Die Grundlage der Kirche wird gelegt
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Die Wiederherstellung des Priestertums Gottes
Als der Engel Moroni Joseph Smith im September 1823 zum ersten Mal auf dem Hügel Cumorah erschien, gab er ihm wichtige Anweisungen bezüglich der Wiederherstellung der Priestertumsvollmacht auf der Erde. Unter anderem sagte er: „Wenn die goldenen Platten übersetzt sind, wird der Herr das heilige Priestertum einigen Männern geben,und sie werden dieses Evangelium verkünden und im Wasser taufen, und dann sollen sie die Macht haben, durch das Händeauflegen den Heiligen Geist zu spenden” (Letter from Oliver Cowdery to W. W. Phelps“, Latter-day Saints’ Messenger and Advocate, Okt. 1835, 199).
Im Frühjahr 1829 erlebte Joseph Smith, wie diese Worte teilweise in Erfüllung gingen. Bei der Übersetzung des Buches Mormon wurde die Taufe zur Vergebung der Sünden erwähnt. Am 15. Mai beteten Joseph und Oliver zum Herrn, um zu dieser Frage weitere Erkenntnis zu erhalten. Während die beiden am Ufer des Susquehanna beteten, erschien ihnen ein himmlischer Bote. Er sagte, er sei Johannes der Täufer und habe in der Zeit des Neuen Testaments gelebt. Er legte Joseph und Oliver die Hände auf und sagte: „Euch, meinen Mitknechten, übertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung innehat.“ (LuB 13:1)
Nach dieser Ordinierung tauften sich Joseph und Oliver auf das Gebot Johannes des Täufers gegenseitig und übertrugen einander das Aaronische Priestertum. Johannes erklärte ihnen, „dieses Aaronische Priestertum habe nicht die Macht, zur Gabe des Heiligen Geistes die Hände aufzulegen, aber diese Macht werde uns später noch übertragen werden“. Er sagte auch, „er wirke auf Weisung von Petrus, Jakobus und Johannes; diese hätten die Schlüssel des Priestertums des Melchisedek inne, und dieses Priestertum, so sagte er, werde uns zur bestimmten Zeit übertragen werden“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:70,72; siehe auch 1:68–72).
Über dieses Erlebnis hat der Prophet Joseph Smith gesagt: „Als wir, nachdem wir getauft waren, wieder aus dem Wasser kamen, erlebten wir sogleich große und herrliche Segnungen von unserem himmlischen Vater. Kaum hatte ich Oliver Cowdery getauft, als der Heilige Geist über ihn kam und er aufstand und vieles prophezeite, was in Kürze geschehen werde. Ebenso, kaum war ich von ihm getauft worden, hatte auch ich den Geist der Prophezeiung; ich stand auf und prophezeite den Aufstieg dieser Kirche und vieles andere, was mit der Kirche und dieser Generation der Menschenkinder zusammenhing. Wir waren voll des Heiligen Geistes und freuten uns über den Gott unserer Errettung.“ (Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:73.)
Später erschienen Petrus, Jakobus und Johannes und übertrugen Joseph und Oliver das Melchisedekische Priestertum und die Schlüssel des Gottesreichs (siehe LuB 27:12,13; 128:20). Das Melchisedekische Priestertum ist die größte Vollmacht, die einem Menschen auf der Erde übertragen werden kann. Mit dieser Vollmacht konnte der Prophet Joseph Smith die Kirche in dieser Evangeliumszeit gründen und die verschiedenen Priestertumskollegien, die wir heute in der Kirche kennen, organisieren.
Die Gründung der Mormonenkirche
Der Herr offenbarte Joseph Smith, der 6. April 1830 sei der Tag, an dem die Kirche Jesu Christi in dieser Evangeliumszeit gegründet werden solle (siehe LuB 20:1). An Gläubige und Freunde wurden entsprechende Mitteilungen verschickt. 56 Männer und Frauen versammelten sich im Blockhaus von Peter Whitmer sen. in Fayette, New York. Der Prophet wählte sechs Männer aus, die mit ihm die Kirche gründen sollten, „in Übereinstimmung mit den Gesetzen unseres Landes, nach dem Willen und Gebot Gottes“ ((LuB 20:1).
Der Prophet berichtet: „Wir eröffneten die Versammlung mit einem feierlichen Gebet zu unserem himmlischen Vater. Dann fragten wir, wie es uns zuvor geboten worden war, unsere Brüder, ob sie uns als ihre Lehrer in den Angelegenheiten des Gottesreichs anerkannten und ob sie davon überzeugt seien, daß wir, gemäß der Offenbarung, die wir erhalten hatten, so verfahren sollten, daß wir uns als Kirche organisierten. Diese Vorschläge nahmen sie einstimmig an” (History of the Church, 1:78).
Mit der Zustimmung der Anwesenden wurde Oliver von Joseph zu einem Ältesten der Kirche ordiniert, und Oliver ordinierte den Propheten zum Ältesten, wie es ihnen vom Herrn geboten worden war. Das Abendmahl wurde gesegnet und an die anwesenden Mitglieder ausgeteilt. Diejenigen, die schon getauft waren, wurden konfirmiert, und ihnen wurde die Gabe des Heiligen Geistes gespendet. Der Prophet sagte: „Der Heilige Geist wurde in sehr hohem Maße über uns ausgegossen – manche prophezeiten, während wir alle den Herrn priesen und uns über die Maßen freuten” (History of the Church, 1:78). In jener Versammlung erhielt Joseph eine Offenbarung, in der der Herr die Kirche anwies, den Worten des Propheten solche Beachtung zu schenken, als stammten sie aus seinem Mund (LuB 21:4–6) .
Die Grundsätze, nach denen die Kirche in jener Versammlung im Jahre 1830 gegründet wurde, sind auch heute noch in der Kirche zu finden: die Ausübung des Gesetzes der allgemeinen Zustimmung, Gesang, Gebet, das Abendmahl, Zeugnisgeben, die Spendung des Heiligen Geistes durch das Auflegen der Hände, Ordinierungen, persönliche Offenbarung und Offenbarung durch Priestertumsbeamte.
Joseph Smiths Mutter, Lucy Mack Smith, berichtet von einer anrührenden Begebenheit anläßlich der Taufe von Joseph Smith sen., dem Vater des Propheten: „Als Mr. Smith aus dem Wasser hervorkam, stand Joseph am Ufer und nahm seinen Vater bei der Hand. Dann rief er mit Freudentränen in den Augen: ‚Mein Gott sei gepriesen! Ich habe es erleben dürfen, daß mein Vater durch die Taufe Mitglied der wahren Kirche Jesu Christi geworden ist!‘” ( Lucy Mack Smith, History of Joseph Smith, 168). Joseph Knight sen. sagte über diesen Augenblick:
„[Der Prophet] war vom Geist erfüllt. . . . Seine Freude schien voll zu sein. Ich glaube, er sah das große Werk, das er nun begonnen hatte, und wünschte sich, es auszuführen” (Dean Jesse, Hg., „Joseph Knight’s Recollection of Early Mormon History“, 37).
Vater und Sohn liebten einander sehr. In der Grabrede sagte Joseph Smith über seinen Vater: „Ich liebe meinen Vater und die Erinnerung an ihn; und die Erinnerung an seine edlen Werke hat sich mir tief eingeprägt, und viele seiner gütigen, väterlichen Worte stehen auf den Tafeln meines Herzens geschrieben” (History of the Church, 5:126).
Die Liebe, die der Prophet für seinem Vater empfand, bestand auch zwischen Joseph Smith sen. und seinem Vater, Asael Smith. Im August 1830 reiste Joseph Smith sen. mit mehreren Exemplaren des Buches Mormon nach Nordosten, in den Kreis St. Lawrence, New York, um die Bücher seinen Eltern und Geschwistern zu bringen. Asael Smith las das Buch bis zu seinem Tod im Oktober 1830 fast ganz und erklärte, sein Enkel, Joseph Smith jun., „sei der Prophet, der, wie er seit langem wußte, in seine Familie kommen sollte” (History of the Church, 2:443). Drei weitere Söhne Asaels wurden Mitglieder der Kirche – Silas, John und Asael jun. Der Prophet durfte miterleben, wie seine Familie und viele aus der Familie seines Vaters sich taufen ließen.
Sidney Rigdon, der später ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft wurde, hat über die bescheidenen Anfänge der Kirche und über die große Vision von der Zukunft, die ihre Gründer damals schon hatten, folgendes gesagt: „Ich kam in einem kleinen alten Holzhaus, etwa 7 Quadratmeter groß, bei Waterloo, New York, mit der gesamten Kirche Christi zusammen, und wir begannen, über das Reich Gottes zu sprechen, als läge uns die Welt zu Füßen; wir sprachen mit großer Zuversicht, . . . obwohl wir nicht viele waren; . . . in einer Vision sahen wir die Kirche Gottes tausendmal größer; . . . dabei wußte die Welt nichts vom Zeugnis der Propheten und von dem, was Gott in Kürze tun wollte” („Conference Minutes“, Times and Seasons, 1. Mai 1844, 522f).
Die Ereignisse, die sich am 6. April 1830 im Westen des Staates New York zutrugen, haben das Leben von Millionen Menschen verändert. Ausgehend von den wenigen Mitgliedern in dem kleinen Holzhaus hat sich das Evangelium über die ganze Welt ausgebreitet. Heute ist die Kirche in vielen Ländern vertreten. In machen Gebieten sind die Verhältnisse so einfach und bescheiden, wie sie es bei der Gründung der Kirche in Fayette waren. Die Heiligen in aller Welt freuen sich und finden Trost in der Verheißung des Herrn: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, . . . siehe, da werde ich mitten unter ihnen sein.“ (LuB 6:32).
