Der Märtyrertod von Joseph Smith
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Die Jahre in Nauvoo waren für die Heiligen im wesentlichen eine glückliche Zeit. Bald jedoch begann die Verfolgung wieder, die in der Ermordung von Joseph und Hyrum Smith gipfelte. Diese dunkle und traurige Zeit wird nie vergessen werden. Louisa Barnes Pratt schrieb auf, was sie empfand, als sie von der Ermordung hörte: „Es war eine stille Vollmondnacht. Eine Nacht des Todes, wie es schien, und alles tat sich zusammen, diese Nacht weihevoll werden zu lassen! Die Stimmen der Offiziere, die die Männer aus der Ferne zusammenriefen, drangen uns ins Herz wie Grabgeläut. Die Frauen standen in Gruppen zusammen, weinten und beteten, einige wünschten, dass schreckliche Strafen über die Mörder kommen mögen, andere sahen die Hand Gottes in dem, was geschehen war.“ („Journal of Louisa Barnes Pratt“, 8:231).
Viele HLT, darunter Louisa Barnes Pratt, erinnerten sich an den 27. Juni 1844 als einen Tag der Tränen und der gebrochenen Herzen. Der Märtyrertod von Joseph und Hyrum Smith ist das traurigste Ereignis in der Anfangszeit der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Der Tod kam aber nicht unerwartet.
Seit 1829 hatte Joseph Smith den Mitgliedern der Kirche wenigstens neunzehnmal erklärt, er werde wohl nicht auf friedliche Weise sterben (History of the Church, 4:587, 604; 6:558). Zwar spürte er, dass seine Feinde ihm irgendwann das Leben nehmen würden, aber er wusste nicht, wann. Im Frühsommer 1844 arbeiteten die Feinde innerhalb und außerhalb der Mormonenkirche auf Josephs Vernichtung hin. Thomas Sharp, Herausgeber einer Lokalzeitung und Anführer der Anti-Mormonen- Partei im Kreis Hancock, rief öffentlich zur Ermordung des Propheten auf. Bürgergruppen, von der Kirche Abgefallene und leitende Leute in den Gemeinwesen schlossen sich zusammen, um die Kirche der Mormonen zu vernichten, indem sie den Propheten der Kirche umbrachten.
Der Gouverneur von Illinois, Thomas Ford, schrieb an Joseph Smith und bestand darauf, daß sich die Mitglieder des Stadtrats vor einem Gericht verantworteten, das aus Nicht-Mormonen bestand, weil sie einen öffentlichen Aufruhr geschürt hätten. Der Gouverneur schrieb, dass nur ein solches Verfahren von der Bevölkerung akzeptiert würde. Er versprach den Männern Schutz, aber der Prophet war sich sicher, dass der Gouverneur sein Versprechen nicht einhalten konnte. Es war offensichtlich, daß es zu diesem Vorschlag keine Alternativen gab. Darum gingen der Prophet, sein Bruder Hyrum, John Taylor und andere ins Gefängnis, wohl wissend, dass sie keines Verbrechens schuldig waren.
Als sich der Prophet auf den Weg zum 30 Kilometer entfernten Gericht in Carthage begab, wusste er, dass er seine Familie und seine Freunde nicht wiedersehen würde. Er prophezeite: „Ich gehe wie ein Lamm zur Schlachtbank, aber ich bin so ruhig wie ein Sommermorgen.“( History of the Church, 6:555).
Als der Prophet fortritt, liefen B. Rogers, der seit über drei Jahren auf Josephs Farm arbeitete, und zwei weitere Jungen über die Felder und setzten sich auf den Gitterzaun, um auf ihren Freund und Führer zu warten. Joseph hielt sein Pferd neben ihnen an und sagte zu den Milizleuten, die bei ihm waren: „Meine Herren, dies ist meine Farm und dies sind meine Jungen. Sie mögen mich, und ich mag sie.“ Dann gab er jedem der Jungen die Hand, bestieg sein Pferd und machte sich auf den Weg, dem Tod zu begegnen (Kenneth W.Godfrey, „A Time, a Season, When Murder Was in the Air“,Mormon Heritage, Jul/Aug 1994, 35f)
Dan Jones, HLT aus Wales, gesellte sich im Gefängnis von Carthage zum Propheten. Am 26. Juni 1844, in der letzten Nacht seines Lebens, hörte Joseph einen Gewehrschuß. Er stand vom Bett auf und legte sich neben Dan Jones auf den Boden. Der Prophet flüsterte: „Hast du Angst vor dem Sterben?“ „Ich glaube, dass der Tod keine großen Schrecken hat, wenn ich an einem solchen Werk beteiligt bin“, antwortete Dan Jones. „Du wirst Wales sehen und deine Mission erfüllen, bevor du stirbst“, prophezeite Joseph (History of the Church, 6:601). Tausende treuer Mormonen haben heute die Segnungen des Evangeliums, weil Dan Jones nach diesen Ereignissen in Wales eine ehrenvolle und erfolgreiche Mission erfüllte.
Am Nachmittag des 27. Juni 1844, kurz nach fünf Uhr, stürmte der Mob, rund 200 Männer mit bemalten Gesichtern, das Gefängnis von Carthage. Sie erschossen Joseph und seinen Bruder Hyrum. John Taylor wurde schwer verwundet. Seine Uhr rettete ihm das Leben, denn die Kugel traf die Uhr und blieb dort stecken. Nur Willard Richards blieb unverletzt. Als der Mob den Ruf „die Mormonen kommen“ hörte, ergriffen die Attentäter gemeinsam mit den meisten Bürgern von Carthage die Flucht. Willard Richards kümmerte sich um den verletzten John Taylor, und beide trauerten um ihre getöteten Führer. Hyrums Leiche lag in der Gefängniszelle, die Leiche Josephs, der aus einem Fenster gestürzt war, lag neben dem Brunnen.
Samuel Smith war einer der ersten Mitgliedern der Kirche Jesu Christi, der am Ort des Geschehens ankam. Er war der Bruder der toten Märtyrer. Zusammen mit anderen half er Willard Richards, die Leichen für die lange und traurige Reise nach Nauvoo vorzubereiten. Zur selben Zeit bereitete die Familie von James Cowley in Warsaw, Illinois, das Abendessen zu. Die Familie gehörte der Kirche an. Der vierzehnjährige Matthias hörte von einem ungewöhnlichen Aufruhr in der Stadt und schloss sich einer Menschenmenge an. Der Hauptredner entdeckte den jungen Matthias und befahl ihm, nach Hause zu seiner Mutter zu gehen. Andere Jungen, die der Mormonenkirche nicht angehörten, folgten Matthias und bewarfen ihn so lange mit Dreck, bis Matthias über das Grundstück eines Nachbarn lief und entkommen konnte. In der Annahme, dass sich die Lage entspannt habe, ging Matthias an den Fluss, um einen Eimer Wasser zu holen. Dabei wurde er von Leuten aus dem Mob entdeckt, die einem betrunkenen Schneider Geld gaben, damit dieser ihn in den Fluss warf. Als Matthias mit dem Wasserschöpfen fertig war, packte ihn der Schneider im Nacken und sagte: „Du . . . kleiner Mormone. Ich ertränke dich.“ Matthias sagte: „Ich fragte ihn, warum er mich ertränken wolle. Hatte ich ihm jemals etwas zuleide getan? ‚Nein‘, sagte der Schneider, ‚ich ertränke dich nicht. . . . Du bist ein guter Junge, und du darfst nach Hause gehen.‘“ Dreimal versuchte der Mob in dieser Nacht, das Haus der Cowleys in Brand zu setzen, aber die Versuche schlugen fehl. Die Familie wurde durch ihren Glauben und ihre Gebete geschützt. Matthias Cowley wuchs heran und blieb der Kirche treu; sein Sohn Matthias und sein Enkel Matthew dienten später als Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel (Matthias Cowley, „Reminiscences“ (1856), 3; in LDS Church Archives).
Der Gouverneur von Illinois, Thomas Ford, schrieb über die Ermordung: „Die Ermordung der beiden Smiths hat nicht, wie viele glaubten, den Mormonen ein Ende bereitet und sie zerstreut, sondern hat sie fester miteinander verbunden und ihnen neue Zuversicht in ihrem Glauben gegeben” (Thomas Ford, A History of Illinois, Hg. Milo Milton Quaife, 2 Bände (1946), 2:217). Ford schrieb weiter: „Jemand, der so begabt ist, wie Paulus es war, ein hervorragender Redner, der durch seine Wortgewandtheit Tausende in seinen Bann ziehen kann, . . . könnte erfolgreich neues Leben in die Kirche Jesu Christi tragen und den Namen des ermordeten Joseph laut . . . erschallen lassen und die Herzen der Menschen bewegen.“ Ford hatte Angst, dass dies passieren könnte und dass sein eigener Name wie der des Pilatus oder Herodes „von den folgenden Generationen in den Schmutz gezogen“ würde (Thomas Ford, A History of Illinois, 2:221–23). Fords Befürchtungen bewahrheiteten sich.
Präsident John Taylor genas von seinen Verwundungen und verfasste später einen Nachruf auf die gefallenen Führer, der heute in Abschnitt 135 Lehre und Bündnisse nachzulesen ist: „Joseph Smith, der Prophet und Seher des Herrn, hat mehr für die Errettung der Menschen in dieser Welt getan als irgendein anderer Mensch, der je auf Erden gelebt hat – Jesus allein ausgenommen. . . . Er war groß im Leben, und er war groß im Sterben in den Augen Gottes und seines Volkes; und wie die meisten Gesalbten des Herrn in alter Zeit, so hat auch er seine Mission und sein Werk mit seinem Blut besiegelt; gleichermaßen sein Bruder Hyrum. Im Leben waren sie vereint, und der Tod hat sie nicht getrennt. . . . Sie lebten um der Herrlichkeit willen, sie starben um der Herrlichkeit willen, und Herrlichkeit ist ihr ewiger Lohn.“
Archibald Buchanan, ein Zeuge, berichtet
Zwar war ich damals noch ein Knabe von nur acht oder neun Jahren. doch habe ich nicht vergessen, was der alte Mann gesagt und wie er dabei gezittert hat. Opa Archie. wie wir ihn nannten, saß auf Mutters Schaukelstuhl und wartete auf das Mittagessen. Plötzlich rief er mich zu sich, nahm mich auf den Schoß und sagte:
- „Golden, ich bin ein alter Mann. Ich werde nicht mehr lange bei euch sein, aber ich habe dir etwas zu erzählen, was nicht in Vergessenheit geraten darf. Meine Enkel und ihre Kinder sollen wissen, daß ich in Nauvoo war, als unser Prophet umgebracht wurde."
Sein alter Körper bebte. Er drückte mich so fest an sich, daß ich schließlich Angst bekam, denn ich spürte den hellen Zorn in seiner Seele. Seine schwachen Augen blitzten, und seine matte, stockende Stimme wurde so hart und kalt wie Eis, als er fortfuhr:
- „Wie ich die Männer gehaßt habe, die es gewagt haben, Hand an den Propheten zu legen, den ich so sehr geliebt habe!”
Mein Großvater seufzte, wonach sich sein alter Körper etwas entspannte. :„Ich war zugegen, als die Leichname der beiden Brüder Smith von Carthage nach Nauvoo gebracht wurden. Da sah ich ihre blutige, leblose sterbliche Hülle, und ich hörte, wie die beiden Frauen und ihre Nachbarn ihr Herzeleid hinausschrien. Ebenso sah ich ihre schluchzenden Kinder und versuchte sie zu trösten.
- Ich kannte die Söhne des Propheten und hatte oft mit ihnen gespielt. Häufig waren sie bei uns zu Hause gewesen, desgleichen ich bei ihnen. Nun hatten sie wie ich keinen Vater mehr — Gewehrschüsse hatten ihn zum Märtyrer gemacht. Der meine hatte den Tod infolge der Vertreibungen, Verfolgungen und des Hasses erlitten, doch war er deshalb nicht weniger ein Märtyrer für die Wahrheit.
- Ich war auch dabei, als man die Sandsäcke ,beerdigte', um den Mob zu täuschen, und die Leichname in einem geheimen Grab beisetzte.”
Hier machte Großvater eine Pause, denn er brauchte Kraft. Dann hob er wieder an:
- „Hör mir weiter zu, mein Junge. Ich erzähle dir dies alles nämlich, weil ich möchte, daß du davon erfährst. Als der Körper des Propheten in Carthage tot aus dem Fenster fiel, stürzte sich der Mob darauf, um ihn zu schänden. Doch Gott ließ diese Gewalttat nicht zu, sondern sandte einen Blitz aus, der die Form einer Wand hatte und diese Söhne der Hölle vom Körper des Propheten fernhielt, so daß sie sich nicht getrauten, ihn anzurühren. Golden, mein Junge, behalte es im Gedächtnis: Sie konnten ihn nicht anfassen, sondern liefen davon, und sie laufen noch und werden es bis zum Jüngsten Gericht tun.”
Inzwischen war er ermüdet, und seine Stimme verlor sich. „Hoffentlich werde ich am Tag dieses Gerichts zugegen sein.”
Er nickte ein, langsam nahm sein Gesicht wieder Farbe an, und als er die Augen aufschlug, strahlten sie ein Licht aus, das ich noch nie gesehen hatte. Er ergriff mich und gebot mir mit einer Stimme, die nicht längerzitterte:
- „Mein Junge, schau mich einmal an und hör mir gut zu. Du sollst es von jemandem erfahren, der selbst dabei war, von einem, der ihn persönlich gekannt und geliebt hat. Du sollst es von jemandem hören. der es wirklich weiß:
- Joseph Smith war ein Prophet Gottes. Durch ihn hat Gott seine Kirche wiederhergestellt, und sie wird nie zerstört oder von der Erde genommen werden. Nun, mein Junge, merke dir gut. was ich gesagt habe. Ich, dein Großvater. Urar damals 14, und ich war se dabei!”
Archibald Buchanans (!830 – 1915) Familie trat der Kirche 1835 in Lima in Illinois bei. 1852 zog er nach Utah, erfüllt in der Elk-Mountain-Indian-Mission eine Mission un war dann mehrere Jahre als Dolmetscher Brigham Youngs tätig, wenn dieser unter den Ute-Indianern wirkt. Danebengehörte er dem ersten Hohen Rat des Sevier-Pfahles an.
(LuB 135:3,6.)
- Fortsetzung: Die Folgen des Todes Joseph Smiths
zusätzliches Material
- Der Stern Oktober 1969 S. 309: Zum Sterben nach Carthage
- Der Stern Februar 1975 S.47: Das Zeugnis vom Märtyrertod des Propheten von einem, der damals 14 war - von Golden R. Buchanan
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