Die Amtsperiode der Präsidenten Wilford Woodruf und Lorenzo Snow

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Die Weihung des Salt-Lake-Tempels

Präsident Woodruff widmete der Tempelarbeit einen großen Teil seines Lebens. Er war der erste Präsident des Tempels in St. George, und er weihte den Manti-Tempel. Nun, 40 Jahre nach der Ecksteinlegung des Salt-Lake-Tempels, sah Präsident Woodruff mit großen Erwartungen der Weihung dieses markanten Tempels entgegen. Die Weihungssessionen fanden vom 6. April bis zum 18. Mai 1893 statt und wurden von rund 75000 Menschen besucht.

Nach der ersten Weihungssession am 6. April schrieb Präsident Woodruff in sein Tagebuch: „Der Geist und die Macht Gottes ruhten auf uns. Der Geist der Prophezeiung und Offenbarung lag auf uns, und den Menschen wurde das Herz erweicht, und vieles wurde uns gezeigt” („Wilford Woodruff Journals“ (1833–98), 6 Apr. 1893; in LDS Church Archives). Manche sahen Engel, während andere frühere Präsidenten der Mormonenkirche und andere verstorbene Führer der Kirche sahen.(Richard Neitzel Holzapfel, Every Stone a Sermon (1992), 71, 75, 80). Als Präsident Woodruff seinen neunzigsten Geburtstag feierte, drängten sich Tausende von Sonntagsschulkindern im Tabernakel auf dem Tempelplatz, um Präsident Woodruff zu ehren. Er war tief bewegt und erzählte seinen jungen Zuhörern voller Rührung, daß er mit zehn Jahren eine protestantische Sonntagsschule besucht und von Aposteln und Propheten gelesen hatte. Er war nach Hause gegangen und hatte gebetet, er möge lange genug leben, um zu erleben, daß wieder Apostel und Propheten auf der Erde waren. Nun stand er in der Gegenwart von Männern, die sowohl Apostel als auch Propheten waren; und sein Gebet war in vielfacher Hinsicht erhört worden. Ein Jahr später, am 2. September 1898, starb Präsident Woodruff bei einem Besuch in San Francisco.

Präsident Lorenzo Snow und der Zehnte

Nach dem Tod von Präsident Woodruff wurde Lorenzo Snow, der Präsident des Kollegiums der Zwölf, Präsident der Kirche. Er war ein weiser und liebevoller Führer, der gut auf seine Aufgabe vorbereitet war. Er hatte jeden Propheten der Heiligen der Letzten Tage gekannt und war von ihnen geschult worden. Im November 1900 erzählte er den Heiligen, die sich im Tabernakel versammelt hatten, daß er den Propheten Joseph Smith und seine Familie oft besucht hatte, daß er an seinem Tisch gegessen und sich mit dem Propheten unterhalten hatte. Er wußte, daß Joseph ein Prophet Gottes war, denn der Herr hatte ihm dies „überaus klar und deutlich“ gezeigt. („The Redemption of Zion“, Millennial Star, 29. Nov. 1900, 754).

Während der Amtszeit von Präsident Snow hatte die Mormonenkirche große finanzielle Schwierigkeiten, die noch durch die Gesetzgebung der Bundesregierung gegen die Vielehe verursacht waren. Präsident Snow überlegte und betete um Weisung dazu, wie die Mormonenkirche von den lähmenden Schulden frei werden konnte. Nach der Generalkonferenz im April 1899 fühlte er sich inspiriert, St. George zu besuchen. Während er in einer Versammlung dort sprach, machte er eine längere Pause und erklärte, als er fortfuhr, er habe eine Offenbarung erhalten. Die Mormonen hatten das Gesetz des Zehnten vernachlässigt, und der Herr hatte ihm gesagt, daß auf die Mormonen, wenn sie den vollen Zehnten zahlten, Segnungen herabgeschüttet würden.

Der Prophet verkündete die Bedeutung des Zehnten in Gemeinden in ganz Utah. Die Mormonen folgten seinem Rat und zahlten in dem Jahr doppelt soviel Zehnten wie in dem Jahr davor. Bis 1907 hatte die Kirche genügend Geld beisammen, um schuldenfrei zu werden.

1898 gab Präsident George Q. Cannon anläßlich eines Empfangs für den Hauptausschuß der GFV Junger Damen (GFV= Gemeinschaftliche Fortbildungs-Vereinigung) bekannt, daß die Erste Präsidentschaft beschlossen hatte, „einige unserer klugen und besonnenen Frauen auf Mission zu berufen” (Biographical Sketches: Jennie Brimhall and Inez Knight“, Young Women’s Journal, Juni 1898, 245). Bis dahin war es höchstens vorgekommen, daß einige wenige Schwestern ihren Mann auf Mission begleitet hatten. Nun berief die Mormonenkirche zum ersten Mal Schwestern offiziell als mormonische Missionare und Botschafter des Herrn Jesus Christus und setzte sie ein. Die Schwestern sind nicht verpflichtet, eine Mission zu erfüllen. Aber in den vergangenen Jahrzehnten haben Tausende diese Gelegenheit wahrgenommen und dem Herrn als Vollzeitmissionarinnen treu gedient. Präsident Lorenzo Snow führte die Kirche ins 20. Jahrhundert. Als das neue Jahrhundert anbrach, hatte die Kirche 43 Pfähle, 20 Missionen und 967 Gemeinden und Zweige. Es gab 283 765 Mitglieder, die hauptsächlich im Gebiet der Rocky Mountains in den Vereinigten Staaten lebten. Vier Tempel waren in Betrieb, und die Zeitschriften Juvenile Instructor, Improvement Era und Young Women’s Journal vermittelten den Mormonen Artikel über die Kirche. Es gab Gerüchte, daß zumindest eine neue Mission eröffnet werden sollte, und die Mormonen konnten sich nur schwer vorstellen, was ihnen die nächsten hundert Jahre bringen mochten. Sie waren aber zuversichtlich, daß die Prophezeiungen über das Schicksal der Kirche sich erfüllen würden.

Von 1901 bis 1970 präsidierten vier Propheten über die wachsende Kirche – Joseph F. Smith, Heber J. Grant, George Albert Smith und David O.McKay. Diese Präsidenten erlebten mit, wie die Menschen, die früher noch mit Pferd und Wagen gereist waren, mit einer Rakete ins Weltall reisten. Die Heiligen machten zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise durch. In dieser Zeit wurden neun Tempel gebaut. 1901 hatte die Kirche rund 300 000 Mitglieder in 50 Pfählen; 1970 hatte sie über 2 800 000 Mitglieder in 500 Pfählen in aller Welt.|

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