Das Mormonenbattailion
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Während sich die Mormonen in Iowa aufhielten, wurden die Kirchenführer von Anwerbern der US-Armee aufgefordert, ein Kontingent Männer für den Einsatz im Krieg gegen Mexiko abzustellen, der im Mai 1846 begonnen hatte. Diese Männer, die als das Mormonenbataillon bekannt wurden, sollten durch den südlichen Teil des Landes nach Kalifornien marschieren. Ihnen wurden Sold, Kleidung und Verpflegung zugesagt. Brigham Young ermunterte die Männer, sich einschreiben zu lassen, damit auf diese Weise Geld beschafft werden konnte, das man für die Sammlung der Armen aus Nauvoo und für die Unterstützung der Soldatenfamilien verwenden konnte. Diese Zusammenarbeit mit dem Staat war außerdem ein Beweis dafür, daß die Mitglieder der Mormonenkirche ihrem Land treu waren. Außerdem waren die Mormonen dann darin gerechtfertigt, daß sie ihr Lager vorübergehend auf öffentlichem Land und auf Indianerland aufschlugen. 541 Männer folgen der Aufforderung der Kirchenführer und schlossen sich dem Bataillon an. Sie wurden von 33 Frauen und 42 Kindern begleitet.
Den Männern wurde das Los, in den Krieg zu ziehen, durch die Sorge um ihre Frauen und Kinder, die sie in schweren Zeiten zurücklassen mußten, zusätzlich erschwert. William Hyde berichtet:
- „Ich kann nicht sagen, wie mir zumute war, als ich meine Familie in dieser schweren Zeit verlassen sollte. Sie waren weit von ihrer Heimat entfernt und befanden sich nun auf einer einsamen Prärie. Es gab keine andere Unterkunft als nur den Wagen, und die sengende Sonne brannte auf sie herab. Es war zu erwarten, daß die kalten Winterwinde des Dezembers sie noch immer an diesem öden und verlassenen Ort vorfanden.
- Meine Familie bestand aus meiner Frau und zwei kleinen Kindern, die ich zusammen mit einem alten Vater und einer alten Mutter sowie einem Bruder zurückließ. Die meisten Männer im Bataillon mußten ihre Familie zurücklassen. . . . Nur Gott wußte, wann wir sie wiedersehen würden. Dennoch wollten wir nicht murren” (Readings in LDS History: from Original Manuscripts, Hg. William E. Berrett und Alma P. Burton, 3 Bände (1965), 2:221)
Das Bataillon marschierte über 3000 Kilometer in südwestliche Richtung nach Kalifornien. Die Männer litten unter Wasser- und Nahrungsmangel und unter dem schnellen Marschtempo. Ihnen fehlten Ruhe und medizinische Betreuung. Die Männer des Bataillons dienten in San Diego, San Luis Rey und in Los Angeles als Besatzungstruppen. Nach Ablauf des Pflichtjahres wurden sie aus dem Dienst entlassen und konnten zu ihrer Familie zurückkehren. Durch ihren Einsatz und ihre Loyalität gegenüber dem Staat verdienten sich diese Männer den Respekt ihrer Führer.
Nach ihrer Entlassung blieben viele Soldaten des Bataillons in Kalifornien, um ein Jahr dort zu arbeiten. Einige von ihnen gingen nach Norden an den American River und fanden bei John Sutters Sägemühle Arbeit, als dort 1848 Gold gefunden wurde. Diese Entdeckung leitete den berühmten kalifornischen Goldrausch ein. Die Mormonen blieben aber nicht in Kalifornien, um auf diese Weise ihr Glück zu suchen. Mit dem Herzen waren sie bei ihren Brüdern und Schwestern, die sich auf den mühevollen Weg über die amerikanischen Ebenen westwärts zu den Rocky Mountains begeben hatten. Einer dieser Brüder, James S. Brown, berichtet:
- „Ich habe seitdem diesen an Bodenschätzen reichen Ort nicht mehr besucht; und es tut mir auch nicht leid, denn ich hatte immer ein Ziel, das höher war als Gold. . . . Manch einer mag denken, wir hätten uns selbst geschadet; nun aber, vierzig Jahre später, schauen wir ohne Bedauern zurück. Zwar haben wir die Schätze des Landes gesehen und waren sehr versucht zu bleiben. Die Leute sagten: ‚Hier gibt es Gold im Felsen, Gold in den Hügeln, Gold in den Furchen, Gold überall, . . . und bald könnt ihr selbst euer Glück machen.‘ Uns war das alles auch bewußt. Aber die Pflicht rief, und unsere Ehre stand auf dem Spiel, wir hatten einen Bund geschlossen, es ging um unsere Grundsätze, denn uns ging es zuerst um Gott und um sein Reich. Unsere Freunde und Verwandten waren in der Wildnis, ja, in einem unbekannten trockenem Land, und niemand wußte, wie es ihnen ging. Wir wußten es nicht. Also kam die Pflicht vor der Annehmlichkeit, vor dem Reichtum, und in diesem Bewußtsein gingen wir davon.“ (James S. Brown, Giant of the Lord: Life of a Pioneer (1960), 120)
Diese Brüder hatten erkannt, daß das Gottesreich von größerem Wert ist als die materiellen Dinge dieser Welt, und sie wählten ihren Weg dementsprechend. Die Heiligen, die mit der Brooklyn reisten Die meisten Heiligen reisten auf dem Landweg von Nauvoo in die Rocky Mountains. Eine Gruppe aus dem Osten der Vereinigten Staaten wählte den Seeweg. Am 4. Februar 1846 begaben sich im Hafen von New York 70 Männer, 68 Frauen und 100 Kinder an Bord der Brooklyn und begannen die über 25 000 Kilometer lange Seereise von New York nach Kalifornien. Im Lauf der Reise wurden zwei Kinder geboren, die Atlantic und Pacific genannt wurden, und 12 Menschen starben. Die Reise, die sechs Monate dauerte, war sehr beschwerlich. In der tropischen Hitze lebten die Passagiere in großer Enge; sie hatten nur schlechte Nahrungsmittel und schlechtes Wasser. Nachdem Kap Horn umrundet war, legte das Schiff auf der Insel Juan Fernandez einen fünftägigen Aufenthalt ein. Caroline Augusta Perkins berichtet, daß „der Anblick und der erste Schritt auf festem Boden wie eine Erlösung von dem Leben an Bord war, so daß wir sehr dankbar und froh waren“. Die Reisenden badeten und wuschen ihre Kleidung in dem Süßwasser, sie sammelten Früchte und Kartoffeln, fingen Fische, erkundeten die Insel und erforschten eine „Robinson-Crusoe-Höhle“ (Caroline Augusta Perkins, zitiert in „The Ship Brooklyn Saints“, Our Pioneer Heritage (1960), 506).
Am 31. Juli 1846, nach einer Reise mit schweren Stürmen, abnehmenden Lebensmittelvorräten und langen Tagen auf See kamen die Heiligen in San Francisko an. Einige blieben und gründeten die Kolonie New Hope, andere zogen über die Berge nach Osten, um bei den Heiligen im Salzseetal zu sein.