Der Auftrag der Kirche geht weiter
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Die Missionsarbeit
Präsident John Taylor, der als Mormonenpräsident Brigham Young nachgefolgt hat, wollte alles tun, damit das Evangelium bis an die Enden der Erde verkündigt wurde. Auf der Generalkonferenz im Oktober 1879 berief er Moses Thatcher, den zuletzt berufenen Apostel der Mormonenkirche, mit der Verkündigung in Mexico City zu beginnen. Am 13. November 1879 gründete Elder Thatcher zusammen mit zwei weiteren mormonischen Missionaren den ersten Zweig der Mormonenkirche in Mexico City. Dr. Plotino C. Rhodacanaty wurde Zweigpräsident. Er hatte sich zur Mormonenkirche bekehrt, nachdem er ein spanisches Traktat über das Buch Mormon gelesen und Präsident Taylor schriftlich um weitere Informationen über die Kirche gebeten hatte.
Ausgehend von einer kleinen Gruppe von zwölf Mormonen und drei Missionaren begann das Evangelium sich langsam in Mexiko auszubreiten. Am 6. April 1881 bestiegen Elder Thatcher, Feramorz Young und ein Bruder Pais den Berg Popacatepetl bis auf eine Höhe von gut 5000 Metern. Dort hielten sie eine kurze Andacht ab. Elder Thatcher kniete nieder und weihte das Land Mexiko und seine Bewohner, damit sie die Stimme des Herrn, ihres wahren Hirten, hörten.
Elder Thatcher kehrte nach Salt Lake City zurück und empfahl, daß weitere mormonische Missionare nach Mexiko berufen würden. Kurz darauf dienten mehrere junge Männer, darunter Anthony W. Ivins, der später Mitglied der Ersten Präsidentschaft der Mormonenkirche wurde, in Mexico City. Als Teil ihrer Arbeit in der Mexiko-Mission veröffentlichte die Mormonenkirche 1886 eine spanische Übersetzung des Buches Mormon. Die Geschichte von Milton Trejo, der bei der Übersetzung des Buches Mormon und anderer Kirchenliteratur ins Spanische half, zeigt, wie der Herr sein Werk leitet.
Milton Trejo war in Spanien geboren; er wuchs auf, ohne sich an eine Religion zu binden. Als er auf den Philippinen im Militär diente, hörte er eine Bemerkung über die Mormonen in den Rocky Mountains und verspürte den starken Wunsch, die Mormonen zu besuchen. Später wurde er sehr krank, und ihm wurde in einem Traum gesagt, er müsse Utah besuchen. Nach seiner Genesung reiste er nach Salt Lake City. Er kam mit Brigham Young zusammen und befaßte sich mit dem Evangelium. Er gelangte zu der Überzeugung, daß er die Wahrheit gefunden hatte, und wurde Mitglied der Kirche. Er diente als Missionar in Mexiko und war nun geistig und intellektuell darauf vorbereitet, eine Hauptrolle dabei zu spielen, den spanischsprechenden Menschen das Buch Mormon in ihrer Sprache zugänglich zu machen.
Präsident John Taylor berief auch mormonische Missionare, die das Evangelium den Indianern im amerikanischen Westen bringen sollten. Amos Wright arbeitete besonders erfolgreich unter den Schoschonen, die im Wind-River-Reservat in Wyoming lebten. Nur wenige Monate nach dem Beginn seiner Mission taufte Amos Wright über 300 Indianer, darunter Häuptling Washakie. Missionare der Mormonen brachten das Evangelium auch zu den Navahos, den Pueblos und den Zunis, die in Arizona und Neu-Mexiko lebten. Wilford Woodruff predigte ein Jahr unter den Indianern, darunter den Hopis, Apachen und Zunis. Ammon M.Tenney half, über einhundert Zuni-Indianer zu taufen. Auch in England und Europa wurde das Evangelium weiterhin verkündigt. 1883 wurde Thomas Biesinger, der in Deutschland geboren war und nun in Lehi, Utah, wohnte, in die Europäische Mission der Mormonenkirche berufen. Zusammen mit Paul Hammer wurde er nach Prag geschickt, das damals noch zu Österreich-Ungarn gehörte. Den Missionaren war es gesetzlich verboten, das Evangelium zu verbreiten, also begannen sie mit den Menschen, die sie trafen, Gespräche über alltägliche Dinge. Oft wandten sich diese Gespräche dem Thema Religion zu. Nachdem die beiden auf diese Weise erst einen Monat gearbeitet hatten, wurde Elder Biesinger eingesperrt und zwei Monate gefangengehalten. Nach seiner Freilassung durfte er Antonín Just taufen, auf dessen Anzeige hin er ins Gefängnis gekommen war. Bruder Just wurde der erste Heilige der Letzten Tage, der in der Tschechoslowakei lebte. (Kahlile Mehr, „Enduring Believers: Czechoslovakia and the LDS Church, 1884–1990“, Journal of Mormon History (Herbst 1992), 112f)
Auch in Polynesien wurde das Evangelium verkündigt. Zwei Missionare aus Hawaii, Elder Kimo Pelio und Elder Samuela Manoa wurden 1862 nach Samoa gesandt. Sie tauften ungefähr 50 Menschen, und Elder Manoa lebte 25 Jahre lang bei den Menschen, die er bekehrt hatte, in Samoa. 1887 wurde Joseph H. Dean aus Salt Lake City berufen, in Samoa eine Mission zu erfüllen. Elder Manoa und seine Frau hießen Elder Dean mit seiner Frau Florence bei sich willkommen. Sie waren die ersten Mormonen, die nicht aus Samoa stammten, die die Manoas nach über zwanzig Jahren sahen. Schon bald taufte Elder Dean 14 Menschen, und einen Monat später hielt er seine erste Ansprache in der samoanischen Sprache (Lanier Britsch, Unto the Islands of the Sea: A History of the Latter-day Saints in the Pacific (1986), 352–54).
So begann die Missionsarbeit auf der Insel von neuem. Um die Ausbreitung der Lepra zu verhindern, begannen 1866 die Behörden von Hawaii damit, die Menschen, die unter der Krankheit litten, auf die Halbinsel Kalaupapa auf Molokai zu bringen. 1873 wurden Jonathan und Kitty Napela, die beide der Kirche angehörten, dorthin verbannt. Nur Kitty war an Lepra erkrankt. Jonathan aber, der im Endowment-Haus in Salt Lake City an Kitty gesiegelt worden war, wollte sie nicht auf der Halbinsel allein lassen. Er erkrankte später selbst an der Lepra. Als ihn nach neun Jahren ein guter Freund besuchte, erkannte ihn dieser kaum. Einige Zeit lang präsidierte Jonathan über die Heiligen auf der Halbinsel. 1900 lebten dort über 200 Mitglieder der Kirche. Die treuen Mitglieder, die an dieser schrecklichen Krankheit litten, wurden von den Führern der Kirche nicht vergessen. Sie besuchten den Zweig von Zeit zu Zeit und nahmen sich ihrer geistigen Bedürfnisse an.
Die Jubiläumskonferenz
Am 6. April 1880 feierten die Mormonen den 50. Jahrestag der Gründung der Kirche. Sie nannten das Jahr ein Jubeljahr, so wie früher die Israeliten jedes fünfzigste Jahr ein Jubeljahr genannt hatten. Präsident Taylor erließ viele Schulden, die die bedürftigen Mitglieder noch bei der Kirche hatten. Die Mormonenkirche spendete 300 Kühe und 2000 Schafe, die unter den „würdigen Armen“ verteilt werden sollten. Die Mitglieder der FHV spendeten fast 35 000 Scheffel Weizen für die Notleidenden. Präsident Taylor forderte die Mitglieder der Kirche auf, einander die Schulden zu erlassen, besonders aber den Bedürftigen. Präsident Taylor verkündete: „Dies ist eine Zeit des Jubels!“( B. H. Roberts, A Comprehensive History of the Church, 5:593). Die Mormonen waren von Vergebungsbereitschaft und tiefer Freude erfüllt.
Der letzte Tag der Jubiläumskonferenz im April 1880 war sehr bewegend. Elf der zwölf Apostel gaben in der Schlußversammlung Zeugnis. Orson Pratt, der schon dem ersten Kollegium der zwölf Apostel angehört hatte, sprach über die Zeit, als sich die gesamte Kirche im Haus von Peter Whitmer sen. in Fayette, New York, versammelt hatte. Er erinnerte an die Prüfungen, die Sammlung, die Verfolgung und das Leid der Mormonen, und bekundete seine Dankbarkeit dafür, daß er sich noch immer dazu zählen durfte. Dann gab er Zeugnis „von dem großen Werk, daß der Herr Gott in den vergangenen fünfzig Jahren vollbracht“ hatte.( B. H. Roberts, A Comprehensive History of the Church, 5:590f). Elder Pratt hatte nach der Konferenz nur noch wenige Monate zu leben. Er war glücklich, daß er als Heiliger der Letzten Tage bis ans Ende ausgeharrt hatte.
Zwei Jahre vor der Jubiläumskonferenz hatte Präsident John Taylor die Gründung einer Organisation für die religiöse Unterweisung der Kinder genehmigt. Die erste Primarvereinigung (PV) fand in Farmington statt, das gut 20 Kilometer nördlich von Salt Lake City liegt. Bis 1885 war die PV in fast allen Siedlungen der Heiligen der Letzten Tage rganisiert. Der PV gehören heute Millionen Kinder an, die im Evangelium unterwiesen werden und miteinander singen und Gemeinschaft pflegen.
