Die Geburt Christi

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Inhaltsverzeichnis

Die Wege der Juden

Artikel von Dale C. Le Cheminant’’

Als Nephi, der Prophet des Buches Mormon, einst versuchte, sein Volk in den heiligen Schriften zu belehren, fiel es diesem schwer, die Lehren zu verstehen, weil ihm die Kenntnisse fehlten, die Nephi besaß. Er war in der Umwelt geboren und aufgewachsen, in der einige der heiligen Schriften entstanden. Nephi schreibt darüber:

... , und meine Augen haben die Dinge der Juden wahrgenommen, und ich weiß, dass die Juden die Dinge der Propheten verstehen, und es gibt kein anderes Volk, das gleich ihnen versteht, was zu den Juden gesprochen worden ist, außer sie werden nach der Weise der Juden belehrt.. (2. Nephi 25:5)

Nephi war deutlich im Vorteil, da er in der gleichen kulturellen Umwelt gelebt hatte wie die Propheten. Sein Volk genoss diesen Vorteil nicht, und uns geht es heute ebenso. Doch wir können die heiligen Schriften viel besser verstehen, wenn wir uns in geeigneten und zuverlässigen Quellen über die „Wege der Juden” oder den Hintergrund der heiligen Schriften, wie man es nennen könnte, unterrichten. Wenn wir beispielsweise in den Evangelien die Berichte über die Geburt und die Kindheit des Erlösers lesen, stoßen wir trotz der Kürze dieser Berichte auf viele Menschen, Orte und Dinge, die für uns als gelegentliche Leser nicht so ohne weiteres einen Sinn ergeben, weil es uns wie dem Volk Nephi an den nötigen Kenntnissen mangelt. Dass es so ist, lässt sich an einigen Beispielen zeigen:

Im Matthäus- und im Lukasevangelium lesen wir, dass Jesus in der Regierungszeit eines gewissen „Herodes, König von Judäa” geboren wurde; und Lukas berichtet uns, dass diese Geburt in der „Stadt Davids, die da heißt Bethlehem” erfolgte. Wer war dieser „Herodes, der König von Judäa” und warum wurde Bethlehem als „Stadt Davids” bezeichnet?

Herodes, der König von Judäa

Herodes der Große, wie er genannt wird, folgte seinem Vater Antipater auf den Thron als Herrscher über Palästina. Er besaß viel von der Stärke und der Verschlagenheit seines Vaters, der sich in der ersten unruhigen Zeit der römischen Herrschaft über Palästina zu politischer Macht emporgekämpft hatte. Antipater und seine Söhne, die nach ihm die Herrschaft übernahmen, waren in der Tat „einheimische Verwalter” des Imperiums, denn sie behaupteten von sich, dass sie zum Teil jüdisch seien und somit aus dem Volke stammten. Josephus, ein jüdischer Historiker und fast ein Zeitgenosse Jesu, schreibt von Herodes, er sei ein Mann mit großen Fähigkeiten gewesen, der unter dem römischen Herrscher, Kaiser Augustus, und dessen Statthalter Agrippa regiert habe.

Herodes lenkte die Geschicke Palästinas mit großem Geschick und gegen jede Bedrohung, doch war er ein eifersüchtiger Tyrann. Seine Herrschaft ließ ihn schließlich seine Frau und seine Kinder ermorden; sie ließ ihn auch die Neugeborenen in Palästina umbringen, unter denen, so hoffte der Grausame, auch der neugeborene „König der Juden” sein werde. Sein entarteter Geist sah in Jesus eine Gefahr für seine eigene Herrschaft.

Die Stadt Davids

Das alte Bethlehem ist heute eine Kleinstadt mit 7500 Einwohnern und heißt Beit Lahm; es liegt 5 Meilen südlich von Jerusalem. Seine Geschichte ist ebenso wechselvoll wie charakteristisch. Vor dem Einzug der Hebräer ins Gelobte Land hieß die Stadt Beth-Lahamu, „Haus des Gottes Lahamu”, einer baylonischen Gottheit, welche die Kanaaniter dieser Gegend verehrten. Als die Hebräer das Land in Besitz nahmen, änderten sie den Namen in Bethlehem, „Haus des Brotes”. Sie wird als „Stadt Davids” bezeichnet, weil die Familie Davids aus Bethlehem stammt. In der Frühzeit der Regierung der Richter ließ sich Ruth, die vortreffliche und tugendhafte Moabiterin, deren Namen der biblische Bericht über ihr Leben trägt, in Bethlehem nieder und wurde die Stammutter der Familie Davids; in der ganzen Geschichte Israels wird die Verbindung des Hauses David mit Bethlehem unterstrichen. (Siehe 1. Samuel 16:1-18; 17:12; 20:6.) Israel sah nie einen größeren König als David; und die kleine Stadt trägt seinen Namen und ist ausgezeichnet durch die Geburt des Erlösers, der aus dem Hause Davids stammte.

In der Regierungszeit des berüchtigten Königs Herodes kamen „Weise aus dem Morgenland” in diese kleine, doch berühmte Stadt; sie suchten den neugeborenen König der Juden, denn sie hatten seinen „Stern im Morgenland” gesehen und wollten ihn anbeten und ihm „Gold, Weihrauch und Myrrhe” darbringen. Schließlich fanden sie ihn gleich

den Hirten, die ihn, wie Lukas berichtet, „in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend” (Lukas 2:12) fanden.

Die Weisen aus dem Morgenland

Die Weisen werden nur bei Matthäus erwähnt, doch nennt er weder eine genaue Zahl noch ihre Herkunft; es heißt nur, dass sie aus dem Morgenland kamen — eine sehr ungenaue Beschreibung, die alle Gebiete östlich des Jordans umfasst: die syrisch-arabische Wüste, Mesopotamien (Babylonien) und Persien. Die Lutherbibel spricht von „Weisen”, während es in der katholischen Bibelausgabe „Magier” heißt.

Möglicherweise waren diese „Magier” Schüler des Zarathustra, des Begründers einer alten persischen Religion um 600 v.Chr. Sie waren eine mächtige Kaste, und wie viele gelehrte Menschen jener Zeit und jener Gegend verfolgten sie den Lauf der Gestirne. Einer alten einheimischen Überlieferung zufolge erwarteten die Perser eine Art Erlöser, und sie wussten, dass auch in Palästina eine ähnliche Erwartung bestand. Ein Gelehrter hält eine solche Überlieferung für durchaus erklärlich: dass zu Beginn der christlichen Zeitrechnung den Weisen die jüdische Erwartung eines Messias bekannt war; dass sie diese Erwartung mit ihrer Erwartung eines „Helfers” identifizierten und dass einige von ihnen sich für das Erscheinen dieses jüdischen Königs interessierten. Die Gruppe der Magier war bereits zu einem frühen Zeitpunkt in Verruf geraten und das Wort Magus erhielt eine abfällige Bedeutung; es wurde schon im fünften Jahrhundert vor Christus im Griechischen für „Zauberer” gebraucht. (Siehe Apg. 13:6, 8; 8:9-24.)

Allein die westliche Überlieferung spricht von drei Weisen; möglicherweise, so denken einige, wegen der Zahl ihrere Geschenke; die orientalische Überlieferung spricht dagegen von zwölf Weisen.

Der Stern im Morgenland

Der Stern im Morgenland wird ebenfalls nur bei Matthäus erwähnt. Sein Erscheinen war anfangs für die Weisen das Zeichen der Geburt des jüdischen Königs, erst später war er ihnen ein Führer und ging vor ihnen her. Unzweifelhaft ist das Zeichen des Sterns als ein Wunder und nicht als eine Naturerscheinung dargestellt. Das lässt darauf schließen, dass es zwecklos ist, nach astronomischen und historischen Angaben als Beweis für sein Erscheinen zu suchen. Abgesehen von der Frage über die Art dieses Himmelszeichens, bleibt die Frage offen, warum die Weisen überzeugt waren, dass ein mächtiger jüdischer König geboren sei.

Matthäus bleibt uns die Erklärung dafür schuldig; er berichtet uns nur über ihr Kommen. Er hätte das Erscheinen des Sterns als Erfüllung zweier alttestamentarischer Prophezeiungen erklären können (von denen die Weisen vielleicht Kenntnis besaßen):

...Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen. (4. Mose 24:17)

Und die Heidenwerden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. (Jesaja 60:3)

Die erste Stelle ist bei Matthäus 2:2 als Fußnote vermerkt, woraus hervorgeht, dass es für die christlichen Gelehrten als deutliches Anzeichen dafür gilt, dass diese alten Prophezeiungen über einen „Stern” und ein „Licht” nicht nur durch Jesu Geburt erfüllt wurden, sondern auch durch das Himmelszeichen, das diese Geburt begleitete.

Weihrauch und Myrrhe

Die Geschenke der Weisen, Weihrauch, Myrrhe und Gold, sind zweifelsohne sehr wertvolle Geschenke, die dem Jesuskind dargebracht wurden, um Ihm Ehre und Ehrerbietung zu erweisen. Weihrauch ist ein süßlich duftender milchiger Gummi, den man aus verschiedenen Arten der Boswellia, des Weihrauchbaumes, gewinnt; er wird aus Südarabien eingeführt. (Siehe Jesaja 60:6; Jeremia 6:20.) In den heiligen Schriften wird er zu den Spezereien gezählt (2. Mose 30:34), im Zusammenhang mit Öl genannt (3. Mose 2:1; 1. Chronik 9:29), auch mit dem Speiseopfer (3. Mose 2:15; 6:15; Nehemia 13:5, 9) und als Duftstoff (Hoheslied 3:6). In diesem Zusammenhang wurde er anscheinend dazu verwendet, den Wert einer Sache zu steigern. Die Völker des Altertums schätzten Weihrauch auch als Balsamierungsmittel und als Räucherharz. Myrrhe, ebenfalls ein aromatisches Harz, wird aus einer besonderen in Indien und Arabien wachsenden Balsambaumart gewonnen; man verwendet sie noch heute für medizinische Zwecke. Man gebrauchte sie zusammen mit Weihrauch zum Einbalsamieren (Joh. 19:39) und als Bestandteil von Räucherwerk und Duftstoffen.

Windeln

Die Völker der biblischen Länder versorgen seit Jahren Kleinkinder auf genau die gleiche Weise wie zur neutestamentlichen Zeit. Die Mutter lässt das Kind seine Arme und Beine nicht frei bewegen, sondern wickelt es mit einer Bandage zu einem hilflosen Bündel, einer Mumie ähnlich, zusammen. Das Kind wird bei der Geburt gewaschen und mit Salz abgerieben, dann legt man die Ärmchen eng an den Körper an und umwickelt es fest mit 10 bis 12 cm breiten und etwa 5 m langen Leinen- oder Baumwollbinden. Die Binde führt auch unter dem Kinn des Kindes durch und über seine Stirn.

Der Tempel des Herodes

Lukas schreibt, dass Jesus acht Tage nach seiner Geburt beschnitten wurde; und es heißt weiter, dass: "... da die Tage ihrer (Marias) Reinigung nach dem Gesetz des Mose vollendet waren", Ihn Seine Eltern die fünf Meilen von Bethlehem nach Jerusalem brachten, damit sie Ihn im Tempel darstellten.

Die Bibel erwähnt im ganzen drei Tempel, die alle an der gleichen Stelle errichtet wurden. Der zu Jesu Zeiten erwähnte Tempel wurde von Herodes dem Großen erbaut, er war der letzte der drei Tempel. Der erste Tempel wurde von Salomo erbaut und von Nebukadnezar zerstört, als er 586 v. Chr. Jerusalem einnahm. Der zweite Tempel, auch Tempel des Serubabel genannt, wurde von den Juden nach der babylonischen Gefangenschaft errichtet. Er wurde 516 v. Chr. eingcwciht. Herodes ließ sich von seinem misstrauischen Untertanen die Erlaubnis geben und zerstörte diesen zweiten Tempel. Er ließ von 1000 besonders ausgebildeten Priestern seinen eigenen Tempel errichten; die Arbeiten dazu begannen im achtzehnten Jahr seiner Regierungszeit als König. Dieser Tempel wurde als zweiter Tempel bezeichnet, denn die Rabbiner hielten ihn für eins mit dem Tempel, den die aus der babylonischen Gefangenschaft Zurückgekehrten bauten. Als die römischen Soldaten 70 n. Chr. Jerusalem eroberten und zerstörten, ließen sie diesen Tempel als Ruine zurück.

Die Beschneidung

Die Beschneidung war das alte und kennzeichnende Merkmal der Zugehörigkeit zum auserwählten Volk Gottes. Sie bedeutete, dass der Beschnittene berechtigt war, an den Segnungen des Bundes teilzuhaben, den Gott mit Abraham geschlossen hatte. (Siehe 1. Mose 17.) Üblicherweise wurde das Kind acht Tage nach seiner Geburt beschnitten, wie es auch bei Jesus geschah. JederJude konnte die Beschneidung vornehmen, doch wurde sie vorzugsweise vom Vater und zu Hause ausgeführt. Bei dieser Gelegenheit erhielt das Kind seinen Namen.

Die Reinigung

Nach dem hebräischen Gesetz galt die Frau nach der Geburt eines Kindes als unrein; bei einem Knaben musste sie sich vierzig Tage und bei einem Mädchen achtzig Tage abgesondert halten. Danach musste sie zum Tempel gehen und sich reinigen lassen und ein Opfer darbringen; dieses Opfer bestand für jemanden, der so arm wie Maria war, aus einem Paar Turteltauben oder zwei anderen Tauben. War das Kind ein Junge und das Erstgeborene, dann gehörte er nach dem Gesetz Gott, gleichwie die Erstlinge der Herde und die ersten Früchte des Feldes. Folglich mussten ihn seine Eltern zurückkaufen, indem sie fünf Schekel an den Tempel zahlten. Man brauchte den Knaben nicht zum Tempel zu bringen und ihn Gott darzustellen, doch gewöhnlich nahm die junge Mutter ihr Kind mit, um es segnen zu lassen.

Indem wir uns so aus anderen Quellen zusätzliche Kenntnisse über die heilige Schrift aneignen, erlangen wir mehr Verständnis für dieses Werk und werden aufgeschlossener für die darin enthaltenen Wahrheiten. Dieses Forschen ist sehr wichtig. Dr. John A. Widtsoe schrieb:

Wenn wir über genügend Kenntnisse ihrer Geschichte, ihrer Sprache und ihrer literarischen Form verfügen, enthüllt uns das sorgfältige Studium der Bibel viele Tatsachen, die dem gewöhnlichen Leser der heiligen Schriften entgehen.

verwendete Quellen

  • Der Stern Dezember 1967

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