Die Heiligen nach dem Zweiten Weltkrieg

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Die Amtszeit von Präsident George Albert Smith

George Albert Smith folgte Heber J. Grant als Präsident der Mormonenkirche nach. Präsident Smith, dessen Leben ein gutes Beispiel dafür ist, wie glücklich man sein kann, wenn man nach dem Evangelium lebt, hat bezeugt: „Jedes Glück und jede Freude, die diese Namen verdienen, kommen daher, daß man die Gebote Gottes hält und seinen Weisungen und seinem Rat folgt” (George Albert Smith, in Conference Report, Apr. 1948, 162). In der Familie von Präsident Smith war es seit Generationen üblich, die Gebote Gottes und den Rat der Führer der Mormonenkirche zu befolgen. Präsident Smith war nach seinem Großvater väterlicherseits, George A. Smith, benannt, der ein Vetter des Propheten Joseph Smith war und als Ratgeber von Präsident Brigham Young gedient hat. Der Vater von George Albert, John Henry Smith, diente unter Präsident Joseph F. Smith in der Ersten Präsidentschaft. Mit 33 Jahren wurde George Albert Smith ins Kollegium der Zwölf berufen. Von 1903 bis 1910 dienten John Henry und George Albert zusammen in diesem Kollegium. In dieser Evangeliumszeit war es das einzige Mal, daß ein Vater zusammen mit seinem Sohn in diesem Kollegium diente.

George Albert Smith diente in den 42 Jahren, die er dem Kollegium angehörte, ungeachtet seiner zeitweise schlechten Gesundheit treu. Als er für die Eisenbahn im südlichen Utah Vermessungsarbeiten durchführte, hatte die Sonne seinen Augen sehr geschadet, und es gelang nicht, seine fast vollständige Erblindung operativ zu beheben. Der zunehmende Druck und die Anforderungen an seine Zeit schwächten seinen angegriffenen Körper. 1909 brach er erschöpft zusammen. Der Arzt verordnete absolute Ruhe, was George Albert das Selbstvertrauen nahm und ihm das Gefühl vermittelte, er sei nutzlos. Das erhöhte die Anspannung, unter der er stand, nur noch.

In dieser schwierigen Zeit hatte er einen Traum, in dem er einen schönen Wald sah, der in der Nähe eines Sees gelegen war. Nachdem er eine Strecke im Wald gelaufen war, erkannte er seinen geliebten Großvater, George A. Smith, der auf ihn zukam. George rannte los, aber als sein Großvater näherkam, blieb er stehen und fragte: „Ich möchte wissen, was du mit meinem Namen gemacht hast.“ George sah im Geist sein Leben vor sich ablaufen, und er antwortete demütig: „Ich habe mit deinem Namen niemals etwas getan, dessen du dich schämen müßtest.“ Dieser Traum verlieh ihm neue geistige und körperliche Kraft, und bald konnte er an seine Arbeit zurückkehren. Später hat er dieses Erlebnis immer wieder als Wendepunkt in seinem Leben bezeichnet.

Während der Amtszeit von Präsident George Albert Smith, die von 1945 bis 1951 dauerte, erreichte die Mitgliederzahl der Mormonenkirche die erste Million. Der mormonische Tempel in Idaho Falls wurde geweiht, und die Missionsarbeit wurde nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgenommen.

Es wurden Anstrengungen unternommen, den Mormonen in Europa zu helfen, die nach dem Krieg große Not litten. Die Mormonen in den Vereinigten Staaten wurden aufgefordert, Kleidung und andere Hilfsmittel zu spenden. Präsident Smith traf sich mit Harry S.Truman, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, und bekam die Genehmigung, die gesammelten Lebensmittel, die Kleidung und das Bettzeug nach Europa zu schicken. Präsident Smith schilderte das Gespräch wie folgt: Präsident Truman sagte: „‚Warum wollen Sie die Sachen hinüberschicken? Das europäische Geld ist doch nichts wert.‘

Ich sagte: ‚Wir wollen kein europäisches Geld.‘ Er blickte mich an und gab zur Antwort: ‚Sie meinen doch nicht, daß Sie den Leuten die Sachen schenken wollen?‘

Ich erwiderte: ‚Natürlich wollen wir sie ihnen schenken. Es sind doch unsere Brüder und Schwestern, und sie leiden Not. Gott hat uns mit einem reichen Überschuß gesegnet, und wir schicken die Sachen gern nach Europa, wenn wir damit rechnen können, daß der Staat uns dabei hilft.‘

Er sagte: ‚Sie sind auf dem richtigen Weg‘, und fügte hinzu: ‚Wir helfen Ihnen gern, wo immer wir können.‘“(George Albert Smith, in Conference Report, Okt. 1947, 5f).

Als die Spenden in Utah sortiert und für den Überseeversand verpackt wurden, kam Präsident Smith, um die Vorbereitungen zu begutachten. Tränen liefen ihm über das Gesicht, als er die vielen Dinge sah, die so großzügig gespendet worden waren. Wenige Minuten darauf zog er seinen neuen Mantel aus und sagte: „Bitte schicken Sie den Mantel mit.“ Mehrere Leute, die dabeistanden, erklärten, er brauche den Mantel an diesem kalten Wintertag selbst, aber er bestand darauf, daß der Mantel mitgeschickt wurde.

Elder Ezra Taft Benson vom Kollegium der Zwölf Apostel wurde beauftragt, die Missionen der Mormonenkirche in Europa wiederzueröffnen, die Verteilung der Hilfsgüter zu beaufsichtigenundsich der geistigen Belange der Mormonen anzunehmen. Einer der ersten Besuche führte Elder Benson zu einer Konferenz der Mormonen in Karlsruhe. Elder Benson sagte über dieses Erlebnis: „Schließlich fanden wir das Versammlungsgebäude, ein teilweise zerbombtes Haus, das mitten in dem Häuserblock lag. Die Heiligen hatten in ihrer Versammlung etwa zwei Stunden auf uns gewartet und gehofft, daß wir kamen. Sie hatten nämlich erfahren, daß wir vielleicht zu dieser Konferenz kamen. Und dann sah ich zum ersten Mal in meinem Leben alle Zuhörer weinen, als wir auf das Podium gingen und sie merkten, daß endlich, nach sechs, sieben langen Jahren, wieder Vertreter Zions, wie sie sagten, zu ihnen gekommen waren. . . . Als ich in ihre Gesichter blickte, blaß, dünn, viele in Lumpen gekleidet, einige mit bloßen Füßen, sah ich das Licht des Glaubens in ihren Augen, als sie die Göttlichkeit dieses großen Werks der Letzten Tage bezeugten und dem Herrn ihren Dank für seine Segnungen bekundeten” (Ezra Taft Benson, in Conference Report, Apr. 1947, 154).

Zu den vielen Aufgaben Elder Bensons gehörte es, die Verteilung von 127 Waggonladungen mit Lebensmitteln, Kleidung, Bettzeug und Medikamenten in ganz Europa zu beaufsichtigen. Jahre später, als Präsident Thomas S. Monson in Zwickau das neue Gemeindehaus weihte, kam ein alter Bruder mit Tränen in den Augen nach vorn und bat ihn, Präsident Ezra Taft Benson seine Grüße zu übermitteln. Er sagte: „Richten Sie ihm aus, daß er mir und vielen Brüdern und Schwestern in meiner Heimat mit den Lebensmitteln und der Kleidung, die er uns von den Kirchenmitgliedern in Amerika gebracht hat, das Leben gerettet hat.“ (Zitiert in Gerry Avant, „War Divides, but the Gospel Unites“, Church News, 19. Aug. 1995, 5).

Die Mormonen in den Niederlanden hatten die Möglichkeit, den hungernden Mormonen in Deutschland einen wahren christlichen Dienst zu erweisen. Die Mormonen in den Niederlanden hatten während des Krieges sehr gelitten und von den amerikanischen Mitgliedern Wohlfahrtsunterstützung erhalten. Im Frühjahr 1947 wurden sie aufgefordert, mit eigenen Wohlfahrtsprojekten zu beginnen, und sie machten sich begeistert ans Werk. Sie bauten hauptsächlich Kartoffeln an und erwarteten eine reiche Ernte.

Während dieser Zeit kam Präsident Walter Stover von der Ostdeutschen Mission nach Holland und berichtete mit Tränen in den Augen vom Hunger und von der Not der Mormonen in Deutschland. Präsident Cornelius Zappey, der Präsident der Niederländischen Mission, fragte seine Mormonen, ob sie die Kartoffeln den Deutschen schicken wollten, die ja während des Krieges ihre Feinde gewesen waren. Die Mitglieder stimmten bereitwillig zu und wachten nun mit gesteigertem Interesse über ihre Kartoffelpflanzen. Die Ernte fiel weit größer aus als erwartet, und die niederländischen Mormonen konnten ihren Brüdern und Schwestern in Deutschland 75 Tonnen Kartoffeln schicken. Ein Jahr später sandten die niederländischen Mormonen den Mormonen in Deutschland 90 Tonnen Kartoffeln und 9 Tonnen Heringe.

Die christliche Liebe dieser Mormonen war bezeichnend für Präsident George Albert Smith, der die Liebe Christi in ungewöhnlichem Maße ausstrahlte. Er sagte: „Ich kann euch sagen, meine Brüder und Schwestern, daß die glücklichsten Menschen auf der Welt diejenigen sind, die ihren Nächsten wie sich selbst lieben und durch ihren Lebenswandel offenbaren, wie dankbar sie für die Segnungen Gottes sind” (George Albert Smith, in Conference Report, Apr. 1949, 10).

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