Der erste Tempel

Aus MormonWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
der Kirtlandtempel
der Kirtlandtempel

Am 4. Mai 1853 wurde in Kirtland/Ohio eine Konferenz der Hohenpriester abgehalten, und man entwarf die ersten Pläne für den Bau eins Tempels an diesem Ort. Der Bau sollte im Innenraum 17 und 20 Meter messen – zwei Stockwerke, und darüber ein Dachgeschoss mit Klassenzimmern. Am nächsten Tag wurden die Erdarbeiten für das Fundament mit einem feierlichen Spatenstich angefangen; damit begann ein Werk, das die volle Jahre dauern sollte und 60.000 Dollar an Geld und Arbeitsleistung kosten würde.


Inhaltsverzeichnis

Opfer und Hingabe für den Tempelbau

Es geschah kein Wunder, wodurch etwa Geldmittel beigebracht worden wären. Kein Millionär sprang unvorhergesehen ein. Das schöne Bauwerk im Kolonialstil entstand als ein Denkmal der Gemeinschaftsarbeit, geschaffen durch die Macht eines Volkes mit einem gemeinsamen Ziel und einem gemeinsamen Glauben. In späteren Jahren wurden größere und kostspieligere Tempel errichtet, aber keiner hat die Energie des Volkes so sehr beansprucht wie dieser erste in Kirtland.

Er wurde in schweren Zeiten erbaut. Die Verfolgung war ein starkes Hindernis, Abfall von der Kirche stellte seine Vollendung in Frage, und trotzdem wurde er fertiggestellt. Die Verfolgungen in Missouri ließen einige für den Tempel vorgesehene Gelder einen anderen Weg gehen. Aber die Arbeit blieb auf das Ziel gerichtet. Zwar rückten die meisten Tempelarbeiter zum Zionslager ein, aber alte Männer und Knaben stellten sich an ihren Platz. Als die Eingerückten in Missouri entlassen wurden, kehrten sie tausend Meilen weit zurück, um wieder die Kelle zu schwingen und den Hobel zu führen.

Und all das ohne einen Gedanke an Bezahlung. Keine Hoffnung auf den Lohn, für den die Menschen gewöhnlich arbeiten. Die Frauen der Kirche spielten dabei eine Rolle, die in der Geschichte wohl kaum ihresgleichen hat in dem Ausmaß der gezeigten Selbstlosigkeit. Heber C. Kimball, der selbst viel am Bau mitarbeitete, schrieb in seinem Tagebuch über diese schweren Zeiten:

„Unsere Frauen befassten sich mit Stricken und Spinnen, damit die am Bau beschäftigten Männer die nötige Bekleidung hätten, und nur der Herr weiß, wieviel Armut, Mühsal und Not wie dabei durchmachen mussten.“

Während Heber C. Kimball mit den anderen zu Fuß nach Missouri marschierte, um den dortigen Brüdern zu Hilfe zu eilen, arbeiteten seine Frau und die Frauen der anderen am Tempel mit. Er schrieb:

„Meine Frau hatte den ganzen Sommer gearbeitet, um an der Errichtung mitzuhelfen. Sie übernahm als ihren Anteil hundert Pfund Wolle zum Spinnen, die sie mit Hilfe eines Mädchens auch spann, um daraus Kleider für die Tempelarbeiter zu fertigen. Sie spann und webte, dann schnitt und nähte sie Kleidungsstücke und schenkte sie den Bauarbeitern. Beinah alle Schwestern in Kirtland waren damit beschäftigt zu stricken, zu nähren, zu spinnen usw., alle zu demselben Zweck; während wir nach Missouri hinaufzogen, um unsere Brüder wieder auf das Land zurückzuführen, von dem man sie vertrieben hatte.“

Was für eine Zusammenarbeit den Tempel Wirklichkeit werden ließ, lässt sich noch heute gut erkennen, wenn man in Kimballs Tagebuch weiterliest.

„Wer kein Gespann besaß, ging in den Steinbruch und bereitete dort die Steine vor, sodass sie zum Haus geschleift werden konnten. Der Prophet war unser Vorarbeiter; er zog sich Jacke und Hose aus Wergtuch an und ging in den Steinbruch. Die Präsidentschaft, die Hohenpriester, die Ältesten, alle machten es ebenso. Wer ein Gespann hatte, half mit, die Steine zum Bau zu schleifen, und wenn alle einen Tag lang Steine gebracht hatten, so war das genug, um die Maurer eine ganze Woche lang zu versorgen. Wir fuhren damit fort, bis die Mauern des Hauses standen.“

Hyrum Smith, Reynolds Cahoon und Jared Carter bildeten die verantwortliche Bauleitung, und sie strengten sie an bis aufs äußerste, um die Arbeit voranzubringen. Es wurde ein Komitee zusammengestellt, das die Aufgabe hatte, Geldmittel aufzutreiben; es besuchte die Gemeinden, um Spenden zu bekommen, hatte aber wenig Erfolg, denn das Geld war knapp. Nach Beendigung der Bauarbeiten musste das Komitee noch immer 13.000 Dollar Schulden abzahlen.

Die Weihung des Tempels

Als der Tempel fertiggestellt war, goß der Herr über die Mormonen in Kirtland mächtige geistige Segnungen aus. Zu diesen Segnungen zählten Visionen und der Dienst von Engeln. Joseph Smith nannte diese Zeit „ein Jubeljahr für uns, eine Zeit der Freude” (History of the Church, 2:430). Daniel Tyler bezeugt: „Jeder spürte, daß er den Himmel gekostet hatte. . . . Wir fragten uns, ob das Millennium angebrochen sei” (Daniel Tyler, „Incidents of Experience“, Scraps of Biography, 32).

Die Weihung des Tempels war der Höhepunkt dieser Ausschüttung des Geistes. Am 27. März 1836 versammelten sich rund 1000 Menschen voller Freude am Tempel. Sie sangen Weihungslieder, darunter „Der Geist aus den Höhen“, das von William W. Phelps für diesen Anlaß geschrieben worden war. Das Abendmahl wurde ausgeteilt, und Sidney Rigdon, Joseph Smith und andere hielten Ansprachen.

Joseph Smith verlas das Weihungsgebet, das durch Offenbarung gegeben worden war und das heute Abschnitt 109 in Lehre und Bündnisse ist. In diesem Gebet flehte Joseph, der Herr möge das Volk wie beim Pfingstfest segnen: „Und laß dein Haus von deiner Herrlichkeit erfüllt sein wie vom Brausen eines mächtigen Windes.“ (LuB 109:37.) Viele beschrieben, daß dieser Wunsch am selben Abend erfüllt wurde, als der Prophet mit Mitgliedern der Priestertumskollegien im Tempel versammelt war.

Eliza R. Snow schrieb: „Die Weihungszeremonien können wohl wiederholt werden, aber keine irdische Sprache kann die Kundgebungen des Himmels beschreiben, die sich an jenem Tag ereigneten. Einigen sind Engel erschienen, und alle, die zugegen waren, hatten das Gefühl, daß etwas Göttliches zugegen war, und jeder war von ‚unaussprechlicher Freude und Herrlichkeit‘ erfüllt” (Eliza R.Snow, zitiert in Tullidge, Women of Mormondom, 95). Nach dem Weihungsgebet erhoben sich alle Anwesenden und riefen mit erhobenen Händen das Hosanna.

Schlüsselvollmachten werden gebracht
Schlüsselvollmachten werden gebracht

Eine Woche später, am 3. April 1836, fanden einige der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Mormonenkirche statt. Der Erretter selbst erschien an jenem Tag Joseph Smith und Oliver Cowdery und sagte: „Denn siehe, ich habe dieses Haus angenommen, und mein Name wird hier sein, und ich werde mich meinem Volk mit Barmherzigkeit in diesem Haus kundtun.“ (LuB 110:7.) Weitere große und herrliche Visionen folgten, als Mose, Elias und Elija erschienen und weitere Schlüssel des Priestertums wiederherstellten. Mose übertrug die Schlüssel der Sammlung Israels, Elias übertrug Joseph und Oliver die Evangeliumszeit Abrahams, und Elija stellte die Schlüssel der Siegelungsvollmacht wieder her (siehe LuB 110:11–16). Diese zusätzlichen Schlüssel waren für den Fortschritt des Gottesreichs in der letzten Evangeliumszeit unabdingbar.

Die Fülle der Segnungen des Priestertums, die im mormonischen Tempel empfangen werden, wurden in den Jahren in Kirtland weder offenbart noch vollzogen. Diese Segnungen wurden der Kirche erst einige Jahre später durch den Propheten Joseph Smith offenbart, als sich der mormonische Tempel in Nauvoo im Bau befand.

Der Auszug aus Kirtland

Der Bau des Tempel brachte viele Segnungen mit sich, aber 1837 und 1838 hatten die glaubenstreuen Mormonen viele Probleme, die durch den Abfall vom Glauben und die Verfolgung verursacht waren, die dazu führten, daß die Zeit der Mormonenkirche in Kirtland ein rasches Ende nahm. Die Vereinigten Staaten machten gerade eine Wirtschaftskrise durch, die auch an der mormonischen Kirche nicht spurlos vorüberging. Einige Mormonen ergingen sich in wilden Spekulationen und machten Schulden und überstanden die schwere Zeit des wirtschaftlichen Zusammenbruchs in geistiger Hinsicht nicht. Auch die Kirtland Safety Society brach zusammen. Diese Bank war von Mitgliedern der Mormonenkirche in Kirtland gegründet worden, und einige Mormonen suchten fälschlicherweise die Schuld für die Probleme bei Joseph Smith.

Die Mormonenkirche erlebte organisierte Verfolgung und Gewalt. Diese ging von den Anwohnern sowie von verbitterten Mitgliedern aus, die von der Mormonenkirche exkommuniziert worden oder abgefallen waren. Die Gewalt gegen die Mormonen und ihre Führer nahm allmählich überhand, und so wurde es für die Kirche zu riskant, in Kirtland zu bleiben. Der Prophet Joseph Smith, dessen Leben in großer Gefahr war, floh im Januar 1838 von Kirtland nach Far West, Missouri. Im Laufe des Jahres 1838 wurden die meisten Mormonen gezwungen, Kirtland ebenfalls zu verlassen. Der erste mormonische Tempel, den sie zurückließen, ist ein Wahrzeichen ihres Glaubens, ihrer Hingabe und ihrer Opferbereitschaft. Durch ihr beispielhaftes Leben haben sie gezeigt, was es heißt, den gesalbten Dienern des Herrn im Glauben gehorsam zu sein und für das Werk des Herrn Opfer zu bringen.

gedrucktes Material

  • Der Stern März 1976 S. 6: Er lebt!Denn wir haben ihn gesehen
  • Der Stern Juni 1972 S. 223: DAs Kommen des Elia
Persönliche Werkzeuge