Der Auszug aus Nauvoo - Treck durch Iowa

Aus MormonWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
zurück zur Geschichte der Mormonen
zurück zum Exodus in den Westen

Die Prüfungen des Auszugs im Winter

Der Auszug aus Nauvoo sollte ursprünglich im April 1846 stattfinden. Die Staatsmiliz drohte aber, den Auszug der Mormonen nach Westen verhindern. Die Zwölf Apostel und andere führende Bürger kamen am 2. Februar 1846 eilig zusammen, um sich zu beraten. Alle waren sich darin einig, daß man den Zug nach Westen nicht länger hinauszögern dürfe. Am 4. Februar begannen die Mormonenpioniere, Nauvoo zu verlassen. Unter der Führung von Brigham Young machte sich die erste Gruppe bereitwillig auf den Weg. Ihre Geduld wurde aber noch sehr auf die Probe gestellt, denn erst nach vielen Meilen konnten sie in einem festen Lager vor dem Spätwinterwetter und dem ungewöhnlich regnerischen Frühling Zuflucht suchen.

Um ihren Verfolgern zu entgehen, mußten Tausende Mormonen zunächst einmal den breiten Mississippi überqueren, um nach Iowa zu gelangen. Die Gefahren, denen die Mormonen auf ihrer Reise ausgesetzt waren, begannen bald. In einem Boot, mit dem sie fuhren, trat ein Ochse ein Loch in den Boden, und das Boot sank. Ein Beobachter sah, wie die unglücklichen Passagiere sich an Federbetten, an Holzstücke, „Baumstämme oder irgend etwas anderes klammerten, dessen sie habhaft werden konnten. Sie wurden von den kalten und unbarmherzigen Wellen auf dem Wasser hin- und hergetrieben. . . . Einige kletterten auf den Wagen, der nicht ganz untergegangen war, und sie hatten es etwas besser. Die Kühe und Ochsen, die sich auf dem Boot befunden hatten, schwammen an das Ufer zurück, von dem aus man zuvor aufgebrochen war” (Juanita Brooks, Hg., On the Mormon Frontier: The Diary of Hosea Stout, 2 Bände (1964) 1:114). Zu guter Letzt wurden alle mit Booten gerettet und ans andere Ufer gebracht.

Zwei Wochen nach der ersten Überquerung fror der Fluß für einige Zeit zu. Das Eis war zwar glatt, aber es trug die Wagen und Viehherden und erleichterte die Überquerung. Wegen der Kälte mußten die Mormonenpioniere, die durch den Schnee zogen, sehr leiden. In einem Lager am Sugar Creek auf der anderen Seite des Flusses trieb der ständig wehende Wind soviel Schnee heran, daß er fast 20 Zentimeter hoch lag. Dann begann es zu tauen, und der Boden wurde schlammig. Rund um die Mormonen schlossen sich die Naturgewalten zusammen und schufen für die zweitausend Mormonen, die in Zelten, Wagen und schnell errichteten Behausungen lebten und auf den Befehl zum Weiterzug warteten, eine erbärmliche Umgebung.

Der erste Teil des Zugs durch Iowa war der schwierigste Abschnitt der ganzen Reise. Hosea Stout schrieb, daß er sich auf die Nacht vorbereitete, indem er „aus Bettzeug ein provisorisches Zelt errichtete. Meine Frau konnte kaum sitzen, und mein kleiner Junge war krank und hatte so hohes Fieber, daß er gar nicht wahrnahm, was um ihn herum geschah” (Juanita Brooks, On the Mormon Frontier, 1:117. 149). Viele Mormonen mußten in dieser Zeit sehr leiden.

Alles wohl

Ihr Glaube, ihr Mut und ihre Entschlossenheit ließen diese Mormonen Kälte und Hunger und den Tod ihrer Angehörigen ertragen. William Clayton wurde berufen, mit einer der ersten Gruppen Nauvoo zu verlassen. Er ließ seine Frau Diantha, die in einem Monat ihr erstes Kind zur Welt bringen sollte, bei ihren Eltern zurück. Der Marsch über die verschlammten Wege und das Campieren in dem kalten Zelt zerrte an Williams Nerven. Er sorgte sich um seine Frau. Zwei Monate später wußte er immer noch nicht, ob Diantha entbunden hatte. Endlich kam die freudige Nachricht, daß ihm ein „dicker, gesunder Junge“ geboren worden war. Kaum hatte William die Nachricht vernommen, da setzte er sich hin und schrieb ein Lied, das nicht nur für ihn besondere Bedeutung hatte, sondern das für die Mormonenpioniere zu einer Hymne des Danks und der Inspiration wurde. Das Lied hieß „Kommt, Heilge, kommt“ und die berühmten Verse sprechen nicht nur von Williams Glauben, sondern auch vom Glauben Tausender Mormonen, die inmitten der Not sangen: „Alles wohl! Alles wohl!“ (James B. Allen, Trials of Discipleship: The Story of William Clayton, a Mormon (1987), 202). Sie und die Mitglieder, die ihnen folgten, haben die Freude und den Frieden gefunden, die die Belohnung für Opferbereitschaft und Gehorsam im Gottesreich sind. [1]

Winter Quarters

Die Mormonen brauchten 131 Tage, um die 460 Kilometer von Nauvoo bis zu den Siedlungen im westlichen Iowa zurückzulegen. Hier verbrachten sie den Winter 1846/47 und bereiteten sich auf den Zug in die Rocky Mountains vor. Durch diese Erfahrung lernten sie vieles, das ihnen half, die 1000 Meilen über den weiten amerikanischen Kontinent möglichst rasch zurückzulegen. Im darauffolgenden Jahr brauchten sie für diese Strecke dann rund 111 Tage.

An beiden Ufern des Missouri entstanden Siedlungen der Mormonenkirche. Die größte von ihnen, Winter Quarters, befand sich am westlichen Ufer in Nebraska. Bald lebten hier 3500 Mitglieder der Mormonenkirche, die in Holzhütten oder Unterständen aus Weiden und Lehm wohnten. 2500 Mormonen wohnten in und um Kanesville auf der zu Iowa gehörenden Seite des Missouri. Das Leben in diesen Siedlungen war fast ebenso problematisch wie der Auszug aus Nauvoo. Im Sommer litten die Menschen an Malaria. Als der Winter kam und die frischen Lebensmittel aufgebraucht waren, litten die Menschen unter Choleraepedemien, Skorbut, Zahnschmerzen, Nachtblindheit und schweren Durchfällen. Hunderte starben.

Aber das Leben ging weiter. Die Frauen verbrachten die Tage mit putzen, bügeln, waschen und nähen. Sie schrieben Briefe, bereiteten aus den spärlichen Vorräten die Mahlzeiten und sorgten für die Kinder, wie Mary Richards berichtete, deren Mann Samuel in Schottland auf Mission war. Fröhlich erzählte sie vom Kommen und Gehen der Mormonen in Winter Quarters. Sie schrieb auch über theologische Diskussionen, Tänze, Versammlungen der Kirche, Feste und die Erweckungsbewegungen im amerikanischen Westen.

Die Männer arbeiten miteinander und kamen oft zusammen, um die Reisepläne und die zukünftigen Siedlungsorte der Mormonen zu besprechen. Zusammen wachten sie über die Herden, die außerhalb der Siedlungen in der Prärie weideten. Die Männer arbeiteten auf den Feldern, bewachten die Siedlungsgrenzen, bauten und betrieben eine Mühle, richteten Wagen für die Reise her und litten oft unter Erschöpfung und Krankheit. In selbstloser Liebe machten sie Äcker urbar und pflanzten Getreide, das von den Heiligen geerntet wurde, die nach ihnen in Winters Quarters ankamen.

Brigham Youngs Sohn John nannte Winter Quarters „das Valley Forge des Mormonismus“. (Valley Forge war ein Ort, an dem im amerikanischen Freiheitskrieg wichtige Ereignisse stattgefunden hatten. Anm.d.Üb.) Er wohnte am Friedhof und sah die „kleinen Trauerzüge, die so oft an unserem Haus vorbeizogen“. Er erinnerte sich, „wie ärmlich und eintönig“ die Mahlzeiten waren, die aus Weizenbrot, gepökeltem Speck und etwas Milch bestanden. Der Brei und der Schinken wurden ihm so widerlich, daß die Mahlzeiten wie Medizin waren, die er nur mit Widerwillen schlucken konnte. Die Heiligen konnten diese schwere Zeit nur durch ihren Glauben und ihre Hingabe überstehen.

Fortsetzung: Das Mormonenbattailion
Persönliche Werkzeuge