschenkt. Und so ging ich also auf Mission — mit zwei Hemden, zwei Taschentüchern und zwei Paar Socken.” (Aus einer unveröffentlichten Sammlung mit autobiographischen Skizzen, zusammengestellt von Manfred Schütze, Seite 3.)
Es gab kaum Transportmittel, und deshalb war es nichts Ungewöhnliches, wenn jemand, um die Zweige der Kirche zu besuchen, eine Strecke von bis zu 50 Kilometern zu Fuß zurücklegte, wozu er zwölf bis dreizehn Stunden brauchte. Aber viele Mitglieder, wie zum Beispiel Elli Polzin, mußten erst noch wiedergefunden und versorgt werden.
- „1946 kam ich mit unseren Kindern und meiner Mutter aus Stettin (heute Polen). . . . Eines Tages kamen zwei Missionare — einer von ihnen war Walter Böhme aus Groitzsch — bei uns vorbei, um den Kontakt mit der Kirche wiederherzustellen. Sie bewogen uns, nach Schwerin zu ziehen, wo es einen Zweig der Kirche gab. Dort bekam ich auch eine Stelle, ... und schließlich gelang es mir auch, meine Familie nachkommen zu lassen Dort wohnten wir mehrere Jahre in einem einzigen Zimmer, bis wir schließlich eine Wohnung bekamen. Und im Dezember 1949 - es war ein Tag vor Weihnachten — kam mein Mann aus der Gefangenschaft nach Hause.” (Schütze, Seite 18.)
Bruder Eberhard Gabler schreibt über seine Mission: "Ich hatte niemanden, der mich finanziell unterstützte, . . . aber ich vertraute fest darauf, daß der Herr für mich sorgen werde, wenn er mich brauchte. Und mein Vertrauen wurde auch nicht enttäuscht.” Achtunddreißig Monate half Bruder Gabler beim Aufbau des Gottesreiches „in der damaligen Ostdeutschen Mission. . . . Fast alle Führungsaufgaben lagen in den Händen der Missionare. Wir waren die Zweigpräsidenten, die Führer der Jugend, die Sonntagsschullehrer, die PV-Beamten und die Lehrer in den übrigen Organisationen." (Schütze, Seite 29.)
Das, was Herbert Schreiter erlebt hat, ist typisch für die Mitglieder der damaligen Zeit. Bruder Schreiter gab während der Wirtschaftskrise von 1929 bis 1980 eine gute Stellung auf, um auf Mission zu gehen. Als er zurückkam, wurde er Zweigpräsident in Chemnitz. Dieses Amt hatte er von 1937 bis 1941 inne, als er zum Militär eingezogen wurde. Als Soldat war er Sonntagsschulleiter im Zweig Salzburg. 1946, also kurz nach dem Krieg, wurde Bruder Schreiter auf eine weitere Mission berufen und mußte dafür seine Familie zurücklassen. Trotzdem sagte er: „Natürlich werde ich gehen. Ich bin bereit, und ich freue mich sehr, daß ich auf Mission gehen darf.” (Schütze, Seite 46.)
Die ungewöhnliche Lage der Kirche hinter dem Eisernen Vorhang erforderte reife Männer mit Erfahrung, die natürlich oft Familie hatten. Paul Schmidt schrieb über seine Mission: „Kann sich jemand, der nach dem Krieg geboren und aufgewachsen ist, überhaupt vorstellen, was es bedeutete, im Sommer 1946 mit einundvierzig Jahren auf eine Mission berufen zu werden, die fünfzig Monate dauerte und die verlangte, daß man seine Frau und seine beiden schulpflichtigen Kinder zurückließ?” (Schütze, Seite 50.)
Aber innere Reife und Erfahrung waren nicht das Wichtigste, was die Missionare brauchten. Bruder Schmidt schreibt: „Wenn wir uns nur auf unsere Erfahrung verlassen hätten, dann hätten wir nichts bewirken können, denn 1945 und 1946 hatten nur sehr wenige Mitglieder die notwendige Erfahrung. ... Aber die Mitglieder konnten sich auch darauf verlassen, daß sie Inspiration empfingen. Daran hielten wir unerschrocken fest und hatten auch Erfolg.” (Schütze, Seite 51.)
Glaubensvolle Arbeit
Zum Wiederaufbau der Zweige gehörte auch der buchstäbliche Wiederaufbau von Gebäuden. Als die Missionare die sowjetischen Befehlshaber in Dresden um einen Ort baten, wo sie ihre Versammlungen abhalten konnten, wies man ihnen das alte Offizierskasino in einem ausgebombten Gebäude der deutschen Wehrmacht zu. Die Mitglieder — in der Hauptsache Frauen, Kinder und ältere Männer — führten die schwere Arbeit selbst aus, obwohl sie nur wenig zu essen hatten. Einmal schafften acht Frauen, zwei Diakone und zwei ältere Männer einen sechs Meter langen Eisenträger in ein Gebäude und wuchteten ihn drei Meter hoch an seine Stelle.
Vierzig Jahre lang diente das Gebäude dem Zweig und der Gemeinde Dresden als Versammlungsort. Dort hielt Präsident Kimball 1977 eine Ansprache, und gegen Ende der achtziger Jahre trat dort die Gruppe „Lamanite Generation” von der Brigham-Young-Universität auf. Als die Gemeinde 1988 in ein neues Gebäude zog, bauten die Mitglieder einen Teil des alten Gebäudes in eine gemütliche Wohnung für ein Missionarsehepaar um.
Wie die Mitglieder in Dresden, das im Süden der damaligen DDR lag, hatten auch die Mitglieder im nördlich gelegenen Schwerin große Schwierigkeiten, eine Unterkunft für ihren Zweig zu finden. Zehn Jahre lang zogen sie von einem gemieteten Raum in den anderen, und schließlich fanden die Versammlungen sogar im Wohnzimmer einer Familie statt. 1956 konnten sie dann aber ein Grundstück kaufen, allerdings auf den Namen des Zweigpräsidenten, weil die Kirche keinen Grundbesitz haben durfte. Außerdem durften sie das bestehende Gebäude nicht abreißen, weil es eine Wohnung enthielt; man gestattete ihnen aber, auf dem restlichen Grundstück einen Neubau zu errichten. Außerdem durften sie eine alte Armeebaracke etwa 8 Kilometer außerhalb der Stadt niederreißen, damit sie Baumaterial hatten.
Aber als sie dann dreiundzwanzig Wagenladungen voll Baumaterial auf das Grundstück geschafft hatten, wurde die Baugenehmigung widerrufen! Daraufhin fasteten und beteten die Mitglieder, und schließlich gestattete man ihnen, den alten Pferdestall auf dem Gelände als Gemeindehaus auszubauen.
Zum Umbau war aber mehr Baumaterial notwendig, als sie hatten, doch alles Material wurde vom Staat streng verwaltet. Die Mitglieder waren jedoch überzeugt, daß sie das Material mit der Hilfe des Herrn bekommen würden. (Siehe Schütze, Seite 22.) Am 5. Januar 1958 weihte Henry Burkhardt, damals Ratgeber des Präsidenten der Norddeutschen Mission, den ehemaligen Pferdestall als Versammlungsort des Zweiges Schwerin.
1973 erhielt der Zweig die Genehmigung, das Gebäude zu erweitern, aber das bedeutete, daß erst wieder unter großen Schwierigkeiten Baumaterial besorgt werden mußte. Ein Bauaufseher der evangelisch-lutherischen Kirche, der die fleißigen, ehrlichen Heiligen der Letzten Tage sehr schätzte, besorgte ihnen eine große Menge Steine. Das weitere Material konnte nur nach und nach in kleinen Mengen beschafft werden; dazu mußten sich die Mitglieder stundenlang anstellen. Weil sich die Männer wegen ihrer Arbeit nicht anstellen konnten, übernahm die Frau des Zweigpräsidenten die Beschaffung des Materials, obwohl sie es dann mit einem Handkarren zur Baustelle bringen mußte. (Siehe Schütze, Seite 24.)
Fast jeder Zweig in der damaligen DDR könnte etwas Ähnliches erzählen. In Leipzig beispielsweise mußten die Mitglieder ein renoviertes Gebäude aufgeben, wo sie zusammengekommen waren, erhielten dafür aber die Erlaubnis, ein altes Kino umzubauen. Das dauerte mehrere Monate, und als sie schließlich 1968 den Weihungsgottesdienst halten wollten, wurde Herbert Schreiter, der Zweigpräsident, von der Stadtverwaltung darüber informiert, daß das Gebäude beschlagnahmt werden sollte und nicht weiterverwendet werden konnte. Als einziger Grund wurde angegeben, daß der Zweig nicht sämtliche Bauvorschriften erfüllt habe. Schließlich erreichten es die Mitglieder aber doch, daß sie das renovierte Gebäude als Gemeindehaus nutzen durften.
Neue Hindernisse
Die politischen Ereignisse in der damaligen DDR machten den Mitgliedern das Leben zunehmend schwerer. Ehe 1961 die Mauer gebaut wurde, konnten die Führer der Kirche und die Mitglieder in Ostdeutschland noch in begrenztem Umfang Kontakt mit der Kirche im Westen halten. Die Missionspräsidenten im Westen präsidierten auch über die Vollzeitmissionsarbeit in Ostdeutschland. Aber nach dem Bau der Mauer konnten die Missionspräsidenten eigentlich nur noch zweimal im Jahr kommen, nämlich zur Zeit der Leipziger Messe, wo Besucher aus dem Westen leichter ein Visum bekamen. Dann strömten die Mitglieder in hellen Scharen nach Leipzig, um miteinander und mit den Führern der Kirche von außerhalb des Landes zu reden. (Eine Ausnahme bildete Präsident Joel A. Tate, der von 1963 bis 1966 Missionspräsident war und es irgendwie schaffte, häufiger eine Einreisegenehmigung zu erhalten, um die Missionare und die Mitglieder zu besuchen.)
Vor 1961 fanden die Missionarskonferenzen manchmal auch in Westberlin statt, und die Missionare und die Mitglieder aus der damaligen DDR konnten gelegentlich Unterrichtsleitfäden über die Grenze bringen. Zwar waren Veröffentlichungen der Kirche nicht von der Regierung genehmigt, sie wurden den Mitgliedern aber auch nicht immer an der Grenze abgenommen. Die Mitglieder schrieben die Leitfäden dann mit der Schreibmaschine ab und vervielfältigten sie, bis jeder Zweig genug Lehrmaterial hatte. Nach 1961 wurden die offiziellen Veröffentlichungen der Kirche nach und nach verboten. Joachim Albrecht aus Bautzen erzählt:
- „Präsident Burkhardt wies uns an, alle nicht genehmigten religiösen Veröffentlichungen wie Bücher, Leitfäden usw. zu vernichten. Das brach mir fast das Herz, denn im Laufe der Jahre hatte ich mir eine kleine, aber gute Sammlung von Veröffentlichungen der Kirche angelegt, für die ich allerdings keine Genehmigung besaß. Dann saß ich vor dem Ofen. Nein, dachte ich, das kann ich nicht. Aber schließlich verbrannte ich doch alle Bücher und Leitfäden, die ich unter so großen Schwierigkeiten gesammelt hatte. Noch nicht einmal zwei Wochen später stand die Geheimpolizei bei mir vor der Tür und durchsuchte mein Haus nach nicht genehmigten Veröffentlichungen. Ich hatte aber keine. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, daß man auf den Rat der inspirierten Führer hört.”
Eine Zeit der Freude
Aber nicht nur die Veröffentlichungen der Kirche wurden verboten, sondern ab Mitte der sechziger Jahre durfte im Land auch nicht mehr missioniert werden. Nur ältere Ehepaare, die sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatten, durften noch Missionsarbeit leisten, aber auch nur in begrenztem Rahmen. Auch die Aktivitäten der Kirche wurden beschränkt. In manchen Zweigen mußte der Zweigpräsident vor jeder Versammlung eine polizeiliche Genehmigung beantragen. Auf dem Antrag mußten die Namen der Sprecher sowie das jeweilige Thema angegeben werden. Außerdem kam die Geheimpolizei auch machmal zu den Versammlungen.
Obwohl man meinen könnte, die späten sechziger und die frühen siebziger Jahre hätten zu den schwierigsten Jahren gehört, die die Kirche in der DDR durchmachen mußte, denken die Mitglieder doch gerne an diese Zeit zurück. Je mehr äußerem Druck sie nämlich ausgesetzt waren, desto enger schlossen sie sich zusammen und desto näher fühlten sie sich der Kirche und dem himmlischen Vater. Die Versammlungen waren gut besucht, und die Heimlehr- und Besuchslehraufträge wurden mit großem Eifer erfüllt. Die Mitglieder kümmerten sich um einander und halfen einander; alle zahlten treu den Zehnten und die übrigen Opfergaben.
Es gab auch Mitglieder, die jahrelang von der Kirche isoliert waren, aber trotzdem dem Glauben treu blieben. Günther Schulze, heute Bischof der Gemeinde Dresden, verbrachte viel Zeit mit der Suche nach solchen Mitgliedern. Manche wohnten in Polen, andere in entlegenen Gebieten der DDR. Zu diesen Mitgliedern gehörte auch eine ältere Schwester in Oberschlesien.
Bruder Schulze erzählt: „Wir haben uns lange mit ihr unterhalten. Schließlich holte sie hinter dem Ofen einen verknoteten Strumpf hervor und fing an, die Knoten — es waren mehrere — zu lösen. Dann hielt sie uns das Geld aus dem Strumpf mit beiden Händen entgegen und sagte: 'Das ist mein Zehnter. Ich habe ihn jetzt seit über fünfundzwanzig Jahren aufbewahrt, denn ich wußte, daß das Priestertum eines Tages wieder zur mir kommen würde.' "
Ein hellerer Tag
In dieser schwierigen Zeit trug sich ein Ereignis zu, das sich später als Wendepunkt der Kirche in der damaligen DDR darstellte. Am 9. und 10. November 1968 besuchte Stanley D. Rees, der Präsident der Norddeutschen Mission, gemeinsam mit seiner Frau die DDR. Die beiden wurden von Elder Thomas S. Monson, derzeit vom Kollegium der Zwölf begleitet. Schwester Krause erinnert sich: „Elder Monson war noch so jung, daß wir ihn für einen Missionar hielten, denn wenn ein Missionspräsident zu uns kam, brachte er oft auch Missionare mit.” (Brief von Schwester Krause, Seite 5.) In einer Versammlung in Görlitz nahe der polnischen Grenze verhieß Elder Monson den Mitgliedern in Ostdeutschland, daß sie in den Genuß aller Segnungen kommen würden, deren sich die übrigen Mitglieder der Kirche erfreuten. (Siehe Der Stern, Juli 1989.) Obwohl sich die Auswirkungen des Kalten Krieges nicht so schnell beseitigen ließen, zeichneten sich doch allmählich Veränderungen in der Kirche ab — zuerst langsam, im Verlauf der nächsten zwanzig Jahre dann aber immer schneller.
Am 27. April 1975 weihte Elder Monson auf einem Hügel zwischen Dresden und Meißen, von wo aus man einen Blick auf die Elbe hatte, die Deutsche Demokratische Republik der Evangeliumsverkündigung. Am 24. August 1977 sprach Präsident Spencer W. Kimball zu den Mitgliedern, die sich in Dresden im Gemeindehaus versammelt hatten, in eben jenem Gemeindehaus, das ehemals ein Offizierskasino gewesen war und das die Mitglieder umgebaut hatten. Im August 1982 wurde der Pfahl Freiberg gegründet. Am 23. April 1983 fand die Grundsteinlegung für den Freiberg-Tempel statt, im Juni 1984 wurde der Pfahl Leipzig gegründet, und 1985 wurde dann der Freiberg-Tempel geweiht. Außerdem erhielt die Kirche die Genehmigung, neue Gemeindehäuser zu errichten, und zwar in Freiberg neben dem Tempel, in Leipzig, in Zwickau, in Dresden und in Karl-Marx-Stadt (heute wieder Chemnitz).
Im Oktober 1988 durften dann nach fünfzig Jahren wieder Vollzeitmissionare von außerhalb der DDR ins Land. Ein hellerer Tag dämmerte über dem Land heran.
Die Kirche hinter der Mauer
1945 bis 1990
- 1946
Walter Stover wird nach dem Krieg als erster Präsident der Ostdeutschen Mission berufen. Elder Ezra Taft Benson vom Kollegium der Zwölf beaufsichtigt die Verteilung der Hilfsgüter in Deutschland und einem Teil Polens.
- 1947
Fünftausend Mitglieder nehmen in Dresden an der Einhundertjahrfeier des Pioniertags der Kirche teil; das ist die größte Zusammenkunft von Mitgliedern, die es in Deutschland bis dahin gegeben hat. (Präsident Stover erhält keine Reisegenehmigung und kann die Feier daher nicht besuchen.)
- 1952
Am 23. und 24. Juni spricht Präsident David O. McKay auf einer Konferenz in Berlin, an der viele Mitglieder aus der damaligen DDR teilnehmen dürfen.
- 1955
Präsident Herold L. Gregory darf vom 22. bis 24. Oktober Dresden besuchen und an der Feier zum einhundertsten Jubiläum des Zweiges teilnehmen.
- 1968
Vom 9. bis 10. November besucht Elder Thomas S. Monson die DDR und verheißt den Mitgliedern in Görlitz, daß sie in den Genuß aller Segnungen kommen werden, deren sich die übrigen Mitglieder der Kirche erfreuen.
- 1969
Am 15. Juni gründet Elder Monson die Mission Dresden, die für alle Mitglieder innerhalb der DDR zuständig ist. Henry Burckhardt, der im Land wohnt, wird der erste Missionspräsident.
- 1970
Walter Krause wird von Präsident Harold B. Lee zum Patriarchen der Mission Dresden ordiniert.
- 1975
Am 27. April weiht Elder Thomas S. Monson die DDR für die Evangeliumsverkündigung.
- 1977
Am 24. August besucht Präsident Spencer W. Kimball auf dem Rückweg von Polen die DDR und spricht im Gemeindehaus in Dresden.
- 1982
Am 29. August wird der Pfahl Freiberg gegründet.
- 1984
Am 3. Juni wird der Pfahl Leipzig gegründet.
- 1985
Am 28. Juni wird der Freiberg-Tempel geweiht.
- 1988
Im Mai macht die Gruppe ,, Lamanite Generation" von der Brigham-Young-Universität eine Tournee durch die DDR. Im Oktober gibt die Regierung der DDR bekannt, daß Missionare ins Land einreisen dürfen.
- 1989
Am 31. März reisen Missionare der neugegründeten Mission Dresden in das Land ein, in dem fünfzig Jahre lang keine ausländischen Missionare Vollzeitmissionsarbeit leisten durften. Am 31. Dezember zählt die neue Mission für das am 31. Dezember 1989 zu Ende gehen-de Jahr 569 Bekehrtentaufen.
- 1990
Am 21. Oktober findet in Westberlin eine Konferenz dreier Pfähle statt; der Pfahl Leipzig wird geteilt. Die nördlichen Gemeinden und Zweige des Pfahles Leipzig werden dem Pfahl Westberlin angegliedert. Außer-dem wird der Pfahl Westberlin in die Mission Dresden aufgenommen, und die Missionare der Mission Hamburg, die in Westberlin arbeiten, werden in die Mission Dresden versetzt.
verwendete Quellen
- Der Stern Februar 1992
zusätzliches Material
- Belohnter Glaube von Thomas S. Monson LDS-Books Verlag
- Jenseits der Eisernen Vorhangs von Geraold und Norma Davis LDS-Books Verlag ISBN 3-934347-26-6

